Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 24 (1938)
- Issue
- 10 (11.3.1938)
- Date
- 1938-03-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 10 lieh erschwert. So aber steht uns die ganze Welt offen und noch dazu kommt uns dies ziemlieh billig. Jede unserer Reden und Kundgebungen wird von Millionen gehört und wir können die kostspielige Druckschriftenpropaganda teilweise ersparen.“ ״Herrlich! Aber ist nicht irgendein Jude Urheber dieser Erfindung?“ ״Allerdings! Ein gewisser Hertz soll es sein. Aber davon weiß nur die Fachschaft. Die breiten Massen kennen nur den reinen Arier Marconi als Erfinder des Radios und können dieses ohne jede Gewissensbisse benützen.“ ״Marconi! Das klingt ja italienisch... Die Italiener aber wollen doch vom Judenhaß wenig wissen. Selbst der Faschismus zeigt für unsere Lehre wenig Sympathie ...“ ״Das war einmal, großer Meister! Seitdem wir die Achse Rom—Berlin geschmiedet haben, ist es anders ... Da gibt es auch unter dem blauen Himmel Italiens Verkünder unserer braunen Heilslehre. Der Gegensatz zwischen Rom und London wegen Abessinien löste eine Opposition des Faschismus gegen den Judenstaatsplan in Palästina aus. Es geht auch da vorwärts!“ ״Das ist begrüßenswert — aber, wie der ,Höllenbeobachter‘ jüngst zu melden wußte, sollen jetzt Verhandlungen zwischen London und Rom in die Wege geleitet werden. Kommt es zu einem Einvernehmen, dann verliert die Achse ihre eigentliche Unterlage.“ ״Allerdings, diese Gefahr ist nicht leicht zu nehmen. Aber unsere Diplomatie weiß Rat: wir schallen uns ganz einfach in die Verhandlungen ein, stellen weitgehende Forderungen nicht nur hinsichtlich der Rückgabe unserer Kolonien, sondern fordern auch freie Hand in Mitteleuropa, die Kündigung des f ranzösisch-russischen Paktes, Vier-, bzw. Fünf-Mächte-Pakt usw. Wir komplizieren also die Sache derart, daß kaum etwas Brauchbares resultieren und alles beim alten bleiben wird.“ ״Beim Marduk! Ihr habt es weit gebracht! Eure Weisheit imponiert mir immer mehr! Hätte ich solche Berater und Mitarbeiter gehabt, mein• Schicksal wäre sicherlich weniger tragisch geworden! —■ Nun aber wollen wir die große Politik beiseite lassen und von unserer Lehre sprechen. Ihr habt euch doch meine Erfahrungen und diejenigen meiner Nachfolger zunutze gemacht, um nicht gleichfalls Uber die Hindernisse zu straucheln!“ ״Zweifellos, großer Meister! Wir haben die Lehren der Geschichte beherzigt! Vor allem ist es ausgeschlossen, daß bei uns eine Jüdin Einfluß auf die Gestaltung der Dinge gewinnt... Schon der gesellschaftliche Verkehr mit einer solchen gilt als Rassenschande und Rassenverrat — da kommt auch das schlaueste Judenweib nicht durch!“ ״Herrlich! Allerdings soll Rohm etwas davon geflüstert haben, daß die Sache noch immer nicht ganz klappt . . .“ ״Ah, der Rohm! Was versteht der von diesen Dingen! Er denkt doch immer an etwas .anderes‘... Immerhin bin ich bemüht, jeder Eventualität vorzubeugen, und so fordere ich die Einführung der Todesstrafe für jede Rassen- Schande . . .?Jan versuchte, allerdings, mir in die Arme zu fallen, und mein ,Stürmer' wurde sogar vorübergehend verboten. Aber es gelang mir doch, wieder Oberhand zu gewinnen. Ja, bei uns kann es keine Esther geben und somit auch keinen Mordechai!“ ״Und wie gelang es euch, die anderen Mittel und Wege der Juden unschädlich zu machen? Das ist das Kapitel, das mich am meisten interessiert. Ich hatte ja meine Pläne sehr fein ausgeklügelt und mußte dennoch den kürzeren ziehen. Meine Vorgänger mußten daran scheitern, daß sie nur einen Teil des Judenvolkes verfolgen konnten. Dieses fand immer in anderen Ländern Schutz und Bundesgenossen. Mein König aber herrschte über 127 Länder; da hatten wir die Juden alle beisammen und konnten sie mit einem Schlage vertilgen. Ich stellte auch dem König mein ganzes Vermögen zur Verfügung, um