Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1934)
- Date
- 1934-02-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Der jä«U»«Mc Arfcaiter. 9. Februar 1934 Iis liegt nicht in der Macht des jüdischen Volkes, diese Gefahr zu bannen, oder sie zu verringern; i-6 fribt aber einen Winkel in der Welt, wo wir /xai kumn cntxe heulenden ibtr einen vx i < h ti Machttaktor darstellen, und von diesem Winkel ist unsere Zukuntt als Nation abhängig. Möglich, daßi bloß vier oder tum (wenn nicht weniger) fahre zwischen uns und |enem fürchterlichen face he^eiw Bis dahin aber müssen wir unsere Zahl in l'alafjii uidipptln t'etm ui jenem fi?< wild die? <j(li< uni Scirkt Jer judixthm ikv<ll*rinfr m I ili ti i di schick,tl utiscr r /ul umt an cheiden Das ist einer der vielen Gründe, warum wir did 'in i id in cstricjL in c'ci vlitu 'punl-1 unsere^ f urclit; ri efende Genu ine schwirren um diese F t « I' unidi sl 'n i v ' \ >r (im - Oro s luns^ der hinrw'andeHm<>- und der Authebtin? der Baltour-> ik! I uation Vu I 'i il Ich 1 i idiurl I ih m der Politik (Iii M i ' m it uns. cm durchreitender! Windei u (tidt ' \iuh di 1 lAutnt laßt die f i i„e di 'ii M h iin in'In t ii he n ibei un stci Sorfc konini. mc'f daher, weil ein Wandel tatsach- Ik» if< Ii m i i im Geeilt n weil zu un s i m '(di ii mciiu \enderun<r an,rctrUcn ist iiwi hl h i (Us null dien \ )lk(s ,i dei (i il'ith nnl i I t ni I dt im i einen ridikiltn Umbuich in d IGl'til d r Mmdatirnncht n ifvx endicr rnirht | Unsere Forderungen an die Regierung \v i 'i ili n dix voll K< ht von ehr R ^enm* ni dun h^Kiteu h \endinui, m lhtu I inw inde iiuiL. pi «ms zu loiddii Niehl ill m weil die \' )1 dts \ .11 e <uxx irh-Mi ist smdein uuh veil die Moidiclikeiteir in Palästina »roher geworden sind. Hr-Sl wanderten nach Palästina 4000 Juden ein: 10.TJ 10(100 un I d is | du 10 H st hl jß mit uiuaf Hu SO 000 ikexi stu^utuit, holte kumswtL, el is Wuhstum dei \uiuihm niocjuhlc teil de I indes ein De xdil ^eudst Hewii diiui l f eh I it iche el ß unbe ehad t der vielem Iounsten (die in diesen /lltern nicht enthalten sind), duim Lande geblieben sind, cm starker Arbeiternianyel spurbar ist. I nsire i mvv mdeiiui' ist un I vvn In nahen kcinesvverrs auf bmve«eii herzukommen und sich vor icmaiidcn zu verstecken., jeder |uele. der ms Land kommt und von der Wirtschalt des Landes absorbiert werden kann, muß von der RenermiQj hereingelassen werden. Dazu verpflichtet sie das Gesetz. Jeder I ourist. der sich im Lande als Kapitalist. Haiahxeiker odei Aibeitei uisadeln kum muh v du der Kesfieruny; wie es das Liinv-amleniiirrssresi'Di vorschreibt - die Lrlaubms erhalten. im Lande zu bleiben. Auch bei der Bestimmnnoder Liiiwanderun^squote ist die Rei>ienuis;| verpflichtet, dafür zu sorgen, daß sie nicht niedriger; sei, als die ökonomische Aulnalimefahit;keit des Landes es erfordert. Diesen Verpflichtungen ist die Regierung bis zur stunde nicht nachgekommen. Sämtliche Quoten, die wir in den letzten jahrein erh ilten h iben u iren niedriger, ils die ok m jmisclK Aufnahmefähigkeit des Landes. In normalen Zeiten bedeutet diese Verringerung einen lediglich quantitativen Schaden, aber m der jetzigen Krise, bei der fürchterlichen Notlasre der jüdischen Massen und der schweren Kriegsgefahr m der Welt, gefährdet diese Politik der Mandatarregierung unsere t.xistenz und Zukunft. Wir können und dürfen nicht hneden schhe Ken mit der latsache, daß die Hohe der Alijah' niedriger sei, als es die maximalste Aufnahmefähigkeit des lindes erlaubt. , Und das fordern wir von der Mandatarmacht. Unser „Ffinf jahre«Plana In den