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Jüdische Presse · 1938-01-14 · 2 (14.1.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
24 (1938)
Issue
2 (14.1.1938)
Date
1938-01-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 2 JÜDISCHE PRESSE Seite 5 Keine Emigranten aas Rumänien ״Prager Abendzeitung“ (10. Jänner) schreibt: Die Befürchtungen über einen Zustrom von Emigranten aus Rumänien in die Tscheche- Slowakei sind, wie das ״Ceske Slovo“ meldet, völlig unbegründet. Der Verkehr auf der Bahnstrecke, die diese Flüchtlinge benützen müßten, ist seit einigen Tagen nahezu vollkommen erlahmt. Während in den früheren Jahren zur Zeit der im Osten der Republik und Rumänien gefeierten Weihnachten der griechisch-orthodoxen Kirche auf der tschechoslowakisch-rumänischen Grenzstation Halmei ein so lebhafter Verkehr herrschte, daß der Andrang zu den Zügen oft Verspätungen bis zu 150 Minuten verursachte, entfiel diesmal die starke Reisefrequenz. Im Auslande weilende Juden sind während der Feiertage, die in Rumänien später als bei uns gefeiert werden, nach Hause zurückgekehrt, um bei den bevorstehenden Maßnahmen gegen sie, von denen bisher noch keine durchgeführt wurde, bei ihren Familien zu sein. Seit den letzten Wahlen in Rumänien stellte man in keinem Falle die Flucht eines Emigranten in die Tschechloslowakei fest. Die tschechoslowakischen Grenzorgane verlangen bei der Einreise in die Tschechoslowakei seit Freitag voriger Woche ein Visum, die rumänischen Grenzbehörden führen diese Maßnahme bei Einreise in ihr Gebiet erst seit Samstag durch, sie haben an diesem Tage einigen Reisenden, deren Pässe keine Visa trugen, die Einreise verweigert. Für das Jeschiwo-Internat zu Bratislava Wie wir erfahren, geht die Arbeit für das zu errichtende Jeschiwo-Internat in Bratislava rege vor sich und sind schon im Rahmen der Zeichnungen für dieses Werk nennenswerte finanzielle Erfolge zu verzeichnen. Nun geht das Aktionskomitee daran, die Tätigkeit auf das ganze Land und darüber hinaus auszudehnen, zu welchem Zwecke ein separater Ausschuß gebildet wurde, der diese auswärtige Arbeit ordentlich vorzubereiten hat. Es ist zu hoffen, daß diese Aktion vor allem im Kreise der ehemaligen Schüler dieser Jeschiwo und darüber hinaus im Kreise aller, die die Jeschiwo des Chaasam Sofer ןי״ע nach,ihrer Bedeutung für das gesamte thoratreue Judentum zu würdigen wissen, die erwartete Förderung finden wird. Assifas Talmidim in Nitra Vorigen Schabbos fand in Nitra eine Besprechung der dortigen ehemaligen Talmidim des Nitraer Raw שליט״א unter Teilnahme mehrerer auswärtiger Chawerim statt, bei der die Einberufung der 3. Assifas Talmidim auf Schabbos פ'זכור beschlossen wurde. Ein Vorbereit ungskomitee wurde gewählt, um alle nötigen Arbeiten zu erledigen, und wurden schon Schritte unternommen, um eine eventuelle Bahnermäßigung für die Teilnehmer an diesem Treffen zu erwirken. Diese Assifo erweckt bei den Talmidim große Begeisterung, wie die schon eingelaufenen Zustimmungen zeigen. Es ist zu hoffen, daß diese Assifo, so wie die früheren, auch wieder eine imposante und nachhaltige Veranstaltung zur Hebung des Kwod Hathora sein wird. Die Talmidim werden gebeten, ihre genaue Adresse an die Rabbinatsschule, Nitra, Postfach 27/A, ehestens bekanntzugeben, vor allem solche Talmidim, die an Orten wohnen, wo es keine Ortsgruppe der ״Dibu;k-Chawerim“-Vereinigung gibt, die die eherr ,xigen Talmidim des Nitraer Raw שליט״א in sich vereinigt. Rabbinerinstallation in Nove Me»to 11. V. Nachdem die verschiedenen Vorkehrungen j für die Uebersiedlung des vor einiger Zeit als : Oberrabbiner der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde in Nove Mesto n. V. gewählten Herrn Rabbiner Simon Schreiber, Nitra, getroffen waren, konnte von de a Vorstand der Gemeinde die feierliche Installation ihres neuen geistigen Oberhauptes festgesetzt werden. Dieser Festakt findet am kommenden Sonntag, den 14. Schwat, um 2 Uhr nachmittags mit folgendem Programm statt: 1. Eine Deputation fährt dem Oberrabbiner nach Leopoldov entgegen. 