Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 24 (1938)
- Issue
- 2 (14.1.1938)
- Date
- 1938-01-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 2 Die Vorgänge in Rumänien Die Nachrichten aus Rumänien lassen noch immer kein klares Bild über die eigentlichen Ereignisse zu. Fest steht vorläufig die Absicht der Regierung, ihr judenfeindliehes Programm in irgend einer Weise durchzuführen, wobei man angesichts der Demarche der englischen, und französischen Regierung sowie den Vorstellungen des amerikanischen Gesandten den alten Trick zur Anwendung bringen möchte, daß man an der Gleichberechtigung der rumänischen Juden nicht rütteln wolle und daß die angekündigten Maßnahmen sich nur gegen die in den letzten Jahren ,,zugewanderten Juden“, deren Zahl man plötzlich mit 500.000 (!) angibt, riehten würden. Natürlich ist man sich sowohl im Lande als auch im Auslande darüber klar, daß es sich um einen Trick handelt. Inzwischen hat die Umwälzung im Lande selbst eine große Unruhe und eine steigende Nervosität ausgelöst. Auf die Banken und Sparkassen ist ein Run veranstaltet worden, das Wirtschaftsleben stockt. Die Demarche der Westmächte hat deprimierend gewirkt; man gewinnt die Ueberzeugung, daß nicht alles so glatt gehen werde, wie man zunächst glaubte. Die Opposition der Liberalen und Zaranisten wird immer schärfer und es ist nicht ausgeschlossen, daß das neue Regime bald einen anderen Platz machen wird. Charakteristisch ist die gekünstelte Empörung, die man. in Berlin gegenüber den Protesten Englands und Frankreichs losläßt. Nicht nur die Naziblätter, sondern auch die offiziöse Berliner politisch-diplomatische Korrespondenz zeigt sich sehr erbittert darob, daß man in London und Paris es wagt, dem Regime Goga-Cuza in den Arm zu fallen und Rumänien an die Verpflichtungen zu erinnern, die es bei der Unter- Zeichnung der Friedensverträge auf sich genommen hat. Allenfalls zeigen diese Demarchen, daß dafür gesorgt wird, daß die Bäume der rumänisehen Nazi nicht in den Himmel wachsen. * ״Daily Herald“ (10. Jänner) veröffentlicht ein Interview mit König Carol; ״Im Laufe der letzten Jahre“, erklärte der König, ״hat Rumänien eine Art Invasion von russischen und galizischen Juden erlebt. Diese sind illegal hereingekommen. Ihre Zahl beträgt ungef&hr 250.000. Gegen die Juden, deren Familien schon vor dem Weltkrieg nach Rumänien gekommen sind, werden keine besonderen Maßnahmen ergriffen werden. Aber diejenigen, die später einwanderten, können nicht mehr Rechte beanspruchen als Flüchtlinge. Wir werden darüber nachdenken, was wir in Bezug auf sie unternehmen werden. Eine Ausweisung kommt aber nicht in Frage. Aber die Gefühle der Oeffentlichkeit sind derart, daß wir den Eingewanderten nicht weiter politische Rechte gewähren können.“ Goga schlägt natürlich noch schärfere Töne an. Im ,,Paris Soir“ veröffentlichen die bekannten französischen Publizisten Jean und Jerome Tharaud Aeußerungen des Ministerpräsidenten Goga. Rumänien habe, erklärte dieser, in den letzten Jahrzehnten vier verschiedene jüdische Immigrationen erlebt. Die erste zu Beginn des Weltkrieges aus Galizien, die zweite aus Ungarn nach der Niederschlagung des kommunistischen Aufstandes, die dritte 1919 aus der Ukraine und die vierte aus Deutschland nach dem Machtantritt Hitlers. (Angeblich 30.000.) Durch den Friedensvertrag sei nur der Schutz der 1919 in Rumänien anwesenden Juden garantiert. Man könne aber Rumänien nicht auf Grund des Friedensvertrages zumuten, den später immigrierten Juden Schutz zu gewähren. Diese Frage werde die rumänische Regierung demnächst vor den Völkerbund bringen, wenn, so fügte Goga ironisch hinzu, ״der Völkerbund noch existieren wird.“ Auf die Frage, wie er sich die Lösung des Judenproblems vorstelle, antwortete Goga: ,,Die Juden müßten auf einer Insel, zum Beispiel Madagascar, angesiedelt werden und intemationale Kriegsschiffe unaufhörlich die Insel bewachen, um eine eventuelle Abwanderung von Jwäen zu verhindern.