Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 24 (1938)
- Issue
- 5 (4.2.1938)
- Date
- 1938-02-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 5 I&Uetk6stwQkei Ministerpräsident Hodza — 69 Jahre alt. Am 1. Februar feierte der erfolgreiche Ministerpräsident der tschechoslowakischen Republik, Dr. Milan Hodza, seinen sechzigsten Geburtstag. Wer die schwungvolle Arbeit und unaufhaltsame Wirksamkeit des derzeitigen Vorsitzenden der tschechoslowakischen Regierung verfolgt, wie er bei jeder Staatsaktion mittut und bei keiner Veranstaltung fehlt, die zur Hebung des demokratischen Staatsgedankens dient, der wird überrascht sein, daß dieser Mann purer Agilität und Arbeitsamkeit, schon ein Sechziger ist. Wenn nun Hodza das Glück hat, seinen sechzigsten Geburtstag im Jübiläumsjahr der tschechoslowakischen Republik, wo sie über einen zwanzigjährigen Bestand zurückblicken kann, zu feiern, so bedeutet dies für ihn eine wahre Genugtuung, dieses hervorragende Werk, der wahre Musterstaat demokratischer Prägung, dem er stets seit zwanzig Jahren an ragenden Stellen dienlich war und an seiner Ausgestaltung wirksam mitarbeitete, so vollkommen und fest zu sehen. Jedoch reicht seine unermüdliche Arbeit weit vor der Gründung der tschechoslowakischen Republik zurück. Er setzte sich in Wort und Schrift für die Rechte des slowakisehen Volkes innerhalb der verschiedenen Minderheiten des ehemaligen Ungarn ein und wurde so schon im Jahre 1905 zum Abgeordneten der slowakischen Minorität in das Budapester Pariament gewählt. Im Weltkriege arbeitete er für die Befreiung seines Volkes, wo er durch seine Krankheit vor dem Tode gerettet wurde. Als geborener Slowak setzte er sich für die tschechoslowakische Einheit ein und wirkte an der Gründung des Staates mit. Seither wirkte er in verschiedenen Regierungen mit. Seit seiner Berufung zum Regierungschef drückt Dr." Hodza der Innenpolitik der Tschecho- Slowakei den Stempel seiner Persönlichkeit und seines Geistes auf. Seine Aktionen finden überall lebhafte Zustimmung und er erfreut sich im ganzen Lande großer Volkstümlichkeit, sowie großen Ansehens im Auslände, wo man seine Initiative zur Bereinigung des Donauproblems sehr hoch bewertet. Dr. Hodüa gUt als Erbe der Ideen Dr. Masaryks, in dessem Geist er seine Politik betreibt. Trotz eminenter nationaler Einstellung denkt er europäisch und allgemein-menschlich. Sein politischer Horizont ist weitsichtig, sein großzügiger Ideengang möchte der ganzen Welt nützlich sein. Seine Donaupläne verfolgen das Ziel, Mitteleuropa wieder eine gesunde Basis zu verschaffen und den Völkern desselben die Möglichkeit für eine Zusammenarbeit zum Wohle der Gesamtheit zu eröffnen. Selten hat ein Staatsmann in der Weltpresse und in der Weltöffentlichkeit so viel schöne Worte der Anerkennung zu hören; bekommen, wie Dr. Hodza anläßlich seines sechzigsten Geburtstages. Die Welt versteht es, Verdienste zu würdigen, besonders in unserer Zeit, da die Männer mit weitem Blick, klarer Sicht und universeller Denkungsart so selten sind. Die Kundgebungen, die anläßlich des sechzigsten Geburtstages des Ministerpräsidenten in der Tschechoslowakei und im Auslande erfolgten, sind der klarste Beweis für die Wert- Schätzung, die man ihm entgegenbringt. Auch die Juden der Tschechoslowakei schließen sich den Kundgebungen an und wünschen dem Ministerpräsidenten weitere Erfolge zum Wohle der Gesamtheit. Neues Altersheim in Uzhorod. Die Chewra Kadischa in Uzhorod konnte im Laufe der letzten Jahre ihr dringendes Vorhaben nach Errichtung eines Altersheimes verwirkliehen. So wurde an die Errichtung dieses Heimes geschritten, das mit einem Kostenaufwand von über einer Million Kronen, dank der allseitigen Unterstützung, schon in den jüngsten Tagen fertiggestellt werden konnte. So fand bereits auch die feierliche Einweihung statt, die ganz großzügig veranstaltet wurde. Außer sämtlichen Gemeindemitgliedem wohnten der Feierlichkeit auch Vertreter der Behörden bei, die sich ob dieser neuen humanitären Institution der Uzhoroder Judenheit lobend aussprachen. Die Festrede hielt Sr. Ehrw. Herr Oberrabbiner