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Jüdische Presse · 1938-03-04 · 9 (4.3.1938) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
24 (1938)
Issue
9 (4.3.1938)
Date
1938-03-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 8 lockern zu können, wird in Rumänien ein System begünstigt, das zum Regime Goga-Cuza führt — allerdings hier zu einem kurzlebigen Intermezzo. Und so geht es in einem fort. Der Jude muß überall herhalten, wo es internationale Schwierigkeiten gibt. Fürwahr, die Internationalisierung der Judenfrage erweist sich eher als Plage denn als Wohltat! Leider gibt es heute kein hinreichendes Abwehrmittel dagegen. Die Entwicklung hat bereits derartige Formen angenommen, daß nur eine entgegengesetzte! Entwicklung Abhilfe schalfen könnte. Waren die Juden, entgegen den Behauptungen ihrer Hasser, immer an Frieden und Ruhe unter den Völkern interessiert, so sind sie es jetzt um so eher. Sie haben daher allen Anlaß, die Entwicklung der internationalen Situation mit großem Interesse zu verfolgen und jede Besserung lebhaft zu begrüßen. Leider sind die Aussichten noch immer nicht allzu rosig und selbst alle gutgemeinten Absichten stoßen auf Hindernisse und begegnen ernsten Schwierigkeiten. Wir haben vorläufig nur wenig Veranlassung, der allernächsten Zukunft zuversichtlich entgegenzusehen. Nur eine Wandlung der Geister, ein Obsiegen der Vernunft könnten Abhilfe schaffen. Die Welt, die infolge einer Verkettung verschiedener Umstände aus den Fugen geraten ist, kann nur langsam wieder eingerenkt werden. Wir müssen uns mit Geduld wappnen und es bleibt uns nichts anderes übrig, als im Sinne unserer Tradition auf G-tt zu vertrauen. Die Jesdiiwoh in unserer Zeit«) Von Dr. Isaac Breuer, Jerusalem. Das Volk der Thora verdankt seine Erhaltung und seine Lebenskraft der Jeschiwoh. Die Offenbarung am Sinai, ja, selbst das geschriebene Wort G-ttes wäre verweht, wenn nicht vom Tage der Gesetzgebung bis zu unserer Gegenwart in ununterbrochener Folge Generation für Generation in der Jeschiwoh sie immer von neuem vernommen, immer von neuem sie in sich aufgenommen hätte. Die volkstümliehe Bezeichnung des größten der Propheten lautet nioht ,,Mausehe, unser Prophet״, sondern *) Aus den ״Mitteilungsblättern“ der Agudas- Jisroel-J ugendgruppe. ,,Mauaehe, unser Lehrer“. Als Jeschiwoh-Haupt lebt Mausohe in der Erinnerung unseres Volkes. Die Jeschiwoh verwahrt und verwaltet das Nationalkapital des jüdischen Volkes. Mit der Jeschiwoh steht es und und fällt es. Kein anderes Volk kennt die Beziehung, die durch die Jeschiwoh geschaffen wird: Beziehung zwischen dem ״Rebben“ und den Tahnidim, eine Beziehung, die nicht mit den Jahren verblaßt, sondern als ein unzerreißbares Band der Treue für das ganze Leben gilt. An Stelle G-ttes steht dem Jünger der Jeschiwoh sein Rebbe als Gesetzesoffenbarer. Drum sind die Treue zu G-tt und die Treue zum Rebben völlig wesensgleich. Jede echte Jeschiwoh ist ein verjüngter Sinai. Jüdische Eitere, schickt eure Kinder zum Sinai! Wie wollt ihr anders der Pflicht genügen, die G-tt euch ihnen gegenüber auferlegt hat. Eure Söhne werden es nicht leicht haben hn Leben. Verworren und dunkel ist die Zeit, die ihrer harrt. Nur wissende, nur bewußte jüdisehe Menschen, nur echte ,Söhne der Thora“ werden ihr gewachsen sein. Nur die Jeschiwoh kann ihnen das Rüstzeug geben, daß sie im Kampfe bestehen. Und nur die Jeschiwoh kann sie zu wahrhaft glücklichen Menschen machen. Nicht von außen wird das Glück an eure Söhne herantreten. Karg und dürftig ist das Maß der Freude, das ihnen unsere Zeit zu spenden hat. Unsere Zeit macht ihnen das Judesein zu einem härteren Schicksal denn je. Nur die Jeschiwoh vermag dieses Schicksal in g-ttliche Berufung umzuwandeln und zu einer unerschöpflichen Quelle des Glücks zu gestalten. Schon der Name ״Jeschiwoh“ bedeutet Ruhe, Friede, Sammlung, Rast. Zur Jeschiwoh schicket darum eure Söhne, daß sie in sturmbewegter Zeit in der Jeschiwoh wie in einer; Oase die Ruhe und den Frieden im Lernzimmer der Thora Sammlung und Rat in der Hingabe