nächsten fünf fahren wird die Welt in einer konstanten Kriegsgefahr stehen, hur uns ist? die Gefahr viel größer, als für irgend jemand. Und1 damit wir nicht hinweggefegt werden, wenn der Sturm losbrechen wird, müssen wir unsere Bevölkerungszahl in Palästina verdoppeln, und unsere Stellung so stark als möglich ausbauen. Das ist unser Funfiahresplan. und um diesen zu verwirklichen, müssen wir alle schöpferischen Kräfte im Zionismus mobilisieren. Kein Versuch unserer Gegner soll uns von dieser zentralen Autgabe ablenken. Wir dürfen uns von der unfruchtbaren und unanständigen Polemik, die um uns entbrannt ist, nicht mitreissen lassen!. Wir haben uns in unserer zionistischen Tätigkeit v in einem einzigen zentralen Gedanken leiten zu lassen, und der ist: Unserem Volke muß, geholfen; werden! Dem Volke, das den Boden unter den Fussen verliert das die Grundlagen seiner Kistenz wanken sieht über dessen Haupt das -»chwert des Unterganges droht, f ür seinSchicksa 1 sind wir verantwortlich und in seinem Namen handeln wir t_x ist eine harte Aufgabe die uns auferlegt ist wir wollen sie aber erfüllen so weit es in unserer Kraft hegt ■— mi'i Treue und Mut im vollsten Bewußtseim unserer Verantwortung. Für Masseneinwanderung nach Palästina Erklärung des sozialistischen Komitees für das arbeitende Palästina. In Erwägung der verschiedenen Möglichkeiten zur Linderung der Notlage der Juden und insbesondere der deutschen Juden, deren Vermögen. Arbeitsinoglichkerten und selbst perionliche Sicherheit durch die barbarische Anwendung einer politischen Doktnne. die Menschenrechte zu einem Rassenprivikg macht, gefährdet sind. In der Ueberzeugung. da(> eine derartige Behandlung für tausende deutsche Burger jüdischer Abstammung vollstandii/en Rum. Untergang und unausweichliche Auswanderung bedeutet. In Betracht ziehend, daß der Antisemitismus in den meisten: Landern Osteuropas, m denen die jüdische Bevölkerung in unerträglichen Lebensbedingungen ihr Dasein Und m der Erkenntnis, datj Lander. insbesondere Amerika, die truher die jüdische Einwanderung begünstigt hatten, nunmehr gesperrt sind, und, daß in der» anderen Landern, deren liberale Institutionen und öffentliche Meiniintr frei sind von Rassenunterschieden und Vorurteilen, die gegenwartige Wirtschaftslage die Aufnahme von gefluchtete« luden und deren Linghederung in die Arbeit bedeutend einschränkt, bringt das Sozialistische Komitee für das arbeitende Palästina ne Ueberzeugung zum Ausdruck, dab Palastlina in den gegebenen Verhältnissen grolle Möglichkeiten für die jüdische Einwanderung bietet, und daß dessen Bedeutung im gleichen Maße wachst, als die judische Lage in den anderen Landern schwerer wird. Die ökonomische Entwicklung Palästinas, die Aulnahmsfalugkeit des Arbeitsmarktes und die Gesamtheit der sozialen Bedingungen verwandeln Palästina in gegenwärtigem Augenblick zu einem verhältnismäßig privilegierten Lande. <Wm <1« Mocrkchkcit bc*tcM. di« jüdisch« Kinwande-riiüp n den künstlichen Einschränkungen zu befreien, die ihr Verlauf von vielen Jahren von der Mandatarmacht aufgeungen wurden. Die Zeit, da die arabischen Arbeiter befürchten konnten daß eine zu große Vermehrung der jüdischen Bevölkerung ihnen Schaden zufügen werde, ißt vorüber. Ls ist erwiesene Tatsache, daß die arabischen Arbeiter vom jüdischen Fortschritt nur gewinnen, und daß die ununterbrochenen Bemühungen der palästinensischen Arbciterpartei und der Hrstadruth* eine Verständigung zwischen judischen und arabischen Arbeitern herbeizuführen, schon heute erfolgreiche Resultate zeitigen. Das einzige Hindernis einer vollen