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Der Jüdische Arbeiter · 1934-01-26 · Heft 4 (26.1.1934) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
11 (1934)
Issue
Heft 4 (26.1.1934)
Date
1934-01-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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v.b.b. DES ***** *** JÜDISCHE ARBEITER Organ Vminigten zioBislisfrsozialistisdieij Arbeiterorganisation Peale Zion — HUadidafh in Oesferreidi Redaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878 Bezugspreis: ganzjährig 8 12.—, halbjährig S 6.- 26. Jänner 1934 Nr. 4. Der revisionistische Terror wütet Radom. (Polen). 25^—30 Revisionisten überfielen nachts den. „Kibuz Hagalil" des „HaSchamer Hazair". Die Huligans schlugen die Scheiben ein. Sie waren mit Stocken, Steinen und Messern bewaffnet. Nach getaner Arbeit liefen sie davon. Als die herbeigeeilten Schömrim die Verfolgung aufnahmen, stürmten dieim Betarlokal versammelt gewesenen bewaffneten Betarim aus ihrem Lokal und sehlugen die paar Schömrim blutig. Die Huligans wurden tags darauf von. der Polizei in Haft genommen. Chenczin (bei Kielce, Polen). Eine Bande Betarim überfiel das Lokal des Hechaluz und zertrümmerte es vollständig. Sämtliche Einrichtungsgegenstände wurden in Trümmer geschlagen. Diö Erregung ist derart stark, daß es ungeheurer Anstrengungen bedarf, um die Chawerim von Vergeltungsakten zurückzuhalten. Krakau. In der NacTrt vom 18. Jfcnner wurde das Lokal der Poale Zion in Krakau überfallen, lieber 20 Scheiben wurden mit Steinen eingeschlagen. Als der Hausbesorger hinauslief, sah er eine Bande von etwa 20 jungen Leuten davonlaufen. Der Verdacht richtet sich gegen die Revisionisten. Jerusalem. In „Rischon Lezion" kam 8s zu Zusammenstößen zwischen Revisionigten und Histadruth'- Mitgliedern. Der revisionistische Klub in der Kolonie veranstaltete eine Feier zu der an die 300 Revisionisten! aus Tel Aviv, Rechoboth u. a. kamen. Die Revisionisten zogen durch die Kolonie, machten antisozialistische Ausrufe, verspotteten die Histadruthführer und provozierten die nicht revisionistischen Arbeiter. Es kam denn auch zu Zusammenstößen, "bei deinen mehrere Teilnehmer verletzt wurden. Alle Verhafteten, Revisionisten und Histadruthmitglieder wurden gegen Kaution befreit. Wisoke-Mas (Polen). Am 16. d. M. wurde das Lokal des Hechaluz >von einer Bande Betarim mit Steinaen überfallen. Die Scheiben wurden eingeschlagen und einige im Lokal versammelt gewesene Jugendliche von den Steinen und Glassplittern schwer verletzt. Das ist bereits der zweite revisionistische Ueberfall. Einige Tage vorher wurde dasselbe Lokal von Revisionisten befallen. Zum Glück war damals kein einziger Jugendlicher anwesend, so daß bloß die Einrichtungsgegenstände zerfrümmert wurden. Scheinbar wollten sich die Huligans damit nicht zufrieden geben1, und machten dann den zweiten Ueberfall. Lublin. Vergangenen Fnrttag überfiel eine Gruppe von Betarim daß Lokal der „Liga für das arbeitende Palästina", schlag die anw<w«o»vi«\ Mitglieder verschieden»! linker OigaJMsstkmen tmd demolierte das Lokal vollständig. Erst nach dem Eintreffen älterer Mitglieder des „Hapoel'- konnte dem Vandalismus Einhalt getan werden. Die Polizei verhaftete mehrere Revisionisten. Betarim und Brith Hachajil drangen später in die Wohnung aines Hachscharahkibbuz, dessen Mitglieder sich bereits in den Betten befandein, zerstörten die Einrichtung und schlugen die Chaluzim blutig. Das Martyrium der deutschen Juden 11. Jahrgang. Ein aefährllches Atoenteuer Zur revisionistischen Petition Zwischen etnem Skandal und dem anderen, zwischen einem Ueberfall auf ein Palästinaarn t und «feiern Streilcbruch, zwischen dem lärmenden Boykott der Zertifikate in