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Jüdische Presse · 1938-01-28 · 4 (28.1.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
24 (1938)
Issue
4 (28.1.1938)
Date
1938-01-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE Seite 5 Nr. 4 Nicht viele wußten von der großen Thorakenntnis des Oslanyer Raw יצ-ל, die, auf den äußeren Klang verzichtend, auf das innere Wachstum gerichtet, immer mehr an Tiefe und Breite zunahm. So ging denn eine der schönsten Zierden des slowakischen Rabbinerstandes von uns und ließ nur wenige von seinem Schlage zurück. ■ Bei der am Tage darauf unter groß«■ Beteiligung ,stattgefundenen Lewajo, bei welcher in rührenden Hespedim die Persönlichkeit des Niftar gewürdigt worden war, wurde sein Sohn, Herr Dr. Reich aus Bratislava, zu seinem Nachfolger ernannt. * htsiktifteu oh die Redaktion Um die Jüdische Mittelstandsktichc. Wir haben es erlebt, daß dank der agilen Arbeit der Leitung der jüdischen Volksküche in Bratislava ein Haus erbaut worden ist, in dem die notbedürftigen jüdisehen Menschen unserer Stadt ihr Es3en unter Wahrung der religiösen und hygienischen Bedingungen genießen können. Es muß aber auf einen wichtigen Umstand hingewiesen werden. In der Volksküche Speisen zur Zeit eine ganz ansehnliche Anzahl von Menschen, die in Berufen als Arbeiter stehen oder als Lehrlinge sich zu diesen vorbereiten. Diese Mensehen, die sich selber in den Dienst der Produktivierang der Juden gestellt haben, gehören keinesfalls in eine Volksküche, welche doch in erster Reihe für Notbedürftige und Erwerbslose bestimmt ist. Die jüdische Gesellschaft, der das Schicksal, das physisehe und geistige Wohl dieser jüdischen arbeitenden Menschen teuer ist. möchte gerne sehen, daß auch für ihr Essen entsprechend gesorgt wird. Es geht um die jüdische Mittelstandsküche. Es ist verstündlich, daß der Arbeiter ein nahrhafteres Essen braucht als der erwerbslose Arme. Und dabei erlaubt ihm seine finanzielle Lage nicht, ein jüdisches Restaurant aufzusuchen. Deshalb muß die wohl bereits projektierte jüdische Mittelstandsküche ehestens errichtet werden, und in erster Reihe für jene unzähligen jüdischen Männer und Frauen, die in physischen Berufen als Taglöhner oder Arbeiter, beziehxmgsweise als Lehrlinge beschäftigt sind. Nur dadurch können diese davon abgehalten werden, yn rituell unverläßlich oder gar ',פריפד zu essen. Die Leitung der jüdischen Volksküche sollte daher ehestens an die Errichtung der jüdischen Mittelatandsküche schreiten! j. B. Orth. Koscher-Fleiseh für die Mensa aeademiea judaica. Die Leitung der hiesigen (Bratislavaer) Mensa aeademiea judaica macht seit einiger Zeit die größten Anstrengungen, um der jüdischen Studentenschaft eine verläßlich koschere Küche zukommen zu lassen, was ihr auch gelungen ist. Selbstredend wäre es Pflicht der hiesigen orth. Instanzen, ihr in diesem Bestreben behilflich zu sein. Demgegenüber hören wir, daß die Leitung der hiesigen orth. Gemeinde nicht einmal den minimalsten Wunsch der jüdischen Studenten nach Nachlaß der Gabella entsprach. Es ist dies ein Vorgehen, das uns keineswegs verständlich und erklärlich ist, da hiedurch einige hundert jüdische Jugendliche zum Genießen von Fleisch auswärtiger (;•■סהיטת-ה oder gar rituell unverläßlicher Schlachtung gebracht werden. Ein Akademikerdeuisekiattd Der Rat der Reichs Vertretung der deutschen Juden hat eine Resolution beschlossen, die u. a. folgenden Passus enthält: ״Nachdem die Juden aus dem staatlichen, kulturellen und gesellschaftliehen Leben und aus allen führenden Wirtschaftliehen■ Stellungen ausgeschaltet sind, bitten wir deshalb die Reichsregierung, daß der Verringerung der Erwerbsmöglichkeit für did Judenheit in Deutschland Einhalt getan werde. Wir hoffen ferner, daß die Möglichkeit des persönlichen Verkehrs zwischen den Ausgewanderten und ihren Angehörigen, die in Deutschland Zurückbleiben müssen, nicht unterbunden wird.