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KC-Blätter · 1932-04-01 · Heft 2 (April 1932) · p. Seite 35

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Journal
KC-Blätter
Volume
1932
Issue
Heft 2 (April 1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 35 (sequence 11)
Language
German
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Nachr.-Heft K. C.-BLätter 35 Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, über die behandelten Fragen erschöpfend zu berichten. Nur das Wichtigste sei kurz gekennzeichnet. So standen denn zur Debatte: Vor allem die Konsequenzen aus den Aenderungen von Anschauungen und Denkweise einerseits und vom soziologischen Gefüge andererseits. Die Gefahr der geistigen Heimatlosigkeit der jüdischen Jugend, die trotz stärkster Proletarisierung die bürgerliche Gebundenheit und Lebensweise nicht aufgeben will, und weiter die Gefahr der sogenannten „Roten Assimilation", die besonders in den Großstädten die jüdische Jugend bedroht. Weil eben diese Jugend in ihrer Begeisterung für Kommunismus und Kollektivismus glaubt, die Iudenfrage durch die Lösung der sozialen Frage aus der Welt schaffen zu können, weil sie ihr Judentum vergißt, vergessen will und es vergessen hzu^können glaubt. Hier hat die Arbeit der C. V.-Jugendführer einzusetzen, die bürgerliche und proletarische Jugend auf einer gemeinsamen Basis unter Wahrung der ideologischen Bewegungsfreiheit einigen und für die Aelteren Nachwuchs schaffen soll. Walter Loeb (Lie.) Hauptversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums E. V. Am 9. März 1932 hielt die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums E. V. ihre Hauptversammlung ab, die sich eines sehr zahlreichen Besuches von hiesigen und auswärtigere Mitgliedern, sowie von Vertretern der angesehensten Organisationen zu erfreuen hatte. — Der stellv. Vorsitzende, Rabbiner Dr. Leo Baeck, begrüßte die Erschienenen. Der Schriftführer, Professor Dr. 2. E l b o g e n, erstattete den Geschäftsbericht, indem er it. a. auch darauf hinwies, daß die Gesellschaft in ihr 30. Geschäftsjahr eingetreten ist. Die von der Gesellschaft herausgegebene „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" hat jetzt ihren 75. Jahrgang abgeschlossen. Sie hat ein Alter erreicht, das bisher nur ganz wenigen jüdischen Zeitschriften und auch höchst selten allgemeinwissenschaftlichen Zeitschriften beschieden ist. Der neue Jahrgang zeigt sie in veränderter Gestalt. Der kom» presse Druck, der während der Papiernot der Inflation gewählt worden war, wurde wieder aufgegeben und ein für das Auge angenehmerer und gefälligerer Satzspiegel gewählt. — Der Ausschuß wurde wiedergewählt, anstelle des verstorbenen Ausschußmitgliedes, Herrn Geh. Oberregierungsrat Dr. David Hugo Mayer, Karlsruhe i. B., wurde Herr Professor C a s s u t o, Florenz, zugewählt. Im Anschluß an die Hauptversammlung hielt Herr Dozent Dr. Albert Lewkowitz, Breslau, einen Vortrag: „Die Stellungnahme zum Judentum in der Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts". Ausgehend von dem Gedanken, daß die neue Zeit mit dem Grundsatz der Autonomie des staatlichen, wirtschaftlichen und geistigen Lebens sowie der Trennung von Staat und Kirche beginne, zeigte der Redner als grundlegendes Problem die Frage, was nun unter den neuen Verhältnissen aus dem Judesein des jüdischen Staatsbürgers und der Organisation des Judentums werden sollte. Während Mendelssohns Jerusalem das Judentum ausschließlich als einen religiösen Organismus erklärte, und die Anerkennung des jüdischen Gesetzes auch ohne staatliche Organisation forderte, widersprach Kant dieser Auffassung und erklärte, daß das Judentum keine Religion, keine Kirche, sondern nur ein Staat und politisches Gesetz sei. Man hat bisher meist versucht, diese Stellungnahme des Königsberger Philosophen auf den Einfluß Spinozas zurückzuführen, der Redner aber sieht darin eine bewußte religionspolitische Interpretation des Judentums, die den aufgeklärten Juden das Schreckbild eines nur gesetzlichen Organismus malen wollte, um sie dadurch für das mit der Vernunftsreligion gleichgesetzte Christentum zu gewinnen. So haben auch Kants Jünger Ben David und Maimon chren Meister verstanden. Am die Jahrhundertwende haben dann Moritz Lazarus und Hermann Cohen den Nachweis geführt, daß das Judentum in seinem religionssittlichen Gehalt wesentlich mit der Kantischen Philosophie übereinstimmt, ja sogar auf denselben Grundsätzen wie diese basiere. Sie haben dadurch das Judentum rationalisiert und ethisiert^ — fast bis zur Aufgabe alles Religiösen

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