KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 2 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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30 K. C.-Blätter Nachr.-Hest so größer ist, je lauter die prophetischen Siegesfanfaren geschmettert hatten. Das gilt für beide Lager des politischen Krieges. Weil Prophezeien immer eine undankbare Sache ist, so soll es auch hier unterbleibein. Ob sich in einem Lande eine nationalsozialistische Negierungsbeteiligung ergeben wird, kann man nicht vorhersehen. Ein Wort mag gestattet sein, wie eigentlich — im Falle einer solchen Negierungsbeteiligung —^ die Judenfrage behandelt werden würde. Daß von Staats wegen keine offizielle Sonderbehandlung eintreten wird, wissen wir. Es fragt sich aber, ob überhaupt die antisemitische Note eine bestimmte Nolle in der nationalsozialistischen Regierungstechnik spielen wird. t Es wäre sicherlich verfehlt, aus gewissen Anzeichen schließen zu wollen, daß man im Braunen Hause das Judenproblem nicht mehr sehr wichtig nehme. In den Großstädten haben die Hakenkreuzler freilich den Wahlkampf kaum mit Iudenhetze bestritten, im „Angriff" hieß es sogar, Hitler sei kein „geistloser Antisemit". Aber diese augenblickliche Unaktualität der Judenfrage darf nicht zu der Meinung verleiten, sie sei überhaupt aus Programm und Propaganda gestrichen. Keineswegs; wer Gelegenheit hatte, ihre Demonstrationslieder zu hören, vernahm genug blutrünstige antisemitische Haßqesänqe, und Hitlers angebliche Abwehr des „geistlosen" Antisemitismus besagt doch nur, daß er sich eben für einen als „geistvoll" empfundenen Judenhaß entscheidet. Frei sein von Illusionen und frei sein von Zerknirschung — das ist die Lehre, die wir aus den bisherigen Ergebnissen des Entscheidungsjahres 1932 ziehen müssen. Nicht nur die politischen Entscheidungen haben diesem Jahr den Stempel aufgedrückt, auch das Gedenken an den genialen Dichter und Wettweisen beherrscht uns. Die Kulturvölker der Erde neigen sich vor dem einzigartigen Genius, der von Weimar aus über Deutschland und der Welt geleuchtet hat. Die Goethestadt Weimar hat im Lause der Geschichte noch manches bedeutsame Ereignis in ihren Mauern gesehen. Die Nationalversammlung schuf am 11. August 1919 hier die Magna Charta der deutschen Republik. Weimar aber war auch die erste Stadt, in der ein nationalsozialistischer Minister seine Volksbeglückung entfalten durfte. Dieser Spuk ist aus Weimar wieder geschwunden. Seine Anbeter freilich haben sich anheischig gemacht, die Feier zu stören, die das Reich seinem Geistesfürsten gerichtet hat. Wenn sie es unterließen, so war es nicht ihr Verdienst. Ihr Amgeist lebt, und ist auf dem Kriegspfad gegen den Geist Goethes. Der echte Weimarer Geist, der Geist der Musen und der deutschen Einigung möge wieder erstehen, damit es mit Recht wieder heißen kann: „O Weimar, dir fiel ein besonder Los; wie Bethlehem in Juda, klein und groß." * Die Deutsche Studentenschaft am Ende? Am 20. März 1932 haben diejenigen Amtsträger der DSt., die den Korporationsverbänden angehören, geschlossen ihre Aemter unter Protest niedergelegt. Sie haben gleichzeitig erklärt, ihre Verbände zum Austritt aus der DSt. veranlassen zu wollen. Durch diesen Schritt sind sämtliche Aemter der DSt. den Nationalsozialisten in die Hand gegeben worden. Man muß sich vergegenwärtigen, daß die ausgeschiedenen Amtsträger sämtlich seit vielen Jahren führend in der DSt. gewirkt, ihren Kurs maßgebend bestimmt, und ihr zweifellos ihr Bestes gegeben haben. Ämter den Ausscheidenden sind Männer wie Hilgenstock und Schulz; gerade dieser hat schon einmal die Veranlassung zu einem schweren Konflikt zwischen Korporationen und dem NSDStB. innerhalb der DSt. gegeben. Dieser Protestschritt ist denen, die ihn getan haben, zweifellos nicht leicht gefallen. Herr Schulz war bis Oktober 1931 Vorsitzer der DSt. Bevor auf dem Grazer Studententag im Juli 1931 der neue, im Wesentlichen aus Nationalsozialisten bestehende. Vorstand gewählt wurde, hielt Schulz ein grundlegendes Referat über Aufgabe und Stellung der DSt. Dabei sagte er etwa, daß die DSt. sinnlos werde, wenn sie ihre überparteiliche Stellung verliere und zum Instrument einer einzelnen Partei werde. Die Ziffern der studentischen Wahlen aus dem Wintersemester 1931/32 zeigen,