zu den geoffenbarten Kulturgütern unseres Volkes finden, daß die Jahre der Jeschiwoh ihnen Jugendjahre edelsten und reinsten Glückes werden, in denen sie Liebe zur Thora und Freude an der Thora gewiDBuep,,r um Zeit ihres ganzen weiteren Lebens davon zu zehren. Wer glückliche Jugendjahre hatte, kann niemals im Leben des Glückes ganz entbehren. Von der Jeschiwoh gilt das Wort des Propheten: ״Dies ist die Ruhe, gönnt sie dem Müden und dies ist die Seelenrast“. Werbeaktion für die ״Jüdische Presse Die Ausgestaltung der ״Jüdischen Presse“ in Inhalt und Umfang hat im Kreise der Leser lebhafte Zustimmung and Anerkennung gefanden und allseits werden Wünsche )Mit, (ml! diesem Wege weiter zu gehen und diese Ausgestaltung auszubanen. 80 sehr die Leitung bereit sei, diesen Wünschen zu entsprechen, so stehen diesen finanzielle Gründe im Wege and es hängt in erster Reihe von der Bereitwilligkeit der Freunde und Anhänger des Blattes ab, diese aus dem Wege zu räumen. Obwohl es der Leitung widerstrebt, eine öffentliche Werbeaktion in die Wege zu leiten, se findet sie sich dennoch veranlaßt, einen der vielfach unterbreiteten Vorschläge zu akzeptieren, und so wendet sie sich hiermit an den Leserkreis mit dem Ersuchen, den Freudenmonat ״Weadar“ zur Durchführung einer Werbeaktion für die Ausgestaltung der ״Jüdischen Presse“ zu gestalten. 'י' -;:ü Dieser Werbeaktion stehen zwei Wege offen: 1. Jeder Abonnent wirbt in seinem Bekanntenkreise einen neuen Abonnenten. 2. Jeder Freund unseres Blattes trägt sein Seherflein im Wege eines freiwilligen Beitrages für den Pressefonds bei, und ruft einige seiner Freunde zu gleicher Aktion auf. Von dem Erfolg dieser Aktion hängt die Frage einer weiteren Ausgestaltung der ״Jüdisehen Presse“ ab und wir wollen hoffen, daß der Aktion im Interesse der Sache dieser Erfolg beschieden sein wird. Die Namen der Werber und Spender werden in der ״Jüdischen Presse“ veröffentlicht werden. Die Schriftleitung und Verwaltung. IHII1IIII1II1IIIIII111III1I1IIIII1II1IM DRINGEND werden die geehrten Abonnenten der ״Jüdischen Presse“ ersueht, ihre Rückstände za begleichen sowie das Abonnement pro 1938 erneuern za wollen, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. lilillliilllllllllllillllllilli Bi&el und Psalmen Ostjüdische Legende Von J. K r e p p e I In Polen lebte einst ein sehr reicher Jude, ebenso fromm wie wohltätig. Er erfüllte die Gebote der Thora und verteilte seine reichen Einkünfte unter die Armen und Bedürftigen. Eines Tages faßte er den Entschluß, eine eigene Thorarolle schreiben zu lassen. Diese Thorarolle sollte aber das Reinste und Heiligste sein, das es je gab. Er ließ ein Dutzend junger, kaum geborener Kälber kaufen, stellte diese unter die Aufsicht eines jüdischen, äußerst frommen Hirten, der strenge darauf achtete, daß die Kälber nichts Unreines und nichts genießen, was nicht Eigentum des reichen Mannes sei. Als die Kälber groß geworden waren, ließ er sie von einem besonders frommen Schochet schlachten. Das Fleisch wurde zur Gänze unter die Armen verteilt und die Felle einem frommen jüdisehen Gerber anvertraut, der sie zu Pergament verarbeitete. Hernach suchte der reiche Mann im ganzen Lande den frommsten Thoraschreiber aus, richtete ihm ein besonderes Zimmer ein, damit er ungestört sich seiner heiligen Arbeit widmen könne. Br errichtete auch ein besonderes Tauchbad, in welchem der Soffer immer ein Bad nahm, sooft er den heiligen Namen G-ttes niederzuschreiben hatte. Acht Jahre nahm das Schreiben der Thorarolle in Anspruch. Es war ein selten schönes und außerordentlich heiliges Exemplar. Als es fertig war, ließ der reiche Mann dasselbe mit Gold aufwiegen und verteilte den Gegenwert unter Arme und Bedürftige. Er gab schließlich an dem Tage, an dem die Thorarolle der Synagoge übergebe* werden sollte, für die gange jüdische Gemeinde ein reiches Festmahl■ Es wund# das Teuerste und Feinst» vorbereitet, das überhaupt auf- »«treiben war, Einer der Diener de« reichen Mannes war *in einfacher, aber g-ttergebensr Mann. Da er kein Schriftgelahrter war und