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Jüdische Presse · 1938-01-28 · 4 (28.1.1938) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
24 (1938)
Issue
4 (28.1.1938)
Date
1938-01-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 4 Verbot des israelitischen Religionsunterrichtes in staatlichen Schulen Das Unterrichtaministerium ordnete an, daß in Zukunft in den staatlichen Schulen kein israelitischer Religionsunterricht mehr erteilt werden darf. Die Rabbiner haben diesen Unterricht den israelitischen Schülern der staatlichen Schulen in ihren Wohnungen oder in Räumen der jüdischen Kultusgemeinde zu erteilen. * Die jüdische Petition Der Text der Petition Uber die Lage der Juden in Rumänien, die dem Völkerbundrat vom Jüdischen Weltkongreß übergeben worden war, wurde am 23. d. veröffentlicht. Es führt in allein Einzelheiten die Bestimmungen des Vertrages zwischen Rumänien und den Mächten an, die eindeutig beweisen, daß die von Rumänien eingegangenen Verpflichtungen, alle auf rumänischem Staatsgebiet ansässigen Juden als rumänische Staatsbürger mit vollem Bürgerrecht zu betrachten, für das ganze Land einschließlieh der ehemals österreichischen und ungarischen Gebiete in Anwendung kommen. Das Memorandum weist ferner darauf hin, daß diese Bestimmungen vom Völkerbund garantiert worden sind und ohne die Zustimmung einer Ratsmehrheit nicht geändert werden können. Die Petition erklärt weiter, daß eine vorbereitende Kommission für die Ausbürgerung und vermutlich Ausweisung der Juden bereits zu arbeiten begonnen habe. Die von Goga angegebene Zahl von 500.000 jüdischen Einwanderern wird zurückgewiesen mit der Begründüng, daß zufolge der rumänischen Volkszählung von 1936 Rumänien 756.000 Juden oder 4,2 Prozent der Bevölkerung gehabt habe, woraus sich im Vergleich zu der Ziffer von 1910, nämlich 851.000, ein Rückgang und nicht ein Zuwachs ergebe. Schließlich habe der Bericht des Nansenamtes aus dem Jahre 1936 gezeigt, daß die Zahl der russisehen Einwanderer, und zwar Juden und Nichtjuden, lediglich 11.000 betragen habe und daß infolgedessen von einer Masseneinwanderung der Juden nach Rumänien nicht die Rede sein könne. Die Juden Rumäniens. für die die Regierungsmaßnahmen bestimmt seien, seien, so heißt es, entweder Staatsbürger des alten Vorkriegsrumänien oder aber Einwohner der von Rumänien annektierten Gebiete, die dadurch die rumänische Staatsbürger- Schaft und kraft der Verträge alle Staatsbürgerrechte erworben hätten. Das Memorandum ersucht den Völkerbundrat schließlich, Schritte zu ergreifen, durch welche die Proklamation der rumänischen Regierung für null und nichtig erklärt wird, die Diskriminationen gegen die Juden zu verhindern und dafür zu sorgen, daß die Vertragsgarantien aufrecht erhalten bleiben, und daß die bereits von Strafmaßnahmen betroffenen Juden rehabilitiert werden. * Die politische Haltung der Juden Trotz des Ernstes der Lage bewahren die Juden eine feste Haltung. Sie lassen sich nicht einschüchtern und rüsten sich zur Abwehr. Für die bevorstehenden Neuwahlen wird eine eigene jüdische Kandidatenliste aufgestellt. tsfketkadowekei Prognosen 11. (F—r.) Das Leben innerhalb der Orthodoxie ist statisch, außerhalb derselben jedoch dynamisch. Nach allen Richtungen wird getrachtet, das jeweilige Ideal mit immer tieferen Gehalt auszustatten (es wird hiebei nicht selten Sophistik ad