Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 24 (1938)
- Issue
- 9 (4.3.1938)
- Date
- 1938-03-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 9 JÜDISCHE PRESSE Seite 5 Rabbiner Rubinstein und Dr, Sommerstein brachten in ergreifenden Worten die jüdischen Beschwerden und Postulate vor. Im Sinne einer Entscheidung des UnterriehtsminiBteriums sollen die Ghetto-Bänke in der Wawelberg-Schule (einer jüdischen Stiftung) wieder aibgesehafft werden. Das Ableben des ehemaligen Ministerpräsidenten und Finanzministers Wladislaw Grabski brachte seine seinerzeitige rigorose Steuerpolitik in Erinnerung, die sich besonders für die jüdisehen Kaufleute schwer auswirkte. Die Steuer- Sätze waren so hoch und die Eintreibung erfolgte mit einer solchen Rücksichtslosigkeit, daß dadurch Tausende von jüdischen Existenzen ruiniert worden sind. Der jüdische Galgenhumor prägte damals den Ausspruch: ״Das Geschäft würde schon gehen — wenn nur nicht der ,Kampagnon‘ Grabski da wäre!“ Der Kongreß der Polnischen Volkspartei, der dieser Tage in Krakau stattfand, hat in einer Resolution u. a. festgestellt, daß die chauvinistische Politik der Antisemiten das Judenproblem in Polen kompliziere und eine befriedigende Lösung unmöglich mache. V Antisemitische Welle in lapan Die antisemitische Welle, die dank der von verschiedenen Seiten gespeisten Propaganda immer weitere Kreise zieht, hat nun auch auf Japan übergegriffen. ״Die Protokolle der Weisen von Zion“ werden im ganzen Reiche in verschiedenen Sprachen verbreitet und finden zahlreiche Le3er. Die Zahl der Juden in Japan ist allerdings eine minimale und auch ihre Bedeutung im öffentlichen wie im wirtschaftlichen Leben ist ganz bedeutungslos — aber ein anderer Umstand gibt der antisemitischen Hetze einen starken Antrieb: Die englische Regierung hat nämlich Sir Philipp Sassoon nach China entsendet, der die dortige Kriegsindustrie beliefert und finanziert. Da Sassoon Jude ist, so richtet sich der Haß gegen die Juden im allgemeinen. Es ist das eine bekannte Erscheinung — Japan will also keine Ausnahme machen.!Die Bede des Bundeskanzlers. Die Erklärungen des Bundeskanzlers, daß die Maiverfassung 1934 in allen Punkten aufrecht bleibt, und daß die Gleichberechtigung aller Bürger keine wie immer geartete Ein- Schränkung erfahren wird, hat in allen jüdischen Kreisen lebhafte Befriedigung und Anerkennung gefunden. In seiner Freitagpredigt hat Oberrabbiner Dr. Taglicht dem Bundeskanzler den Dank der Juden ausgesprochen. In einigen Bethäusern wurden beim Samstag-Morgengebet bei Krios-Hathora dem Bundeskanzler ״Mi-Scheberach“ gewidmet. Baiser Otto an Rabbiner Dr. Rosenmann. Steenockerzeel, 24. Jänner 1938. Sehr geehrter Herr! Dr. Rosenmann! Durch die Vermittlung der Zentralkanzlei in Wien wurde Seiner Majestät dem Kaiser der Text Ihrer am Allerhöchsten Geburtstage gehaltenen Festpredigt übermittelt. Ihre Worte der Treue und/ Anhänglichkeit zum angestammten Herrscherhause, welche Sie bei dieser Gelegenheit gesprochen haben, erfüllen Seine Majestät mit freudiger Genugtuung und ich wurde beauftragt, Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Rosenmann, dafür den besten Dank Seiner Majestät auszusprechen. Möge mit Gottes gnädiger Hilfe der Tag picht mehr ferne sein, an dem der angestammte Landesherr zum Wohle von Volk und Heimat in Rein über alles geliebtes Oesterreich zurückkehren kapp, , Im Allerhöchsten Aufträge: Hans Graf Trauttmansdorff jn. p. Adas JlSroel (Schiff8chul), Wien, II., Große Schiffgasse 8; Kanzlei II., Große Schiffgasse 1. Am ד ואדר (Donnerstag, den IQ, Mär?) um 3/«6 Uhr abends wird in unserem Bethaus (Rghiffschul) von Seiner Ehrwürdep Herrn Qbsrrabbinw׳ S, Fürst ein nepn über die im verflaaeenen Jahre verstorbenen BtpKj abgehalteu. ft P-, Tabervtrafte m r-43tM9, Atelier für feine Berrengarderobe. Die A&sifas Talmidim in Nitra. Die חבורת »לפידים (Vereinigung der ehemaligen Talmidim des Nitraer רב ® ל י ט ״ א veranstalten anläßlich der אסיפת תלפידים welche אי“־ שבת קודש פרשת ובור stattfindet, eine Autobusfahrt. Fahrpreis hin und zurück nur S 12.