seine frei*« Stunden nieht dem ThorMtudium widmen konnte, pflegte er bei jeder Gelegenheit Psalmen zu rezitieren. Immer, wo er stand und ging, psalmierte er und erhielt deswegen den Beinamen ״Der Psalmsager“. Am Tage des großen Festes wurde ihm die Aufgabe zugewiesen, für die Gäste Wasser bereit zu halten, damit sie sich vor dem Mahle, wie vorgeschrieben, die Hände waschen. Da er bis zu diesem Moment nichts anderes zu tun hatte, begab er sich in ein besonderes Zimmer und verbrachte die Wartezeit mit seinen Psalmen. Er vertiefte sich so sehr in ein andächtiges Rezitieren, daß er ganz an seine Arbeit vergaß. Als die Gäste zu Tisch gingen, war niemand da, der ihnen Wasser reichen sollte. Der Gastgeber geriet in einen heftigen Zorn, stöberte den Psalmsager auf und überschüttete ihn mit Vorwürfen. Dieser versuchte sich mit seinen lieben Psalmen zu entschuldigen, wurde aber noch heftiger gescholten, wobei dem Gastgeber die Worte entschlüpften: ״Wegen deiner sinnlosen Psalmsagerei ist mein Fest gestört.“ Das Mahl war im Gange. Der Gastgeber bemühte sich persönlich um seine Gäste und sorgte dafür, daß jedem sein Wunsch geschehe, als eine Kalesche vor dem Hause Halt machte und der reiche Mann gebeten wurde, hinauszukommen. In der Kalesche saß ein Fürst, der den Gastgeber einlud, in den Wagen zu steigen, da er mit ihm eine geschäftliche Angelegenheit zu besprechen hätte. Der Mann versuchte, sich zu entschuldigen. Er habe jetzt Gäste im Hause und könne unmöglich abkommen. Aber der Fürst drängte und versicherte, es handle sieh bloß um eine Unterredung von wenigen Minuten. Widerstrebend bestieg der Gastgeher die Kalesche, die «ich mit einer unerhörten Geschwiadigkeit in Bewegung setzte, f ald entschwand die ftftdt dem Auge de* Reisenden. Binnen weniger Minuten waren Me in einen tiefen Wald hineinfefahri» 0״״ de* Wegen blieb vor d*n Taren •Ines hohen Palaste« «t»hen• Der Fürst und sein Diener führten den vor Vttommämg softer Fa*nmg garat«aae Kann in einen großen Saal. In diesem befanden sich einundsiebzig Richterstühle um einen langen Tisch. Von der Decke verbreitete eine herrliche Lampe ein sonnenartiges Lieht. Eine Bank stand vor dem Tisch und der reiche Mann wurde gezwungen, auf dieser Platz zu nehmen. Bald öffneten sich die Flügeltüren des Saales. Es erschienen drei prächtige Greise, weiß gekleidet. Ihnen folgte ein imposant aussehender Mann, ln den Kleidern eines Hohepriesters. Dann kamen Richter, Schreiber und Gefolge, die die einundsiebzig Stühle besetzten. Nun öffnete sich wieder eine Tür und würde- und hoheitsvoll schritt eine blendende Erscheinung herein, mit einer herrlichen Krone auf dem Haupt, ein in Gold gebundenes Buch in der Rechten, ein gepter in der Linken. Die Erscheinung trat vor die Richter und sprach: ״Höret, ihr Patriarchen! Höret, ihr Priester! Höret, ihr Richter! Ihr wißt, daß unser Lehrer Mose seine Thora in fünf Büchern schrieb, ihr wißt auch, daß ich meine Psalmen in fünf Bücher einteilte• Die Thora ist ein Gesetzbuch. Meine Psalmen sind ein Buch des Gebetes und der Erbauung. Wer ein schweres Herz hat, findet in meinen Psalmen Trost, wer in Not geraten ist, schöpft aus meinen Psalmen Hoffnung und Vertrauen. Nun hat der Mann, der vor euch sitzt, meine Psalmen beleidigt. Er, der die heiligen Bücher der Thora hat schreiben lassen, hat seinen Diener dafür beschimpft, daß er in meinen Psalmen Trost und Erbauung findet. Unser Lehrer Mose 3011 nun den Frevler richten.“ Und wieder öffnete sich eine Türe und Strahlend vor Herrlichkeit erschien Mose, der Knecht G-ttea, und der Vater der Thora und der Vater der Psalmen standen sich gegenüber. Die Kalesche fuhr mit gewaltiger Geschwiadigkeit. Bald blieb sie vor dem Hause des reichen Mmws« 8t«ben, der rieh wieder zu sein«! Gäste» begab. Er ließ den Psalmsager rufen und bat ihn vor den Versammelten um Venwibung■ Dann lud er ihn MR! RR «einer Seite $xn Festti*J» VW• su Rahm«, uni ersähtt# den Oäiten auf ihre erstaunte Frage das, was er in drei letzten Minuten erlabte.

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