KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 2 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-Heft K. C.-Blätter 29 samen Rückbildung. Die Landtags- Wahlendie uns nur unter diesem Gesichtspunkt hier interessieren, erweisen deutlich, daß — unbeschadet einzelner örtlicher Rückschläge — der Nationalsozialismus überall noch Kraftquellen hat, daß zum ersten Male sogar die Arbeiterfront zu wanken scheint. Gewiß brinLen auch die Länderwahlen den Hakenkreuzlern nicht die Möglichkeit einer alleinigen Parteidiktatur. Die absolute Mehrheit ist nirgends erreicht, selbst unter Hinzuzählung der getreuen Hugenbergianer. Zu denken gibt aber, daß aus einem zweiten deutschen Lande leider ein „Braunschweig" werden wird — aus Anhalt. würde, wenn er nachts auf einsamer Straße einem Soldaten seiner neuen Heilsarmee begegnete. Mit dieser betrüblichen Geistessituation werden wir unbedingt zu rechnen haben. Wir brauchen nicht zu verzweifeln, aber wir müssen uns klar sein, daß die unerhörte Not der Zeit auch im geistigen Dasein des Volkes Aufwühlung und Zersetzung hervorgebracht hat. So wichtig und unerläßlich die Aufklärungsarbeit ist, eine alleinige Waffe kann sie kaum noch sein, weil viele verwirrte Gehirne kaum noch aufnahmefähig sind, weil vernünftige Aeberlegung kaum noch gedeihen kann, wo wilde Verzweiflung ihre Furchen Neuauflage des K. C.-Adressbuches. Sämtliche Kartellbrüder werden hiermit aufgefordert, die den vorigen K. C.-Blättern beigefügte Postkarte ausgefüllt unverzüglich einzusenden. Jede Verzögerung verursacht unnütze Mehrarbeit u. Kosten. Der Geschäftsführende Ausschuß des K. C. Ein Zeichen, daß der Himmel sich eher verfinstert als aufgehellt hat. Das ist das bemerkenswerteste Symptom der bisher erkennbaren Abstimmungsergebnisse, vielleicht bemerkenswerter, als die Tatsache, daß auch im größten Lande, Preußen, die angekündigte „Eroberung" ausgeblieben ist. Ein weiteres Erkenntnisshmptom ist die Tatsache, daß mit Vernunfts- und Humanitätserwägungen der radikalisierten Wählerschaft heute kaum noch beizukommen ist. Die Doppelzüngigkeit einer Partei, die den Verarmten helfen will, sich aber von Industriegewaltigen aushalten läßt, Feudalherren und kaiserliche Prinzen auf ihre Liste setzt, ihren Führern Luxushotels und Lurusautomobile zur Verfügung stellt — diese handgreifliche Anwahrhaftigkeit hat niemanden scheu gemacht. Die Roheit der Parteigarde, die auch nach ihrer Auflösung ihr Radauhandwerk fortsetzt, hat niemanden gestört, wiewohl manch braver Naziwähler einen Bogen machen gezogen hat. Erst wenn die Krankheit weicht, werden die Fieberanfälle aufhören; die wirtschaftliche Besserung dürfte die zuverlässigste Bürgin der politischen Gesundung sein. Wir wollen, so wenig es auch sein kann, das Ansere tun, um die Aussichten auf den Erfolg der wirtschaftlichen Heilungskur zu stärken. Es muß jeder von seinem Platze aus dazu beitragen und dafür werben, daß die Geschlossenheit der Nation gewahrt bleibt, damit wenigstens die außenpolitische Schlüsselstellung der Krisenbekämpfung nicht gefährdet ist. Wir deutschen Juden, deren Stellung in diesen Zeitläuften gewiß nicht beneidenswert ist, wollen mit gutem Beispiele vorangehen, und vor allem Disziplin bewahren, die uns und dem deutschen Volke so besonders not ist. Vor allem heißt es — und das ist für die psychische Situation wichtig — nicht den kritischen Blick verlieren. Der Verlauf der drei Abstimmungskämpfe hat gezeigt, daß die Enttäuschung um