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Der Jüdische Arbeiter · 1934-01-26 · Heft 4 (26.1.1934) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
11 (1934)
Issue
Heft 4 (26.1.1934)
Date
1934-01-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Der litliMlt Arbiter. . janaer 4j3i Zion. Exekutive gegen die Petitionsaktion Die Zion. Exekutive hat folgendes Hundschreiben erlassen.: Auf mehrere Anfrage« betreffend die Von der Union .der Zionisten-Revisionisten proklamierte „Petition» Aktion" bringen wir Urnen zur Kenntnis, daß diese Aktion ohne Verständigung mit der Exekutiv« um ohne deren Zustimmung unternommen wird, und daß die Exekutive diese Aktion im gegenwärtigen Moment für unzweckmäßig und schädlich hält. Im Sinne der Kon g r eßb* schl üss e haben sich Zionisten und zionistische Körperschaften jeder Teilnahme an dieser Aktion zu enthalten. Die judische Üeffenüichkeit wird demnächst durch eine Erklärung der Exekutive über die Stellung der Zionistischen Organisation zu dieser Sache unterrichtet werden. Die Konferenz der Histadruth Te - A w 21. mizwah-Feier" der AUeei satfcn Palästinas, die vorgehaltene „Histadruth-ihn stadruth-Kongreß seinen des Konjrre**«« wurde ei treffend Einwände uiuar. Der anläßlich der „Bai neinen Jüdischen Arbeiterorgani 13 Jahren gegründet wurde, ah uit" fand mit dem zweiten Hi Abschluß. In der Schlußsitzung' ne Heihe von Resolutionen heehimg, Kulturarbeit und andei ijebiete der HisUulruth-Arbeit angenommen. U. a. wurde beschlossen, daß von nun an der Exekutivrat der Organisation alle 4 Monate zusaaaanentreten soll, um sich jedesmal mit einem der Probleme, die auf dein Kongreß zur Sprache kamen, besondta-s zu beschäftigen. Die nächste Tagung des Hates soll der Frage der Organisierung der arabischen Arbeiter gewidmet sein. Besonders energischen Charakter tavigl die vom Kongreß angenommene Üosolufion zur lminigrationsfrage. In dieser Resolution, die in sechs Abschnitte zerfällt, wird Protest dagegen erhoben, daß lleschrÄnknngen der Einwanderung verfugt, wurden zu einer Zeit, da das zionistische Aufbauwerk seinen hohen Wort und seine Kraft so «rundlich bewiesen hat. liegen die Deportierung von ,,Touristen" wurde ebenso wio gegen die ISehinderung der Einwanderung von Angehörigen bereits ansässiger Arbeiter scharf Stellung genommen. An dem Kongreß nahmen 201 Delogierte aus allen Gegenden dos Landes teil. In der Eroffnungssitzunc hielt Sannau Hubaschow eine Gedenkrede fiir Chairn Arlosorofi. Auch David Ilemez, der den Jahresbericht des IXeknhvrates erstattete, gedachte des tragischen Tode.- Arlosoroffs. Im Anschluß daran wandte er sich gegen die Tätigkeit der Revisionisten, die er als vorwiegend gegen die jüdische Arbeiterschaft und gegen die Histadruth gerichtet be/eich-' nete. Aus dem Bericht der Exekutive ging hervor, daß; die Histadruth gegenwärtig über 40.000 Mitglieder zählt. Ein eingehendes Referat über das Wohnungsbescliaffungsprogramia-der Hi3tadrnth erstattete' A. Zab.u-skv. Er gab bekannt, daß der allgemeine Wohnungsbeschaffungs- Jadenhetzer In Polen schwer bestraft Lodz: Drei junge 'Nationaldemokraten, die vor ein paar Monaten Flugblätter mit dem Aufruf zum Judenboykott in den Straßen verbreiteten und außerdem an verschiedene Personen Briefe mit Aufforderungen zum Judenboykott durch die Post versandten, hatten sich vor dem Lodzer Gericht zu verantworten. Zwei wurden zu je einem Jahre Gefängnis, der dritte zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Während der Ueberfäüe auf jüdische Spaziergänger in Lodz am vergangenen Sonntag hat die Polizei zwanzig Huligans festgestellt und vor Goricht gebracht; drei wurden zu je zwei Monaten, drei zu je einem Monat, zwei zu je drei Wochen, acht zu je zwei Wochen, zwei zu je sieben Tagen, eino Frau zu drei Tagen, edne zweite Frau zu einem Tage Gefängnis verurteilt. Die G-efängnisstrafen müssen sofort verbüßt werden. plan 25 Prozent der städtischen Arbeiter berücksichtigt. 