2. Um 13.45 Uhr Begrüßung an der Bahn in Nove Mesto. 3. Abfahrt in die große Synagoge und Begrüßungsansprachen vor derselben. . 4. Chorgesang. 5. Nach Mincha folgt die In- | i stallationsrede des neuen Oberrabbiners, worauf! dann nach Verrichtung des Maariw-Gebetes | gegen 18 Uhr ein Festbankett veranstaltet wird.! Gemeindewahl in Vei. Meder und Nitra I Vergangenen Sonntag hielt die orthodoxe israelitische Kultusgemeinde in Vel. Meder ihre ordentliche Generalversammlung, verbunden mit der Neuwahl der Leitung ab. In die Leitung wurden folgende Herren gewählt: Präses S. Raab, Vizepräses I. Schwartz und J. Ungar, Kontrollor M. Weiner, Kassier J. Adler, weiters ein siebengliedriger Ausschuß. Die am gleichen Tage in Nitra unter reger Beteiligung der Wählerschaft stattgefundene Neuwahl ergab keine wesentlichen Aenderungen gegenüber der personellen Zusammenstellung der bisherigen Leitung, nur wurde Herr Julius Sohle- Singer, bisheriger Vizepräses, zum Präses der Gemeinde gewählt und damit bewiesen, daß eine aufopfernde Tätigkeit für die Sache des Klalls von demselben noch gehörig gewürdigt wird. Lichtbilder vertrag Dr. Lichens in Bratislava Keiner wäre berufener und kompetenter, über das Prager Ghettoleben um das Mittelalter zu sprechen, wie Herr Dr. Sal. Lieben als Nachkomme einer in Prag lang ansässigen, angesehenen, religiösen Familie, als ein Mann, der mit dem religiösen Leben in Prag heute so verbunden ist. daß man die Behauptung wagen darf, daß er auch dank seines Einflusses bei der nicht allzu religiösen Gemeindeleitung das Thoraleben in Prag regelt und alles, was auf diesem Gebiete geschieht, ihm und seiner Familie' zu verdanken ist. Denn dieser Familie ist es ja überhaupt zuzuschreiben, daß heute, trotz der hier obwaltenden Strömung nach Assimilation individueller wie nationaler Natur, von einem religiösen Leben in Prag schlechthin noch gesprochen werden kann. Es ist daher nicht verwunderlich, daß bei dem am vergangenen Sonntag im Bratislavaer Handelsgremium abgehaltenen Lichtbildervortrag trotz verhältnismäßig hoher Eintrittspreise fast kein Plätzchen leer war. Dr. S. Lieben will eben mit seinen Lichtbildervorträgen über das Prager Ghetto — wie er selbst in seinen einleitenden Worten berührte — auf diese Zeit hinweisen, wo Prag als die einstmalige größte jüdisehe Gemeinde Europas auch ein wahres Zentrum für religiös-jüdisches Leben war, eine Gemeinde, der die hervorragendsten Thorafürsten vorstanden und in der auch der ״einfache Mann der Gasse“ von tiefer Gelehrsamkeit und G-ttesfurcht durchdrungen war und nur wahrer Thorageist in derselben obwaltete, um derart Mut und Ausdauer für die weitere Aufbauarbeit nach dieser Richtung hin zu sammeln und die orthodoxe Öffentlichkeit in der Slowakei und die zuständigen orthodoxen Instanzen hierselbst darauf aufmerksam zu machen, daß sie dieser Bestrebung ihre weitestgehende Förderung׳ entgegenreiche und es nicht zulasse, daß sich hier Eiemente heimisch machen und, G-tt behüte, auch die Herrschaft über die Orthodoxie in der Slowakei an sich reißen, die mit dem richtigen Thorajudentum als solchem nichts Gemeinsames haben und ein neues ,,religiöses“ Judentum mit einem ״Obersten rabbinischen Rat“ usw. schaffen wollen, das rechtlich anerkannt und unter dem Einfluß dieser unberufenen Kreise stehen soll. Der Vortrag Dr. Liebens an Hand vorzüglicher farbiger Lichtbäder unterstrich deutlich die Kluft zwischen dem jüdischen Leben in Prag zur damaligen und in der heutigen Zeit. Gharakteristisch in dieser Hinsicht war sein Bericht, daß der Nebeneingang, der sich zwischen der zur damaligen Zeit vom jüdischen Krösus Mark. Meiseis anschließend an das jüdische Rathaus errichteten Synagoge befand und den Ratsmitgliedern die Möglichkeit gab, während der Beratungen die Tefilos zu verrichten, heute verschüttet wäre, da dieser derzeit ohnedies keine Frequenz finden würde. Sein Vortrag, der den Teilnehmern ein klares Bild über das jüdische Leben in Prag um die Zeit des ״Maharal“ entrollte, wurde mit großem Beifall aufgenommen. Als Gast der Mensa der Bratislavaer Rabbinatsschule, die