—. Abfahrt Freitag, den 11. März, vormittags, Rückfahrt Sonntag nachts. Interessenten werden ersucht, sich bis spätestens Montag, den 7. März, abends, in der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe, rt., Floßgasse 1, bei den Herren H. Fischer und J. Schenk zu melden. Plätze rechtzeitig wegen großem Zuspruch sichern. Gleichzeitig ersuchen wir alle Interessenten, sich Montag, den 7. März, abends, in der Agudas- Jisroel-Jugendgruppe zu einer wichtigen Besprechung einzufinden. Abühiedskicr■ für Herrn Lasar Aschkenazy In den letzten Tagen fanden zwei Abschieds- Sitzungen statt. Die erste war vom Landesverband der jüdisehen Jugend Oesterreichs einberufen worden. Der Vorsitzende des Landesverbandes, Herr Hermann Bondi, würdigte die Verdienste, die sich der Obmannstellvertreter Herr Lazar Aschkenazy im Landesverband erworben hat, und sprach ihm den Dank des gesamten Vor- Standes aus. Besonders feierlich war die Abschieds- Sitzung, die die Erez-Jisroel-Jugendkommission einberufen hatte. In dieser Sitzung würdigten die verschiedenen Redner die besonders großen Leistungen des Herrn Aschkenazy als Vorsitzender der Jugendkommission auf allen Gebieten der agudistischen Erez-Jisroel-Arbeit. Diese in sehr gemütlicher Stimmung verla.ufene Abschiedssitzung wird noch lange allen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben. Die besten Glückwünsche seiner Mitarbeiter mögen ihn auf seinem ferneren Lebensweg begleiten. Das Budget der Wiener Kultusgemeinde per 1938 Der Kultusvorstand hat in seiner Plenarsitzungam Mittwoch, den 23. Februar, das Budget der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde für das Verwaltungsjahr 1938 eistimmig angenommen. Auf der Einnahmenseite ist ein Betrag von 6,355.560 Schilling, auf der Ausgabenseite ein solcher von 6,687.810 Schilling prällmlniert, so daß sich ein Fehlbetrag von 352.250 Schilling ergibt. In der außerordentlichen Gebarung sind an Einnahmen 382.000 Schilling, an Ausgaben 428.000 Schilling vorgesehen, somit ist hier ein Zuschuß aus dem Kapitel der außerordentlichen Gebarung in der Höhe von 46.000 Schilling notwendig. Der errechnete Gesamtabgang beträgt daher 398.250 Schilling. Maler Krestin gestorben Dienstag mittags ist hier der akademische Maler Lazar Krestin im 69. Lebensjahr verschieden. Er war Mitglied der Genossenschaft bildender Künstler und wurde berühmt durch seine künstlerischen Schilderungen von Typen aus dem Ghettoleben. Die Bestattung des Verblichenen fand Mitt- WQ0h in einem von der Israelitischen Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof statt. jüdische Künstlerhilfe Um in der schwierigen und kritischen Lage, in welcher sich die jüdischen schaffenden Künstler heute befinden, diesen eine keline Hilfe zu leisten, hat sich ein Komitee bereit erklärt, aus privaten Spenden je einige Oelbilder, Aquarelle, Handzeichnungen, Plastiken und Architekturprajekte anzukaufen. In Oesterreich wohnhafte und schaffende jüdische Maler, Bildhauer und Architekten erfahren Näheres durch Herrn Arch. Pr. Ing. Oskar W1 a c h, Wien, VH., Neustiftgasse 3. Einladung zppi Fünf-Uhr-Tpe der ״Frauenhilfe der Adas Jisrael“. Dienstag, den 8. März 1938, findet in der ״Wienea“, H., Obere Donaustraße 91, unser Fünf-Uhr-Tee statt und wir bitten um recht zahlreichen Besuch. Der Vorstand. Agudas-Jisroel-Mädchengruppe, Wien, n. Der dieswöch'ige Schatbos-Vortrag findet um KU Uhr vormittags in der ״Wienea“, 2. Be-?irk, Obere Danaustraße 91. statt. Chief Rabbi Dr. Joseph H. Hertz hat in diesen Tagen im engstep Kreis seiner Familie Und Freunde das 25jährige Jubiläum seiner Amtstätigkeit als Rabbiner gefeiert. Er erhielt aus diesem Anlaß zahlreiche GlüekwunschtelegraUHft« aus allen Teilen der Welt. Am 21. Mär? wW 4M jüdische Gemeinde a«a Webt«»® Reuse in einer repräsentativen Veranstaltung unter dem Vorsitz von Lionel de Rothschild eine Ehrung von Chief Rabbi Hertz in der Form einer Präsentation seines vorbildlichen Werkes, der Gesamtausgabe der Bibel und Propheten, durchführen. ün Denket auf Reisen Von H. M. St. Im Zuge einer großangelegten, allweltlichen Keren-Hajischuw-Aktion befindet sich der Leiter des ailweltlichen Keren-Hajischuw-Direktoriums, Dl'. Isaac Breuer, gegenwärtig auf einer Tournee durch die Slowakei. Wir sind in der Lage, mit Befriedigung feststellen zu können, daß die bisherigen Besuche an den wichtigsten Punkten der