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Jüdische Presse · 1938-02-04 · 5 (4.2.1938) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
24 (1938)
Issue
5 (4.2.1938)
Date
1938-02-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Nr. 5 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 DAS RELIGIÖSE LEBEN בנין נערים ־ סתירה! Die Katze kann das Mausen nicht lassen — und die P. Z., die heute in Wien unter der Tarnung ״Binjan Haarez“ segeln, können oder wollen ihrer antireligiösen Ideologie nicht entsagen. Für sie ist der von Lenin geprägte Grundsatz: ״Religion ist Opium für das Volk“ noch immer ein heiliges Dogma, an dem nicht gerührt werden darf. Und so ist es begreiflich, daß ihnen das starke Interesse der Glaubenstreuen für den Jischuw Erez Jisroel nicht in den Kram paßt und daß sie das Eindringen dieser Elemente ins heilige Land möglichst unterbinden möchten. Anstatt sich darüber zu freuen, daß nunmehr auch die Orthodoxie sich so lebhaft für Palästina interessiert und trotz aller Bedenken religiöser Natur, nach Kräften mittun will, sehen sie diese Wendung mit scheelen Augen an. Jeder religiöse Jude, der ins heilige Land kommt, ist ihnen ein Dorn im Auge und wenn es in ihrer Macht läge, würden sie ein Einwanderungsverbot für diejenigen Juden erlassen, für die die Gebote der Thora mehr bedeuten als die Grundsätze des Atheismus. Es paßt ihnen nicht, daß das jüdische Land jüdisch sein soll, daß dort die Grundsätze der Thora maßgebend sein sollen. Erst unlängst hat einer ihrer Führer, der das Kommando über die Arbeiter im Hafen von Tel-Awiw führt, religiöseingestellte Arbeiter zwingen wollen, am Sabbath zu arbeiten, und als sich diese weigerten, dem Befehle zu gehorchen, meinte er selbstherrlich: solange die Agudas Jisroel in Palästina nicht die Revolution durchgeführt hat, wird auch am Sabbath gearbeitet werden! Angesichts dieser Einstellung darf es nicht wundernehmen, wenn jede Erstarkung des religiösen Lebens im heiligen Lande diese Herren furchtbar beunruhigt. Wenn einmal das religiöse Element so weit sein wird, auf die Entwicklung der Dinge den ihm gebührenden Einfluß ausüben zu können, dann wird es mit der Herrschaft der offenen oder getarnten P. Z. vorbei sein. Deswegen wollen sie rechtzeitig einer solchen ״Gefahr“ Vorbeugen und so hat denn ihr Wiener Organ in der letzten Nummer einen Leitartikel über ״die Sorgen der jüdischen (!) Orthodoxie“ losgelassen, in dem dieser nichts weniger vorgeworfen wird, als daß sie, ungeachtet der im heiligen Lande herrschenden Unruhe und Un- Sicherheit, daran geht, ״die jüdische Landwirt- Schaft um ein großes Stück ihrer Entwicklung zurückzuwerfen. Was den Arabern nicht gelungen ist, wollen nun die Agudisten versuchen. Die Araber führen ihren Kampf gegen die jüdische Wirtschaft im Zeichen des Halbmondes und des — Hakenkreuzes. Die Aguda hat ihren Angriff auf die ökonomische Grundfeste des jungen jüdischen Jischuw im Zeichen der jüdischen (1) Bibel eröffnet.