Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1934)
- Date
- 1934-01-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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26. jaaner 1»34 Der jiiisehc Arb«iter. Seite 3 unserem Vertreter ewe AfecfhleSbenach-Rlede, wahrend er es für richtig 'hielt, die große Not der jüdischen Gemeinschaft ki den Mittelpunkt semer Ausführungen zu sefaeni und nachnre-iefeew, dfecß anojesblrts Not die LeSstinigeji der Gemejnde nicht ausreichend eredheSnew. Herr Dr. Roschberg vom „Misraehi" weifl für die Gemeinde keine dringendere Aufgabe als die Iravestifäoin von S 500.000 bis 600.000 für eine neue „Mikwah''. Dr. Löwy von den „Werktätigem*" verlangt eine Erhöhung euer Ausgaben für den Kultus, außerdem biegirtügt er sich mit Akzeptierung der Forderungen, dje Genosse Sauger formuliert hat Er wendet sich auch m ttcharfen Worten gegen die „Agudah", die mit der Trennung von der Jüdischen Gemeinde droht. Er erklärt, daß seine Gruppe für das Budget stimmen wird. Genosse Dr. Glanz erinnerte am unsere Stellungnahme zu den Zionästen nach dem letzten Wahlresultate, er erklärte den Sin» unserer Mitarbeit im abgelaufienm Jahre und erläuterte vom Gesichtspunkt eines gestchertefl .Bestandes der jüdischen Gtemeindä die FfxOepmgßa, die wir stellen. Kulttusvorsteher Dr. Ehrlich sprach namens Ides Zionistischen! Klubs dem 'fiinanzreferenten Dr. Löwlenherz den herzlichen Dank für die geleistete! großarfige Arbeit ans. Er befaßtt sich dann mit der Flage des Buadesb&trages für die jüdische Gemeinde' und meint, daß uns auch der gegeimrärtige politische Kurs nicht davon abhalten darf, diese gerechte Forderung mit der größten Energjje zu vertreten. Er piolemgsäert dann gegen Genlossen. Singer, welchem er vorhält, daß er den Zionisten nur Selbstverständlichkeiten vorgebracht hat (als ob es sich uns um Sensationen und neue Erfindungen handeln würde) usnd deutet an, daß wir früher nicht dafür waren, Eier pdfoeharf Gemefade allein die Vertretung deijüdischen Interessen zu überlassen1. Obwohl hierauf Gen. Singer diese Behauptung widerlegt, wiederholt Präs. Friedmanin dieselbe Behauptung, wobei er ein mißverstandenes Zitat aus dem „Jüdischen Arbeiter" anführt. •In seinem Schlußwort wendet sich Vizepräsident Dr. Löwewherz heftig gegen unsere Redner, und beweist nur, daß er uns mißverstanden hat. Er verwahrt sich in! sfchärfster Form gegen die Trennungsbestrebungen dar Agudah und wiederholt seine Bitte, das Budget einhellig anzunehmen. Nach einer kurzen tatsächlichen Berichtigung des Gen. Singer gibt Gen. Dr. Glanz eine Erklärung ab, daß uns die Stelluingnnabme des Finanzreferenten in (unseren. Forderungen nicht befriedigt, daß wir an-, gesichts der schwierigen Lage der luden' in Oesterreich die einhellige Kundgebung nicht stören wollen, und daher für das Budget stimmen: werden, aber nur schweren Herzens. Die Generaldebatte war geschlossert. Nun sollte man' in die Spezialdebatte eingehen1. Die „Union" hatte aber genug am der passiven Rolle bei dieser Budgetberatung und strebte an, ohne Spezialdebatte die Beratung zu beendigen. Wir wehrten uns dagegen, da die Spezialdebtectte immer Gelegenheit bietet, sachliche Korrekturen durchzustetfcten'. Leider unterstützt^ ein Teil der Zfonfeten die ewig sitzungsmüde ,„'Utniiiom" und die Debatte wurde geschlossen. In der darauf folgenden Abstimmung wurde das Budget für das Jahr 1934 einhellig angenommen. Was die jjdischet) Emigranten in Deutschland «rwartet Berlin, 16. Jänner. Der Chef der Geheimen Staatspolizei hat an. die Pofaeiibehöirden einen Erlaß über die Behandlung zurückkehrender Emigranten herausgegeben. Die