jüdisch-orthodoxen Slowakei mit dem gebührenden Erfolg gekrönt wurden. I. Es gibt nunmehr kaum jemanden, der die dringliehe Notwendigkeit der orthodoxen Erez-Jilsroel- Arbeit bezweifeln möchte. Die traurigen Ereignisse in Erez Jisroel wird wohl niemand, der den gesunden Verstand nicht verloren hat, als Gegenbeweis der weiteren religiösen Aufbauarbeit in Erez ■Tisrogl führen wollen. Ob eine neuerliche größere Einwanderung, wie wir hoffen, in der nächsten Zeit wieder möglich sein würde oder, G-tt bewahre, nicht — eines steht aber ohne Zweifel fest: Wir können uns unter keinen Umständen von der mahnenden Pflicht befreien, unseren schwerbedrängten frommen Brüdem, die wir selbst in das Heilige Land schickten, zu Hilfe zu eilen und ihren materiellen und geistigen Untergang in der sie umringenden geistigen und materiellen Not zu verhindern. Und noch eines: Wir können uns nie und nimmer von der Verpflichtung losmachen, das religiöse Leben im Heiligen Lande, das nun einmal schon existiert, zu schützen, zu pflegen, zu stärken und zu erweitern. Durch Errichtung eines gut ausgebauten, breitverzweigten orthodoxen Chinuchs, durch Verbreitung des upverfälscb.ten, quellreinen orthodoxen Gedankens, nach dem sich 30 viele heute sehnen, und durch der politischen, wirtschaftlichen und geistigen Sammlung der zerstreuten und zersplitterten, thoratreuen Kräfte. Die schmerzlichen Ereignisse müssen vielmehr eine Deutung im entgegengesetzten Sinne erfahren. Sie sind ein Zeigefinger G-ttes, der aber in positiver Richtungzeigt. Es scheint, daß die Vorsehung, nach der vielen Verständnislosigkeit und unverzeihlichen Gleichgültigkeit, die sich die Weltorthodoxie gegenüber dem Erez-Jisroel-Aufbau zuschulden kommen Heß, dieser noch immer eine Chance zur Begleichung alter Schulden offen lasöen will. Die Wunderlichkeit und Uebematürlichkeit, unter denen sich die Aufbauentwicklung des neuen Jischuws vollzogen hat, scheinen von den Hemmungen,!Störungen und Zerstörungen!, denen sich dieses Wunderwerk nun plötzlich ausgesetzt sieht, an Unnatürlichkeit übertroffen. Die fatalen, überraschenden Ereignisse, die wider jedem Erwarten gar nicht aufhören wollen, sollten zwei Zwecken dienen: Jene Teile des jüdischen Volkes, die da in dem Großgerede prahlten: ״Meine Kraft und die Macht meiner Hand schufen dieses Werk“, sollte dieser Strich in der Rechnung zur Besinnung mahnen. Jenen Teil des jüdischen Volkes aber, der ansonsten, treu zu G-tt und seiner Thora geblieben ist, sollten diese Schläge und der dadurch entstandene Stillstand in der rapiden Entwicklung des Landes, die Aufforderung und die Möglichkeit bedeuten, ihre längst vorangegangenen, leider auf einem Irrwege sich befindenden Brüder einzuholen, das von ihnen angestiftete Unheil zunächst zu mildern, dann auszugleichen und schließlich vielleicht, mit G-ttes Hilfe, ganz gutzumachen. Das erste Ziel scheint leider, zumindest bisher, verfehlt zu sein. Es fehlen unseren Brüdern die nötigen Voraussetzungen, aus den deutlich genug sprechenden Ereignissen die unweigerliche Konsequena zu ziehen. Wenn nun zumindest die Orthodoxie sich der Sprache der Geschichte nicht verschließen würde, dann hätten die Opfer einen Sinn. Wie trostlos wäre es aber, wenn die Himmels- Zeichen auch hier auf stumpfe Verständnislosigkeit stoßen und keine Spur von einer Wendung zum Besseren auslösen würden! Da wir uns dann die unbarmherzige Frage stellen müßten: Wozu sind die Opfer an jüdischem Besitz und jüdischem Leben gefallen? Dr. Isaac Breuer nahm auf sich die gar nicht leichte Aufgabe, diese Erkenntnis und diese Auffasöung der Lage allen unseren gleichgesinnten Brüdern beizubringen, denen die Zukunft Erez Jisroels, der darin lebenden Brüder und des ganzen jüdischen Volkes am Herzen liegt, beizubringen. Ist man aber zur richtigen Erkenntnis gelangt, dann genügt diese allein nicht mehr, sondern als einzige reale Konsequenz derselben muß eine Keren-Hajiachuw-Arbeit von jenem Ausmaß einsetzen, die es ermöglichen soll, einen bedeutenden Schritt vorwärts auf dem Gebiete der orthodoxen Aufbauarbeit zu gehen und überhaupt den Keren-Hajiscbuw endlich zum tatkräftigen, entscheidenden, schaffenden Faktor im Loben unaere« Volkes im HaiUgen Lande auszubauen.