“ Was steckt hinter diesen großen Worten? Welch tückische Mittel wollen die Agudisten zur Anwendung bringen, um den Jischuw zu gefährden? Man höre und staune: ״Die Aguda hat nämlich entdeckt, daß das Jahr 5698 ein ״Schmittahjahr“ ist“, und deswegen: Zeter und Mordio! Diese ״gefährlichen Feinde des jüdisehen Volkes“ wollen nämlich dem Wahne nicht entsagen, daß das jüdische Land nur im jüdisehen Geiste, im Geiste der Thora, aufgebaut werden muß, wenn es Bestand haben soll. Diese ,,Klerikalen“ huldigen nämlich der Ansicht, daß, ״wenn G-tt ein Haus nicht aufbaut, seine Erbauer sich vergeblich bemühen“. Sie haben in der ״jüdischen“ Bibel eine Stelle gefunden, wo es heißt, daß nur die Befolgung der Schmittah- Vorschriften den Besitz des Landes sichert, die Nichtbefolgung derselben aber den Wieder- Verlust desselben nach sich ziehen muß und wird... Und das heißt bei den P. Z. ״ein Angriff auf den jungen jüdischen Jischuw“... Fürwahr, es fällt schwer, keine Satire zu schreiben! Man weiß nur nicht, worüber man mehr staunen soll: über die Dummheit oder über die Chuzpe dieser Herren! Sie gestehen wohl ein, daß den Schmittah- Vorschriften eine große soziale und ethische Bedeutung zukommt. Sie würden auch zweifellos dafür sein, wenn diese Vorschriften etwa in einer roten Bibel verankert wären. Aber was in der ״jüdischen“ Bibel geschrieben steht — weg damit! Dabei übersehen sie auch den Umstand, daß die Beobachtung der Schmittah-Vorsehriften nebenbei eine politische Demonstration von großer Tragweite ist: Insolange sich das heilige Land unter nichtjüdischer Herrschaft befand, konnten die Gedaule Hathora einen ״Heter“ für die vorübergehende Außerachtlassung der Vor- Schriften finden. Heute aber, da wir Juden urbi et orbi in allen Tonarten verkünden, das Land gehöre uns und sei bereits wieder jüdischer Besitz, dann darf es eben keinen ״Heter“ geben, dann haben die Gesetze der Thora vollste Geltung ... Aber nicht einmal diese Demonstration kann ihr antireligiöses Gewissen beruhigen, denn es handelt sich um Vorschriften der ״jüdischen“ Bibel und die muß aus dem öffentlichen Leben im ״jüdischen“ Land verbannt bleiben . . .*) Diese Mühe ist vergeblich. Palästina wird jüdisch sein, oder es wird nicht sein! Das, was die P. Z. unter Aufbau verstehen, bedeutet nur Zerstören!!בנח נעריס - סתירה אם ד׳ לא יבנה בית — שוא עמלו בוניו בו! *) Nebenbei bemerkt, dieses Gerede von der ״jüdischen“ Bibel erinnert aD die Redensart des Roscho der Hagada: לכם ולא לוי־• Die gebührende Antwort ist an Ort und Stelle zu finden. Rabbi Moscbe Blau in Budapest Rabbi Mosche Blau-Jerusalem hat im Sitzungssaale der Budapester autonom, orth. isr. Kultusgemeinde ein ausführliches Referat über die Lage in Erez Jisroel und über die Bestrebungen der Agudas Jisroel gehalten, das überaus warm aufgenommen wurde. Es sprachen noch in Vertretung der Jischuw Erez Jisroel-Bewegung, Gemeindepräsident Abraham v. Freudiger, M. Klein, Em. Reitmann und Direktor Dr. Adolf Deutsch. Sie versicherten alle dem Redner, daß die ungarische Orthodoxie ihrer Verpflichtung gegenüber Klall Jisroel und dem Lande Jisroel unbedingt naehkommen wird. Sabbath und Heiligtum Wir leben im Zeitalter der Technik und Chemie, des allgemeinen Fortschrittes. Diese beiden Faktoren des Gegenwartsmenschen wollen ihn dazu verleiten, den zeitlich begrenzten Schlagworten zu folgen und eine Umwertung der Werte vorzunehmen. Sie wollen das Gesetz in Einklang mit dem Leben bringen. Wir haben die hohe Aufgabe, das Leben in Einklang mit dem Sinai-Gesetz zu bringen. Der Schabbos soll nicht nur Ruhepunkt sein, vielmehr soll er unserem Leben