Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1934)
- Date
- 1934-01-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2.___Der jiidifgbe Arbiter.- Revionististischer Terror und Verrat Sie pogromieren einen Heren Kajemeth Baiar ... In K<U .Polen) besteht die Tradition j'-'lt- J:«hr einen Koien-Kajeaneth-Bazar einzurichten. Alle Einkünfte fließ™ dem Keren Kajeraetb zu. Um ,i«.Jeu Konflikt auszuschließen, wurde allen Gruppierungen erlaubt, eigene Stände einzurichten. Die Revisionisten hängten in ihrem Stand ein Jabotinsky-Bild auf. während der ArbeitersTiortkluli „HapoW" c-iw rote hihne m seinem Stand anbrachte. Eines Morgens bemerk:."! die Hapoel-Mitglieder, daß die rote Fahne verschwunden ist. Es war klar, daß diese Tat von der revisionistischen S. A. „Brith Hachajii" verübt wurde, doch wurde, nach einer Besprechung mit der Keren-Kajemeth-Kommisskm TwscbJossen, darauf lacht zu reagieren, da der „Jirüfi Haehajil" nach einem Vorwand suchte, um don Bazar zu sprengen. Am gleichen <-n Ta?e um 5 (Ihr nachmittag* verbreiteten die Revisionisten das Gericht, das Jabotinsky-Bild wäre gestohlen werden. Einige Mimit»n dwranf kam' der Kommandant der „Brith Haehajil" und erklärte, das Jabotinsky-Bild raii«se bis, 6 Uhr zuriicfigcgpiien werden, andernfalls werden die Komiteemitglieder noch am gleichen Abend totgeschlagen werden. Eine gleichlautende Aufforderung erhielten auch die Allg. Zionisten. Um die Eröffnung des Bazars nicht zu gefährden, erklärte sich der K.-K.-L.-Kommissär bereit, dem „Brith Haehajil" ein neues Bild zu kaufen. Nun kamen die Revisionisten mit einer neuen Forderung: Der Keren Kajemeth mußte ihnen 25 Zloty Buße zahlen. Auch damit erklärte sich die K.-K -L.-Kommission einverstanden, um den Revisionisten jeden Vorwand vorwegzunehmen. Samstag abends, einige Minuten vor der feierlichen Eröffnung des Bazars erschien der Brifh- Hachajii-Kommandanf auf der Bühne und rief: „Chlopci do roboty!" (Jungens, am die Arbeit!) Im Augenblick warfen sich die Brith-Hachajil-Banden auf die Stande und zertrümmerten die Einrichtung. In 5 Minuten war der prächtig eingerichtete Bazar ein Trümmerhaufen. Das Büffet wurde ausgeraubt, 600 Limonadeflaschen wurden zejschlageii. Zwischendurch v.uid'-n auch die Versammelten blutig geschlagen. Erst das Erscheinen der Polizei machte ihrem wüsten Rauben und Wüten ein Ende. Die Führer des „Brith Hadüajil" sind eingesperrt worden. ... Oben Verrat in Keffar Saba Tel Aviv, 14. I. fn Kefar Sabba. einer Kolonie, die von jeher fast ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigt hatte, verkaufte der jüdische Pflanzer Meiler seine Früchte feto einen arabischen Kaufmann. Auf die Frage der indischen Arbeiter, oh die Beschäftigung von jüdischen Arbeitern beim Pflücken im Verkaufvertrag gesichert ist, antwortete er, es wedren bloß 4 arabische Arbeiter beschäftigt sein. Tatsächlich wurden viel mehr Araber beschäftigt. Die jüdischen Arbeiter forderten ihr Recht auf Arbeit und schließlich mußten sie in den Streik (treten. Herr Meiler riet Polizei und — Betarim. die ihm in seinem nationalen Werk, jüdische Arbeiter zu verdrängen, heldenmütig unterstützten. Interessant, daß der Unternehmer sich an „Agudah'-Arbeiter wandte, doch nicht einmal sie wollten der jüdischen Arbeiterschaft in den Rücken fallen. Auch die von auswärts gebrachten arabischen Arbeiter verließen wieder den Platz, nachdem ihnen von Seiten der jüdischen Arbeiter über den Sachverhalt Aufklärung zuteil wurde. Die agudistischen, wie die arabischen Arbeiter wandten sich angewidert vom Unternehmer ah, der wegen einiger Piaster jüdischen Arbeitern des Brotes berauben will, nur die Revisionisten gaben sich zu dieser Schandtat her. Der Kampf dauert fort. Die ältesten Arbeiter in der Kolonie stehen Streikposten. So leicht wird es den charakterlosen Geldbeuteln nicht gelingen, jüdische Arbeiter zu verdrängen, auch wenn ihnen die betarischen Knechte zu diesem Verrat an dem jüdischen Land helfen! ... vergießen Blut in Haifa Jerusalem. Seit vorletzten Dienstag ist in Haifa ein Streik im Gange," da eine revisionistische Firma einen Kollektivvertrag mit der Histadruth, den 38 jüdische Firmen unterschrieben