Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 24 (1938)
- Issue
- 6 (11.2.1938)
- Date
- 1938-02-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 6 Anordnung bereits durch und haben alle im Grenzgebiet auf tschechoslowakischer Seite lebenden Juden bei versuchter Grenzüberschreitung zurückgewiesen. Da zwischen Rumänien und der Tschecho- Slowakei eine Vereinbarung über die Durchführung des kleinen Grenzverkehrs aus dem Jahre 1923 besteht, hat das Landesamt in Uihorod einen Bericht an das Innenministerium in Prag geschickt, um über das Außenministerium eine Intervention zu veranlassen. An den Ufern des Grenzflusses Theiß versammein sich auf einer Seite tschechoslowakische, auf der anderen rumänische Bürger und besprechen ihre Angelegenheiten durch laute Zurufe über den Fluß. Damit die Gespräche besser zu hören sind, bedienen sich die Sprechenden gewöhnlich selbst angefertigter Papiermegaphone. * ״Siebenbürgisch-Deutsches Tageblatt“ berichtet aus Bukarest: Arbeitsminister Cuza beschloß, bei der Zentralkrankenkasse keine Lieferungen seitens jüdischer Firmen mehr zu dulden. Die Lieferanten haben Listen ihrer Verwaltungsräte, ihres Personals und — bei Vertretungen — die gleichen Verzeichnisse ihrer ausländischen Firmen einzureichen, um ihren arischen Charakter festzustellen. Den Rechtsanwälten, Ingenieuren usw. der Hauptstadt sind nun auch die rumänischen Christliehen Aerzte mit der Ausschließung der Juden aus ihrer Gemeinschaft gefolgt. In Hinkunft sollen Juden das Recht freier Berufsausübung in Ilfov nicht mehr erhalten, bis ihre Staatsbürgerschaft und ihr eventuelles ausländisches Diplom nicht überprüft sind. Dazu erklärte Professor Minovici als Vorstand der Aerztevereinigung, daß man keine erworbenen Rechte antaste, weil es sich nur um zukünftige Aufnahmen handelt, und daß es nur von der Ueber- Prüfung der Vorbedingungen abhänge, bis auch Juden wieder aufgenommen werden könnten. Die anfisemitisdie Welle Die jüngsten Ereignisse, besonders die Vorgänge in Deutschland und in Rumänien, haben auch in anderen Ländern der antisemitischen Bewegung neue Antriebe gegeben. Böse Beispiele verderben gute Sitten. So meldet der ,,Times“-Dienst aus Rom: . ״Der italienische Faschismus hat in der letzten Zeit zahlreiche Beweise dafür geliefert, daß er den Einflüssen Berlins durchaus zugänglich ist. Die Uebernahme des deutschen Stechschrittes durch die faschistische Miliz ist ein solches Beispiel für diese Tendenz. Nun kann auch noch der Antisemitismus unter jene Reihe gezählt werden, die man in Italien kopiert, um die Wirksamkeit und Kraft der Berlin-Rom- Achse zur Schau zu stellen. Die itaüenisehen Verleger sind gestern offiziell verständigt worden, daß sie keine Bücher italienischer Juden mehr veröffentlichen dürfen, ohne hiefür die amtliche Bewilligung erhalten zu haben. Bücher ausländischer Juden dürfen überhaupt nicht mehr in Italien übersetzt und Theaterstücke ausländischer Juden dürfen nicht mehr aufgeführt werden. Den Juden ist in Hinkunft die Benützung des Radios verboten. (In einer Erklärung von maßgebender römischer Stelle wird hiezu festgestellt, daß sich diese Maßnahme nicht gegen die Bücher italienischer Juden richtet, sondern gegen die Schriften antifaschistischen Inhalts, deren Verfasser ausländisehe Juden sind, wobei nochmals festgestellt wird, daß es in Italien keinen Antisemitismus gibt.) Irgendwelche Maßnahmen dieser Art hatte man seit einiger Zeit erwartet. Es gab zahlreiche Hinweise dafür in der faschistischen Presse und man hatte das Gefühl, daß der Antisemitismus in der Luft liegt. Die radikalen faschistischen Zeitungen ״Regime Fascista“ und ״Tevere“ haben sich seit langem zur antisemitischen Propaganda bekannt. In den letzten ein oder zwei Monaten ist diese Tendenz auch in anderen Zeitungen zutage getreten. Der Beifall, den die antisemitischen Maßnahmen der rumänischen Regierung.in Italien gefunden haben, war ein Beweis dafür, ebenso wie zahlreiche Karikaturen in der italienisehen Presse. Bis jetzt sind die erwähnten neuen Bedroht durch Grippe? Sie müssen die Zufahrtswege auf denen die Grippe-Bazillen in Ihren Organismus gelangen, in einem Zustand verstärkter Abwehrbereitschaft versetzen! Regelmäßige Desinfektion des Mundes, der Nasenhöhle und der Atmungsorgane mit Alpa-Franzbranntwein stählt Ihren Organismus, ist