J. Kohn, außerdem sprachen die Vorsteher der Chewra Kadischa. Das mit allem Komfort ausgestattete Gebäude enthält auch ein schönes Bet- und Lehrhaus. Generalversammhung bei der Topolcanyer Jugendgruppe. Am vergangenen Mozoe Schabbos hielt die Topolcanyer Agudas-Jisroel-Jugendgruppe ihre ordentliche Generalversammlung ab. Der Bericht über die Tätigkeit im vergangenen Arbeitsjahr war ein befriedigender, er bewies, daß die Topolcanyer Jugendgruppe, wie bisher immer, an allen agudistischen Aktionen regen Anteil hatte und kann auch in organisatorischer Hinsicht manche Erfolge aufweisen. Bei der darauf stattgefundenen Neuwahl wurden folgende Herren per Akklamation in die Leitung berufen: Präsidium: E. Nagel sen., B. Bernfeld, A. M. Bernfeld, A. Breuer und E. Katzburg; Ausschuß: A. Friedmann, A. Schwartz, E. Gellis, E. Linkenberg, J. Grünwald, L. Rosenbaum, L. Löwbeer und M. Bemfeld; Sektionsmitglieder: J. Gellis, R. Friedmann, M. Friedmann, N. Katzburg, J. Eckstein und B. Nagel. Die Grippe tritt wieder epidemisch auf! Beugen Sie der Ansteckung rechtzeitig vor. Die Grippe- Erreger gelangen in den Körper durch den Mund und die Atmungswege. Benützen Sie deshalb zum Mundausspülen und Gurgeln den ALP A Franzbranntwein, den Sie in geringen Mengen dem Wasser beigeben. Alpa desinfiziert — Ansteckung wird verhindert. Beraten!Sie sich mit Ihrem Arzt! Alpa gibt es nur in Originalflaschen mit Plombe! - .----- Oberrabbiner Chaim Zwi Reich זצ׳ל O s 1 a n y. Wochen hindurch bildete das Krankenlager unseres allgeliebten und allverehrten Oberrabbiners Ch. Z. Reich, den Mittelpuenkt unserer Gedanken und wehmutsvollen Gefühle. Wochen hindurch lebten wir, und mit uns der riesengroße Kreis seiner Verehrer, zwischen Bangen und Hoffen. Wir wollten der Befürchtung, unser geistiger Führer, der unsere Gemeinde nahezu ein halbes Jahrhundert betreute, könnte uns entrissen werden, keinen Raum geben. Am 11. Schewat jedoch trat leider die Kata- Strophe ein. Der Abstand zu unserem Trauerfall ist noch zu gering, unsere Sinne sind vom Schmerz noch zu benommen, um dem großen Verblichenen einen ihm würdigen Nachruf widmen zu können. Und ist eine Zeitungsspalte auch viel zu eng, um ein Charakterbiid von so großem Format zu fassen. Es soll hier bloß in wenigen Zügen die Persönlichkeit des unvergeßlichen Niftars skizziert werden. Durch seinen großen Wissensdurst, seine phänomenale Auffassungsgabe und seinen nimmer ermüdenden Fleiß, der ihn durchs ganze Leben begleitete, ward er schon in seinen jungen Jahren zum Stolze seines großen Vaters, R. Koppel Reich — Oberrabbiner und Magnatenhausmitglied zu Budapest — wie auch zur Zierde der weltbekannten Rabbinerdynastie und zur Leuchte der Thoragelehrsamkeit. Sein immenses Thorawissen erweckte selbst bei den Gaonim des Auslandes, namentlich in Erez Jisroel, wo er vor wenigen Jahren weilte, großes Aufsehen. Sein staunenerregendes Bekiusz, seine fast unübertreffliche Vertrautheit auf allen Gebieten des Jam Hatalmuds war die Frucht seiner nie erlahmenden Thoraliebe. Nebst großer Gelehrsamkeit zeichneten ihn auch Lauterkeit des Charakters, warme Herzensgüte und Vornehmheit der Gesinnung aus. Er ging ganz in seinem Berufe auf. Der Dahtngegangene war nicht nur ein zärtlicher Gatte, ein hingebungsvoller Vater, sondern auch ein um das Weh und Wohl seiner Gemeinderrutglieder überaus besorgter Seelenhirt. Die Lewaja, welche am Erew Schabos unter Beteiligung sämtlicher Nachbargemeinden stattfand, wird jedem Teilnehmer unvergeßlich bleiben. Sie ward zur Manifestation der großen Liehe, Verehrung und Anhänglichkeit, welche die Gemeindemitglieder, wie auch die Teilnehmer aus nah und fern, dem großen Verstorbenen zollten. Der Niftar wurde aus dem Trauerhause in die von ihm erbaute Mikwo und von dort ins Besz-Hakneszes getragen, wo die Trauerreden gehalten wurden. Als erster sprach der einzigeSohn des Verblichenen. Als er, schließlich, von seinem geliebten Vater, Lehrer und Wegweiser in rührseligen und überaus eindrucksvollen Worten Abschied nahm, blieb kein Auge tränenleer. Hierauf sprach der Bruder des Niftars, Oberrabbiner S. Reich (Vrbov£). Dieser