Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 24 (1938)
- Issue
- 9 (4.3.1938)
- Date
- 1938-03-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 9 Seite De» 7. Marx 1938 Zum ersten Male soll am bevorstehenden 7. März der Geburtstag des Befreier-Präsidenten T. G. Masaryk gefeiert werden — ohne daß er mehr zwischen uns weilt. Er soll und wird nunmehr frei von jedem Interesse der Schmeichelei oder Ueberhebung, die einem Lebenden leicht zuteil werden kann, gefeiert werden. Viele werden fragen, wozu soll die Geburtstagsfeier eines bereits nicht mehr Lebenden, warum soll der Tag, an dem er das Licht der Welt erblickte, gefeiert werden, wo er schon nicht zwischen den Lebenden weilt? Die Frage verliert aber ihre Berechtigung, wenn es sich um eine Persönlichkeit vom Format Masaryks handelt. War doch sein Leben eine wahre geschichtemachende Epoche, ein grandioses Werk, das vom Tage seiner Geburt seinen Anfang erhielt und sich bis zu seinem Tode hinzog. Ein Werk, das mit seinem Tode als ein Ganzes vor uns erscheint, als ein vollkommenes, reines und unübertroffenes Werk. Jetzt erst kann die Persönlichkeit Masaryks in jeder ihrer Faser gut und recht überblickt und gewürdigt werden. Dazu ist der Tag seiner Geburt, an dem er heuer 88 Jahre alt geworden wäre, geeigneter Anlaß genug. ״Der Tag Masaryks — Tag der Kultur“; unter dieser Parole wird die Feier des heurigen 7. März angekündigt. Und wahrlich, ein Programm. An diesem Tage und durch diesen Tag soll der zivilisierte Mensch zur Erkenntnis gelangen, was ein Menschenleben bedeutet und was in demselben für die kulturelle Menschheit, der Humanität, für Volk, Staat und den einzelnen Mitmenschen geleistet werden kann. In der harmonischen Uebereinstimmung der wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Lebensnot- Wendigkeiten sozialer Gemeinschaften, zu denen sein Forscherblick hingedrungen ist, mit den aus der Gefühlswelt freiheitsgieriger nationaler Selbstbestimmung ersprießender Wünsche in der Seele dieses großen Mannes liegt das tiefe Geheimnis seiner hervorragenden Persönlichkeit. Was er mit seinem scharfen .Blick des Denkers ersehen und mit dem Geist des überragenden Humanisten erdacht, hat er nicht nur gelehrt und gesprochen, sondern vielmehr gewirkt und in die Tat umgesetzt. Verwirklicht aber nicht nur in seinem Eigenleben, sondern hat auf ihren Grundlagen einen Staat aufgebaut, auf den mit Rcht als auf einen Musterstaat der Demokratie und Humanität geblickt wird1, einen Staat, der sich allen verschiedenen Anfeindungen von innen und außen zum Trotz immerfort entwickelt und gedeiht. Seine Einstellung zur Religion tritt in seinen Büchern sehr oft auf; so schreibt er einmal u. a.: ״Das Verhältnis des Menschen zum Menschen kann nur religiös auf gef aßt werden. Die Religion führt den Menschen nicht nur zu G-tt und zur Welt, sondern auch zum Nächsten.“ Dann schreibt der von seinen wenigen Gegnern immer als Freigeist verrufene Masaryk: ״Es ist meine Ueberzeugung, daß es kein ganz richtiges Humanitätsideal, keinen richtigen Sozialismus ohne religiöse Grundlage geben kann. Mensch — das ist nicht der Körper, sondem auch die Seele, die unsterbliche Seele.