Emigranten werden in vieT Kategorien geteilt: 1. Kriminelle Elemente, 2. Nichtdeutsche Staatsangehörige, 3. Marxistische Zcrsetzer ■ Hetzer, 4. Verirrte und Verängstigte. Bezüglich der nichtdeutschen Staatsangehörigen heißt es im Erlaß; Nichtdeutsche Staatsanigehörige aus dem Osten, die wegen der besseren Lebensverhältnisse nach Deutschland zurückkehren, werden, bevor sie endgültig abgeschoben und ausgewiesen werden, in Konzentrationslagern ges Nicht einmal Hilfsarbeiter Berlin: Das Präsidium der Rsfetosflechtsanwaltskammer hat folgendes beschlossen, and allen Anwälten bekanntgegeben: 1. Unzulässig ist jede irgendwie geartete berufliche Verbindung mit einem Rechtskundigen, dessen Zulassung mchtarische Abstammung oder kommunistische Betätigung _ entgegensteht. Als berufliche Verbindung gilt auch eine Bürogememschaft sowie «in Mietverhältnis über Büroräume, weiche mit Büroräumen des nicht zugelassenen Rechtskundigen räumlich zusammenhängen. Als berufliche Verbindung gilt ferner die Anstellung oder Beschäftigung eines nichtarischen Rechtskundigen als Hilfsarbeiter oder Angestellter. 2. Unzulässig H jede Uebarnahme und Fühirang top. Mandate» «*tar Bdgjttigftiig eines mit VertretengsVerbot belegten nichtajischen Anwalts. 3. Unzulässig ist die Eingehung einer Sozietät oder Bürogemeinschaft zwischen Anwälte» arischer und niehtaasscher Abstammung sowie die AufreX^eterhaltung. Vm s«ui8«» .u*;s<i;.j..« s*n>«ri.«i.<.tf»~ ig in Amcrtlia Brief aus Newyorh In diesen Tagen wird in New York das 45. Jubiläum der „Vereinigten Jüdischen Gewerkschaftsorganisatianen'' gefeiert Die PeSer ruft Erinnerungen aus der Entstehungsepoche der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und den Gründungstagen der jüdischen Trade Union (Gewerkschaft) wach. Die jüdische Arbeiterbewegung in Amerika wurde fast unter heroischen Badingungen geschaffen. Die Mehrzahl der Inrigranten, die vor 40—50 Jahren ins Land kamen, sind keine Arbeiter gewesen. Physische Arbeit war ihnen fremd. Ihre Einwanderung nach Amerika unter überaus schweren Bedingungen, ohne Kenntnis der Sprache des Landes und dazu gezwungen, ihre Lebensweise von Grund auf umzubauen, um sich an die neudn Verhältnisse anzuapssen, war ein geschichtlichst Prozeß, der wie ein Wunder anmutet. Arbeit wurde ihr Stolz und viele zehntäusende Händler von gastern fanden ihren Erwerb in den verschiedenen Werkstätten und Fabriken. Die Arbeitermassen waren damals noch unorganisiert und ein Großteil von ihnen war alles eher als klassenbewußt. Dementsprechend waren auch die Arbeitsbedingungen sehr schwer. Veteran» der jüdischen Arbeiterbewegung erzählen, wie viele jüdische Arbeiter spät nachts ihren Werkstätten nach Hause zu gehen pflegten, beladen mit schweren Säcken, in denen sie verschiedenes Zeug heimtrugen, damit auch! ihM Familien, Frauen und Kinder arbeiten können. Man erzählt auch' von Agenten, die am Auszahlungstag in den Fabriken zu erscheinen pflegten, und den größten Teil des Lohnes für die Masch i- und andere Werkzeuge, die die Arbeiter zur Arbeit brauchten, wegnahmen, so daß dem Arbeiter nur ein Bruchteil seines Lohnes zum Leben übrigblieb, nachdem er 60—70 Wochenstunden geschuftet liatte. Unter solchen schweren' Bedingungen begann man die jüdischen Gewerkschaftsorganisationen zu schaffen. Geld war keines da, Verständnis für die Notwendigkeit, der Arbeiterorganisationen fehlte ebenfalls. Die Stimmung unter den Arbeitern war für die1 Gründung von Arbeitervereinen sehr ungnstig. Unter diesen Bedingungen wurden die ,.Vereinigten Jüdischen Gewerkschaftsorganisationen" ins Leben gerufen. Das Hauptziel bestand darin, eine zentrale Organisation aller