KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 2 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 36 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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86 K. C.-Blätter Nachr.-Hest und Irrationalen, sie haben in diesem Rationalismus Idee und Gestalt des Judentums getrennt. Von Herder aus, der Verständnis für Idee und Gestalt des Judentums zeigt, geht dann die Linie der Romantik, die in der biblischen Poesie eine echte nationale Literatur von religiöser Urkraft und universaler Bedeutung kennt. Von Herder geht die Wiederbelebung des Verständnisses für die Geschichte und universale Bedeutung des Judentums aus, die später von den Begründern der Wissenschaft des Judentums erfaßt und auch auf das nachbiblische Judentum übertragen worden ist. Für Frankel, Geiger, Graetz sind Idee und Gestalt im Judentum wieder unlösliche Einheit, das Judentum eine geschichtliche Individualität von gesetzlicher Bedeutung. Nebenher erwähnt der Redner, daß auch Herder die Frage stellt: „Warum wollen die Juden keine Heimat?" und daß in demselben Jahre 1783 ein unbekannter Jude im Deutschen Museum an den Präsidenten der Vereinigten Staaten schrieb und ihn bat, in dem damals noch menschenleeren Lande den Juden ein Territorium zu überlassen. Der Redner geht rasch zur Gegenwart über und zeigt, daß heute im Wesentlichen drei Mächte des Naturalismus eine tragische Krise des Judentums bilden: Der Marxismus, der Darwinismus und die Lehre Nietzsches. Er sieht durch diese Kräfte den festen Glauben an den absolut religionssittlichen Sinn der Welt erschüttert und die Möglichkeit zu einer Rettung nicht in einer plötzlichen Erleuchtung, sondern nur in dem Ernst und der Tiefe der persönlichen Entscheidung und direkten Auseinandersetzung mit den Problemen der Zeit und den Fragen der Geschichte. Vom Boden der Geschichte her muß der Mensch hineinschreiten in Gegenwart und Zukunft. 3m Jüdischen das Menschheitliche, im Menschheitlichen das Jüdische zu erstreben, das ist seine letzte Aufgabe. Zeder Student einmal im deutschen Osten! Von cand. oec. Otto Rohde. Die allgemeine Wirtschaftskrise unseres deutschen Vaterlandes wirkt sich in dem durch das Versailler Diktat vom Mutterlande abgetrennten Ostpreußen besonders schwer aus. Alte Güter und Geschäfte, die jahrhundertelang im Besitz einer Familie waren, kommen unter den Hammer. Aber neben all diesen schweren wirtschaftlichen Sorgen, hat der Ostpreuße hart um sein Deutschtum zu kämpfen. Ueberall versucht unser polnischer Nachbar sich einzunisten. Doch zäh hält der Ostpreuße an seinem Deutschtum fest und verteidigt dieses kerndeutsche Land, von dem schon einmal die Befreiung Deutschlands ausging, gegen die Verslawung. Wenn er den Blick zu seinen Brüdern im Reich wendet und Umschau hält, ob seinem Kampf auch Verständnis und Würdigung entgegengebracht wird, so muß er leider allzu häufig bemerken, daß ein recht großer Teil des deutschen Volkes nur geringe Kenntnis von der brennenden Ostfrage besitzt. Und gerade dem Studenten bietet sich die Möglichkeit, sich in dieser Frage persönlich zu unterrichten. In der akademischen Jugend wird der nationale Wille so oft bekundet. Kommilitonen, setzt ihn in die Tat um und kommt her zu uns! Lernt unseren Kampf und unsere Not kennen! Schon lange ist es Sitte, daß der Student im Reich ein oder mehrere Semester an einer süddeutschen oder westdeutschen Hochschule, oder wenn es die Mittel erlauben, sogar an einer ausländischen Hochschule studiert. Neben den besonderen Studienmöglichkeiten spielen ja wohl auch die landschaftlichen Schönheiten und die anderere zu erwartenden Freuden des studentischen Lebens eine große Rolle. All dieses kann man in reichem Maße hier in Ostpreußen finden. Denn die hiesigen Studien- und Lebensverhältnisse sind zumindest denen der reichsdeutschen Hochschulen gleichwertig. Die Universität und die Handelshochschule zu Königsberg 7- und auch die Technische Hochschule in Danzig — bietet wissenschaftlich allen ein reiches Betätigungsfeld. Um möglichst vielen Reichsdeutschen den Zuzug nach Ostpreußen zu ermöglichen, genießen sie zahlreiche Vergünstigungen seitens der Hochschulen. So sind an der Handelshochschule zu Königsberg die Studiengebühren für Reichsdeutsche ermäßigt. Wenn man in Betracht zieht, daß die Reichsbahn die Hälfte der Fahrtkosten erstattet und man die Ermäßigung der Studien-