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Der Jüdische Arbeiter · 1934-01-19 · Heft 3 (19.1.1934) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
11 (1934)
Issue
Heft 3 (19.1.1934)
Date
1934-01-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Der jfldisefce Arbeiter. 1.9. Jänner 1934 Gold- und Kupfererze sollen nach Meldungen arabischer Zeitungen in Südpalästüia, 200 Kilometer von Beer Seba, bei der Ortschaft Marschusch gefunden sein. Die Gelder der zweieinhalb Millionen Pfund betragenden Palästina-Anleihe sollen im Jänner nach Palästina überwiesen werden. Die Palästinaregicrung werde dann die Zuteilung der Anleihe für die aus der Anleihe zu finanzierenden Arbeiten ■— Sondervorstellung in der Jüdischen Bühne Wien, H., Praterstraße 60, am Sonntag, 21. um halb 4 Uhr nachmittags OJ AMERIKA Musikalische Komödie von N. Stu Das gesamte Erträgnis fließt der Aktion „Jüdische Jugend l Not"; Der „revisionistische Stawisky" versucht Selbstmord Warschau. Die polizeiliche Revision der Geschäftsbücher des revisionistischen Reisebüros ergab, daß Herr Seitschik, Leiter dieses Büros, Mitglied des revisionistischen Zentralkomitees für Polen und Vertreter der Revisionfeten im Warschauer Palästina- Amt, rund 102.000 Zloty unterschlagen hatte. Die Betrugsaffärc wächst sich z.u einem politischen Skandal aus. Seitschik wird im jüdischen Warschau „der r e v i 5 nistische Stawisky" genannt. Herr Seitschik versuchte vor einigen Tagen, im Gefängnis Selbstmord zu begehen. Er schnitt sich mit einem Stück Glas eine Ader auf, doch wurde es noch rechtzeitig entdeckt und der Selbstmordversuch vereitelt. Konstituierung der Schekelkommission Entsprechend der Weisung der Zionistischen Exekuti' in London hart sich die Landesschekelkommission, bestehend aus je einem Vertreter des Zion. Landesverbandes und der innerhalb Oesterreichs bestehenden Landesgruppen der Zion. Sondierverbände konstituiert. Als verantwortlicher Leiter fungiert Herr Dr. Josef Grüntberger. Die Verteilung und Abrechnung der Schkalim sowie die einschlägige Korresponden; obliegt Herrn Dr. Rud. Glücklich, I., Kärntnerstraße 28. Tagung der Histadruth Am 10. Jänner wurde die zweite Session der vierten Landeskonferenz der „Jüd. Arbeiterorganisation in Palästina" (Histadruth) eröffnet. Bekanntlich fand im Frühjahr 1933 die vierte Landeskonferenz der Histadruth statt. Die Tagung kannte aber nur einen Teil der auf der Tagesordnung stehenden Fragen behandeln, daher wurde eine zweite Session beschlossen. Geld geht vor Religion Aguda-Oppositkm demaskiert die religiösen Geldbeutel. Warschau. Vor Schluß der Aguda-Konferenz kam es zu wüsten Skandalen, da die „Aguda-Jugend" und „Aguda-Arbeiter" das. Verhältnis der religiösen Fabrikanten zu den jüdischen Arbeitern kritisierten. Die Polizei mußte einschreiten und Ordnung schaffen. Der Wortführer der Arbeiter führte u. a. aus: Religiöse jüdische Fabrikanten, Mitglieder der Aguda, e n Dr. Hermann Kadisch In einer kleinen österreichischen Provinzstadt, dem allgemeinen politischen und dem jüdischen Leben entrückt, verschied Dr. Hermann Kadisch. Im alten1 Oesterreich-Ungarn fühlte er sich wie zu Hanse. Dortj konnte er seine Liebimgsidee, ein großes Reich mit vielen freien Nationen, auch die Juden unter ihnen, propagieren. Mit dem neuen kleinen Oesterreich konnte er sich nicht recht abfinden. Er blieb deshalb dem politischen Leben fern. Er gehörte zu den; Gründern des „Jüd. Nation naiverein in Oesterreich' . Für (ihn, wie für vieles führende jüdische Politiker jener "Zeit war jüdische Politik identisch mit Demokratie, mit sozialer Denkungsart. Das jüdische Bürgertum aber, das in voller nationaler Dreß der Mehrheit nachäfft und die Demokratie abwegig findet, oder gar mit dem Revisionismus, der zionistischen Spielart des Faschismus, kokettiert, blieb ihm fremd. Er starb deshalb einsam in einer kleinen österichischen Provinzstadt. llnsere Studien- und Gesellschaftsreise nach Palästina Viele unserer Genossen und Freunde, die sich zur Teilnahme an unserer I. Gesellschaftsreise nach Palästina angemeldet haben, ersuchten uns, dieselbe um einen Monat :u verschieben. Wir konnten uns diesen Wünschen nicht erschließen und mußten daher auf die Anwesenheit in Palästina zur Purimzeit