“ Wenn wir als Juden, nicht nur die unserer Republik, Masaryks heute gedenken, um ihn zu würdigen, so können wir es nicht ohne der Ausdrücke tiefster Verehrung und innigsten Dankes. Denn oft, sehr oft hat sich Masaryk das Judentum als Objekt genommen, an dem er sein lauteres Menschlichkeitsideal des Humanismus verfocht und für das er, wo es verfolgt war, mit dem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit eintrat. Masaryk hat sein Lebensprogramm beendet — im Staate soll es weiterleben und seiner Vollkommenheit entgegengebracht werden. Das war sein Vermächtnis und fiir deren Erfüllung sein würdiger Schüler und Nachfolger, Präsident Dr. Beneä, und seine Mitarbeiter stets besorgt sind. So ist Masaryk nicht gestorben, er lebt in seinem Staate fort! jT. Präsident Beneä über den Status der Juden in der Tschechoslowakei Kürzlich wurde Rabbi Irving Frederick Reichert, San Franzisko, vom Präsidenten der Republik Dr. Edvard Benefi empfangen. Präsident Dr. Benes sagte u. a.: Die Juden in unserm Lande genießen mit allen Teilen der Bevölkerung volle Gleichberechtigung und mit allen übrigen Minderheitennationen die Rechte einer nationalen Minderheit. Ein großer Teil von ihnen trachtet sich als Minderheitennation, ein anderer Teil zieht es vor, lediglich als religiöse Gemein- Schaft zu leben. Unter den Gesetzen unseres demokratischen Staates steht jedem das eine wie das andere frei. Vortrag Dr. Isaac Breuer in Nitra Am Dienstag, den 1. Adon I hatten wir die Ehre, Herrn Dr. I. Breuer in unserer Mitte zu begrüßen. Als Gast des Kehillovorstandes fand zunächst im Hause des Rosch-hakohol H. Julius Schlesinger eine freundschaftliche Begrüßung in Anwesenheit der vollzähligen Gemeinderepräsentanz statt. Herr Dr. Breuer bemerkte bei dieser Gelegenheit, daß er interessanterweise beinahe ein Hiesiger geworden wäre. Seinerzeit war nämlich sein Vater, der berühmte Gaon R. Salmen Breuer s. 1. als Neutraer Raw akzeptiert worden. Am Abend sprach Herr Dr. Breuer vor einem großen und erlesenen Publikum im Prunksaale der Gemeinde. An uns liegt es — führte er u. a. aus —, Erez Jisroel so aufzubauen, daß es zu einer wahren Heimstätte der Thora werde. deslnfizie 1dhöh I Sehr groß und vielfältig sind die Probleme, die hier der Lösung harren, aber diese kann nur bei Mitarbeit aller Thoratreuen stattfinden. Kein religiöser Jude ist davon freigesprochen. Die zum Herzen der Anwesenden reichenden Ausführungen des Redners, die immer wieder mit reichem Beifall belohnt wurden, haben bereits einen schönen Erfolg gezeitigt und werden hoffentlich nicht so schnell verklingen. Der Redner wurde namens der Agudas Jisroel durch Herrn Ph. Stark in slowakischer und deutscher Sprache und durch Gemeindepräses Julius Schle- Singer herzlichst begrüßt und folgten seinen Ausführungen aufrufende Ansprachen der Herren J. Königsberg, Ph. Stark und Ch. Weiß. Dr. Isaac Breuer in Topolcany. Am vergangenen Sonnitag hatten wir die große Ehre, Herrn Dr. Isaac Breuer-Jerusalem in unserer Mitte zu begrüßen. Es war wahrlich ein Ereignis, das unsere gesamte jüdische Bevölkerung im Banne hielt, so daß der große Saal des Hotel ״Koruna“, der für den Vortrag Doktor Breuers bestimmt war, die große Menge der Zuhörer kaum fassen konnte. Nach den kurzen Ansprachen durch Gemeindepräses D. Löwbeer und Herrn E. Nagel sen. seitens der Agudas- Jisroel-Jugendgruppe, begann der illustre Gast seinen Vortrag über das Thema: ״Die gegenwärtige Situation, in Erez Jisroel“. Er verstand es, in klaren Worten und in zum Herzen dringenden Schilderungen die Bedeutung von Erez Jisroel für das religiöse Judentum und seine Pflichten ihm gegenüber vorzulegen. Worte, die einhellige und imgeteilte Zustimmung erfuhren und große Begeisterung hervorriefen. Unter Anspielung auf die von verschiedenen Seiten drohenden neuen Verfolgungen des Judentums, in dem wir doch nur einen Fingerzeig G-ttes sehen dürfen, wies er ermahnend und aufrufend auf die Pflichten zur Einkehr und Rückkehr zur ,תורד hin. Der Ausbau eines wahren Erez Jisroel im Geiste der jüdischen Tradition — führte der Redner aus — wird nicht nur dem Judentum selbst, sondern für die gesamte Menschheit