bestehenden jüdischen Gewerkschaftsverbände zu bilden und neue ins Leben zu rufen. So war es auch in den ersten Lebensjahren der „Vereinigten Jüdischen Gewerkschaftsorganisationen", bis später eine Anzahl von gewerkschaftlichen Verbänden, die von der „Vereinigten" gegründet wurden, zu Macht und Einfluß gelangten, indem ihre Mitghederz»M in die Zchntausendo stieg, die Bedeutung der Vereinigton Gewerkschaften verringerte. In den letzten Jahren bilden die „Vereinigten GewerkschaftiWirgarjiaationen'- die zentrale Körperschaft nur der kteineaen G«werkachaftsverbände. Wohl sind die größeren gewerkschaftlich» Verbände offiziell den „Vereinigten Gewerkschaftssusganisationen'' angeschlossen, wollen sie aher nicht als die fuhrendd zentrale Repräsentanz der jüdischen Arbeiterbewegung betnachten. ■ Die „Vereinigten Jüd. Gewertschaftsonganisuitionen" liaben viele Stürme mitgemacht und durchgeharten. Der Kampf zwischen Linke und RecfeH der die jüdisc beiterbewogung in Amerika spaltet©, tobte auch VereungVea Gewerksehaftsorgamsationen. Oft die Initiative zu vielen Aktionen ergreifen, den ßten sie die jüdi- Donnorstag, den 1. Februar 1A34, 8 Citf abends 2. Üroßbard-Abend Fesisaal des Hotel* „Continental", H.| Taiborsträße Vollständig neues Programm. Karten: Jüdische Kunststelle, und Buchhandlung M. Rath, IL, Taborstraße sehen Gewerkschaftsverbände von der demoralisierenden Wirkung der Kommunisten zu retten. ( Die Vereinigten Jüd. Gewerkschaftsorganisationen beschränkten sich nicht allein auf gewerkschaftliche Arbeit. Sie spielten eine bedeutende Rolle bei allen .gesellschaftlichen Aktionen, insbesondere wenn sie jüdische Fragen betrafen. Sie nahmen hervorragenden Anteil an den verschiedenen Hilfsaktionen für die europäischen Kriegsopfer und in den letzten Jahren führen sie die Aktionen für das arbeitende Palästina durch. Dia* Aktivität in jüdischen Fragen ist hauptsächlich das Verdienst des verstorbenen Gewerkschaftsführer» Max Pein, der brennendes Interesse für alle jüdische Fragen, und insbesondere für die jüdische Arbeiterbewegung in Palästina zeigte. Das 45. Jubiläum der Vereinigten jüdischen Gewerkschaftäorganisationen" schlug ein interessantes Kapitel jüdischer ATbeitergeschicbte in Amerika auf. Das Jubiläum wurde von der gesamten jüdischen und nichtjüdischen Arbeiter- Öffentlichkeit gewürdigt. Die Anerkennung, die ihnen zuteil wurde, haben sie redlich verdient, denn sie haben viele Leistungen und Erfolge in ihrem: Kampfe für die jüdischen Arbeitermassen in Amerika aufzuweisen. L. Sigal. - , " " HS« Erctgnini in tfaafa Ein Leitfaden zur raschem Erlernung der Kunst des Hetzens und Lügens Am 13. Jänner veröffentlichte die in Warschau erscheinende revisionistische; Tageszeitung „Moment" ein Telegramm Jabotinskys, in dem es heißt, die! Histadruth hätte in Haifa einen Pogrom..! auf die revisionistischen Arbeiter organisiert. Das Telegramm schließt: „Wir werden Rache Am 15. Jänner heißt es im „Moment": „Das Telegramm Jabotinskys lautete nicht „wir werden Rache nehmen", sondern „wir werden uns eurer annehmen!" Am 16. Jänner schreibt dieselbe Zeitung: „Mag sein, daß in Haifa kein Pogrom /, war, aber Schlägereien waren." Warum tiiese! allzu offenbare Verlegenheit? Weil erstens das blutrünstige Telegramm Jabotinskys elinen niederschmetternden Eindruck auf die gesamte jüdische, auch nichtsozialistische ©Öffentlichkeit gemacht hat, zweitens "ist inzwischen ein Telegramm des Jerusalemer Ita-Vertreters eingelaufen. Im Ita-Telegramm heißt as: 1) In Haifa ist ein Arbeiterstreik ausgebrochen, weil revisionistische Unternehmer einen Vertrag, den 32 Unternehmerfirmen gefertigt haben, nicht unterzeichnen wollten. 