3100 Familien in den Städten und 600 Familien in den großen Kolonien werden von dem Plan erfaßt. 860 Fa milien haben ihre Häuser aur Hälfte fertiggestellt, 1500 Familien haben die erforderlichen Baukredite erhalten. 1300 Familien warten noch auf Zuteilung von Krediten. 1100 Familien wollen auf eigenein Land bauen, wahrend 1150 F milie nihre Wotahäuser Salionalfondsboden errichten oder zu errichten beabsichtigen. lieber industrielle; Produktionsgenossenschaften and Genossenschaften für kooperative Dienstleistung berichtete Gorfinkel, der miUeilte, daß aber 1600 Arbeiter in 70 derartigen Genossenschaften zusammengefaßt sind. Besonders die Kooperativen für Personen- und WarentranB- I»ort organisiert, 35 der Genossenschaften befassen sich it diesem Wirtschaftszweig. Von dein 1600 in den Genossenschaften tätigen Arbeitern sind bloß 73 Lohnarbeiter, die übrigen vollberechtigte Genossenschaftsmitglieder. Nach einem Schlußwort von Ben Gurion wurde der Kongreß geschlossen. Nach den arabischen Demonstrationen Die am 17. Jänner veranstaltete Kundgebung gegen jüdische Einwanderung und jüdischen Bodenkauf ist, wie der letzten Nummer des „Jüd. Arbeiters" kurz mitget, im ganzen Lande ruhig verlaufen. In Jerusalem nahmen an dem Straßenzug märt ganz 2000 Personen teil. Am Zion-Tor wurde eine Resolution verlesen, wo dann die Polizei den Zug auflöst* In Jaffa demonstrierten etwa 1500 Araber. Ein Streik wurde nicht proklamiert, io Arbeit im Hafen ging normal vor sich. In Haifa lachte die Demonstration keimen besonderen Eindruck. Gleiche Nachrich.ften lauftfi aus den» ganzen Lande ein. Jerusalem. Ans den letzten Nachrichten über die Kundgebungen geht hervor, daß die Beteiligung an diesen Demonstrationen noch schwächer war, als es auf Omnd der ersten Meldungen angenommen wurde. Nirgends zeiate sich Begeisterung für die Losungen der arabischen Exekutive. Sogar in arabischen Kreisen wird zugegeben, daß Aktion der Exekutiv« ein Fiasko ist. Ein bemerkenswerter Zwischenfall ereignete sich in Akko. Als der dortige Mufti eiae Anspraicjhe an die Menge hielt, trat ein Mann, der nach VieTfoußung einer Strafe wegen Teilnahme an den Unruhen üa Jahre 1929 erst wenigen Tagen aus dem Gelängais von Akko entlassen worden war, vor, und erklarte, unter den Folgen der arabischen Propaganda hätten stets nur Lente aus dem Volke zu leiden, während die Eutorer, die Schuld an der 'erhetzung trügen, straflos ausgingen. Während des Aufmarsches m Jerusalem wurden aas alten türkischen Ka- •a, wie dies anläßlich d<tt Beendigung des Ramadan- Festes üblich ist, Salutschüsse abgegeben. Das Budget der Wiener Judischen Gemeinde Montag, dm 22. und M&sw*, dgp 24. Jänner beriet die Wiener KuIti^gerBjrinkfe über das Budget m das Jahr 1934. Der ftn*ere|Berrt Vizepräsident Dr. Löwenherz, wies £n mm»& einleiten dealtferat zunächst darauf im, «ri^HufahvfcM Avt&ben dfe Gemeinde im ai&jfriieiw* ]0mgeg»- übergestandort ist. Die wachsende Niot drückt cikl Fännahrnemögilichldeiten und ^teägiert die Erfordernisse* der Gemeinde. Er beaeichtoete es deshalb als «Snem Erfolg, daß es im < Jahre 1933 trotz gesteigerten Leistungen gelungen ist, das prälimiirierte Defizit abizubauen'. Das Budget für das laufende Jahr sieht Einnahmen von S 6,521.670 und Ausgäben von S 6,575.210, daher eine« Abgang von S 53.540 von Einschließlich des Abganges der vorhergehenden! Jahre im Betrage von S 165.236 ergäbe sSdbJ ein) Gesamtdefizit von S 219.776. Die