“ Dieser Appell an die Regierung ist die beste Illustration dafür, wie traurig die Lage der Juden bereits ist, wenn die Reichsvertretung trotz der geringen Aussichten nicht umhin konnte, einen solchen Appell zu richten. Ob dieser Gehör finden wird, ist allerdings sehr fraglich. Das Verbot des ״Stürmer“ hat vielfache Kommentare ausgelöst, wobei manche Kreise darin ein Anzeichen dafür erblicken wollten, daß die maßgebenden Steilen bereit wären, den antijüdischen Kurs zu mäßigen. Man wußte auch davor zu erzählen, es geschehe dies auf Befreiben Görings, der aus Wirtschaftsgründen gegen die Hetze Streichers sei. Diese Annahme scheint jedoch eine irrtümliche zu sein. So ,berichtet der ״Prager Mittag“ aus Berlin: Die Meldungen der englischen Sonntagspresse über eine tiefgehende Verstimmung zwisehen Reichskanzler Hitler und dem Herausgeber des ״Stürmer“, Julius Streicher, finden hier nicht die geringste Bestätigung. Zwar ist eine Beschlagnahme des ״Stürmer“ erfolgt, aber diese Maßnahme kam zu spät, um eine Verbreitung der Pogrom-Nummer in Höhe von 500.000 Exemplaren zu verhindern. Man nimmt an, daß dieser Schritt auf Druck der WMhehnsstraße, besonders mit Rücksicht auf England, erfolgt ist. Gegen die Version einer Differenz Hitler- Streicher spricht auch die Tatsache, daß im Moment sogar das Berliner Organ der National- Sozialisten, der ״Angriff“, eine scharfe antisemitische Kampagne durchführt und persönlich gefärbte Angriffe auf Berliner Juden bringt. Schließlich konnte man bei der am Samstag erfolgten Eröffnung der Architekturausstellung in München Julius Streicher in unmittelbarer Nachbarschaft und sogar im freundschaftlichen Gesprach mit Hitler sehen, was alle Nachrichten über eine Verstimmung zwischen beiden dementiert. Es darf nicht vergessen werden, daß Julius Streicher der engste persönliche Freund Hitlers ist. Die deutsche Regierung bereitet eine neue Verordnung über eine weitere Erschwerung der Auslandsreisen von Juden vor. Ausreisebewilligungen wird man in Zukunft für Vergnügungsreisen oder Ferienreisen überhaupt nicht mehr erteilen. Reisen werden nur in Ausnahmsfällen bewilligt, so zum Besuch kranker Verwandter im Ausland, zum Besuch ausgewandert er Kinder, zu Kurzwecken auf Grund eines amtsärztlichen Zeugnisses, aus dem hervorgeht, daß der Besuch eines ausländischen Kurortes ohne Gefahr für Gesundheit und Leben nicht unterbleiben dürfe, und schließlich für unaufschiebbare Geschäftsreisen, wenn nachgewiesen werden kann, daß persönliche Intervention unumgänglich notwendig ist. Die nationalsozialistische Wirtschaftsführung. die: in allen Teilen dem Göringschen Diktat, untersteht, wird in den nächsten Wochen auch clie vollständige Ausmerzung ,,nichtarischer'‘ Elemente durchführen. Den deutschen Firmen wird es in Zukunft untersagt sein, sich im In- und Ausland durch jüdische Agenten vertreten zu lassen. Von dieser Maßnahme werden auch große Konzerne betroffen. Im übrigen wird die Ueberleitung noch bestehender jüdischer Firmen in arische Hände vorbereitet. Man glaubt, daß | im Frühjahr 1938 keine jüdische Firma mehr als selbständiges Unternehmen existieren wird. Die Abgabe der Geschäfte und Betriebe ist für die Juden in der Regel mit schweren Einbußen an Kapital verbunden. Die Zwangslage setzt den Verkaufspreis natürlich auf ein Minimum herab. Diese Maßnahmen werden ohne Aufsehen in die Wege geleitet und durchgeführt. Soviel hat der Nationalsozialismus aus dem Weltecho gelernt. Roim Bei der Beratung des Budgets des Innenministeriums vor dem Budgetausschuß des polnisehen Sejms wurde auch eine Debatte über politische Fragen, und zwar das Minoritätenproblem an erster Stelle abgeführt. Berichterstatter Wojciechowski widmete einen großen Teil seines Exposes der jüdischen Frage. Nachdem er die antisemitischen Exzesse getadelt hatte, entwickelte er die Auffassung, daß nur die Emigration eine wirksame Lösung des Judenproblems darstelle. Wir müssen, sagte er, ein Programm ausarbeiten, um Polen von mehreren hunderttausend Juden zu erleichtern, die aus dem Osten gekommen sind. Wir haben sie aufgenommen, indem wir einem Gefühl der Menschlichkeit folgten, aber wir müssen die Staatsbürgerschaft, die wir ihnen gewährten, als vorübergehend ansehen. In seiner Gegenäußerung erklärte Minister- Präsident Skladkowski: ״Der Kampf gegen die Juden ist kein Rassenkampf, sondern ein Kampf ums Brot, der durch die Uebervölkerung bestimmt ist. Die Lage hat sich im Laufe