absurdum betrieben), auch organisatorisch sehen wir heute Spitzenleistungen; überall werden die Kräfte straff organisiert und diszipliniert, wir aber sind konservativ bis zu den Knochen ... Konservativ ... ist synonym mit Konserven, die hermetisch in einer Blechbüchse gegen jeden Luftzug abgeschlossen sind, behaupten die Feinde der Orthodoxie. Wir wollen einmal die Entwicklung des konservativen Judentums einer kleinen Studie unterziehen: Das Ghetto war wohl kein Dorado für die physische Entwicklung des Judentums; es hatte aber den Vorzug, daß in seinen Mauern der jüdische Geist von dem der Außenwelt isoliert war und sich so keine Probleme ergaben. Man lebte in einer ideal-jüdischen Atmosphäre. Als dann die Zeit der Toleranz anbrach, die Ghettomauern fielen, begann der Kampf innerhalb Grippe-Bazillen dringen in unseren Organismus ein und rufen dortselbst einen Entzündungsprozeß - die Grippe hervor. ALPA-Franzbranntwein, mit den Erregern in Berührung gekommen, tötet die Erreger und spült die Bazillen aus unserem Organismus fort. Folglich der beste Schutz: Ohne Bazillen — keine Grippe! Deshalb verschreiben Aerzte oft: Alpa! Alpa-Franzbranntwein gibt es nur in plombierten Originalflaschen! Achten Sie darauf! des Judentums, es war dies zur Zeit der ersten Etappe auf dem Wege der großen Assimilation, deren Folgen wir heute in potentierter Form verspüren. Unsere Väter haben dieses Problem nach altem Rezept gelöst: sie kreierten ein neues Ghetto: die Kehiilo. Die Gemeinde war die Burg,, innerhalb deren Mauern sich das jüdische Leben abspielte, was interessierte da unsere Vorfahren der Fortschritt der Welt; deren Politik verfolgten sie par distance; dominierend war eine Politik, nämlich die der Kehiilo. Eine Rabbinerwähl war eine Sensation, die Jeschiwo des Ortes verlieh der Gemeinde ihr spezielles Gepräge, ein Familienereignis war ein Kehillo-Ereignis, und so konnte das Altjüdische sich immer behaupten. Als dann die Reformer den Kampf gegen diese Verschanzung unternahmen und ihre Assimilationsbestrebungen der ganzen Judenschaft aufoktroyieren wollten, da blieb eben nur die Möglichkeit, die Grenzen der Kehillo-Burg auch gegenüber diesen Eindringlingen in der Autonomie der gegen sie ״getrennten“ Kehiilo festzulegen: es erfolgte die Teilung. So blieb dann der geschlossene Charakter der Kehiilo weiter gewahrt und der Erfolg beweist ja, daß das Experiment gelang: dort, wo der alte Kehillo-Charakter gesetzlich sanktioniert wurde, konnte sich auch das konservative Judentum erhalten. Mit Anbruch der Jahrhundertwende, vornehmlich aber in den letzten zwei Dezennien, wo die Technik ungeahnte Fortschritte brachte, wo die größten Entfernungen spielend überwunden, die Menschen, auch unsere Menschen, immer mehr dem Bannkreis des Nationalismus, der verschiedentlichen Propaganden und Suggestionsmittel, die die verschiedenen Errungenschaften ihnen unausgesetzt einhämmern, zu unterliegen begannen, wo um die materialisierte Seele der'Menschen von allen ,,—ismen“ geworben wird, ist die Kehiilo nicht mehr die alte Feste, die sie einst war. Die Kehillo-Burg ist — und es wäre Vogel-Strauß- Politik, sich darüber hinwegzutäuschen - - eine Ruine. Die Interessen der formell zur Kehiilo gehörenden Baalebatim sind auf allen Gebieten des öffentlichen Lehens manifester als daselbst. Die größten und namhaftesten Gemeinden leiden an