somit eine sichere Abwehr gegen jedwede Grippegefahr. Alpa-Franzbranntwein vorbeugend, gesundheitsfördernd. Fragen Sie Ihren Arzt! Alpa gibt es nur in plombierten Originalflaschen! I r Verordnungen in der Oeffentlichkeit noch nicht | bekanntgeworden und es wird interessant sein, : zu sehen, ob andere demonstrative Maßnahmen ■ gegen Juden erfolgen werden. . i Ihr Korrespondent hat Anlaß, zu glauben, i daß derartige Aktionen augenblicklich zur Dis- | kussion stehen. Immerhin besteht noch ein Unterschied zwischen den Juden in Italien und denen in Deutschland, weil die Juden in Deutschland eine gewisse Vorherrschaftsstellung in verschie-; denen Zweigen des Wirtschaftslebens gehabt! hatten und es daher leicht war, einer ungebildeten Masse einzureden, daß die Juden eine Bedrohung der Nation darstellen. In Italien gibt es insgesamt nur 40.000 Juden und es ist kaum möglich, dem Volke einzureden, daß diese 40.000 das Lebensblut der Nation aussaugen, es sei denn, daß die offizielle Propaganda mit aller Macht einsetzt, um den Antisemitismus in Italien zu derselben Blüte zu treiben, die er in Deutschland gefunden hat.“ * Aber auch in der Tschechoslowakei fehlt es nicht an Hetzversuchen, die in gewissen Blättern ihren Niederschlag finden. In einem Bericht über die mangelnde Organisation für den handelspolitischen Ausbau der Beziehungen mit Rumänien schreibt der Liga- Abgeordnete Kut im ״Poledni list“ u. a.: ״Wir brauchen in Rumänien an Stelle der Bürokraten junge, wirtschaftlich gebildete Menschen. Hier würde sich besonders das System der Konsularagenten an Stelle des heutigen unpraktischen Systems bewähren. Hier in Bukarest lacht man überhaupt und sagt, daß wir dort keine Konsuln haben, sondern ״Kohnsuln“, denn in Czernowitz vertritt uns Herr Hermann, in Temeschwar Herr Ganz und in Braila Herr Braun.“ Angesichts der antijüdischen Maßnahmen in Rumänien schreibt die Zeitschrift ״Zem“: ״Die Tschechoslowakei war bis jetzt eine Sammelstelle für die jüdischen Auswanderer. Nun wird die Judenfrage auch für unseren Staat ein aktueiles Problem. Die Maßnahmen der Regierung gegen den Zustrom von Juden aus Rumänien werden nicht genügen. Bei uns gibt es gegenüber den Juden keinen Rassenhaß. Aber gerade aus diesem Grunde dürfen wir es nicht dulden, daß Juden auf Kosten anderer wirtschaftlich schlechterer Schichten leben. Unserer Ansicht nach beginnt eigentlich das ganze Problem erst jetzt. Die Juden geben aus sich heraus ihre Absichten und ihr wirtschaftliches Uebergewicht nicht auf. Wir haben ihnen gegenüber auch noch in nationalen Angelegenheiten Einwendungen.“ Das Schicksal der Flüchtlinge und Staatenlosen Die Ereignisse in Rumänien haben das Flüchtlingsproblem neuerdings aktualisiert. Obzwar momentan von einer größeren Abwanderung rumänischer Juden — trotz aller antisemitischen Hetze — keine Rede sein könne, wird allgemein angenommen, daß es dazu doch kommen werde müssen, wenn das Regime Goga-Cuza am Ruder bleibt und seine antijüdische Politik zur Durchführung bringen werde. Es ist deswegen von Interesse, daß man sieh gerade dieser Tage in Genf neuerlich mit dem Flüchtlingsproblem beschäftigte. Diesbezüglich wird aus Genf berichtet: Die Konferenz der Regierungsvertreter zur Annahme eines definitiven Rechtsstatuts der aus Deutschland kommenden jüdischen und nichtjüdischen Flüchtlinge hat am 7. Februar unter der Leitung des Hohen Völkerbundkommissärs für die deutschen Flüchtlinge, des englischen Generals Neil Malcolm, ihre Beratungen aufgenommen. Das am 4. Juli 1936 von den Regierungsvertretern angenommene und jetzt in Kraft befindliche provisorische Statut wurde von Frankreich, England, Belgien, Holland, Spanien, Dänemark und der Schweiz unterzeichnet und verifiziert. Es soll jetzt in ein endgültiges verwandelt werden. Eine Reihe von Regierungen hat, wie heute mitgeteilt wird, schon jetzt ihre Delegierten ermächtigt, auch dieses zu unterzeichnen. Auf der Konferenz sind vertreten: England durch den Chef des Home Office, Cooper, Frankreich durch den bevollmächtigten Minister und Unterdirekter im Auswärtigen Amt, Reffye, sowie durch den Generalrat des Seinedepartements, Longuet. Belgien hat eine Delegation unter Führung des zum Vorsitzenden der Konferenz gewählten Ministers De Brouekere entsandt, Polen den ersten Legations- Sekretär Trebitzky. Die