Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 24 (1938)
- Issue
- 10 (11.3.1938)
- Date
- 1938-03-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 10 zu wollen, man könnte diesen Elementen den Wind aus den Segeln nehmen, wenn man sich ihre Parolen, wenn auch in gemäßigterer Form, zu eigen macht. In einer großangelegten Rede, die Minister- Präsident Daränyi dieser Tage in Györ hielt, nahm er u. a. auch scharf gegen den Rechtsradikalismus Stellung, auf das Zerstörungswerk desselben hinweisend. Er kam hierbei auch auf die Judenfrage zu sprechen und führte aus: ״Ein Hauptterrain dieser Bewegungen ist die Judenfrage. Ich glaube, es wäre vollständig überflüssig, theoretisch darüber zu debattieren, ob es richtig oder unrichtig sei, von der Judenfrage zu sprechen. Es gibt eine Judenfrage. Und sie ist eines der unerledigten Probleme unseres öffentlichen , Lebens. Ist sie aber unerledigt, so kann ich nur ihre planmäßige und gesetzliche Regelung für möglich halten. Das Wesen der Frage erblicke ich darin, daß das innerhalb der Grenzen unseres Landes lebende Judentum infolge besonderer Dispositionen, zum Teil aber auch infolge der Gleichgültigkeit der ungarischen Rasse in gewissen Zweigen des Wirtschaftslebens eine unverhältnismäßig große Rolle spielt. Unverhältnismäßig ist die Lage auch vom Gesichtspunkte aus, daß das Judentum zum überwiegenden Teile in den Städten des Landes, in erster Reihe in der Hauptstadt, lebt. Das Judentum j brachte sich in unverhältnismäßig großer Zahl in jenen Beschäftigungazweigen unter, in denen die Erwerbsmöglichkeit leichter und günstiger ist. Der Zustrom der Juden in die Hauptstadt, kam natürlich auch im Kultur- und Wirtschaftsleben dieser Stadt zum Ausdruck und diese Aeußerung stand nicht stets im Einklang mit den Lebensbestrebungen des Ungartums. Der Widerspruch, der sich aus dieser gegebenen Lage entwickelt, verhindert die volle Zusammenfassung der nationalen Kräfte und bildet ein ständiges aufreizendes Moment im öffentlichen Leben des Landes. Die Grundbedingung der gesetzlichen und planmäßigen Regelung der Frage ist also, daß wir eine gerechte Lage schaffen. Eine gerechte Lage, die die erwähnten sozialen Unverhältnismäßigkeiten ausschaltet und den Einfluß des Judentums auf den kulturellen und sonstigen Gebieten des nationalen Lebens auf das entsprechende Maß herabsetze. Eine solche Regelung, die der Christliehen Gesellschaft auf dem Gebiete der Industrie, des Handels, des Kreditlebens, in den wirtsehaftlichen Unternehmungen die ihr zustehenden Bedingungen sichert, dient auch den Interessen des Judentums selbst, denn sie ist geeignet, den Antisemitismus und damit zugleich die Ausdehnung der extremen unduldsamen Bewegungen zu lindern.“ Auch Kultus- und Unterrichtsminister Homan erörterte in einer Rede in Szentes das Arbeitsprogramm der ungarischen Regierung für die nächsten Jahre und sprach dann über die Judenfrage. Er verwies darauf, daß das Judentum in Ungarn zu unverhältnismäßigen Einfluß und Beteiligung auf dem Gebiete der Wirtschaft, aber auch des kulturellen Lebens und in der Presse gelangt ist, wobei bei einzelnen Juden, so ganz besonders bei jenen, die in der letzten Zeit erst eingewandert seien, sich Weltanschauungen feststellen ließen, die dem ungarischen Volke fremd seien und auch immer bleiben würden. Die Teilnahme dieser Elemente an gewissen umstürzlerischen Bewegungen habe zu Verallgemeinerungen geführt, so daß es im Interesse der seit langem hier anwesenden Juden steht, daß diese Frage gelöst werde. An gewaltsame Mittel dürfe dabei nicht gedacht werden. Wir begnügen uns, sagte der Minister, mit den gesetzmäßigen Mitteln zur Lösung dieser Frage. Die christliche ungarische Jugend soll durch eine entsprechende Erziehung konkurrenzfähig gemacht und mit entsprechender Unter- Stützung in das Wirtschaftsleben eingeführt werden. Ferner soll das illegale, eingesickerte und unerwünschte Judentum entfernt und die