Interesselosigkeit. In jüngster Zeit hat es sich erst ereignet, daß in einer prominenten Gemeinde anläßlich der Budgetdebatte ein schwaches Minjan mit Mühe und Not zusammengebracht werden konnte. Um die Repräsentationsstellen innerhalb der Gemeinden, gab es früher einen Kampf, heute kostet es Kämpfe, um hiezu prädestinierte Personen zu gewinnen, die solche Mandate übernehmen. Wo gab es früher Fälle, daß eine Gemeinde auf Umwegen einen finanziellen Zwang ausüben mußte, um das Koscher- Fleisch den Mitgliedern aufzuoktroyieren? Die Welt hat sich gründlich umgestaltet und damit auch die jüdische Welt. Die Probleme, die heute einer Lösung harren, sind mannigfaltig und wir wollen es nicht leugnen, auch ungemein schwer; aber mit einer hermetischen Abschließung gegen die Außenwelt, sind diese nicht mehr zu lösen. (Wird fortgesetzt.) * Eine orthodoxe Delegation beim neuen Handelsminister Dieser Tage hat sich unter Leitung des Präses der orthodoxen Zentralkanzlei, Herrn Pappenheim, eine Abordnung nach Prag begeben, um bezüglich verschiedener Handelsangelegenbeiten beim neuen Handelsminister Dr. Mlcoch vorstellig zu sein. Die Abordnung wurde vom Landtagsabgeordneten der Gewerbepartei Herrn L. Mayer begleitet und dem neuen Handelsminister vorgestellt. * Die Tschechoslowakei — eine Oase für, die Juden Das in Palästina erscheinende hebräische Tagblatt ,,Haboker“ schreibt in einem Aufsatz über die Tschechoslowakei: ״Wie wohl die Tschechoslowakei von Staaten umringt ist, wo Haß und Unterdrückung der anderen Nationen und Antisemitismus herrschen, so steht sie fest wie Fels und gibt der Welt ein Beispiel eines wirklich freien Landes. Für uns Juden ist dieses Land wie eine gesegnete Oase in der Wüste des europäischen Hasses.“ Dieser Aufsatz hat das Mißfallen des ״Völkischen Beobachter“ gefunden, der darauf hinweist, daß die anderen nationalen Minderheiten in der Tschechoslowakei, die Deutschen und Magyaren, eine andere Meinung über die dortigen Verhältnisse hätten. Der ״Völkische Beobachter“ übersieht allenfalls, daß die Juden in der Tschechoslowakei dem Staate gegenüber eine andere Haltung bekunden, als Henlein und Kon* Sorten. Rabbinerinstallation in Nove Me»to n. V&hom Sonntag, den 14. Schwat, wurde Se. Ehrw, Herr Oberrabbiner Simon Schreiber סלים־א in seinem Amt als Oberrabbiner der Waagneustädter orthodoxen Gemeinde feierlich installiert. Die Installierung gestaltete sich zu einer würdigen Feier des Kowod Hathoro und die ganze Stadt war unter diesem Eindruck gestimmt, wie schon lange nicht vorher. Waagneustadt hat eine rühmliche jüdische Vergangenheit, die noch auf mehrere Jahrhunderte zurückblieken kann. Es wirkten hier ersprießlich große Gedaulim, unter ihnen der vor zirka 108 Jahren verstorbene, in der ganzen Welt als Thoragröße anerkannte Gaon, Reb, David Deutsch נ-ל!:. Durch Amtsantritt des neuen geistigen Oberhauptes dieser nicht großen, aber bedeutenden Gemeinde tritt eine neue Phase des jüdisehen Lebens in dieser Gemeinde und der Stadt ein. Sind doch die persönlichen Vorzüge, das große Thorawissen und nicht zuletzt aber seine reichlichen Erfahrungen während des bisherigen Wirkens des neuen Oberhauptes vorhanden, die ihn prädestinieren, ein Manhig von Jisroel zu sein. Eine Abordnung der Gemeindeleitung fuhr ihm nach Leopoldov entgegen. Am Bahnhof begrüßte den Herrn Oberrabbiner Gemeindepräses Lichtenberg, nachher