Verständigung zwischen den judischen und arabischen. Massen bilden die Intnguen der Lffendus, die dann eine große Gefahr für ihre privaten Interessen und für ihre feudale Herrschaft über die arabische Bevölkerung sehen. Unter diesen Umstanden erklärt such das .Sozialistische Komitee für das Arbeitende Palästina als entschiedener Freund einer Politik der breiten. Einwanderung nach Palästina, wodurch die Not der jüdischen Bevölkerung und insbesondere der deutschen Juden gelindert werden konnte. Das Komitee druckt seinen Wunsch und seine Hoffnung aus, daß die Mandatarmacht im vollen Bewußtsein der mit dem Mandat übernommenen Verpflichtungen entschlossen, das politisch und sozial gerechte Werk des Palastinaaufbaues zu Emde zu fuhren, mit allen ihr zur Verfugung stehenden Machtmitteln die Entwicklung des neuen Palästina begünstigen und die judische Kolonisation, die einen Quell des friedlichen Wohlstandes für alle Einwohner bildet, erweitern wird. Das SozaaliiBtiiSiche Komitee für das Arbeitende Palästina ist bereit, an jeder Aktion, welche die judische Arbeiterpartei im Palästina unternehmen wird, mitzuwirken, mit dem Ziel, eine Verständigung zwischen der judaschen und arabischen Arbeiterschaft herbeizuführen, die eine wesentliche Vorbedingung für dine Auiirachtung einer jtiditscli-natwnalen Heimstätte in Pailastuna und für die Entwicklung des Landes zugunsten <tor gesamten Bevölkerung bildet. Fur das Sozialistische Komitee für das Arbeitende Palästina: Emile Vandervelde Louis Pierard Leon Blum: William Gilis Walter Chevenells Um den Minderheitenkongreß Am 11. lebruar findet m Prag eine Sitzung der Exekutive des Connte des Delegation^ Juives statt, an der vor allein \ ertreter der mittel- und osteuropäischen Iiidisehen Gemeinschaften teilnehmen werden. In dieser Sitzung ward auch uber die krage entschieden werden ob die jüdischen Mmderheiteneruppcn ihre Beziehungen zu dem Minderhoitenkongreb aufrecht erhalten sollen oder nicht Der jüdische Weltkongreß wird vorbereitet Paris. Am 12. Februar tritt in Prag das Exekutivkomitee des Jüdischen Weltkongresses zu einer Beratung zusammen, an der auch Vertreter der im Exekutivkomitee nicht vertretenen Lander teilnehmen werden. In diesen Beratunsen werden Zeit und Ort des Zusammentreten» des Judischen \\ eltkongresses und der Modus der Delegiertenvvahlen definitiv festgesetzt werden. Jakob Leschtschinsky: Das Wunder der Arbeit Der berühmte judische \\ jrtschatlsllieoretiker und btiilistiker. Jakob Leschtschmskv. der Jalirzehnle hindurch einen scharleu Kampf sjegen den Zionismus führte, erzahlt nachstehend die Ein •s besuelies bei ('haluzim. Die politis /(it srliaflliche Aufschwung Palästinas und der Zwau« in vsiils, hiltlulKii und „> isti„(ii Im (In htuiit, in der dahilli, haben auch ihn. wie so viele andere, dem cliahiziM'heu Zionismus naher ye- I im voi miiiji /. it m cm kleine si hlimsch.s i'u. namens Wilkowiezki. Dort befindet" sich neben iii:sclii'ii llandwei'kersrhnle und im Zusammenhang i i Innuih kn uk tu dies( Nhniule und •r eine, klein und mager, hielt mit einer /autic em i ' n f I di. voi Hit luht< und mrniti tot* « Her zueile, «rub und breitschultrig, mit. dichtem i i t m tun. - it im in mIhwi i Hunm i ml di (ii 1 l I in h diu du Hit 1 . dibd wie em (i Nbuel liuslen! und .pue kt n! \«h , mu* n .< w ibitt i .ii im ii ,i i 1 stellten n.h voi Ich Mi! i von mehr als achtzehn Jahren, de uwleslo« immer den tundruek eines 1unfzelm ahngo in. Ins /.um fuiii/.elmteii Lebensiahr lernte er mei; i id iml in. nd Ii . u hd.r, s, l„ ( vmuisium Li « n talentierter Junsre. Was aber soll alle Bildung, wenn f.ii liiufe v,is,(n| miiI' So vvaif er voll 7orni lalmud beiseite, verzichtet«.' auf Mathematik und Aufnah mspiufunir und ging m die Hanihverkersduile zum Ambob und zum Hammer. 