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Der Jüdische Arbeiter · 1934-01-19 · Heft 3 (19.1.1934) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
11 (1934)
Issue
Heft 3 (19.1.1934)
Date
1934-01-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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19. Jänner 1934 Der jfidtsehe Arbeiter. Seite i An w»sere teserl Aus eigener Kraft, im unerschütterlichen Vertrauen auf unsere Genassen und Freunde, haben wir den .Judischen Arbeiter" in ein Wochenblatt um- : gewandelt Trotz zunehmendei Arbeitslosigkeit und! wachsender Wirtschaftskrise wollen wir s unser Blatt auch weite r a u sg e s t a 11 e n. Die Lage der Juden in aller Welt und die schwier rigen Aufgaben, die unser in Palästina harren, gebieten uns, die geistige Waffe «Verarbeitenden jüdi- " sehen Bevölkerung kampffähig zu erhalten. Das werden wir aber nur dann in der Lag« sein, wenn uns unsere Leser die Treue bewahren, uns unterstützen und für uns werben. Vor allem ergeht die dnogende Bitte an alle Abonnenten, den Bezugspreis für das Jahr 1934 unverzüglich zu entrichten. Wtiten» ersuchen wir atte Genossen und Freunde, Abonnenten für unser BLatt zu werben, und m allen Lokalitaten den „judischen Arbeiter" zu verlangen. Als Prämie bieten wir alten jenen Abonnenten, die den Bezugspreis für das ganze Jahr 1934 einzahlen, an: 1. a) Der Weg des jüdischen Arbeiters zum Sozialismus, von' M. Singer. b) Die blutigen hreignisse in Palästina 1929. c) Das Verhältnis der nationalen zur sozialistischen Idee. Bemerkungen zum Poale-Zionismus von Max Adler. Insgesamt um S 2.—. 2. d) Sozialismus und Zionismus von Ber Borochow. Zum Preise von S 7.— (statt S 9.50). Oder alle vier Werke insgesamt zum Preise v on S 8.50. Die schwierige Lage, in der wir uns befinden, morden eine Steigerung unserer Energie, eine Intensivierung unserer Tätigkeit. Ertullet eure Pflicht! ,,D e r J u d i s c h e A r b e 11 e r" Redaktion und Administration. Jüdisches Leben Dr. Goldmaim Verwaltungsrat des Fräcbtlingsfeommlssariats Entsprechend der Einladung des Hochkommissars des vom Völkerbund eingesetzten Flüchtlkigskornitees, James W. Macdonald, hat das Comite des Delegations Jttives als Vertreter des Comite in den Verwatangsrat des Flüchtlingskomitees in Lausarme Dr. Nahum Goldmann und als dessen Stellvertreter Robert Bollaok, Paris, gewählt. Boykott-Terror in Warschau In mehrere jüdische Geschäftsläden wurden Flaschen mit stinkender Flüssigkeit, in einigen Fällen mit Salzsäure, geschleudert, wodurch großer Schaden angerichtet wurde. Die Polizei sucht die Urheber unter den Anhängern der aufgelösten Organisation des „National-sozialistischen Lagers von Groß-Polen". Der jüdische Boykort gegen Deutschland. Die Pressekorrespondenz des Deutschen Auslandsinstitutes in Stuttgart berichtet aus Lodz: Der Deutschenboykott in Lodz durch die Juden dauert fort. Wenn er auch nicht immer in aller Öffentlichkeit durchgeführt wird, so sargt das Judentum döth im geheimen um so energischer für die Erfüllung des Boykottbesehlusses durch die Juden. Die deutschen Fabriken sowie die deutschen Vertreter reichsdeutscher Fabriken versichern, daß ihre jüdischen Abnehmer nur im äußersten Notfall von ihnen kaufen, d. h. wenn sie die betreffenden Waren nirgends sonst erhalten können. Vor kurzem wurde in einem Lodizer Kino ein Kiepura-Film aufgeführt Von judischer Seite wurden Handzettel in den Straßen verteilt, die zum Boykott dieses Films aufforderten, da er em deutsches Erzeugnis sei. Agudah lehnt ein Zuummengehen mit Misrachi ab. Sejmdeputierter Rabbiner M. Dublin erklarte demJ.-T.-A.