die finanziellen Rückwirkungen, die ein solcher Vertilgungsfeldzug nach sich ziehen mußte, wettmachen zu können... Alles war so fein gesponnen — und dennoch.. ״Ja, Meister — wir suchten andere Wege!... Das-Vertreiben der Juden hatte sich seit jeher als unpraktisch erwiesen. Kommen sie in ein anderes Land, dann nützen sie diesem mit ihrer Tüchtigkeit und Tatkraft und schaffen um gefährliche Konkurrenz . . . Dazu darf es nicht kommen... Sie müssen hier bleiben. Da sie aber trotz aller Verdrängung aus ihren Positionen irgendwie leben wollen, so müssen sie sich neue Existenzmöglichkeiten schaffen und das kommt wieder unserer Wirtschaft zugute. Da sie im Lande bleiben müssen, bleiben sie als Geiseln in unserer Hand und ihre Brüder im Auslande können ihren Boykott gegen uns nicht durchführen... Wir wissen es nur zu gut, daß die sogenannte Kulturwelt für unsere Lehre nicht viel übrig hat. Deswegen unser Bestreben, überall Werber und Künder derselben zu schaffen. Da scheuen wir keine Kosten und stellen die letzte Goldmark zur Verfügung. Die Erfolge sind auch der Auslagen wert. Unser eigenes Volk haben wir derart für unsere Lehre empfänglich gemacht, daß es alles ruhig hinnimmt. Wir wollen vom Auslande unabhängig bleiben und stellen uns auf die Autarkie um. Das Schlagwort ״Lieber Kanonen als Butter“ ist nicht wirkungslos gehlieben. Mit einem so disziplinierten und gehorsamen Volk kann man alles wagen ... Allerdings, wir wissen, daß der Judeng-tt unser ,Tun und Lassen nicht gerne sieht. Deswegen wollen wir auch ihn entthronen und entmachten. Sind wir einmal so weit, dann werten wir keine Wunder mehr zu fürchten haben... Dann mögen die Juden ihre Synagogen aufsuchen, Fasttage anordnen und Gebete verrichten; dann mögen die sogenannten Christen ihre Kirchen füllen — wenn einmal G-tt entthront ist, dann blüht unser Weizen und dam! können wir das tausendjährige nationalsozialistische Reich aufrichten ... Wotan wird wieder ungestört das Zepter führen und wir, seine Verkünder, werden die Herren der Welt sem! Am deutschen Wesen wird dann die Welt genesen!“ ״Wunderbar! Ausgezeichnet!... Aber, wie stellen sich die anderen Völker zu euren Plänen? Lassen sie sich das alles gefallen?“ ״Wir zwingen sie ganz einfach dazu. Wer gegen uns ist, der wird als Kommunist, als Bolschewik, als Umstürzler gebrandmarkt... Den Kampf gegen diese Seuche kann uns niemand verbieten und diese Parole findet immer Resonanz... Und wenn wir ■ die Juden als Bolschewiken kennzeichnen, dann treffen wir zwei Fliegen mit einem Schlage. Wir predigen auch das Uebermenschentum der Nordischen und schalten alle anderen als minderwertig aus. Wir nehmen uns das Recht, als Führer der nordischen Kultur überall dort einzugreifen, wo wir es für geboten erachten. Wir verkünden immer und immer Friedensparolen und schlagen unseren Gegnern jede Waffe aus der Hand. Wir schließen Pressefriedensabkommen und zwingen so die Presse der anderen. Länder, jede Kritik unserer Politik zu unterlassen. Daß unsere Presse sich gleichfalls gewisse Reserven auferlegen muß, tangiert uns wenig, denn unsere Blätter werden ohnehin im Auslande wenig gelesen ... So können wir unsere Herrschaft befestigen, lachen die ganze sogenannte Kulturwelt aus und können den Kampf gegen die Juden ungestört und ungehindert zu Ende führen!“ ״Herrlich, wundervoll, sehr gut habt ihr es gebracht! Meine Lehre ist somit nicht ganz verlorengegangen. Das ist mir ein Trost!... Wenn es euch einmal gelingen wird, G-tt tatsächlich zu entthronen und zu entmachten, dann werten sich die Pforten der Hölle öffnen und wir alle, die wir hier schmachten, werden auf dem Plan erscheinen und euch mithelfen, euer Werk zu vollenden...