Segen bringen. Einladung Wir laden auf diesem Wege herzlichst alle חברים תלטידי רבגי הנחל הגה״דז בגייטרא הי״ו zur אשימה welche אי״ה am ש״ק סי וכיר ולטהרה־ יי א׳ in Nitra abgehalten wird. Wer keine briefliche Einladung erhalten hat, möge darüber nicht ungehalten sein, denn vieler Adressen sind uns unbekannt oder ungenau angegeben und ein Versehen ist immer möglich. Viele Worte sind doch zu dieser Einladung nicht nötig, denn wir wissen bestimmt, daß diese Zusammenkunft vor unserem Rebbe נ״י nur ein tiefes Herzensverlangen unserer חברים in Erfüllung bringt. Wir bitten sie nur, nach Möglichkeit früher anzukommen, damit wir die Gelegenheit haben, bei den ernsten Beratungen das Wort eines jeden einzelnen mit genügender Ueberlegung zu hören. Wir begrüßen unsere Chaverim mit ganzem Herzen. Die Asifo-Leitung. Aguda-Mädehen- und Frauenverein in N. Zämky Im Ausfluß der vor einigen Wochen in Nove Zämky von Frau Hanna Liebermann und Fräulein Saltzer gehaltenen Vorträge wurde hier ein Aguda-Frauen- und Mädchenverein gegründet. Gewählt wurden: Ehrenpräsidentin Frau Rabbinerin Stern, Präsidentin Frau Julius Herzog, Vorstandsmitglieder Frau Adolf Koth, Samu Quitt, Adolf Graf, Sekretärin Frau R. Markoviä. Schabos Wajakhel fand bei einer über Erwartung großen Beteiligung die erste Zusammenkunft statt. Frau Rabb. Stern hat mit einem Dinim- Kurs begonnen. Der Vortrag der Frau Julius Herzog, welcher sich mit den Problemen der Aguda befaßte, war eine auf hohem Niveau gehaltene Programmrede, in welcher Frau Herzog reassumierte, daß es heute mehr denn je ein Gebot ist, die bisher noch fernstehenden zaghaften orthodoxen Gesellschaftskreise zu einer innigeren Vereinigung unter der Flagge der Aguda zu erfassen. Zum Schlüsse las Frau Samuel Quitt jüdische Geschichten vor. Fräulein D. Reichfeld deklamierte ein Gedicht. Senica In der vergangenen Woche wurden hier die Kultusgemeindewahlen durchgeführt mit folgendem Resultat: Präses: H. Felix Schönfeld; V i z e p r ä s e s: H. Hugo Schlesinger; Schul- Präses: H. Imre Schönmann; Kassier: Otto Kohn; Vorstand: Leo Kohn, Max Grünfeld, Ferdinand Fischer; Repräsentanz: Leo Kohn, Marie Winter, Hugo Schlesinger, F. Fischer, M. Grünfeld, O. Kohn, Dr. L. Roth, J. Schick, S. Grünwald, I. Schönmann, A. Mayer, J. Fischer, I. Weisz, J. Hahn, G. Hirsch, A. Braun; Tempelvorstand: Jozef Fischer, Holzhändler, Adolf Löffler, Max Grünfeld. Im Unterhaus wurden die Namen dreier Mitglieder der neuen ״Technischen Kommission für Palästina“ bekanntgegeben. Zum Vorsitzenden Kommissär wurde Sir John Woodhead ernannt, der auf reiche Erfahrungen im indischen Verwaltungsdienst zurückblicken kann. Die beiden anderen ernannten Mitglieder sind Sir Allison Rüssel, der als Staatsanwalt und oberster Riehter in Uganda, Zypern und Tanganyika tätig war und nach seiner Pensionierung als Rechtsberater der Regierung von Malta wirkte, und A. T. Waterfield, zweiter Sekretär des Schatzamtes. Das vierte Mitglied der Kommission ist noch nicht ernannt. Die Kommission wird ungefähr Mitte März ihre Arbeiten in England selbst aufnehmen und etwa einen Monat später nach Palästina abreisen, wo sie so bald wie möglich nach den Osterfeiertagen in Jerusalem ein zutreffen gedenkt. Der scheidende Oberkommissär Sir Arthur Wauchope verabschiedete sich am Z8. Februar in einer Rundfunkrede von den Bewohnern des Landes. Er vermied in seiner Rede jede politisehe Färbung und sprach in versöhnlicher und freundschaftlicher Weise zur gesamten Bevölkerung. Er drückte besonders dem Emir von Transjordanien seine Anerkennung und Bewunderung für die taktvolle Haltung aus, die der Souverän stets gegenüber den Problemen Palästinas ge-