der Oeffentlichkeit und ihrer stillen Annahme in vier Wänden; zwischen einem Boykott der Fonds und' einer stillen Abmachung mit dea Arbeitgebern wegen einer „Nationalen Histadruth" und „nationaler" Zertifikate, zwischen einem Messel in Warschau und einem Stein in Tel Aviv, und blutigen1 Ueberfälleniin Wim©, Kielce, Ridom und vielen! vielen anderen Städten, zwischen all diesen Heldentaten1 findet die revisionistische Partei noch Zeit für1 eine „politische" Aktion und suchte zu diesem Zweck aus dem Archiv die alte Idee einer „Petition" hervor. Was will die Petition? — Eine Wendung an die Regierungen 'organisieren!, um einen Wleltdruck auf die Maödatarmacht auszulübew, damit diese ihre, Verpachtungen gegen das jüdische Volk erfülle. Die Autoren des Peitätionsplanes meinen, d'aß das Einlangen der Blätter Sw den verschiedensten Aemfern, auf die „große" Welt 'einem gar starken1 Eindruck! machen werde. Es äst nicht nötig, sich1 lange mit der außenpolitiseheni Bedeutung dieser Petition zu befassen'. Was nicht die zionistischen Kongresse erreichten Wonmrtew, und nicht die poUäsühfoi Austragungen! der zionistischen' Bewegung durch1 persönlichen Kontakt f» London, Paris, Washlr^fM und Genf, was nicht erreicht wurde idurch die große« Volksversammlungen in Newyork und Warschau — das soll die „Petition" mit ihrem iZaubersÜiab erreichen ... Es gäbt jedoch noch' eine zweite Seite im Falle „Petition". Diese gehört nicht mehr zur Außen-, tsondeim zur Innmpoltik. Darin liegt die ausgesprochene Tendenz der Revisionisten, die gesetzliche Repräsentanz des jüdischen Volkes zu beseitigen oder in den Schatten zu stellen. Darin liegt die Lust nach Macht verborgen!, die man hinten hierum1 zu erlangen sucht, weil man1 ihrer auf geradem Wege nicht habihaft werden konnte. In 'dieser „Petition" ist auch ein zionistisch-pädagogisches ^Moment vorhanden. Hier klommt am deutlichsten die „leichte Erziehung"1 zum Ausdruck, welche sich im der zionistischen Bewegung auch außerhalb des Revisioniismus verbreitet. Was sagt djese Petition dem Juden? * Willst du PaäslBna? Willst du ein Regime, das die Errichtung eines jüdasch^nationalen' Heimes in Eröz-Israel nicht hemmt, sondern fördert? Dann bist du gar nicht verpflichtet, einen Teil deines Vermögens dem Volke zu geben, mußt dich absolut nicht ernst und sorgfältig für, die Einwanderung vorbereiten — sitze bequem in deiner Stube und unterschreibe das Blatt, das dir die revisionistischen Boten bringen werden!" Dies ist ein! sehr minimaler Preis; minimaler sogar als die Beteiligung an einem Meeting. Man wird sagen: eine Demionstration! Wir leugnen keineswegs, daß eine Demionstration Wert haben kau» — unter 'bestimmten Badfagungen und zu einem toestimnrten Zwecke. Aber — wofür demonstrieren? IDäesie Petition kann keine Massendemonstration des? Monistischen Willens sein1, die an die Herzen der jlüdSschen Massen pocht, diese 'Petition muß und wird eine Demionstration sein, welche nur die Bedeutung dieses mächtigen Willens verkleinern wir d. Hier liegt die Falle, die mit der Petition dem Zionismus gelegt wurde. Die revisfcmstisehewPartei organfetert die Petition. Der Text der Petition wurde von der revisionistischen' Partei .verfaßt. Man kann zweifeln — richtiger: es unterliegt keinem Zweifel, welchen Wert diese Unterschriften! nach außen haben werden. Hingegen sollen säe — so wollen! es wenigstens ihre Initiatoren, nach innen eine große Bedeutung haben. I Die Beamten der Reigiemr^mslitutiolnen werden die Pethfcwsblätter im ihre SChufolädjen versenken, die Revisionisten aber iwwden diese Blatter unaufhörlich ftoerumlbläsen und Lärm machen (diese Arbeit verstehen sie atosgieaeidhhet): Mit uns gehen- Hunderttausende, wir s»sd eine Kraft, uns