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Jüdische Presse · 1938-03-04 · 9 (4.3.1938) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
24 (1938)
Issue
9 (4.3.1938)
Date
1938-03-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seit« 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 8 zeigt habe. In seiner Erklärung gegenüber Presse- Vertretern sagte Sir Arthur, die Juden mögen trotz aller Beschwerden Vertrauen zu England haben. Eine bewaffnete Araberbande drang in ein Dorf bei Safed ein, beraubte einen Araber und erschoß ihn. Am späten Nachmittag wurde ein jüdischer Kolonist, der zu den Gründern zweier Siedlungen gehörte, in der Nähe von Megido überfallen und getötet. Dreißig bewaffnete Araber überfielen eine isolierte jüdische Siedlung im Süden, Ein Araber wurde getötet, die übrigen wurden zum Rückzug gezwungen. Bei einem zu Ehren des neuen Oberkommissärs Sir Harald MacMichael in London veranstalteten Frühstück, erklärte dieser in einer Rede über seine neuen Aufgaben in Palästina u. a.: ,,Ich kann ohne Umschweife sagen, daß das erste und wesentlichste Ding, das dort wird getan werden müssen, die Wiederherstellung von Gesetz und Ordnung ist. Von äußerster Wichtigkeit erscheint es mir ferner, Kontakt mit den Bewohnern des Landes zu gewinnen. Damit meine ich nicht unbedingt und allein jene, die Führer der öffentlichen Meinung sind oder sich so nennen. Ich meine den Durchschnittsbewohner des Landes. Zumindest kann ich mit Sicherheit sagen, daß ich mit der aufrichtigen Absicht nach Palästina gehe, um - soweit die mir gegebenen Instruktionen das gestatten — alles, was in meiner Macht liegt, zu tun, um diese beiden Ziele zu erreichen und alles, was richtig ist, in voller Sünplizität des Zweckes zu tun. Ich möchte noch sagen, daß ich voll bereit sein werde, jede Verantwortung zu übernehmen, deren man mich für geeignet erachtet.“ In Petach Tikwah haben die Poale Agudas Jisroel mit dem Schreiben einer Thorarolle zum Andenken an die gefallenen Chawerim begonnen und bei der Eröffnungsfeier sprachen prominente und gelehrte Männer über den Zusammenhang von Thora, Land und Israel. ,,Voce d’Italia“ meldet aus dem Heiligen Lande, daß kürzlich bei Bethlehem die Wasserleitung aufgefunden wurde, die Pontius Pilatus von Hebron nach Jerusalem legen ließ, wo sie in die Salomonsteiche mündete. Die Leitung besteht aus steinernen Rohren, die ineinander eingelegt sind. Eines der Rohre wird nach London zur Palästina-Ausstellung gebracht. Schon vor vier Jahren fand ein Archäologe eine griechische Inschrift des Inhalts, daß die Landwirte die Erde nur bis zu einer Entfernung von viereinhalb Metern vom Aquädukt bebauen dürften; dabei war die Länge eines griechischen Fußes mit etwa 30 Zentimeter angegeben. RutfificifffT Die Volksabstimmung über die neue Verfassung ergab eine erdrückende Mehrheit für diese. Ueber 88 Prozent der Gesamtwählerschaft haben sich an den Wahlen beteiligt und von den Abstimmenden erklärten sich über 92 Prozent für die Verfassung, so daß diese gewissermaßen als Ausdruck des Volkswillens gelten könne. Daß das rumänische Volk in einer so erdrückenden Mehrheit die Abkehr von der sogenannten ״Demokratie“ gebilligt hat. ist u. a. auch eine Folge des Intermezzos Goga-Cuza. Allgemein erkannte man die Gefahren einer ״Demokratie“, die derartige Verirrungen möglich macht. Die Juden Rumäniens haben sich mit großer Begeisterung an der Abstimmung beteiligt• Sie hoffen, daß die Bestimmungen derselben, die auch ihre Gleichberechtigung sichern, seitens der Regierung respektiert und durchgeführt werden würden. Oberrabbiner Ben-Zion (Albert) Wesel, der Vorsitzende der Zentralkanzlei der orthodoxen Juden in Siebenbürgen (Neurumänien) ist im 75. Lebensjahre an Herzasthma in Klausenburg verschieden. Oberrabbiner Wesel war der Sohn des Kaleb Feiwel Wesel, des Verfassers des homiletischen Werkes ״Kirjat Ssepher“. Nachdem er in Kronstadt Oberrabbiner gewesen, bekleidete er seit dem Tode seines Vaters, also seit dem Jahre 1870 das Oberrabbinat