neuerliche Einwanderung solcher Elemente verhindert werden. Schließlich — und dies ist eine Aufgabe des Judentums selbst — sollen die Es mag der Frühling mir künden, wo werde ich sie finden, die passenden Schuhe zum FrUhlingskostüm? Sie sollen billig und gut sein, harmonisch zum Hut sein, wo werde ich sie finden, für nicht gar zu viel Geld? Ja, das könnte man singen, aber nachdem Bata in allen seinen Verkaufsstellen die neue Frühjahrskollektion in Damenschuhen herausbringt, weiß jede Frau, wo sie ihre Schuhe wählen soll. Juden dazu erzogen werden, sich dar allgemeinen! nationalen Auffassungen anzupaasen und alle jene Elemente aus ihrer Gemeinschaft auaznschalten, die sich der allgemeinen nationalen Auffassung und dem allgemeinen Geist entgegenstellen. Diese Ausführungen erregten im ganzen Lande großes Aufsehen und lösten in der Presse eine lebhafte Diskussion aus. Ein Leitartikel des ״Pester Lloyd“ vermißt betreffs der Judenfrage die Anerkennung der unzweifelhaften Leistungen des ungarischen Judentums, zumal der Ministerpräsident sähst anerkannt habe, daß diese Leistungen sich in den letzten 70 Jahren auf Gebieten bewegten, die infolge der Gleichgültigkeit der ungarischen Elemente vernachlässigt dalagen. Ohne diese gewaltigen Leistungen des ungarischen Judentums (Industrialisierung) könnte das jetzige Opfer nicht gefordert werden. ״Magyar Hirlap“ sagt: Die Juden haben die Wirtschaftslaufbahn nicht wegerobert, sondem geschaffen. ״Ujsäg“ nimmt gegen gesetzliehe Einmischung in bestehende Rechtsverhältnisse oder in die Konkurrenz der Fähigkeiten und Talente Stellung und weist darauf hin, daß in Oesterreich, obzwar es ein christliches Land sei, ahne Rücksicht auf Konfession und Rasse staatsrechtlich, wirtschaftlich und kulturell für jeden gleiche Gesetze in Geltung sind. Im polemischen Teil protestiert der Leitartikel gegen die ״Ermunterung der Flugschriftpropaganda“, gegen den ״politisierenden Hauspräsidenten“. ״Kis Ujsag“ schreibt: Was der Regierungschef über die Judenfrage sagte, zeigt, daß die Regierung keine Blut- und Rassenpolitik macht, sondern das Judenproblem als das ansieht, was es ist: als eine Wirtschaftslage, die gerecht gelöst werden muß. für Grippi konvaleszenten Erfrischung und Stärki Der neue Oberkommissär Sir Harald Mac Michael hielt in feierlicher Weise seinen Einzug in Palästina. Allerdings erschien bei der Begrüßung in Haifa von den Arabern nur der dortige Bürgermeister — alle anderen arabischen Notabein glänzten durch Abwesenheit und ließen den neuen Oberkommissär wissen, daß sie auch ihm gegenüber die bisherige Haltung fortsetzen wollen. Allenfalls bereiteten sie dem neuen Regierungschef eine Begrüßung nach ihrer Art: Am Tage vor seiner Landung wurden an der Bahnlinie Haifa—Jerusalem Beschädigungsversuche unternommen. Die Reise des Oberkommissärs nach Jerusalem glich dann einer Expedition in Feindesland. Der Zug war von einigen Flugzeugen begleitet und die ganze Strecke militäriseh bewacht. Tags darauf wurde auch in Jerusalem eine Bombe gegen die Residenz des Oberkommissärs geschleudert, ohne jedoch Schaden anzurichten. Der neue Oberkommissär wird als Mann der starken Hand gerühmt. Es bleibt abzuwarten, wie er sich bewähren wird. Vorläufig hatten die Engländer gerade dieser Tage eine förmliche Schlacht mit arabischen Terroristen zu bestehen, und zwar im Zentrum des Terrors, bei Jenin. Nicht weniger als 3000 Soldaten aller Waffengattungen, Tanks und Flugzeuge wurden eingesetzt. Es war die bisher größte Kampfhandlung gegen die Araber seit Beginn des Terrors. Angeblich sollen die Araber hiebei etwa 80 Tote zu beklagen haben. Aber auch auf englischer Seite gab es einige Todes- Opfer. Man nimmt an, daß dieses energische Kraftaufgebot auf die Araber doch ernüchternd einwirken werde. Der Korrespondent des ״Daily Herald" in Jerusalem meldet seinem Blatt, daß die am Freitag begonnenen Kämpfe zwischen englischen Truppen und aufständischen Arabern