hat sich mit Rücksicht auf die Sabbatnähe einer besonderen Kürze befleißigt. Nebst inniger Abschiednahme von seinem verewigten Bruder, dankte er den Gemeinden Oslany, Novaky für die Liebe und Treue, welche sie nun schon das sechste Jahrzehnt der Familie Reich gegenüber bekündeten. So wirkten dort: der Schwager des Verblichenen, 'der rühmlichst bekannte B. J. Lichtenstern, nachmaliger Oberrabbiner von Urmeny. Ihm folgte im Amte der spätere Oberrabbiner von Bätorkesy, Verfasser epochemachender, im In- und Ausland verbreiteter Chibürim. Und nun hat die Gemeinde in pietätvoller Anerkennung der Verdienste der Ahnen, den Posten dem einzigen Sohne des Niftars freigestellt. Rühmend hob er die Noblesse. Eleganz und Vornehmheit hervor, mit welcher die Prievidzaer Gemeinde dem heimgegangenen Oberrabbiner entgegenkam. So kurz auch die Rede gehalten w׳ar, löste sie doch eine überwältigende Wirkung aus. Ganz besonders eindrucksvoll gestalteten sich die Worte des Oberrabbiners Weisz (Topolßany), der in meisterhaft gehaltenen Ausführungen die hervorragenden Qualitäten des Niftars als Godol Hathora plastisch schilderte. Ferner sprachen noch in würdiger Form die Oberrabbiner Leo FUrtluz Vorhand (Nitrat, Schle- Singer (Eisenstadt), Reich (Zabokreky) und schließlieh der Rabbiner der orthodoxen Filialgemeinde Prievidza. Jizchok Nagel,, der im Oslany-Novaker Rabbinatsbezirke vorläufig die rabbinischen Agenden versieht. Als nach den Hespedim R, Jisroel Dojw Weisz — der während der mehrwöchigen Krankheit seines geliebten Rebben weder bei Tag noch bei Nacht von dessen Krankenlager wich und ihn mit wahrem Meszirasz Hanefesch pflegte — das übliche Kel molö Rachamim anstimmte, wurde dieser Godol vekodosch von der tieftrauernden Familie und Trauergemeinschaft zur letzten Ruhe gebettet. Möge seine geläuterte Neschomo zur Fürsprecherin unser aller vor G-ttes Throne werden! Feld. 1 Sektionschef Franz Mlcock s. A. Am 14. Jänner 1. J. verstarb in Prag nach einer schweren Krankheit der erste Sektionschef des ] Kultusministeriums, Franz MFoch, der Inhaber verschiedener hoher Orden war. Als österreichischer Ministerrat im Wiener Kultusministerium tätig, beeilte er sich einen Ruf der Prager Regierung Folge zu leisten und übernahm sofort nach dem Umsturz in Prag die Hochschulabteilung, deren Sektionschef er wurde. In dieser Eigenschaft führte er einen heftigen Kampf gegen die streikenden deutschen Hochschul- Studenten und hat im Jahre 1922 die Demission des seinerzeitigen jüdischen Rektors Steinherz nicht angenommen. Während seiner Tätigkeit als Chef der Kultusabteilung hatte er öfter sein Interesse für das Judentum bekundet, auch in seiner schweren Krankheit sagte, er zu seinem jüdischen Freunde, daß es ihn freue, für die Stärkung der Religion beigetragen zu haben, er bat ferner, man möge für sein Seelenheil beten. Bei dem Leichenbegängnis, an dem die Staats- Würdenträger teilnahmen, haben auch Vertreter der orth.-isr. Gemeinde Bratislava und der Prager Kultusgemeinde teilgenommen. pJkiäsUM Auch in den letzten Tagen ereigneten sich weitere Terrorakte. Wiederholt ist es zu starken Zusammenstößen zwischen englischen Soldaten und Terroristen gekommen. Bei einem dieser Zusammenstöße zeigten sich die Araber den Engländern überlegen und diese mußten sich unter Verlusten zurückziehen. Ein anderer Zusammenstoß kostete hingegen mehreren Arabern das Leben. In Jerusalem wie in anderen Ortschaften gab es Bombenattentate, Schießereien, Ueberfälle mit schweren Verletzungen. Ein jüdischer Polizist ist wegen Erschießung eines englischen zum Tode verurteilt worden. Es wurde ihn jedoch gestattet, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Nuri Pascha, der gewesene Premier von Irak, erklärte in einer Unterredung, England sollte den Plan eines Judenstaates fallen lassen, da die Araber nie darauf eingehen würden. * Im Unterhause erklärte der Kolonialminister, daß die Vorgänge in Palästina eine ernste Wirtschaftskrise ausgelöst haben. In Tel-Aviv steigt die Arbeitslosigkeit; auch im übrigen Lande stockt das Wirtschaftsleben. In der Umgebung von Jenin ist es zwischen