- Vertreler, er glaube nicht, daß die Agudah bereit sein werde, mit dem Misrachi irgendein Abkommen zu treften. Es besteht keine Aussicht, daß die Agudah mit dem Misrachi zusammengeht, so lange der Misrachi eine Fraktion der Zionistischen Organisation bukkt. Jüdische Arbeiter werden nicht aufgenommen. In der Debatte über das Budget der polnischen Regierung sprach auch Dep. Rosmann im Namen des judischen Sejmklubs. Er warf der Regierang vor, daß judische Arbeiter und Angestellte zu dien Arbeiten und Posten des Bahn- Miniistenums nicht zugelassen werden. Die „heilige Luge44 „Misrachi" von Bialik, Disengeff und Dr. Ruppin öffentlich gebrandmarkt. In ihrem skrupellosen Kampt gegen die Exekutive und den Keren Hajessod, bedienen steh die heiligen Misrachi- Fuhrer der gemeinsten Verleumdungen und Lugen, die natürlich von ihren revisionistischen Bundesgenossen, gleich aufgegriffen und verbreitet werden. So erklärten Misraehifuhrer in Amerika, Biaihk undi Disengoff, solidarisierten such mit der vot der Misrachi geführten Boykottaktion gegen den Keren Hajessod. Em anderer wahrheitsliebender Misrachtfuhrer, Rabb. Fischmamn, erzahlte bei der polnischen Misrachikonfereiiz, das Exekutivmiitglied Ben Gurion wäre am letzten jom Kippur, den er am Deck des Schilfes „Polonia" verbracht habe, im Speisesaal erschienen und habe dort gespeist. Nunmehr liegt zur heiligen Luge Nr. I folgende der „Judischen Telegraphen-Agentur" abgegebenen Erklärung von Bialik und Disengeff vor: Die Erklärung lautet: „Wir weisen die misrachisitesche Behauptung, daß wir gegen den Keren Hajessodsmd, energisch zurück. Wir protestieren schartstens gegen den Mißbrauch unserer Namen, zum Versuch einer Obstruktion, die einen nationalen Verrat und eine Verschwörung gegen das Aufbauwerk bildet. Insbesondere im gegenwartigen Augen- Haben Sie Verwandte, Bekannte, Freunde in Palästina? Wir zeigen Ihnen im Film, wie diese leben und wie es ihnen dort geht. Vorführung in Ihrem Heim! Zuschriften unter „Filmaufnahme" an die Redaktion des „Jüd. Arbeiter", Wien, II., Blurnauergasse 1. blick, da die jüdischen Massen nach Palästina drängen, muß der Keren Hajessod gestärkt werden. Wir rufen alle Teile des jüdischen Volkes auf, alle Kräfte für den Keren Hajessod zu mobilisieren." Zur heiligen Lüge Nr. 2 ist folgendes zu sagen: Die Frage des Essens oder Nichtessens am Jom Kippur, wie die Stellung zur Religion überhaupt, werden wir immer als Privatsache erachten, aber für die Wahrheitsliebe eines Misrachiführers ist die Erklärung dies Dr. Ruppin charakteristisch, daß Ben Gurion überhaupt nicht mit der „Polonia", sondern mit der „Martha Washington" reiste, und daß er den fraglichen« Tag in Gesellschaft von Bialik und Ruppin und. anderen prominenten Zionisten, die ebenfalls aim Schiff waren, verbrachte und den Speisesaal überhaupt nicht betrat* Leben in Palästina Neun Beduinen, die in deT Vorwoche jüdische Arbeiter aus dem Kcbbuz Schlamo in Wadi Hawant überfallen und verwundet hatten, sind von der Polizei arretiert worden. Unter den Arretierten befindet sich auch der Scheich des Stammes. Neunzehn jüdische Unternhemungen wurden laut Verzeichnis des amtlichen Regierungsorgans m der letzten Zeit gegründet. Darunter sind j Banken, 2 Assekuranzgesellscliaften, 1 Metall-Veratfbeitungslabrik, 1 chemische Fabrik, 1 Texteifabrak u. a. Aus dem Staatagefängrtfs in Acco wurden 9 Araber freigelassen, die wegen Tain ahme an dm Judenpogromen im August 1429 zu funt Jahren Getangins verurteilt waren Die vorzeitige Freilassung erfolgte wegen guter» Benehmens im Gefcingius. Wegen kommunistischer Betätigung wurde ein gewisser Wolf Bemann, der vor kurzem aus Rußland gekommen ist, arretiert. Der Verhaftete wohnt in Palästina seit 12 Jahren,, er soll ein führender