leider verzichten. Unsere erste Gesellschaftsreise nach 'Palästina findet m 21. März 1934 statt. Wir werden in Palästina den :hönen Frühling und den Pessach erleben können. Das Reiseprogramm ist bedeutend reichhaltiger. Die Einzelheiten werden wir in der nächsten Nummer bekanntgeben. Anmeldungen sind zu richten an: Mendel Singer, IX., Spitalgasse 21/8 (Telephon A 22-9-29) oder in das Sekretariat Organisation, II., Blumauergasse 1. Vorlesung Herz Großbart Die < stag! cht; lle :he Lage des religiösen Judentums hat sich verschlimmert, das soziale Problem steht vor vielen ChassidSni in aller Schärfe utnd gerade unsere Ideengenossen, aigudistische Unternehmer, wollen religiösen Juden keine Arbeit geben. Sie boykottieren fromme Arbeiter! Aguda-Fabrikanten führen eine Doppelbuehhalterei, im Bcthaus sprechen sie mit Gott und in der Fabrik verfolgen sie den frommen Arbeiter. Die Führer der „Schomrej Sabbat" („Sabbat-Hüter") Bewegung „haben ihre eigenen Geschäfte offen am Sabbat." — Im gleichen Ton sprachen auch die anderen Führer der Opposition. glücklicher Gedanke der Sachwalter der jiddischen Kulturinteressen in Wien, Herz Großbart zu einer Vorlesung aus den Schriften moderner jiddischer Dichter einzuladen. Gerade für ein westjüdisches Publikum mußte der Abend eine Offenbarung bedeuten. Es gibt leider noch immer :ht wenige Westjuden „zionistischer Gesinnung", die in ler dem Jiddischen feindlichen oder zumindest antipathischeu Einstellung verharren. Es gibt eine Fülle von „Argumenten", die der Rechtfertigung dieser negativen Haltung dienen; diesen gehört sonderbarerweise auch die ästhetische Argumentation, die Behauptung, daß Jiddisch eine häßliche, unschön klingende Sprache sei. Wir haben diese Auffassung niemals ernst genommen, ihre soziale Bedingtheit wohl kennd. Aber immerhin, wenn es Menschen gibt, die für die Klangschönheit der jiddischen Sprache bisher taub waren, Vorlesung Herz Großbarts hätte ihnen Verständnis für dieselbe eröffnen müs- Die Leistung Großbarts hat in ihren Höhepunkten beim Hörer die Erinnerung an die so entbehrten Vorlesungen Karl Kraus' wachgerufen, wohl das Schönste, was man ihr sagen kann. Auch die Gestaltung des Programms war unter dem hier herangezogenen Gesichtspunkt außerordentlich gelungen. Dem westjüdischen Publikum, selbst dem „jüdisch interessierten", sind aus der jiddischen Literatur im besten Falle unsere Klassiker bekannt. Es muß daher dem Rezitator als Verdienst angerechnet werden, daß er uns nicht nur Werke von. Perez und Schalom Alejchem durch seine unübertreffliche Kunst näher brachte, sondern auch den Schöpfungen der jüngsten jiddischen Dichtung sprühendes Leben verlieh. Alles in allem: die Vorlesung Herz Großbarts gehört zu den schönsten künstlerischen ^Ereignissen des jüdischen Wien, die wir im letzten Jahrzehnt miterleben konnten. Dr. M. P. jLmtUchm Verlautbarunffen der Israel. Knlttmgmmain&e Wim Israelitischer Jugendgottesdtenst. Samstag, den 20. Jänner 1934 findet in allen Gemeindeand erVeinä-Synagogen der Jugendgottesdienst um 3 Uhr nachmittags statt. Gottesdienst für die reifere Mittelschuljugend. Freitag, den 19. Jänner d. J. um 6 Uhr abends findet im Stadttempel (I. Settenstettengasse 4) ein Gottesdienst für die reifere Mittelschuljugend statt, bei welchem Herr Oberiabbiner Dr. D. Feuchtwang ©ine Ansprache über das Thema: „Die jüdische Jugend in unserer Zeit" hält Vom Wanderfürsorge-Amt der jüd. Kultusgemeinde, Wien, erhalten wir folgende wichtige Mitteilung: Auf Grund einer Mitteilung aus Belgrad wird nachdrücklichst davor gewarnt, über Jugoslawien zu reisen, ohne vorher die nötigen Visa' für die Weiterfahrt besorgt zu bähen. Auch die persische; Gesandtschaft in Belgrad hat die Erteilung sowohl von Touristeor als auch Einreisevisen ato durchreisende Juden eingestellt In der letzten Zeit wurden hauptsächlich1 Wanderer aus Polen, die nach Palästina oder FiiankreTichi gereist sind, ein der Grenze des Ziellandes angehalten, da die Einivisä gefälscht waren. Es wird ausdrücklich' davor gewarnt, Sich durch' Vermittler Visa beschaffen zu lassen, da diese häufig die gesetzlichen Schwierigkeiten durch betrügerische Manipulationen zu umgöhön suchten. Die Wanderer mit gefälschten iVsen haben dadurch' nicht nur