neue, ■wahre, echte Impulse verleihen. Von dem Aufbau und der Errichtung des Stiftzeltes, wie wir ihn im dieswöchentlichen Wochenabschnitt finden, geht große Bedeutung aus, weil der Tempelbau Wegweiser zur Erhaltung und Beobachtung des Schabbosgedankens wird. Erst daraus ergibt sich, daß die zur Ausführung dieses Baues erforderlichen Tätigkeiten, den Begriff der am Schabbos verbotenen Melochoh konstituierten. Die Halachah spricht den Satz aus und liest am Bau des אבות מלאכות 39 משכן produktive Tätigkeiten ab, deren Verrichtung eine am Schabbos verbotene מלאכה ist. Darum begrüßen wir dankbaren Gefühls dieses Standardwerk des Oberrabbiners A. Jungreisz, Gyöngyös (Ungarn) זכור ״ ושמורDenke und Hüte", in dem er in meisterhafter Weise und einzigartiger Konzeption den Schabbosgedanken behandelt. Wahrlich, ein Werk wie das uns vorliegende. 550 Seiten stark, wird dem Schabbosgedanken gemäß eine ״ מלאכת מחשבתgeistbekundende Tätigkeit". Das Wissen und Fleiß erheischende Werk hat nicht einem Zufall, einem כלאחר 'ר vielmehr einer ■Gedankenarbeit sein Erscheinen zu verdanken. Der Schabbosgedanke findet in der תירה zwölfmal Erwähnung. Wenn wir dieses nach Wochenabschnitten geordnete Werk zur Hand nehmen, so ersehen wir daraus, wie die ganze Thora durchwoben ist von Aussprüchen, Lehren und Andeutungen. die sich auf die Heiligkeit und Bedeutung des Schabbos beziehen. Wir können den Schabbos daher gleich den in der dieswöchentlichen Sidro erwähnten כריח חחיכון den ״mittleren Riegel“, betrachten, der unsichtbar im Innern מן קצח אל קצה von einem Ende zum andern reicht. Der Schabbos ist jenes Band, das die Thora durchzieht, die jüdischen Menschen festigt und zusammenhält. Nicht nur die Persönlichkeit des Verfassers, wie die anerkannte Autorität des Oberrabbiners Jungreisz ••; spricht für die Bedeutung des Werkes. Auch Obberrabbiner Duschinsky שליפ-א aus Jerusalem äußert sich in einem an den Verfasser gerichteten Schreiben in anerkennenden Worten. Der Vorsitzende des Obersten Rabbinischen Rates, Rabbiner Michel- Sohn די in Warschau, behauptet, daß dieses ספר auf dem Gebiete des Schabbos ein einzig dastehendes Werk darstellt. Uns, den Juden in Wien und Oesterreich, bietet dieses Werk nicht nur in geistiger Hinsicht, vielmehr auf dem Gebiete der Wiener Lokalgeschichte vieles. Der Lokalpatriot kommt auch auf seine Rechnung. Der Verfasser führt seine Abstammung auf den großen Wiener Oberrabbiner, Reb Lipmann Heller, Verfasser des תוספות יו־פ zurück und bringt einen interessanten Mi-scheberach, den der תוספית יו־ס verfaßte, wie folgt: מי שבירך אבותינו אברהם יצחק ויעקב משה אהרן דוד ושלמה הוא יברך — השומר פיו ולשונו מלהפסיק בשום דיבור מן ברוך שאמר עד גמר התפלה ובשעת קריאת ספר התורה שבצבור אפי■ בדברי חורה איזה דיבור כל שכן בשיחות חולין ופטורי שמועות ויחולו עליו בל הברכות הכתובות בתורת מרעית ובכל מפרי הנבואית. יראה ורע כשר חיים וקיימים ויזכה לשני שולהנוח שכשני עולמים שהם העוהיז שעליו נאמר והנה טוב והעוהיב שהוא יום שכולו ארוך וגם טיב ונאמר אמן. Interessanterweise soll mitgeteilt werden, daß Sr. Ehrwürden Oberrabbiner Fürst der Adas Jisroel (Schiffschul) in Wien vor einigen Jahren das Verlesen dieses Mi-scheberachs bei Krias Hathora an Schabbos und Jomtow wieder einführte. Wir finden ferner eine schöne Erzählung vom קבר des תוספות יום טיב ואיל, der in Krakau, der