Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 24 (1938)
- Issue
- 5 (4.2.1938)
- Date
- 1938-02-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 5 JÜDISC HE PRESSE Seite 5 Engländern und arabischen Banden zu einer förmlichen Schlacht gekommen. Angeblich gibt 0* bereits 25 Todesopfer, darunter einige Engl*nder. Die Kämpfe sind noch nicht abgeschlossen. Die Araber erhalten jetzt auch politischen Sukkurs aus Aegypten. 50 ägyptische Pariamentarier und Senatoren haben dem englischen Vertreter in Kairo eine Eingabe überreicht, in der sie für die arabischen Postulate eintreten. aus üt****** Die Lage der ungarischen Juden wird immer gefährdeter. Aeußerungen, genauer gesagt: Drohungen einzelner Staatsmänner, Verwaltungsmaßregeln, schließlich die Hetze gewisser Preßorgane — zu denen auch die Boulevardpresse der Regierung gehört — und politischer Organisationen, zeigen immer deutlicher, daß auch hier schwere Gewitterwolken herannahen. Der ״grand old man“ der ungarischen Judenheit, der achtzigjährige Josef Veszi — bis vor kurzem Chefredakteur des offiziösen ״Pester Lloyd“, Herrenhausmitglied, also bestimmt genau informiert — hat an der letzten Generalversammlung der Pester Israelitischen Kultusgemeinde, zu deren stellvertretenden Vorsitzenden er gewählt wurde, die Lage der ungarischen Juden klipp und klar folgendermaßen charakterisiert: Wir sind in unseren Existenzgrundlagen angegriffen. In unserer Nachbarschaft wüten derart schreckliche judenfeindliche Kämpfe, daß die Flammen in jeder Sekunde auf unser Land übergreifen können. Allerdings blieb Veszi auch die Schilderung jener Situation nicht schuldig, die entstehen würde, falls Ungarn das Beispiel seiner Nachbarn nachahmen wollte: Es ist schrecklich, sich vorzustellen, was aus diesem Lande würde, verlasse sie jenes Kapital an geistigen, moralischen und materiellen Kräften, welches das Judentum in ihm repräsentiert. Das würde eine derartige Verarmung und Verkrüppelung bedeuten, das beispiellos in der Geschichte ist. Fast gleichzeitig mit Veszis Rede erfolgte dennoch in der Handelskammer der Stadt Fünfkirchen (Pecs) eine Rede des ungarischen Finanzministers Fabinyi, die nichts weniger ankündigte, als daß man im Kreise des Handels mit dem Vormarsch der christlichen Elemente rechnen muß. ״Die ungarische christliche Gesellschaft erlebt ihre Neugeburt und will — sie hat das Recht dazu! — jene Positionen erobern, die sie früher anderen überlassen hat. . . . Dies ■wird allerdings den beati possidentes Schwierigkeiten verursachen, aber -keiner kann uns an diesem Vormarsch hindern . .. Man glaube aber nicht, daß wir diejenigen ausschließen wollen, die seit Jahrzehnten ehrlich und sachverständig dieses Gebiet bearbeiten. Wir möchten nur die gegensätzlichen Interessen ausgleichen.“ Die jüdische Presse Ungarns, insbesondere die orthodoxe ״Zsidö Ujsäg“, erblickt in dieser Rede, überhaupt in der Einbeziehung des Handels in die Politik und in ihrer Durchdringung mit politischen Schlagwörtern, eine schwere Gefahrdüng der jüdischen Existenz. ״Was sollen wir eigentlich beginnen? — fragt ,Zsidö Ujsäg‘ — Sollen wir nach Staatsämtern streben? Nach Ministerposten? Sollen wir den Versuch wagen, unser Brot in den staatlichen Betrieben zu verdienen? Sollen wir uns in der Landwirtschaft betätigen? Wird man es zulassen? Wird man uns denn keine Schwierigkeiten bereiten? .. . Warum kam jetzt auf einmal die Losung auf, den Kaufmannstand zu erobern? Weil man glaubt, man kann aus dem Handel leicht leben, man braucht dabei nichts zu riskieren, man kann ja die Leute zwingen, daß sie in diesen und nicht j in jenen Geschäften einkaufen!