Kommunist sein und bei den August-Unruhen 1929 eine wichtige Rolle gespielt haben. Sein Name figurierte auf der „schwarzen Liste", die die Regierung nach den August-Unruhen veröffentlicht hat. Drei aus Deutschland ausgewiesene jüdische Professoren sind für das Technikum in Haita verpflichtet worden. Prof. Kebrin vom BerLiner Polytechnikum, der auch das physikalisch-mathematische Institut der AEG geleitet hatte, wird am Haifacr Technikum über Mechanik und Mathematik lesen. Prof- Dr. Kurdein ebenfalls vom Berliner Technikum, wird die Lehrkanzel tür Maschinenbau und Technologie innehaben- Ing. Haher-Schamu. ein bekannter Experte in der Stahlindustrie, wird über Konstruktions-Methoden lesen. Derselbe gründet auch ein Laboratorium für Baumaterialien- Forschung. Die Ausgaben, die mit der Engagierung dieser drei Gelehrten verbunden sind, werden vom britischen Zcntraitonds für deutsche Juden und dem italienischen Gemcindenverband gedeckt. Fünftausend Pfund für den Arbeitslosenfonds. Da von der Histadi iah proklamiert». SelbstbestLuerungsaktuon tur den Arbe.Häloseiitands brachte die Summe von 5000 Pfund ein. Die Leitung der Histadruth erließ einen Aufruf an die Mitglieder, die Selbstbesteuerung für das Jahr 1934 zu erhöhen. In der nächsten Zeit soll mit dem Bau von zehn großen Petroleumreservoirs begonnen wenden, in denen die Irak-PetroJeum-Ciesellschaft die von den Oclfeidern in Kirkuk über 1200 Meilen durch die Wüste geleiteten Petroleumvorratc aufspeichern wwxi. Die Reservoirs werden zwischen Haita und Acco gebaut. Mehrere hundert Arbeiter werden bei dein Bau Beschäftigung finden. Im Ruthenberg-Elektrizitätswerk am Zusammenfluß des Jarkon und des Jordan wurde eine dritte Turbine für 8(XK) Pferdekräfte aufgestellt. Die Gesamtleistung des Elektrizitätswerkes ist damit auf 24.(100 Pferdekrafte gestiegen. Der Ausbau des Elektrizitätswerkes ist durch den erhöhten Bedarf an Strom fur Licht und Kraft notwendig geworden. Man rechnet damit, daß in absehbarer Zeit eine werte Turbine aufgestellt werden wird. Die arabische Zeitung „El Gama et Aslamia" wurde vom High Comssioiner wegen Veröffentlichung von Artikeln, die die öffentliche Sicherheit gefährden, auf die Dauer von drei Wochen verboten. Die ägyptische Regierung hat die Verbreitung der fuhrenden arabischen Zeitung in Palästina, „Falestme" «n Aegypten verboten, da die Zeitung eine Sonderbeüage ankündigte, in der Bilder von der arabischen Demonstrationen veröffentlicht werden sollten. die deutschen Juden Fähigkeiten, Fachkenntnisse und Energien mitbrachten, die große Vorteile für das Land bedeuten. Auf vielen Gebieten werden deutsche Emigranten bereitwilligst zur Arbeit herangezogen und es gelingt ihnen, vorhandene Fehler zu beseitigen und neue Wege zu zeigen. Es gibt auch Schattenseiten: Bedürfnisse, Luxusbetrkbe werden geschaffen, die dem wirtschaftlichen Niveau des Landes noch nicht entsprechen, jedenfalls kann mit Berechtigung gehofft werden, daß die gegenseitige Beeinflussung und das Zusammenwirken der beiden Jischuwschichten den Aufbau des Landes rascher vorwärts bringen wird, wobei gewiß auch die mitgebrachten Kapitalien eine Rolle spielen. 