“ ״Halt, großer Meister! So weit möchten wir gar nicht gehen! Wenn unsere Vorgänger, die seit unzähligen Generationen unsere Lehre verkündeten, plötzlich auf dem Plan erscheinen und ihren Anteil an unseren Errungenschaften fordern würden, dann wird es um jeden Posten, um jede Position ein Ge riß geben — nein, das kann uns nicht passen! Was hinter uns liegt, mag weiterhin in der Hölle bleiben! Wir brauchen keine Konkurrenten!“ ״Lieber Jünger, du verkennst doch den Stand der Dinge. Vielleicht wird es glücken, eure Herrschaft auf Erden auszubreiten. Das kann ich von hier aus nicht beurteilen. Aber G-tt von seinem Throne stürzen und ihn völlig entmachten, das könnte nur mit unserer Hilfe gelingen. Dazu benötigt ihr die Mächte der• Hölle. Unsere Mitarbeit ist somit die Voraussetzung eures Endsieges und des geforderten Preises wert!“ ״Du magst recht haben, großer Meister! Also, auf in den Kampf! Und wenn ihr einmal G-tt vom Thron gestürzt habt, dann wollen wir das übrige im Wege eines Gentlemen Agreement zwischen uns erledigen!“ ״Ja, einverstanden! Aber uns fehlen hier der richtige Propaganda-Apparat und die geeigneten Agitatoren. Diejenigen, die ihr uns am 30. Juni 1934 geschickt, die Rohm und Genossen, eignen sich nicht ganz hiefür. Wir brauchen einen Ähtigen ״Stürmer“ ... Möchtest du nicht herkommen, um uns im Kampf zu führen?“ ״Ich? Nein, bei Wotan, bin hier unabkömmlieh ... Das geht beim besten Willen nicht... Kommen werde ich ja einmal, aber drängen lasse ich mich nicht!“ ״Also, dann muß die Sache auf anderem Wege gemacht werden. Auf Grund meiner Erfahrungen werde ich euch mit meinem Rat dienen...“ ״Ich bin ganz Ohr, großer Meister und Wegweiser!“ ״Also, höre mein Sohn ...“ ״Hallo, hallo!... Keine Antwort... Was soll das heißen? Wer wagte es, mich zu unterbrechen? ... Nein, keine Unterbrechung — eine atmosphärische Störung... Da hat wieder einmal der Judeng-tt die Hand im Spiele ...“ LACHEM! FROHSINN! DIE SORGEN VERGESSEN! PURIM-AKADEMIE der Agudas-Jisroel-Mädchengruppe im Hotel Post, I, Drachengasse 3, qm 21. März 1938, um halb 8 Uhr abends Das schönste Geschenk für Ihre Frau Karlen ab $1.50 allabendlich in unserem Lokal II, SchiHamtsgasse 10, erhältlich fffPfPftfrf/ Die Arbeit für das Jeschiwah-Internat in Bratislava in vollem Gange Um die Mittel zum Baue des Internats für die Hörer der Bratislavaer öffentlichen Rabbinatsschule aufzubringen, ist seit drei Monaten eine Werbeaktion im Gange. Das Ergebnis dieser Aktion und der daran schließenden Sajnmlung ist befriedigend und beweist, daß die jüdisehe Oeffentlichkeit die weittragende kulturelle, religiöse und soziale Bedeutung der zu schaffenden Institution richtig würdigt. In den einzelnen Gemeinden sind Vertrauensleute aus den Reihen der ehemaligen Talmidim tätig und werten in der Werbung von den Ortsrabbinem erfolgreich unterstützt. Die ehrwürdigen Herren Oberrabbiner Breznitz aus Senec, Eckstein aus Sered, Fürst aus Öuz, Unsdorfer aus Lucenec und Weiß aus Senica haben in ihrer Funktion als ehrenamtliche Delegierte mit Propagandareisen begonnen und sehr schöne finanzielle Erfolge erzielt. Der Mitarbeitet- und Delegiertenkreis wird durch Rabbiner und Baale-Batim erweitert, so daß die Werbung in den nächsten Wochen in allen Orten der Slowakei einsetzen wird. Bei diesem Stande der Aktion ist damit zu rechnen, daß noch in diesem Frühjahr mit dem Bau begonnen werden wird. Aguda-Abend der Frauengnippe in Nitra Ueber Einladung der ■hiesigen Frauen- und Mädchengruppe der Agudas Jisroel hielt Mer Frau Hanna Liebermann, Bratislava, vor einem vornehmen, auserlesenen Publikum einen Vor- Kinder mit eigenen Händen spielen lassen? Falls es sich um ein bis zwei Monate alte Wickelkinder handelt, geht es an. Da sind die eigenen Hände sogar ein sehr beliebtes Spielzeug. Wenn aber die Kinder schon 80 groß sind, daß sie in der Früh- UngSBonne am Spielplatz herumtummeln, ist ein Bata-Splelzeug aus Gummi der beste Kamerad. In allen Verkaufsstellen erhalten Sie Bata-Splelzeug aus Gummi.