letzten Stätte seines Wirkens, bestattet wurde. Er liegt nämlich am בית החיים in Krakau, aber nicht an würdiger Stätte, wo sonst seine Amtskollegen und rabbinischen Vorgänger bestattet wurden, vielmehr in einem versteckten Winkel nahe der Friedhofsmauer. Die Volkssage in Krakau weiß dies mit folgender Erzählung zu erklären: Es lebte in Krakau ein sehr reicher, aber sehr karger Mann, der nach seinem Ableben von der ״heiligen Vereinigung" zum Zeichen der Mißachtung ob seiner Kargheit und damit es zum allgemeinen, abschreckenden Beispiel dienen sollte, seitwärts begraben wurde. Dies geschah mit Einwilligung des damaligen Rabbiners Reb Lipmann Heller. Nach kurzer Zeit wurde durch einen Umstand folgendes bekannt: Es gab in derselben Stadt einen anderen, bisher großherzigen und freigebigen reichen Mann, dessen Freizügigkeit nach dem Ableben des ״kargen Reichen“ viel zu wünschen übrig ließ• Man ging der Sache nach und es stellte sich heraus, daß der bisher für ״splendid“ geltende Reiche, fast sämtliche Geldmittel, die er zur Verteilung brachte, eigentlich im Aufträge und auf Kosten des verstorbenen sogenannten ״kargen Reichen“ tätigte. Nun hatte Rabbi Lipmann Heller den Wunsch geäußert, nach seinem Ableben, in Krakau neben dem Grabe des ״Reb Simon den Kargen“, bestattet zu werden, um auf diese Weise dem ״Verkannten“ Genugtuung zu verschaffen und um seinem Grab, das sonst der Vergessenheit anheimfallen würde. Ansehen und Ehre zu verleihen. Im Wochenabschnitte Emor, finden wir: ״ein Ruhetag sei er dem Herrn in all Euren Wohn- Stätten“. Dieser Possuk wird mit folgendem erklärt: Einst reiste ein heiliger Rebbe und benützte Wagen und Pferde. Unterwegs waren dem Fuhrmann die Futtermittel für die Pferde zur Neige gegangen. Als er einen Heuschober bemerkte, sprang er vom Wagen ab, mit der Absicht, denselben zu plündern, um so die Pferde zu versorgen. Er ersuchte jedoch den Rabbi, Umschau halten zu wollen und ihn bei nahender Gefahr durch Zuruf aufmerksam zu machen. Der Fuhrwerker war mit Heu beladen und schickte sich zur Rückkehr an, da ruft ihm der Rebbe zu: ״Wir werden beobachtet!“ Der Fuhrwerker läßt seine Last liegen, kehrt eilends zum Wagen zurück, schlägt auf die Pferde ein, die davonrasen. Als der Wagen bereits ein Stück Weg hinter sich hatte, ohne daß der Fuhrwerker jemand zu sehen bekommt, da wendet er sich an seinen Fahrgast und fragt: Rebbe, wer hat uns beobachtet? G-tt! antwortet der Rebbe, sein schauendes Auge, Denn דוד הע־ה sagt schon ״ ,שויחי הי לננרי תמידüber allem und jeweils fühle ich G-ttes Gegenwart“. Wenn dies auch von allen Geboten G-ttes gilt, sie überall zu beobachten und auszuführen, so gilt dies insbesondere vom Schabbos, von dem es doch heißt, ״ שבת הוא לה׳ein Ruhetag sei er dem Ewigen in all Euren Wohnstätten“. Wir werden auf den Inhalt des Werkes noch zurückkommen. Es ist eine gründliche Arbeit, die der Verfasser geleistet hat. Bezeichnend ist das Urteil des Oberrabbiners Duschinsky aus Jerusalem, der versichert, wahren Segen bringt es dem ins Haus, der dieses Werk ersteht, denn er trägt dadurch zur Verbreitung der Heiligkeit der Schabbosidee bei. Das Werk, beide Teile, sind im Selbstverläge des Verfassers für Pengö 5.— zu beziehen. Sekretär Moritz Spitzer.

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