gebührt die Macht! London, 25. Jänner. Im ^Manchester Guardian" schildert ein Sonderberichterstatter die grausamen Verfolgungen, denen die deutschen Juden ausgesetzt sind. Die Unterdrückung der Juden vollzieht sich in zweifächer Art: im Wege der Gesetzgebung und durch offene Gewalt. Formell gelten die deutschen Gesetze auch' für Juden, praktisch aber genießen sie den Schutz der Gesetze nicht. Ein Christ kann einen Juden wegen Verleumdungen klagen, nicht aber umgekehrt. Nazis haben zahllose Diebstähle in jüdischen Geschäften begangen, ohne daß der jüdische Geschäftsmann die Möglichkeit hätte, die Anzeige zu machen. Ein Christ kann eine Schuld von einem Juden leicht eintreiben, dagegen ist kein Jude in der Lage, einen Arier, insbesondere; wenn er ein Näzi ist, wegen einer Schuld zu pfänden. Vor Gericht ist der Jude immer im Nachteil. Ist der Beklagte Jude, wird die ganze Schärfe des Gesetzes gegen ihn angewendet, ist der Kläger Jude, so stellt sich der Richter offen an die Seite des Beklagten. Der Jude hat alle Pflichten eines deuteeben Bürgels, aber wenige seiner Rechte. Es gibt keine vollständige Liste der Gewalttaten gegen die Juden, man wird nur ungefähr erfahren, wie viele Juden ermordet, gefoltert, mißhandelt, beraubt, Erpressungen unterworfen, verhaftet und grundlos Bingekerkert wurden. Die Gesamtzahl ist ungeh'euner. Der Grad der Verfolgungen ist verschieden:. In Baden sind die Juden verhältnismäßig glimpflieb davon gekommen. In Berlin waren die Exzesse furchtbar. In Hessen dauerten die Verfolgungen viele Monate. Hunderte jüdische Familien Hier legt der Schäden dieser Petition. Es werden alle jene unterschreiben', (He mit der revisiorfstäsChenj Partei fu Frieden leben, die sich1 verführen lassen und hereinfallen werden fas revisiofnistische Netz. Es unterliegt jedoch nicht dem geringsten Zweifel, tdiaß zehmausende treue Zkmisten dient unterzeichnen werden. Es besteht auch nicht! der geringste Zweifel, daß jeder einzelne, dessen Verstand fhnr den Nutzen jeder polnischen Aktion gegen ihren Schaden! abwägen läßt, die revisionistische Aktion! licht mttmacheM wird; da® jeder einzelne, der an der Stärkung der Kraft der gesetzlichen Repräsentanz mußten in die Wälder flüchten. Worms, Braunschweig, Kassel stehen an der Spitze der Judenexzesse. In Breslau und in Teilen von Sachsen wurden die Juden besonders grausam behandelt. Manche Gemeinden, wie Neidenburg in Ostpreußen, haben ihre jüdischen Einwohner zur Gänze vertrieben. Die Judenhetzen wurden von oben organisiert. Ihr Haupturheber ist Hitler und die anderen Naziführer, ferner die akademischen Kreise, die Studenten, die Kleingewerbetreibenden. Zu den ärgsten Hetzern zählten die Aerzte und die Angehörigen der freien Berufe. VütksbHdungsverem „JODISCHES VOLKSHEIM" Wien, IL, Blumauergasse 1 Samstag, den 27. Jänner 1934, 20.15 Uhr Volkstümlicher Mustkabend Künstlerische Leitung und erläuternder Vortrag: Prof. Max Lampe f. Programm: nänd'el: Duett aus „Judas Maccabäus" Mendelssohn,: Duett aus „Elias" Mendelssohn: Violinkonzert Mahler: Lieder Ausführende: Prof. Max Lampe I (Klavier) Dr. Rudolf LampeI (Violine) Frau Martha Blank (Gesang, Sopran) Frau Dr. Ada Schür (Gesang, Mezzosopran) der jüdisch-nationalem Bewegung mteressiert ist, diese Inistanzen durch seine Unter^chhung nicht untergraben wd. Anstatt also alle jene zu mobilisieren, die dem Zionismus treu sind, .wird die Petition eine bedeutende Verringerung der Bedeutung der Bewegung zur Folge haben. ' Auch vom Standpunkt einer nationalen Demonstration! ist das eine neue Zerstöruingsarbeit, gleich' alten anderen Taten dieser Partei — weil aus einer unreinen Quelle keine guten Taten kommen können.

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