in Torda, einem kleinen Städtchen Siebenbürgens in der Nachbarschaft Klausenburgs. Durch sein ge- : winnendes Wesen, seltene Weisheit, hat er großes Ansehen sich verschafft und er wurde wiederholt zum Präsidenten der Zentralkanzlei gewählt, die er mit großem Geschick, die Gegensätze der Asehkenasim und Sephardim überbrückend, leitete. Er wurde Sonntag, am 27. Februar, in seiner Gemeinde Torda beerdigt. Rabbiner Hermann Klein, Berlin, Rabbiner Adler, Schäßburg und Redakteur Abraham, Turda, Leiter des offiziellen Zentralkanzleiorganes ,,Hoemesz“ verlieren in Oberrabbiner Wesel ihren Schwiegervater. Das neue Ministerium des Patriarchen Christea hat die ungesetzlich erfolgten Verbote der Schechito aufgehoben, die durch die Regierung Goga-Cuza geschlossenen Jeschiwot haben ihre Tätigkeit wieder aufgenommen und die verschiedenen Behelligungen der Lokalbehörden, die die Juden zum Chiliul Schabbos zwingen wollten, haben aufgehört. Der Minister des Inneren hat angeordnet, daß die Juden wieder in die Listen der Wähler aufzunehmen sind. So geschah es, daß die Juden Rumäniens an der Volksabstimmung betreffs der neuen Verfassung teiinahmen. Auch die Ueberprüfung der Staatsbürgerschaft soll im Geiste der Versöhnliehkeit stattfinden. Die Behörden stehen bereitwilligst den Petenten bezüglich Ausfertigung der nötigen Dokumente zur Verfügung und das Regierungsorgan ״Viitorul“ betont es wiederholt, daß der Alpdruck dieser Ueberprüfung bald weichen wird. Die Durchführungsverordnung ist noch immer nicht erschienen. Diese Verspätung wird auf Einspruch des höchsten Gesetzgebenden Rates zurückgeführt, welcher die Verordnung unbedingt in Einklang mit der Verfassung und die Friedensverträge; zu bringen bestrebt ist. Der Innenminister Calinescu hat dem Vertreter der Jüdischen Partei, Rechtsanwalt Dr. Theodor Fischer, zugesagt, daß er einige seiner Anregungen und Wünsche, die er in einem Memorandum noch an die Regierung Goga zum Ausdruck brachte, unbedingt berücksichtigen wird. Die neuen Präfekten, die alle aus dem Militärstand stammen und den Rang eines Obersten bekleiden, haben überall die Gleichberechtigung der ganzen Bevölkerung betont und anerkennende Worte über die Bürgertreue der Juden gesprachen. Sie sind das ruhigste Element im Lande, ideelle Objekte für die Verwaltung. Der Sekretär der Pester israelitischen Kultusgemeinde, Alexander Eppler, hat eine Vorlesungsserie über Statistik und Wirtschaft der ungarischen Juden gehalten. Wir entnehmen ihnen folgende Daten: Die Zahl der Juden nimmt ständig ab, so hat sie sich von 1920 bis 1930 von 5,9 auf 5,1 Prozent verringert. In Budapest ist. die Abnahme noch bedeutender, hier ist die Zahl der Juden von 20,3 auf 19 Prozent gesunken. An Stelle der natürlichen Zunahme ist die natürliche Abnahme getreten, dies ist ein Zeichen des wirtschaftlichen Abstieges. Innerhalb der Verdienenden machen die Juden bloß 5,3 Prozent aus. Sie sind zwar in der Industrie mit 7,56, im Handel mit 42,95, in den geistigen Berufen mit 25 bis 42 Prozent vertreten, aber sie partizipieren an der Landwirtschaft bloß mit 0,33 Prozent und unter den öffentlichen Angestellten beträgt ihre Zahl 2,85 Prozent. Bezeichnend für die kulturelle Stufe der ungarischen Juden ist der Umstand, daß sie 23,7 Prozent derjenigen ausmachen, die eine Mittelschule absolvierten. Innerhalb der Hochsehul-Absolventen beträgt die Zahl der ungarischen Juden 16,44 Prozent. Erschreckend hoch ist die Zahl der jüdischen Arbeitslosen innerhalb der geistigen Berufe in Budapest; sie beträgt 26,6 Prozent, sie ist also um 10 Prozent höher als die Verhältniszahl innerhalb der Bevölkerung der Hauptstadt. Von den 60.000 Mitgliedern der Kultusgemeinde sind bloß 2800 mit höheren Beträgen besteuert (4,7 Prozent der Mitglieder). 