das Arrangement innehatte und der das befriedigend ausgefallene Reinerträgnis zufiel, wurde er von den Rabbinatskandidaten M. A. Lencz-Kezmarok in slowakischer und M. Haberfeld-Topoleany in deutscher Sprache begrüßt, die in schönen Worten die Persönlichkeit des Vortragenden dem Publikum vorstellten Jota. ן tfftftftfff Das Ministerium für Industrie beabsichtigt die Arbeitszeit zu regeln und hat zu diesem Zweck einen Entwurf ausgearbeitet, welcher die wöchentliche Arbeitszeit mit maximal 44, die tägliche mit höchstens 9 Stunden festsetzt. Der orthodoxen Zentralkanzlei ist es gelungen, an zuständiger Stelle durchzusetzen, daß die ersparte Arbeitszeit von Samstagen auf die anderen Tage der Woche aufgeteilt werden kann. Der ursprüngliche Entwurf hat dies nur für die an Wochentagen ersparte Arbeitszeit zugestanden, Samstag sollte eine Ausnahme bilden. Infolge dieser Aenderung erleiden die schabboshaltenden Firmen durch die Neuregelung keinen Der Generalsekretär der Pester israeliti■ sehen Kultusgemeinde, Sändor Eppler, feiert sein dreißigjähriges Diensijubiläum. Unter den den Jubilar begrüßenden Körperschaften befindet sich auch die Budapester aut. orthodoxe israelitische Kultusgemeinde, mit welcher Sekretär Eppler, der selbst einer orthodoxen Familie entstammt und streng religiös lebt, stets im besten Einvernehmen arbeitete. Der Erzbischof von Kalocsa, Graf Julius Zichv, hat in der Zeitschrift ״Politika“ die Kirche zum Kampfe gegen die extremen politisehen Bewegungen aufgefordert. Der Erzbischof nimmt scharf gegen den Nationalsozialismus Stellung, welcher sowohl Katholiken wie Protestauten zum Märtyrerleben zwingt. Der kalvinistische Bischof Dr. Karl Makläry schreibt unter anderem: Das Hauptziel des Hasses ist derzeit das Judentum. Aber wir wissen wohl, daß die Juden bloß den Anfang bedeuten. Fortsetzung folgt bei den Katholiken und bei den anderen christlichen Kirchen. Im selben Sinne schreibt auch der reformierte Bischof Dr. Alexander Raffay. Der ungarische Historiker Ludwig Steier ist im dreiundfünfzigsten Lebensjahr gestorben. Br gehörte zum vertrauten Kreise des Grafen Stephan Tisza, nahm als Mitglied der ungarischen Delegation an dei־ Friedenskonferenz teil und betätigte sich später als wissenschaftlicher Berater des Ministerpräsidenten Graf Stephan Bethlen. Steier hat hauptsächlich die Akten des geheimen Archivs für die ungarische Geschichte verarbeitet. Er wurde im Ehrengrabe der Pester Chewra Kadischa zu letzter Ruhe gebettet. Sogar die extrem antisemitische Presse Budapests anerkannte in ihren Nachrufen Steiers große Verdienste für das Vaterland und nannte ihn einen echten ungarischen Patrioten. Nachrichten aus Sowjetrußland besagen, daß die ״Jewsektia“ eine neue Offensive gegen die jüdische Religion unternommen hat. Neuerdings erscheinen sogar in den allgemeinen russisehen Zeitungen Brandartikel gegen den Sabbat und die Feiertage und besonders gegen die ״reaktionären Rabbiner“, die als Staatsgefahr geschildert werden. Den Rabbinern wird vorgeworfen, daß sie das Gesetz übertreten, wonach die Schule von der Religion getrennt werden müsse. In der kommunistischen Zeitung ״Oktober“ in Minsk erscheint, eine Artikelserie unter der Ueberschrift: ״Die Rabbiner in der konterrevolutionären Front“. Die Zeitungen sind voller Karikaturen, die die ״klerikalen jüdischen Religionsbeamten“ verspotten. Wie man hört, wird aber von der ״Säuberungsaktion“ auch die Presse der ״Jewsektia“ selbst nicht verschont. In der Redaktion des Moskauer ״Emmes“ wurde eine Hausdurchsuchung abgehalten, weil das Blatt in den Verdacht zionistischer Neigungen geraten ist. Es wird behauptet, man habe in der Redaktion einen ״Briefwechsel mit Palästina“ entdeckt. Bas Jubiläum der Talmud Thora. Der Bethaus-Verein Talmud Thora, Malzgasse 16, veranstaltet Sonntag, den 16. d. M., abends 6 Uhr, anläßlich seines 70jährigen Be- Standes einen feierlichen G-ttesdienst, anschließend Sijum auf חפשה —:•ש• הירד mit. Bankett. Die Festrede hält Se. Ehrwürden Herr Rabbi.1׳ , Schenk.

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