“ Die ungarischen Verwaltungsbehörden haben sich in den letzten Wochen auch einiges geleistet. Die jüdischen Bürger erhalten massenhaft Ladungen, in! denen sie aufgefordert werden, binnen 60 Tagen ihre Staatsbürgerschaft nachzuweisen. In Nyiregyhäza haben nicht weniger als 4500 Juden derartige Ladungen bekommen. Sollten sie nicht im Besitze der von der Behörde verlangten Papiere sein, so müssen sie bloß die Kleinigkeit nachweisen, daß ihre Eitern bereits , im Jahre 1851 in Ungarn gewohnt haben. I ״Zsidö Ujsäg“ weiß auch vom Schicksal der Familie Schächter aus dem Dorfe Bolyok einiges ן au erzählen. Jakob Schächter kam als kleines [! Kind vor 36 Jahren nach Ungarn. Durch Arbeit, Fleiß und Glück hat er es zu Wohlstand gebracht, hat aber erst vor 10 Jahren die gesetzliehen Sehritte zur Erwerbung der ungarischen Staatsbürgerschaft eingeleitet. Er hatte keinen Erfolg und wurde ausgewiesen. Schächter, seine Frau und seine zehn Kinder landeten im Schubhaus der Budapester Polizei. Nur mit schwerer Mühe gelang es der Zentralkanzlei der orthodoxen Juden, seine Frau und Kinder aus dem Gefängnis zu befreien. Der Ton der rechtsradikalen Presse ist stets hetzerisch gegenüber den Juden. Sie klatscht sogar den judenfeindlichen Verfügungen der rumänischen Regierung Goga Beifall, obzwar diese Regierung auch minoritätsalso Ungarnfeindlich ist und Goga. als er noch ungarischer Staatsbürger war, das Magyarentum stets bekämpft und das Land hochverräterisch verlassen hat. Alles wird ihm verziehen, weil er es versteht, seine Juden zu martern. (j. p.) deuiseklaud ,,Prager Mittag“ (31. Jänner) meldet aus Berlin: Das Blutschutzgesetz, das bekanntlich Juden verbietet, arische Dienstmädchen in ihrem Haushalt zu beschäftigen, ist jetzt durch ein grundsätzliches Reichsgerichtsurteil erweitert worden, das für Angestellte eines jüdischen Geschäfts folgende acht Beschäftigungen im jüdieclien Haushalt als mit der Ehre einer deutschen Frau unter 45 Jahren unvereinbar feststellt: 1. Der Transport von Milch und Butter des jüdisehen Inhabers in dessen Wohnung. 2.Das Abholen von Kaffee oder anderen Getränken aus der Wohnung des jüdischen Geschäftsmannes in dessen Geschäft, wenn auch die jüdischen Inhaber davon trinken. 3. Den Einkauf von Backwaren oder Erfrischungen im Geschäft, wenn die jüdischen Inhaber dadurch verpflegt werden. 4. Das Heraufholen von Wasser zu der Privatwohnung des jüdischen Inhabers, wenn damit die jüdische Haushälterin oder ein arisches Dienstmädchen über 45 Jahre unterstützt -werden soll. 5. Das Hinuntertragen des Ascheneimers zum selben Zweck. 6. Das Heraufholen von Feuerungsmaterial. 7. Das Führen der Kinder des jüdischen Geschäftsinhabers von dessen Privatwohnung zum Geschäft oder zurück. 8. Das Einkäufen von Lebensmitteln und das Ueberbringen des Eingekauften in die Privatwohnung des jüdischen Inhabers. Die ,.Jüdische Rundschau“, das Zentralorgan der Zionisten, ist für einen Monat verboten worden. Der Grund ist nicht bekannt. Hingegen ist das Verbot des ״Stürmer“ wieder aufgehoben worden. Julius Streicher hat also über seine Gegner gesiegt ■ und kann seine Hetzarbeit fortsetzen. Oesieuekk Teinfaltstraße und Judenhetze Die Aufdeckung der Nazipläne der Zentrale in der Teinfaltstraße hat wieder einmal den Beweis geliefert, wie ernstlich Oesterreich von dieser Seite bedroht ist. Allenfalls hat das energische Zugreifen der Regierung bewiesen, daß diese nicht weiter gewillt ist, dieses Treiben zu dulden, und die energischen Erklärungen des Staatssekretärs Zernatto in Salzburg und des Bundeskommissärs Adam in Klagenfurt zeugten für die Entschlossenheit der maßgebenden Faktoren, reinen Tisch zu machen. Daß diese Vorfälle den Hakenkreuzlern und ihren Hintermännern überaus peinlich sind, ist klar. Begreiflich daher ihr Bestreben, die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit ein wenig abzulenken — und dazu soll wieder einmal ״dar Jud“ herhalten. Die getarnten Naziblätter und auch diejenigen, die sich bewußt oder unbewußt im Fahrwasser derselben bewegen, zeichnen fortgesetzt das Gespenst einer ״Ueberflutung Oesterreichs durch rumänische Juden“ an die Wand und fordern ״Abhilfe“. Sie wissen von einem ,,Massenzustrom“ solcher Flüchtlinge zu erzählen, ohne zu bedenken״ daß ja, nachdem sowohl Oesterreich als auch Ungarn und die Tschechoslowakei die Erteilung von Einreisevisa für diese Flüchtlinge sistiert haben, eine! solche Massenzuwanderung schon technisch