3. Arbeitsbedingungen. Die enorme Bautätigkeit, die Gründung neuer Betriebe, dk öffentlichen Arbeiten erzeugen einen Bedarf an gelernten Arbeitern, der auch annähernd nicht befriedigt ist. Hingegen haben es ungelernte, sog. Schwarzarbeiter nicht leicht und brauchen nicht so beneidet zu werden, wie es in der bürgerlichen Oeffentlfchkeit geschieht. Gewiß bekommt ein Schwarzarbeiter am Bau einen Tageslohn von 35—40 Piaster (etwa 10—12 Schilling), aber er hat nicht jeden Tag Arbeit, denn seine Anstellung hängt davon ab, ob genüegnd gelernte Arbeiter vorhanden sind, an denen es fehlt. So kommt es, daß yieie ungelernte Arbeiter a»r 2—3 Tage in der Woche arbeiten können, wahrend andererseits viele Bauten nicht rasch genug vorwärts kommen, weil keine genügenden Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Diese Zustände, die nicht nur im Bauwesen, sondern auch in anderen Berufszweigen herrschejOr s«Uen in noch stärkerem Mark als bisher dk Rkhtung der Hachscharah beeinflussen. Es muß im ständigen Kontakt mit der Histadruth die Umschichtung in die Berufe gelenkt werden, nach denen im Lande Nachfrage herrscht. In diesem Zusammenhang soll auch auf die Gefahr verwiesen werden, die in der Konjunkturstimmung der Städte und deren Einfluß auf die Arbeiterbewegung liegt. Viele unterliegen dem Reize der größer gewordenen Stadt, der bequemeren und besseren Arbeitsbedingungen und weigern sich, aufs Land, in die Kibbuzim und Kwuzoth, zu gehen. Sie vergessen, daß die landwirtschaftliche Kolonisation, der wichtigste Zweig des Aufbaues, darunter leidet, bedenken nicht, daß in den Städten die Konjunkturen wechseln und daß aie Zeit verüerem, in der säe wohl für das Land, aber auch für sich ek großes Stück Arbeit vollbringen könnten. 4. Der Mitteistand. Eine größere Gefahr als die oberwähnte liegt zweifellos darin, daß der Mittelstand, auch der wirkliche (nicht nur der von den bürgerlichen Zionisten favorisierte, mit 150 Pfund, die oft nicht vorhanden sind), sich nach den Städten, vor allem nach Tel-Awiw, drängt. Das Wachstum der Städte bei Vernachlässigung der landwirtschaftlichen Kolonisation, ja bei deren Zurückdrängung (in den an Tel- Awiw angrenzenden Kolonien werden Orangengärten in Bauplätze verwände«) schafft ein Mißverhältnis, das unheilvoll werden kann. Das Ungesunde dieser Entwicklung, die Notwendigkeit der Schaffung einer normalen Wirtschaftsstruktur, wird auch von diesem Mittelstand eingesehen, man muß sagen, <Jaß ein großer Teil solcher Einwanderer sich gerne auf dem Lande ansiedeln würde, teils aus positiven Gründen, teils deswegen, weil bekanntlich bei den jetzigen Preisverhaltniissen die Gründung eines Industrie- oder Handelsunternehmens mit einem Kapital von einigen hundert bis tausend Pfund — und wenige brachten mehr mit — sehr schwer und mit großen Rusken verbunden ist. Das Fehlen einer genügenden Bodenreserve des Keren-Kajemtth, die leeren Kassen des Keren Hajessod machen such gerade jetzt, wo so viel geleistet werden könnte, empfindlich fühlbar. Mut Genugtuung muß man in Gesprächen mit solchen „Kapitalisten" feststellen, daß sie die Bedeutung der landwirtschaftlichen Kolonisation erkennen, die Notwendigkeit der Stärkung der nationalen Fonds nachdrücklich bejahen. Vor der Wirklichkeit zerflattert die Phraseologie der bürgerlichen Zionisten, in dem grellen Licht der Tatsachen zeigt sich das Verbrecherische der direkten oder indirekten Sabotage des nationalen Kapitals. Die Sachlage ist eben die, daß durch die wahnsinnige Steigerung der Bxbenpreise die Ansiedlung auf dem Land auf Privatboden Kapitalien erfordert, über die der durchschnittliche, auch nuttelstandlerische Immigrant nicht verfugt. Zu welchen Konsequenzen aber die Bodenspekulation und der Umstand, daß der Keren Kajemeth nicht imstande ist, genugende Bodenreserve aufzuhäufen, fuhrt, beweist die Tatsache, die ich ohne Kommentar anführe, «laß in der letzten Zeit die deutschen Templerkolontsten in Haifa Boden an jüdische Einwanderer zum Preise von einigen hundert Pfand pro Dunam verkauften und sich selbst als Ersatz Boden im Norden von Akko zum Preise von etwa 5 Pfund pro Dunam kaufiten. (Torteetzung folgt.)

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