ging die ganze Gefolgschaft ins G-tteshaus, welches schön geschmückt war. Als Erster begrüßte nochmals in slowakischer Sprache Gemeindepräses Lichtenberg, wonach namens der ganzen Gemeinde Alexander Fischer eine längere Ansprache an den Herrn Oberrabbiner richtete und ihm den Rabbinatssitz übergab. Namens der Behörden begrüßte der Bezirkschef-Stellvertreter, namens der dortigen Status-quo-ante-Gemeinde ihr Präses Löwinger. Herr Oberrabbiner Schreiber dankte in der Staatssprache den Behörden für die herzliche Begrüßung und hielt dann seine Antrittsrede, die er in tiefbewegter, einstündiger Ansprache verrichtete, welche die Gefühle aller Anwesenden in tiefsten Eindruck versetzte. Zu der Installierung waren außer der ganzen Gemeinde viele Vertreter der Nachbarsgemeinden eingetroffen. Man sah dort außer den Ehrw. Herren Oberrabbinern von Nitra, Mijava, Pieätany Rabbiner Baumgarten, Wien, Rabbiner Weißmandl, Nitra, viele Gäste. Nach dem Chorgesang begleiteten die Anwesenden die Familie des Herrn Oberrabbiners in ihre Wohnung. Nach Tefillatli Mariw fand dann das Festbankett statt, bei welchem Herr Oberrabbiner S. D. Ungar eine eindrucksvolle Rede an die Gemeinde wie auch an alle Anwesenden richtete. Ferner sprachen noch Herr Oberrabbiner Broda, Mijava, Gc-meindepräses Lichtenberg, Gemeindenotar Ing. Bock, Rabbiner Weiß und schließlich Rabbiner M. D. Weißmandl, Nitra. Das Arrangement hatte seine Aufgabe gut erfüllt. Möge der הש-י den neuen Oberrabbiner שליטיא bei der Ausführung seines hohen Amtes stets zur Seite sein und ihn seine Tätigkeit mit einem Segensreichen Erfolg krönen lassen. * Chamischo-Ossor-Vorstellung der Topolcanyer Beth-Jakob-Schuie Die agile Leitung der Topolöanyer Beth-Jakob- Schule benützt jede Gelegenheit, um der Beth-Jakob- Idee immer weitere Kreise zu gewinnen. So brachte auch die vorwöchige Vorstellung dieser Schule einen großen moralischen und finanziellen Erfolg. Zu diesem bedeutenden Erfolg haben beigetragen die Präsidentin Frau M. Löwbeer, die B.-J.- Lehrerin Frl. B. Mehr und Frl, B. Kaufmann. Unter den Mitwirkenden wären zu nennen: Frl. M. Braun, B. Bernfeld, M. Friedmann, H. Löwbegr, R. Graus, B. Weiß und N. Spira. * Die Zionistische Ausstellung in Bratislava und der Misraehi Allgemeine Empörung hat in Bratislava die Tatsache hervorgerufen, daß die verschiedentlichen Vorbereitungen zu der am vergangenen Sonntag eröffneten zionistischen Ausstellung am Schabbos vorher ungeniert verrichtet wurden. Der Misraehi aber hatte hier — wie wir erfahren — nur wenig ,.auszustellen“, sondern klammerte sich an sein altes Schicksal und protestiert . . . * Der Osianyer Raw זצ״ל Im Alter von 73 Jahren verschied am vergangenen 11. Schwat in Oslany Rabbi Chajim Zwi Reich, der Osianyer Raw זצ־ל, Kr war ein Sohn des Budapester Raw, Rabbi Koppel Reich זצ׳ל und ein Schwiegersohn des bekannten Klausenburger Raw, Rabbi M. Schm. Glasner ןצ*ל, Mit ihm ging einer der hervorragendsten Talmide Chachomim der slowakischen Judenheit in die Welt der Ewigkeit ein. In der geistigen Einsamkeit einer Landgemeinde lebend, führte er ein zurückgezogenes Forscherleben und so wurde sein Name — trotz seiner großen jüdischen Gelehrsamkeit — nicht allzu sehr populär. Nur wenige im Lande kannten den inneren geistigen Reichtum dieser auch äußerlich ragenden Gestalt.

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