größten Ausgäbenposten bilden: Fürsorgewesiein S 2394.110, Friedhof und Beerdigung S 1,460.580, Sdhölund1 Unterricht S 571.800- Der Referent wies in seinem Referate wiederholt! auf die gegenwärtige fmöntzSälk1 und psBtisdh seh wie, rige Situation hin und rief alle Gruppen auf. dieser besonderen Lade Rechnung zu tragjetoi und, ..sich' einhellig Mnter die Leitung der Gemeinde zu stellen, Für die „Union" gab Rultusvorsteher Dr., jasefj Tiduo eine kurze Erklärung, ab, da# seine Gruppe für das Budget stimmen werde. Diese Art der Stellungnahme der Assimilanten wprkte überraschend. Man rechnete vkoM damit, daß die „Union'' heuer für das Budget stimmen wird, aber -niemand dachte daran, daß sie jeder Ause^ndersetzuirtg über dk! aktuellen Jüdischen Fragen 90 gründlich ausweichen! wird. In diesem Verhalten wird der völlige Zusammenbruch der Assimilation sc hier» „Union" offenbar. ■Kultusvorsteher Dr. Plasefokes brachte einige) sachliche Einwendungen und Ergänzungen vor. Er forderte größere Leistungen auf dem Gebiete des Schulwesens, der Berufsumschichtung. Er sprach auch über die bevorstehende Volkszählung und über das — allgemieine Wahlrecht. Herr Dr. Plaschkes kann es noch jmmer nicht verwinden, daß der Beschluß über die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes, der am 10. Jänner 1933 gefaßt wurde, nicht auf seine Initiative erfoTgt ist, und er gefällt sich' deshalb in der Rolle dies ewigen Mahners nach rascher Erledigung der statutarischen Arbeiten, die bereits jtn Angriff genommen sind und deren Verabschjtedüng woctf eiuäge Zejt erfordern durfte. Herr Dr. Plaschkes will sich' um jeden1 Preis ei« Verdienst iw der Sache des allgemeinen "Wahlrechtes sichern. Dieses Bestreben ermangelt jeden Ernstes und hat, neben einigen allzu persönlichen Auslassungen des Sprechers derj Radikalen Zionisten den Eindruck seiner sonst interessanten Ausführungen erheblich geschwächt. Giewosse Mendel Singer entwickelte in ein'ert ausführlichen Rede, auf die wir noch zurückkommen werdert, deniStand'putrkt unserer Gruppe. Er verlangte, daß die Jü'dische 'Gerrreintie 'dien A'bwehrkampf gegen die Angriffe auf unsere Rechte übernehme, daß sfe der wirtschaftlichen und kulturellen Not der jüdischen1 Bevölkerung!, insbesondere der jüdischen Jugend mehr Rechnung f rage und sich hiebei nicht allzu streng auf den Standpunkt der sicheren Bedeckung durch die Einnahmen stelle. Er forderte auch eine Erhöhung der finanzielle» Unterstützung des Aufbaoiwerlces m Palästina. Seime Ausführungen riefen unter den Unionisten und Zionisten lebhaften Widerspruch hervor. Offenbar erwartete' man auch1 vort Streiflichter aus Palästina 11. 5. Die Stimmung im Lande. Wahrend meiner Anwesenheit stand der Jischuw unter dem beschämenden Eindruck der „Jagden" nach illegalen Touristen. Die Empörung darüber, daß Arbeiter, die jahrelang im Lande, -oder, wenn kurzer, doch in Arbeit sind, wobei noch Arbeitsmöglichkeit für viele Neueinwanderer vorhanden ist. zum Verlassen des Landes gezwungen werden, drückte sich in euier einmütigen und energischen Haltung gtgen alle jene aus, die am diesen Maßnahmt« mithalfen. So wurden die bekannten 5-Piaster-Spitzel unbarmherzig v«trwugtlt, wenn sie erwischt wurden, so sah ich einmal Photographien überall angeklebt von Leuten, die man als Spitze! entlarvt hatte. Es ist ja richtig, daß die Maßnahmen gegen die illegalen Touristen eher dieu Zweck einer Einschüchterung haben, daß nur wenige Fälle zwangsweiser Deportierung vorkamen, die wohl fiir dk BetröfSerien ein Unglück sind, im allgemeinen aber keine große Bedeutung haben, dati mehr Leute aus Angst das Land verließen als die Zahl der Deportierten betragt, doch die Ungewißheit bstet trotz