'T zweite Junglmg. em starker Kerl mit jrroßen; Alicen und einem weichen .Schimmer aul dem breiten Gesicht, ist ein deutscher Emigrant Er ist Sohn, tes Berliner jüdischen Advokaten. Enkel eines ebenfalls' Timer judischen Advokalen und Lienkel eines Itab- 1 nd diese beiden ..jüdischen Kinder" so fremd ein- •r phvsisedi und geistig. brachte das gemeinsame, schieksalsinaßige Erleben m der Schmiede zusammen um n nun an vereint, das neue Schicksal ihres Eebensj schmieden. Em Schicksal schwerer Arbeit und Mühe. Aus den Laden, aus der Jeschiwah. aus den Gym- Mon ui» dei EniveiMtit xind x nie fauxenk indische ige Männer und Mädchen, zum Hammer getrieben wor n, zum Pflug, zur Maschine. Als die zwei |ungen Leute sahtm. dato das Eisensltück abkühlte, warfen sie sich mit. neuem Eik-r in ihre Arbeit. Luid der Hammer schlug musikalisch (kn. Khvthmus: ..Arbeit! Arbeit! Arbeit!" Diese Melodie, die neue Arbeitsmelodie. hörte nicht, auf, in meinen Ohren zu klingen, im \ erlauf der Wochen, die ich mit den hunderten (.haluzim. mit den siebzig Deutschen und den hunderten Schüler und Schülerinnen in den „Orts -Schulen verbrachte. Strome jüdischer Jugend ziehen von den Schulen und sonstigen Bildungsstätten, ans den: heimischen Stuben und mütterlichen Nestsn. und suchen Arbeit, suchen neue Wege zur Arbeit. Sie sind bereit, die Krainermstmkte und Handlerkniffe ihrer Eltern und Atmen auszurotten, sind bereit, auf die Schulen zu verzichten, um von neuem zu beginnen, ein Fundament der Arbeit aufzulichten. Ich muß meine üeberraschung gestehen, über dai sich meinen Augen darbietende Bild. Ich wußte wohl von diesem Streben zur Arbeit, doch ich hatte mir diese} gewaltige Kraft, diese Große, nicht vorgestellt. Ich dachte nicht, daß dieses Streben em solch erneuerndes, revolutionierendes sei. End mehr denn alles überraschte mich die judische Jugend aus Deutschland. Ich erwartete Niedergeschlagene, Trauernde. Enttäuschte. Kamen sie doch alle aus behaglichen Heimen, aus einem Lande einer überaus hohen technischen Entwicklung. In allen lebt die Erschütterung eines gewaltigen Erdbebens. Sie haben ihre Eltern, Geschwister und Verwandte in dem Morderland zunickgelassen und ihre Zukunft, ist weder rosig, noch gesichert, selbst wenn sie schon gute Schlossert werden. Aber Jugend ist frisch und erfüllt mit Glauben, selbst wenn es die Jugend eines alten, hartgepruften, "Volkes ist! Der „Orr brachte neunundzwanzig jüdische Jungen aus Deutschland nach Kowno. Einer von ihnen ist verheiratet und hat em Kind mit. Ich besuchte sie in ihrem Heim unel an ihren Arbeitsstätten. Ich verbrachte mit ihnen Stunden, in denen sie mir ihr Herz ausschütteten. Es fanden sich unter ihnen viele Stutlenten. em Ingenieur. Abiturienten und solche, die von der Schulbank der siebenten, achten Klasse, wegmußten. Meistenteils waren es Kinder nicht unbemittelter Kaufleute. In Kowno hat der Ort" em Haus gemietet, art dem sie. zu dntt oder viert in einem Zimmer, wohnen. Das Haus ist geräumig hell mit allen Bequemlichkeiten ausgestattet. Alle lernen das Schlosserhandwerk in der Schule des ..Ort". Von den neunundzwaHzig gestand nur ein einzigen xeine Sihnsueht nae h Deutschland und daß er sich b< muhen, werde, dorthin zurückzukehren. Die übrigen brachen innerlich vollständig mit dean Land, woher sie kamen, nahmen von ihm Abschied, um überall m der Walt ihr Gluck zu suchen, nur nicht un Reiche Hittetrs.