den ganzen Samstag bis tief in den Sonntag dauerten. Schließlich wurden die Araber mit Hülfe von Flugzeugen in die Flucht geschlagen. Sie HeSen 90 Tote und 26 Gefangene zurück, während die Engländer nur einen Toten und sechs Verwundete zu beklagen haben. An den Kämpfen nahmen von britischer Seite 2500 Mann und 9 Flugzeuge teil. Unter den Toten soll sich auch der Führer der arabischen Aufrührer in Palästina, Scheik Attijech, befinden. In englischen Kreisen Palästinas nimmt man an, daß die Niederlage der arabischen Terroristen eine abschreckende Wirkung ausüben und das Ende der Unruhen beschleunigen dürfte. Der Berichterstatter des ״Daily Express“ in Jerusalem meldet seinem Blatt, daß die Araber Palästinas gegenwärtig in Kurdistan Söldner für' den Guerillakrieg anwerben. Während des Wochenendes sollen bereits die ersten zweihundert Kurden die Grenze zwischen Syrien und Palästina passiert haben. Die als besonders kriegerisch bekannten Kurden werden hauptsächlich durch den hohen Sold angelockt, der sich je nach der Erfahrung der Interessenten zwischen 5 bis 10 Pfund monatlich bewegt. Der erste Sold wird ihnen nach der Ankunft in Damaskus im vorhinein ausgezahlt. Von Dam&skus werden die Angeworbenen in einen der sechs Bezirke dirigiert, in welche Palästina von den Führern der mohammedanischen Aufständischen geteilt wurde, um ihre Operationen zu erleichtem. Einer der arabischen Terroristenführer, Mohammed Kalil Darwasi, auf dessen Kopf 200 Pfund ausgesetzt waren, ist kürzlich verhaftet worden. Auch eine jüdische Ansiedlung im Jordantal wurde von einer 30 Mann starken arabischen Bande überfallen und ein Ansiedler getötet. Die Judenfrage in Italien Das Büro der Jewish Agency für Palästina beim Völkerbund veröffentlicht eine Erklärung über die am 16. Februar in der römischen ״Informazione Diplomatica“ erschienene Mitteilung. Das Büro erklärt u. a., daß die verantwortliehen jüdischen Kreise mit Befriedigung von der Erklärung Kenntnis genommen hätten, daß die faschistische Regierung nicht beabsichtige, eine antisemitische Politik einzuleiten. Die gleichen Kreise erklärten indessen, daß die Behauptung, wonach ״hinter allen antifaschistisehen Strömungen der Welt sich gewöhnlich jüdische Elemente befänden“, auf einem schweren Mißverständnis beruhe und durch die Tat- Sachen nicht erhärtet werde. Außerdem hätten die Juden mit Freude die Auffassung der italienisehen Regierung vernommen, ״daß die Judenfrage in der Welt nur auf eine einzige Weise gelöst werden könne: durch die Schaffung eines jüdischen Staates“. Das Büro fügt bei, die jüdisehen Kreise seien von der in der ״Informazione Diplomatica“ enthaltenen Erklärung überrascht, wonach das jüdische Nationalheim nicht in Palästina sein sollte. Es bringt in Erinnerung, daß Italien indessen die Balfour-Deklaration und das Palästina-Mandat ebenfalls unterzeichnet habe. Wie könne man sich die neue Auffassung der faschistischen Regierung erklären? fragt die Jewish Agency für Palästina. Die italienische Regierung habe bisher eine sehr wohlwollende Haltung gegenüber dem zionistischen Werk in Palästina eingenommen, dessen Ziel stets klar gewesen sei: Mitwirkung an der Lösung des schwierigen jüdischen Problems in Europa. Die Juden hätten nie auf die Schaffung eines jüdisehen Staates in , 1em anderen Gebiete als Palästina gehofft und würden auch nie darauf zählen. Im Bewußtsein, daß der italienische Faschismus als nationalistische Bewegung der eigenen geschichtlichen Tradition, aus der er seine gesamten Kräfte schöpfe, tief verbunden bleibe, hegten die Zionisten die Hoffnung, daß er sich Rechenschaft davon ablegen werde, daß ein jüdischer Nationalismus keinen anderen Heimathafen haben könnte als Palästina, das geschichtliche Vaterland des jüdischen Volkes. Von offizieller italienischer Säte werden die Gerüchte über das angebliche Angebot der italienischen Regierung, in Ostabeagniea einen Judenstaat errichten zu wollen, dementiert.