“ Eine Ansiedlung der Juden in V״lästina hält Goga für nicht realisierbar. Die Meldungen, ■wonach die Tschecho- Slowakei und die Türkei die Einreise rumänischer Juden verboten hätten, bestätigen sich nicht. Die Tschechoslowakei hat bloß den Visumzwang gegenüber Rumänien wieder eingeführt. Im türkischen Parlament wurde hingegen ein Antrag, die Grenze gegen Einreisende aus Rumänien zu schließen, abgelehnt. * Aus Bukarest wird der ״Jüdischen Presse“ berichtet: Die vom Ministerpräsidenten Goga und seiner Presse angedrohten Verordnungen gegen die jüdische Minorität, sind einstweilen nicht erlassen worden, sogar das angekündigte Verbot, wonach Juden keine christlichen Dienstmädchen anstellen dürfen, weil sie mit denen Mädchenhandel treiben, ist im ״Monitorul Oficial“, also im Amtsblatt Rumäniens, nicht erschienen. Bezüglich der Schenker soll eine statistische Aufnähme zunächst gemacht werden und die diesbezüglichen Mitteilungen sprechen nicht mehr von jüdischen Schenkern, sondern von Sehenkern im allgemeinen. Die Demarche Frankreichs und Englands hat also, was die Judenverfolgungen betrifft, doch einigermaßen gewirkt. Die Regierung Goga wird zwar auch zukünftig fortiter in re Vorgehen, aber die Form doch wahren müssen. Dasselbe gilt bezüglich der Ueberprüfung der Staatsbürgerschaft. Sie wird angeblich allgemein vorgenommen werden; sämtliehe Staatsbürgerschaften sollen überprüft werden. Das Ergebnis läßt sich bei dem bösen Willen leicht vorstellen. Auch das Ergebnis der neuernannten Präfekten der einzelnen Verwaltungsbezirke gegenüber den Juden ist nicht einheitlich. Während in Klausenburg (Cluj) die Vertreter der jüdisehen Kultusgemeinden zum feierlichen Empfang nicht geladen worden sind, nahm in Arad der Rabbiner der neologen Gemeinde, Dr. Vägvölgyi, an diesem Teil. Hier wurde aber eine Hakenkreuzfahne gehißt. Dagegen hat in Märamarossziget in einer Stadt mit jüdischer Majorität — der neuernannte Präfekt diese Fahne entfernen lassen und versicherte die Juden, daß sie in ihrem Kultus und wirtschaftlichen Tätigkeit nicht gestört werden. In Großwardein (Oradea) hat der neue Bürgermeister — allerdings nicht von den Bürgern gewählt, sondern von der Regierung ernannt — eine sonderbare Rede gehalten. Er sagte u. a.: Es ist die Zeit gekommen, daß aus dem Großwardein der Juden endlich das Oradea der Rumänen wird. Diese Stadt ist eine derjenigen, die stark unter jüdischen Einfluß geraten sind; ohne Juden hat man hier überhaupt keine wirtschaftliche Tätigkeit sich vorstellen können. Während der letzten 20 Jahre haben hier viele Juden die Staatsbürgerschaft erworben und haben auf unerlaubter Weise den Rumänen Konkurrenz gemacht. Die neue städtisehe Verwaltung wird die Fehler der Vergangenheit reparieren. Sie wird insbesondere den rumänischen Stadtteil stützen und wird auch in dieser Stadt mit gesetzlichen Mitteln die Losung der Regierung verwirklichen; Rumänien gehört den Rumänen! ״Daily Telegraph“ vom 11. meldet aus Bukarest: In der letzten Sitzung des Kabinetts ist es zu ernsten Meinungsverschiedenheiten zwischen Goga und Cuza wegen der Judenfrage gekommen. Cuza zeigte sich über die ״gemäßigte Politik“ Gogas imgehalten und forderte ein schärferes Vorgehen gegen die Juden. Aber die in Betracht kommenden Ministerialkommissionen erklärten, die ״Arbeit“ nicht so rasch bewältigen zu können. Es sei nicht so einfach, die in der Wahlzeit gemachten Versprechungen mit den praktischen Möglichkeiten in Einklang zu bringen. Verschiedene Meldungen ausländischer Blätter seien übertrieben. Es gibt vorläufig keine Massenflucht von Juden, und auch die Meldung, man hätte 130.000 jüdischen Gastwirten die Schankkonzessionen entzogen, eilen den Tat- Sachen voraus. Im ganzen gibt es in Rumänien nur 64.000 Gasthäuser, wovon ein Teil sich in nichtjüdischen Händen