des letzten Jahres verschärft, was zu Uebergriffen führte, die ich mit um so größerer Energie unterdrücken werde, als mir Friede und Gerechtigkeit in Polen teuer sind. Indessen begehen die Juden den Fehler, daß sie sich weigern, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Es gibt in Polen wirtschaftliche und soziale Vorgänge, die slcn auch abspielen würden, wenn es keine Juden in Polen gäbe. Der Bauer bemüht sich, seinen Lebens- Standard zu erhöhen und in die Städte vorzudringen; die Regierung kann dieses Bestreben nicht verhindern, sie muß es im Gegenteil ermutigen. Auch die Juden sollten begreifen, daß der Wirtschaftliche Kampf gegen sie nicht strebt, ihre staatsbürgerlichen Rechte zu beeinträchtigen. Seit Jahrzehnten haben die Juden selbst auf die Notwendigkeit hingewiesen, das Lebensniveau der israelitischen Massen zu heben. Anderseits sind wir Zeugen unerwünschter Symptome der Einmischung von Juden des Auslandes in unsere inneren wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten. Diese Einmischung ist keineswegs ein Beitrag zur Befriedung der Meinung, noch auch zur Beruhigung der polnischen Regierung.“ Zum Schluß betonte der Ministerpräsident entschieden den festen Willen der polnischen Regierung, weiterhin den Weg des Wohlwollens und der Gleichberechtigung für alle Staatsbürger und den Weg zur Aufrechterhaltung des Friedens zu verfolgen. * Rabbiner isachar Dow Babad ן״ •ל. In Lemberg verschied im Alter von 89 Jahren der älteste Rabbiner Polens, Rabbi Isachar Dow Babad. Der Niftar entstammte einer berühmten Rabbinerfamilie und auch seine Söhne und Schwiegersöhne bekleiden Rabbinerposten. Er war ein großer Gaon und seine Werke erfreuten sich großer Autorität. * Die Lage der Juden Wenn nicht alle Anzeichen trügen, dürfte es in Polen in nächster Zeit zu einem neuen politisehen Kurs kommen, der auch die Lage der Juden beeinflussen könnte. Staatspräsident Moscicki empfing dieser Tage die Führer der demokratischen Parteien, und man glaubt, daß die maßgebenden Stellen eine Annäherung an diese suchen. Die Ersetzung des Obersten Koe als Führer des ״Nationalen Lagers“ durch General Skwarczynski wird ebenfalls als günstiges Zeichen gedeutet. Im Sejm gab es dieser Tage wieder eine Judendebatte, wobei der jüdische Abgeordnete Dr. Sommerstein gegen die Unterdrückung der׳ Juden protestierte. Jufostowieu Die Vorgänge in Rumänien scheinen auch auf Jugoslawien abgefärbt zu haben. Während es dort bisher keinen öffentlichen Judenhass gab, beginnen sich Anzeichen eines solchen zu zeigen, die auch auf die Haltung der maßgebenden Stellen nicht ohne Einfluß bleiben. Oberrabbiner Dr. I. Alkalay, dessen Funktion«- Periode als Senator soeben abgelaufen, ist, ist von der Regierung nicht wieder ernannt worden. Dr. Alkalay hat die jugoslawische Judenheit 1m Senat seit dessen Schaffung vertreten. Die siebzigtausendköpfige jüdische Bevölkerung Jugoslawiens bleibt in beiden Häusern des Pariaments ohne Repräsentanz. Auch in Jugoslawien wirken sich die Freund- Schaft mit Berlin und die Achse Rom—Berlin in judenfeindliehem. Sinne aus. Auch hier sind die Spuren einer Hakenkreuzlerpropaganda deutlich erkennbar. OesteueUU Die jüdische Bevölkerungsbewegung in Wien In der jüngsten Plenarsitzung des Wiener Kultusgemeindevorstandes wurden die Daten über die Bevölkerungsbewegung in der Wiener jüdisehen Gemeinde mitgeteilt. Die Zahl der Gebürten bleibt hinter der der Sterbefälle weit zurück. Dabei ist die Zahl der Geburten im Jahre 1937 noch geringer gewesen als im Jahre 1936. Sie betrug 720 gegenüber 757 im Vorjahre. Ortsfremde brachten 26 Kinder in Wien zur Welt. Andererseits ist die Zahl der Sterbefälle im eben abgelaufenen Jahr die höchste seit den Kriegsjahren gewesen: sie belief sich auf 2824 (davon 125 Ortsfremde). Stellt man die Ziffern der Geburten und der Sterbefälle gegenüber, so ergibt sich für -1937 ein Abgang von nicht weniger als 2104 Personen. Rechnet man die Austritt« in der Höhe von 620 hinzu — sie vermehrten sich gegenüber 1936 um fünf Fälle —. so stellt sich die Verringerung der Seelenzahl der Wiener Kultusgemeinde auf 2724. Kennzedch-

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