2) Die Polizei hat 17 Revisionisten und 4 Histadruthmitglieder in Haft genommen. Nun war der Tatbestand klar: Wenn die- Polizei 17 Revisionisten und bloß 4 Histadruthmitglieder arretiert* hat, weiß man, wer überfallen und wer auf wen den Pogrom gemacht hat Daher die Verlegenheit, daher die Drehung um die Lügenachse. Wie aber hat die Wiener jüdische Presse über die Haifa-Ereignisse berichtet? „Die Stimme" Grfinbaums schwieg, siel nahm überhaupt keine Stellung. Mögen (he Revisionisten in Polen die perfidesten Terrorakte verüben — „Die Stimme' Grünbaums bleibt unerschütterlich — im Verschweigen Der revisionistische „Judenstaat", ein jüngerer Lügen bruder des „Moment, kaute das wieder, was sein älterer Lügenmeister in Warschau unter dem würgenden Druck der Tatsachen bereits erbrochen hatte. l»er ju&n^taaüoiscte Hc<* Stricker aber, der alertes System des Verhetoe« ausgeklügelt und seinem ans Pathologische grenzenden Sozialistenhaß; Methoden des Massage-„Journals" übernommen hat (die Herren vom Massage-Journal wissen, warum sie dem Robert Stricker Beifall klatschen) benutzte auch diese revisionistische Schandtat zu einem gemeinen Ausfall gegen die Linken. Nach dem Verrat in Kefar Saba, nach den Pogromen in Polen, nach den Ereignissen in Haifa, wagt es noch Herr Robert Stricker, die Tatsachen derart auf den Kopf zu stellen, und in seinem Organ vom 26. Jänner zu erklären, die Histadruth halte ein Gewaltregime etabliert. Wie dieses Gewaltregime aussieht, zeigt folgendes Dokument: Das englische Generalkonsulat hat dem Palästinaamt Warschau mitgeteilt, daß es von der l'alästinaregierung ae Instruktionen, betreffend die Einwanderung von Personen der sogenannten „Haiidwerkerkategorie" (Kleingewerbetreibende mit einem Eigenvermögen von mindestens 250 Ifund) erhalten hat. Personen dieser Kategorie, die im Alter von 18 bis 35 Jahren stehen, werden EinwanderungseTlaubnissctieine nicht mehr wie bisher unmittelbar der Palästinaregierung bekommen können, sondern müssen ebenso wie Arbeitereinwanderer um Zertifikate anhen. Nur Handwerker, die älter als 35 Jahre sind, köni sich wie bisher unmittelbar an die Palästinaregierung wenden, müssen jedoch den Nachweis erbringen, daß sie Palästina einen selbständigen Handwerksbetrieb errichten werden. Kinder von „Kapitalistein" mit einem Eigenvermögen von mindestens 1000 Pfund, die im Alter von 18 bis 35 Jahren stehen, werden nicht mehr wie bisher auf Grund der Einreiseerlaubnis ihrer Eltern nach Palästina kommen können, sondern Wörden um eigene Zertifikate ansuchen müssen. Diese Mitteilungen ergänzt das Palästinaamt mit dem Bemerken, daß seine Anträge in letzter Zeit von der Palästinaregierung fast durchwegs abgelehnt werden. Dieses Dokument zerstört ein für allemal das von Herrn Stricker und Konsorten geschaffene Märchen von der Geahherrsichaft der Histadruth, und beweist eindeutig, wer für den blutigen Konflikt in Haifa, Kefar Saba, Rischon Lezion u. a. verantwortlich ist. -dr ■ Unsere Antwort auf den revisionistischen Terror DieLigaifür das arbeitende Palästina und der Hechaluz in Polen haben Aufrufe erlassen, in denen erklärt wird, daß die perfiden Terrorakte auf Weisung der zentralen revisionistischen Instanzen verübt wurden. Die Chawerim werden zur Ruhe und Selbstdisziplin aufgefordert. Gleichzeitig aber Wjfatd höchste Bereitschaft und Bewachung der Lokale angeoainet. „Die Revisionisten", heißt es im Aufruf, „müssen erfahren, daß das Blut der jüdischen Arbeiter und Chaluzim und das Vermögen unserer Organisation nicähft vogelfrei ist." Der Aufruf schlielßt mit den Worten: „Wir fordern von euch: Disziplin und Selbstschutz!"