95,3 Prozent der hauptstädtischen Juden können nur mäßige Summen für die Erhaltung ihrer Gemeinde beisteuern und 24 Prozent der Juden in Budapest sind auf die öffentliche Wohltätigkeit angewiesen. Ein Budapester Jude, namens Ludwig Weiner, hat dem Königssohn Otto von Habsburg einen Miniatursäbel zum Geschenk gemacht, weleher die hebräische Aufschrift ,,Haschern Sali Umzudosi‘ ‘ trägt. Baron Moritz von Zichy hat sich im Namen Ottos in auffallend wannen Worten für das prächtige Geschenk bei Herrn Weiner bedankt. Den schriftlichen Nachlaß des Sprachenforschers Bernhard Munkäcsi hat seine Famiüe der ungarischen Akademie der Wissenschaften, überlassen. Die Akademie hat nun die Herausgäbe des Nachlasses beschlossen und protokollarisch festgestellt, daß Munkäcsi der getreue Diener, Stolz und Förderer der Wissenschaft der ungarischen Nation) gewesen, und daß sein Nachlaß von bedeutendem, ja, hervorragendem wissenschaftlichem Werte ist. Munkäcsi war bis zu seinem, im Vorjahre erfolgtem Tode Schu!- inspektor der Pester israelitischen Kultusgemeinde. Dr. Alexander Dach, Chefarzt des Spitales der orthodox israelitischen Kultusgemeinde i:1 Budapest, ist im 76. Lebensjahr gestorben. Er war ein vorbildlich frommer Jehudi und die Rabbiner Süßmann und Steif haben seine karitativen und religiösen Verdienste an seiner Bahre gewürdigt. Die Zentralkanzlei der orthodox israelitischen Juden Ungarns hat mehrere Rundschreiben an die Kultusgemeinden und Rabbiner versendet. Zwei dieser Rundschreiben rufen zur Teschuwo auf, ein drittes beschäftigt sich mit dem Schemitto-Jahr in Erez Jisroel und macht es zur Pflicht der Jereim, am Schabbos Schekolim für Unterstützung der frommen Kolonisten zu spenden. Ein viertes Rundschreiben gibt bezüglich Ausstellung und Stempelgebühren der Matrikelauszüge Weisungen. Ein anderes Rundschreiben regt die Schaffung von juridischen Beratungsstellen innerhalb der Gemeinde an in Anbetracht dessen, daß die Behörden seit einiger Zeit sieh sehr eingehend mit der Staatsbürgerschaft der Juden beschäftigen und verschiedene Dokumente von ihnen einfördern. Dieses Rundschreiben enthält detaillierte juridische Ratschläge und Aufklärungen in dieser überaus wichtigen Angelegenheit und teüt mit, daß die juridisceh Sektion der Zentralkanzlei bereit ist, alle Anfragen eingehend zu beantworten. Der Oberrabbiner der orthodox-israelitischen Kultusgemeinde in Tab, R. Simche Bünern Breuer, Mitglied der Landesrepräsentanz der orthodoxen Juden Ungarns, ist in Budapest gestorben und wurde in seiner Gemeinde zur Kewuro getragen. Rabbi Mosche Blau hat in der ungarischen Provinz seine Agitationstoumee für Erez Jisroel fortgesetzt. Er hat in Bekescsaba gesprochen. Seine Worte, die zur Aktivität für das Heilige Land aufriefen, haben überall starken Widerhall erweckt. Der Legitimistenführer Graf Sigray hat in einer Rede scharf gegen den Rassismus Stellung genommen. Üokto Der seit einiger Zeit von den zionistischen Gruppen propagierte allgemeine jüdische Kongreß soll nun in der nächsten Woche stattfinden. Die in der Agudas Jisroel organisierte Orthodoxie hat aus prinzipiellen Gründen ihre Beteiligung abgelehnt. Dieser Tage soll eine Konferenz der reiigiösen Führer des polnischen Judentums stattfinden, um Beschlüsse hinsichtlich der religiösen Belange zu fassen. An der Konferenz werden die Chassidim-Rabbis von Ger, Beiz, Bobow, Alexander usw. sowie die Gaonim Rabbi Chaim Ozer Grodensky, Rabbi Wassermann usw. teilnehmen. In Horodenka (Ostgalizien) verschied dieser Tage der dortige Rabbi Rabbi Mendl Sehapira s. Z. 1. Der Niftar, der seit 35 Jahren das geistige Oberhaupt dieser Gemeinde war, wirkte u. a. auch eifrig an den Aktionen für Talmud-Thora und Beth Jakob mit. Im Sejm gab es in den letzten Tagen wieder Judendebatten. Die jüdischen Abgeordneten Grippe-Bazillen dringen in unseren Organismus ein und rufen dortselbst einen Entzündungsprozeß — die Grippe hervor. ALPA-Franzbranntwein mit den Erregern in Berührung gekommen, tötet) die Erreger und spült die Bazillen aus unserem Organismus fort. Folglich der beste Schutz: Ohne Bazillen — keine Grippe! Deshalb verschreiben Aerzte oft: Alpa! Alpa-Franzbranntwein gibt es nur in plombierten Originalflaschen! Achten Sie darauf!

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