befindet. ״Frankfurter Zeitung“ vom 11. bringt gleichfalls einen Bericht aus Bukarest über die Auseinandersetzungen im Kabinett hinsichtlich des Tempos der antijüdischen Maßnahmen. H. Grün, II., Taborstraße 8 b, Tel. R-42-3-66, Atelier für feine Herrengarderobe. ■■■..... DRINGEND werden die geehrten Abonnenten der ״Jüdischen Presse“ ersucht, ihre Rückstände zu begleichen sowie das Abonnement pro 1988 erneuern zu wollen, damit in der Zuseodung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die Verhandlungen wegen der H. Serie der Prämien per 1938 stehen vor dem Abschluß und wird demnächst die Liste derselben verlautbart werden. Zstkukßsiomkei Eine Jubiiäum8stiftung zum 20jährigen Bestand unserer Republik In seiner schönen Neujahrsbotschaft sagte der Präsident der Republik, Dr. Benes, daß wir das Jubiläum des zwanzigjährigen Bestandes unserer Republik, das wir in diesem Jahre begehen, im Zeichen der Nächstenliebe, mit einer Tat, die aus dem allgemeinen menschlich großen, reinen und guten Willen entspringt, feiern sollen. Im Sinne dieses Mahnrufes des Präsidenten der Republik an das soziale Pflichtbewußtsein will auch der Krankenfürsorgeverein ״Marpe Lanefeseh“ handeln und im Jubiläumsjahr der Republik ein eigenes Heim erbauen, das als Wöchnerinnen- und Genesungsheim, als ein Denkmal der Nächstenliebe, unseren Beitrag zum Aufbau des Staates in diesem Jahre bilden soll. Wenn wir angesichts der Not des Tages im allgemeinen alle unsere Kräfte zur praktischen Hilfeleistung einsetzen müssen, so werden wir dies sicherlich um so freudiger tun, wenn dies im Interesse armer hilfloser kranker Menschen und in Erinnerung an eine glorreiche Zeit geschieht. Solches Empfinden entspricht durchaus der Auffassung des Judentums und dem Geiste unserer Republik, die die Humanität als große Lebens- und Erziehungsnorm ihres Altpräsidenten Masaryk auf ihr Banner geschrieben hat. Wer einen Einblick in die Aufgaben hat, die dem Krankenfürsorgeverein ״Marpe Lanefeseh“ erwachsen, der wird erkennen, daß jede Gelegenheit und jede Möglichkeit wahrgenommen werden müssen, um Mittel, für diese besonders wichtige humanitäre Institution zu beschaffen und den Neubau zu ermöglichen. Wenn wir hören, daß der Verein mit einem Jahresbudget von fast 300.000 tsch. K, im Jahre durchschnittlich 1200 arme, hilfsbedürftige jüdische Kranke aus allen Teilen der Republik an etwa 25.000 Tagen verpflegt und betreut, außerdem arme jüdische Wöchnerinnen bis zu ihrer vollkommenen Genesung verköstigt und mit der ersten Babyausstattung versorgt, werden wir auch begreifen, daß diese ungeheure Leistung jeden zur Pflichterfüllung gegenüber diesen unglücklichen Mensehen anspomen müsse. Wer heute noch mit Stolz oder mit Freude auf seine Existenz und sein' Schaffen sehen darf, der mag nicht vergessen, daß er alles, was er hat, einer höheren Macht verdankt. Hiefür soll er Dank abtragen, indem er eine religiöse und menschlich schöne Pflicht erfüllt und dadurch Ziedaka übt. Gehört doch die Fürsorge für hilflose arme Kranke zu den hehrsten und heiligen Begriffen der jüdischen Wohltätigkeit! Helfen auch .'jp uns, die Not unglücklicher Menschen zu linden״ Ueberweisen Sie uns Ihren Beitrag als Jubüäumsspende zum zwanzigjährigen Bestände der Republik. Spenden sind zu richten an die Jüdische Kreditgenossenschaft in Bratislava, Postscheckkonto: Prag 46.746. Jüdischer Krankenfürsorgeverein ״Marpe Lanefeseh“, Bratislava. Sie können nicht an Grippe erkranken, ׳wenn Sie rechtzeitig den A1 pa-FYanzbraniitwein verweilden. Zum Mundausspülen und Gurgeln: Einige Tropfen ins Wasserglas genügen. Alpa desinfiziert die Atmungswege und erfrischt angenehm. Zu Massagen: Alpa-Massagen stärken den Körper und härten ihn ab. Sie machen den Organismus gegen Ansteckung und Verkühlung widerstandsfähiger. Fragen Sie Ihren Arzt! Achten Sie daher beim Einkäufe darauf, daß Sie ■wirklich Alpa bekommen.