Staaten Holland, Portugal, Schweden, Dänemark und die Tschechoslowakei haben ihre ständigen Völkerbundvertreter und die Schweiz den Leiter der Polizeiabteiiung des eidgenössischen Justizdepartements, Rothmund, delegiert. Die Vereinigten Staaten haben in der Person des Genfer Konsuls einen Beobachter entsandt.! Zu den nichtöffentlichen Sitzungen sind auch die Vertreter des zur ständigen Fühlungnahme mit I dem Hohen Kommissär eingerichteten, aus Mitgliedern von 25 Organisationen unter Führung von Lord Samuel gebildeten Verbindungskomitees zugelassen. In zwei Sitzungen hat heute die Regierungskonferenz die Generaldebatte auf Grund des schon der Vollversammlung des Völkerbundes erstatteten Berichtes des Hohen Kommissärs aufgenommen. Es wurden zwei Vertreter des Verbindungskomitees vernommen. Der englische Professor Norman Nentwich teilte unter anderem mit, daß 130.000 jüdische und 15.000 nichtjüdische Flüchtlinge bisher aus Deutschland ausgewandert sind. 100.000 jüdische Flüchtlinge haben sich in Palästina und den überseeischen Ländern niedergelassen. In den europäischen Ländern hat sich die Zahl der jüdischen Flüchtlinge seit 1933 von 60.000 auf die Hälfte vermindert. Der Pariser Advokat Ferucci gab namens des Verbindungskomitees eine Uebersicht über das bisher vollbrachte Hilfswerk und regte folgende Verbesserungen des provisorischen Statuts an: Zunächst verlangt das Komitee, daß die jüdischen Flüchtlinge unter keinen Umständen nach Deutschland zurückgebracht werden, auch nicht aus den vielen Deutungen ausgesetzten Gründen der öffentlichen Ordnung: die Flüchtlinge sollen unter anderem nicht erst nach drei Jahren, sondern binnen einer kürzeren Aufenthaltsfrist in dem betreffenden Land Arbeitserlaubnis erhalten. Ein neuer Artikel soll die Schaffung einer Verwaltungskommission vorsehen, deren Aufgabe es unter anderem wäre, den wirkliehen Charakter der Eingewanderten als Flüchtlänge festzusteilen und ihnen den in der Konvention vorgesehenen Identitätsausweis auszustellen. Die Frist der Kündigung des endgültigen Rechtsstatuts durch die Unterzeichner soll mindestens auf ein Jahr festgesetzt sein. ZsckecUosiowakei Von der ״Mewaksche Thora“ in Bratislava Am Sonntag, den 16. Jänner 1938 hielt, der Verein thoralernender Angestellter (Chewroh Mewakscheh Hatoral seine 12. ordentliche Generalversammlung ab. Die in großer Anzahl erschienenen Mitglieder begrüßte Herr Präses Ernst Schay mit herzlichen Worten. Darauf erfolgte die Verlesung des Protokolls der vorjährigen Generalversammlung, das von zwei Mitgliedern verifiziert wurde. Hernach hielt Präses Schay einen ausführlichen ׳ Tätigkeitsbericht über das verflossene segensreiche Arbeitsjahr. Er führte in schlichten Worten die hervorragende und weitgehende Tätigkeit des Vereines aus und spendete dabei dem verdienstvollen ehrwürdigen Vereinsrabbiner Salomon Unsdorfer ein weitgehendes Lob, das er sich wegen seiner so geselligen und aufklärenden Vortragsweise in den einzelnen Schiurim auch tatsächlich erworben hat. Der Redner konnte mit Befriedigung einen Aufschwung der Chewroh feststellen, der sich besonders in der regen Anteilnahme an den Schiurim zeigte. Hernach erfolgte die Neuwahl der Leitung, die folgendes Resultat ergab: Präses Ernst Schay, Vizepräses Emmerich Kohn, Kassier Wilhelm Grünsfeld, Kontrollor Endre Wetzler, Schriftführer Gabriel Lieben und Bibliothekar David Eckstein. G. L. Palästina In den letzten Tagen scheint die Situation hinsichtlich der Terrorakte sich ein wenig gebessert zu haben. Allerdings haben diese noch nicht ganz aufgehört. * Nach der Verurteilung des jüdischen Polizisten Schwarz zum Tode ist. nun auch ein zweiter, Altmann, von einem gleichen Urteil betroffen worden. Während es aber Schwarz gestattet wurde, gegen das Urteil Berufung einzulegen, ist das Todesurteil gegen Altmann sogleich in lebenslänglichen Kerker umgewandelt worden. * Wie verlautet, ist die neue Untersuchungskommission füd Palästina bereits ernannt worden und soll diese ihre Arbeit anfangs März aufnehmen. Die Zusammensetzung derselben ist jedoch noch nicht bekannt. * Nach einer statistischen Zusammenstellung sind seit 1919 über 300.000 Juden nach Palästina eingewandert. * Meldungen zufolge sollen die im Konzentrationslager in Akko in Haft befindlichen Juden in Kürze freigelassan werden. Vier Juden aus