materiellen eVrlust und die Rückreise in die Heimat, sondern auch gerichtliche Bestrafung zu gewärtigen. Predigten und Schrifterklärungen in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 19. Jänner 1934 werden bei den um 4 Uhr 20 Minuten beginnenden Abendgottesdiensten in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten und zwar: II. Pazmanitengasse 6: Rabbiner Dr. Z. Taubes; III. Untere iVaduktgasse 13: Rabbiner Dr. K. KKupfer; IX. Müllnetrgasse 21: Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz; XIX. Dollinergasse 3: Rabbiner Dr. A. Frankfurter. — Samstag, den 20. Jänner 1934 beim Hauptgottesdienste SchriftOrklärungen: XX. Kluckygasse 11: Rabbiner Dr. B. Murmelstein; XXI. Holzmeistergasse 12: Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Die Kleider-Stelle der Fürsorge-Zentrale bittet dringendst um Zuweisung von brauchbaren B e - kleidungsgegenständen jeder Art, Wäsche:, Schuhe, usw. für Männer, Fnauen und Kinder. Telephonische oder schriftliche Benachrichtigung erbeten an! die Fürsorge-Zentrale der isr. Kultegemeinde Wien. I., Seitenstettengasse 2, Tel. U. 25-5-85, welche; die Abholung veranlaßt. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien hat am 1. Jäna. c. in ihrem Jugendheime, XX., Kluckygasse 7, für die männliche Jugend eine Tee- und Wärmestube errichtet. Geöffnet täglich mit Ausnahme des Sabbat von 13—18 Uhr. Einschreibungen von 14—16 Uhr. Warnung vor Palästina-Reisen durch Persien Das Wiener Palästinaamt stellt uns einen ihm vom jüdischen Gemeindebund Jugoslawiens zugekommenen Brief zwecks Veröffentlichung zur Verfügung, in dem es insbesondere heißt: „Wir teilen Ihnen höfl. mit. daß die hiesige persische Gesandtschaft die Erteilung von Touristen- und Einreisevisen au Juden eingestellt hat. Es Ist daher jeder nachdrücklichst zu warnen, der auf dem bekannten Wege nach Palästina reisen möchte. Es ist ganz ausgeschlossen, das persische Visum weiterhin in Beograd zu erhalten und ist bei dem völligen Versiegen der Mittel des Ortsflüchttingskomitees (das Palästinaamt verfügt über keine Mittel), die Durchfahrt über Beograd vollkommen nutz- und ausisichtslos." Vollcsbildungsvereiin „Jüdisches Volks heim" ■Wien, II., Blumauergasse 1 Die Näh- und Schnittkurse des Jüd. Volksheims, die unter Leitung des Kuratorium>mitg.liiedes Frau Dr. Berger stehen, haben einen ausgezeichneten Besuch und glänzenden Erfolg aufzuweisen. Sie finden an jedem Montag und Mittwoch statt. Hebräisch-Anfängerkurs Beginn Montag, 22. Jänner 1934, 19 Uhr. Palästirrakunde, II. Tei! (Dr. Lea Goldhammer) Mittwoch, 24. Jänner 1934, 20 Uhr. Anmeldungen für Engl.-Forteesehrittenen-Kurs: Täglich 7-9 Uhr'abends. Voranzeige: Samstag, 27. Jänner 1934, 20 Uhr I. Hauskonzert Programm: Händel, Mendelsohn, Mahler. Neue Jüdische Künstlerspiele, II., Taborstraße 12 (Hotel Stefanie). Die bekannten und beliebten Künstler Anna Lerner und David Seidermann beginnen Freitag, 19. Jänner und täglich ein Gastspiel im neugegründeten Theater mit der Uraufführung der musikalischen Komödie „Der singende Ganef". Beginn halb 9 Uhr abends. Lebensversicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Aus dem Jahresbericht 1932: Versicherungsbestand S 2.728,000.000-- Prämien- und Zinsen- Einnahmen , 179,000 000 — Garantiemittel , 527,000.000-- Auszahlwigen an die Versicherten . 60,000.000-- Tltlgkeltsgebiet: Oesterreich, Deinsen« Keich, Tschechoslovakische Republik. Helden, Holland, FranNreicb, Spanien. Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn. Hglen, lug.nlavien, ßulaarien, Qriecneuiand, Rumänien, PalUtlna. Syrien, Türkei, Toni» un<" Aegypten. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistisch-sozialistische Arbeiterorganisation Peak Zion-Hitachduth (Obmann Mendel Singer), Wien, IL, Blumaiuergasse 1. — Verantwortlicher Redakteur: Julius Mantber, Handelsangestellter, Wien, II., Ausstellungsstraße 15. — Buchdruckerei Reiter & Co. (Adria), Wien, II., Tatorstraße 52 b. Gedenket Oer Winternotstandsaktion Oer Knltusgemeinöc! Geld- und Naturalspenden erbeten an die Fürsorge-Zentrale der Isr. Kultusgenteinde Wien, L, Seitenstettengasse 2, Telephon U-25-5-85 Serie, ___________ Postaparkassenkonto B-29-659.

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