der allgemein erwarteten Amnestie auf den „Illegalen" und lahmt die Arbeitsfreude und Unternehmungslust. Im Zusammen hang damit, u der Annahme, daß. der Inimigrantenstrom spärlicher fließen wird, ist die erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, daß die Spekulanten den Mut verloren und daß die im letzten Halbjahr übersteigerte Teuerung auf allen Gebieten im Nachlassen begriffen isL Sonst aber fand ich auch diesmal wie in früheren Jahren die Grundstimmung einer unentwegten Zuversicht. Besonders die länger im Lande Ansässigen, die schon viele Krisen und mehr oder weniger ernste Zwischenfälle mitmachten, betrachten sowohl die Konjunktur wie auch die Rückfälle mit Gleichmut, in der festen Ueberzeugung, daß trotz wirtschaftlicher und pol«tischl»er Hindernisse der Aufbau vorwärts gehen wird. Es ist richtig, daß die länger im Lande Wohnenden bedeutend vorsichtiger in der Gründung neueT Unternehmen, in der Erweiterung der bestehenden, vor allem in der Investierung neuer Kapitalien sind, während die neuen mit größerer UnentwegtheM sich in Gründungen stürzen. Allen ist aber gemeinsam der Glaube an die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und eine gewisse Geringschätzung der eintretenden Störungen. Ich erlebte es bei der letzten Demonstration nach einer revisionistischen Versammlung in TelrAwiw mit dem Zusammenstoß mit der. Polizei, daß dieser Zwischenfall im Lande selbst keine Erregung hervorrief und daß ich erst aus den aus Europa einlangenden Zeitungen den übertriebenen Widerhall merkte, den diese Demonstrationen im Auslande hervorgerufen Es gibt im Lande gewiß auch Un/ufriedeoe und Enttauschte. Große Schuld daran tragen, diejenigen, die in ihrer Agitation für den ZiowisaiiK und Palästina Hoffnungen erwecken, di-e J>ie eriüllt werden können. Palästina ist noch immer ein *rmes Land und schon keineswegs «in Paradies, in das man nur zu flüchte) braucht,, um ein sorgenloses Leben zu1 führen. Das Land bietet Menschen, die arbeitsfreud^ und opferwillig sind, Arbeitsmöglichkeit, es bietet auch eine Atmosphäre von Freiheit, es verschafft ein HetaatsgefüfrJ und die Genugtuung, nicht nur für sich, sondern äocti für das ganze Volk Arbeit zu leisten und Erfolge der Arbeit zu sehen und den Fortschritt zu konstatieren; das Land verlangt jedoch kl seiner jetzigen Beschaffenheit geästige und physische Bereitschaft, Anpaesungswilien, den Willen, auch Entbehrungen S*f äktv zu nehmen. Es gibt Mißstände auf vielen Gebieten, sokhe, die nicht zu umgehen sind, weil die finanziellen Mittel fehlen, auch solche, die att*' Mangel art Erfahrung stammen und mit der Zeit gewiß abgestellt werden.; Daß solche Mißstände bestehen, die, bei der Kolonisterung eines Landes ohne eigene Erfahrungen verständlich »sind, und daß gewisse Schwierigkeiten., dafc vielleicht nicht unumgänglich notwendig sind, sielt einem neuen Btawawäerer len^gfegensteUea, all das muß und soll man wissen, /bevor man ins Land geht. So wird manche Enitäusclujng erspart, die einem Einwanderer die eisten Schritte erschwert, und so wird sich def Einwanderer, viel-rasier uad freudiger in das Land einordnen, a3& es fysher (geschehen jpt. Damit soll natärBch nicht beschönigt werden, daß so manches in der Orgaafeierang der Einwanderung, in der Erfassung der Olim, -der Qf&imitMUWng , ihrer wktgchftf*- liehen Eingliedere usw^-,geb<*»prt, und gründlien gebessert werden müßte. Die- Auffteijkfwmkeit der zuständiges; Aemter im Lande und k der Galiith sei mit allem Nachdruck auf dieses Rfobfcm. gelenkt, V*^ materielle Güter, große ,ps>- cMKhe Kiräfte kennten gesettet werden, d^e sonst oft «■«- setzoar verloren, gehen.

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