gar | nicht möglich ist. Einzelne mögen sich wohl hie und da einschmuggeln können — obwohl man auch hiefür jeden Beweis schuldig bleibt —, ein Massenschmuggel, der noch dazu über mehrere Grenzen betrieben werden müßte, ist aber geradezu unmöglich. Andererseits übersehen diese Herren, daß es ihnen nicht gut zu Gesicht steht, von einer Ueberflutung durch ״Nichtbodenständige“ zu faseln, gerade jetzt, wo es sich gelegenilieh der Enthüllungen über das Treiben der Teinfaltstraße herausgestellt hat, wieviele ״Nichtbodenständige'‘ hierbei die Hände im Spiel haben. Bedauerlich ist es jedenfalls, daß auch Organe, die ernst genommen werden wollen, in das gleiche Horn blasen. Es ist geradezu lache) - lieh, von der Gefahr zu sprechen, daß der österreichischen Landwirtschaft (!) eine Ueberflutung durch Juden droht, da bekanntlich von einem Anteil der Juden in der österreichischen Landwirtschaft kaum gesprochen werden kann. Und wenn ein anonymer Hotelier (jede Anonymität löst Skeptizismus aus) vor einer Ueberfüllung de!■ Hotels durch rumänische Flüchtlinge warnt, gleichzeitig aber zugibt, daß er selbst solche beherbergt, so erinnert er an das bekannte ״Non ölet“! Man sollte sich wahrlieh in der Strozzigasse fragen, wem mit derartigen Dinge gedient sein soll — in erster Reihe sicherlich den Elementen von der und um die Teinfaltstraße, gegen die das gleiche Blatt ja so stark Sturm läuft ,. . Trotz dieser Erscheinungen ist für die österreichischen Juden kein Grund zu besonderer Beunruhigung vorhanden. Die maßgebenden Stellen lassen sich von derartigem demagogischem Treiben nicht beeinflussen und denken nicht daran, diesem neuesten Trick der Nazipropaganda auf den Leim zu gehen. Generalversammlung des ״Band jüdischer Front- Soldaten Oesterreichs“ Am 29. Jänner fand die diesjährige, außerordentlich stark besuchte Generalversammlung des Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs statt. Bundesführer Hauptmann a. D. von Friedmann gedachte vorerst der toten Mitglieder des abgelaufenen Jahres und erstattete sodann den Rechenschaftsbericht. Nach Annahme einer durchgreifenden Statutenänderung wurde zu den Wahlen geschritten. Zum Bundesführer wurde unter allgemeiner Zustimmung neuerlich der bisherige Bundesführer Siegmund Edler von Friedmann gewählt, der somit bereits seit fünf Jahren an der Spitze des Bundes steht. In die Bundesexekutive wurden gewählt: Dr. Ingenieur Wechsler (Graz), Direktor Glaser und Doktor Löwenfeld als Bundesführerstellvertreter, zu Beisitzern der Exekutive die Herren Arthur Kohn und Dr. Josef Berger jun. In seiner Antrittsrede als neuer Bundesführer betonte Hauptmann von Friedmann, daß die Arbeit des kommenden Jahres in erster Lime im Ausbau der Abwehrarbeit gegen den sich ausbreitenden Antisemitismus bestehen werde und daß der Bund mit der größten Strenge darauf achten werde, daß jegliche Politik vom Bunde ferngehalten werde, damit er in die Lage komme, ein ehrlicher Mittler zu werden zwischen den einzelnen jüdischen Gruppen, weil nur durch die geschlossene Einheit im jüdischen Lager der antisemitischen Welle Einhalt geboten werden könne. Der Bundesführer betonte unter allgemeiner Zustimmung die unbedingte Loyalität der österreichischen Judenschaft gegenüber dem Vaterlande und der Regierung. Bei diesen Worten kam es zu einer spontanen, langanhaltenden und überaus herzlichen Ergebenheitskundgebung für den Bundeskanzler Dr. Schuschnigg. Auch im kommenden Jahre wird Bundesführer Hauptmann von Friedmann als Präsident des Weltverbandes jüdischer Frontkämpferorganisationen fungieren. Lerngemeinschaft ״Mekor Chajim“, Wien, II.. Große »Schiffgasse 1 Der abgeänderte Winterlehrplan lautet wie folgt: Täglich ein-'• Stunde vor Tefilas Schacharis im Schiff schul, Herr A. Feigelstock, Gemoro Bowo Mezio; t aglieh von halb 9 bis 10 Uhr abends im Beth Hamidrasch, Herr L. Breuer, Gemoro Chulim. Im Lokal Mekor Chajim, von 1/49 bis 1/410 Uhr: Montag: Herr Rabbiner S. Baumgarten, Mischnajoth Schabbos. D i e n stag: Herr Sekretär Moritz Spitzer, Dinim, Pele