hatten, nicht unterzeichnen wollte. Die Polizei verhaftete 157 Personen, Revisionisten und Histadruth-Mitglieder. Am darauffolgenden Samstag machten die Revisionisten abermals einen Ueberfall auf Histadruth-Mitglieder. Die Polizei griff ein und verhaftete 17 Revisionisten und 4 Histadruth-Mitglieder. Der Waad Leumi wandte sich au beide Parteien, die Kämpfe abzustellen und ihm die Schlichtung zu überlassen. Die Unterhandlungen haben bereits begonnen. ... und demolieren das Chaluxheim in Witato Wilno, 16. Jänner. Sonntag, 10 Uhr, überfielen „Betar" und Brith Hachajil-Leute das Chaluzhe'im mit Stöcken und Steinen. Alle Fenster wurden eingeschlagen, die Chaw-erim blutig geschlagen. Viele junge Chawerim wurden schwer verletzt. Das Heim ist eine Ruine. Unter den Trümern fand man eine Betar-Kappe mit einer Menorah darauf. Vor dem Ueberfall hielten die Betarim eine „Alarm-Versammlung" ab, in welcher der Pogrom besprochen wurde. Die Steine waren in Papier gewickelt mit der Aufschrift: „Rache für Haifa". Der Pogrom hat bei der jüdischen Bevölkerung eine ungeheure Empörung ausgelöst. Verhaftung arabischer Führer Jerusalem, 16. Jänner. Im Zusammenhang mit den in allen Städten geplanten großen arabischen Demonstrationen hat die Polizei eine Reihe führender Araber in Schutzhaft genommen. Ungeachtet der Erklärung der arabischen Führer, daß sie für die Aufrechterhaltung der Ruhe garantieren, sind von der Regierung umfangreiche Sicberheitsvorkehruiigcn getroffen worden, besonders im Hinblick darauf, daß die arabische Exekutive große Massen der Landbevölkerung in den Städten zusammenzieht. Dr. A. Bcrnav: Streiflichter aus Palästina t. Bautätigkeit und Wohnungsnot. Wenn mau nach Palästina tn Zeitabstanden von einigen Jahren wiederkommt, ist man immer erstaunt, so viel Neues m sehen. Wahrend man aber in früheren Jahren auf einer Reise durch da* Land ixler bei einem Rundgang durch die -nadle neue Entdeckungen machte, überrascht einen diesmal die rasende Entwicklung schon sofort beim Betreten des Lande*. In Tel-Awiw werden nicht nur an den Stadtgrtiuen ganze Straßenzuge neu gebaut, sondern in den alten Strancn wird aitc paar Schritte ein, Neubau aufgeführt oder ein altes Hau? aufgestockt. Abseits des jetzigen Tel- Awiw aber, in einer Uer«nd. die noch wie Wüste anmutet, fniit man neue Straßen in Bau und bekommt auf Befragen zur Antwort, daß hier eigentlich das Zentrum der Stadt so — im Pian, d-r im nächsten Jahre oder in einigen Jatireu Wirklichkeit werden wirdin Tei-Awiw findet steh jemand, der die Stadt von fruntr her kannte, schließlich doch zurecht, werui er sieh im Umkreis <Ut alten Straßen bewegt. Hadar Hakartnel abir ir Mafa ot^r Re hawu in Jerusalem machen den LnuIriKk eines großen Bauplatzes. Als ich telephonisch einen Freund am Hadar Hakarmel um seine Adresse bat, antworte, er, ith möge nach der neuen Schule, die gebaut wird träger „tgcmilx.r se darneue Haus, m das tr unlang t emiji/^cn i-l In Rechawia fand ich da Haus chu* Bekannten den Ui begehen wollte, mitten in einer von Zement, Kalk und allerlei Baugeräten bedeckten Gegend Bürogemeinschaft zwischen arischen und nichtarischen Anwälten verboten Berlin, 16. Jänner. Nach dem vom Präsidium der Reichsrechtsanwaltskammer erlassenen Richtlinien ist jede beruf lache Verbindung mit einem Rechtskundigen unzulässig, dessen Zulassung zur Rechtsanwaltschaft versagt wurde. Das Eingehen einer Kompagnieschaft oder Burogememschaft zwischen arischen und mchtanschen Anwälten ist unstatthaft. Trotzdem herrscht in den Städten arge Wohnungsnot. Der Bedarf an Wohnräumen wtrdi auch durch diese Ml rasendem Tempo geführte Bauibewegung nicht ganz gedeckt, und die vielen Hotels und Pensionen sirnd jetzt im Winter voll, ohne daß Touristen in nennenswerter Zahl im Lande waren. Die Folge ist die sattsam bekannte Steigerung der Mietpreise, mit der noch unangenehmeren Nebenerscheinung, daß man verhalten wird, den Mietpreis für längere Zeit vorauszuzahlen. Man hielt schon bei monatlich 3i/2 Pfund und mehr pro Zimmer bei Vorauszahlung für ein Jahr und erst in den letzten Wochen gingen die Preise auf etwa 3 Pfund zurück, aber auch diese Zinse srnd übermäßig und tur die meisten unerschwinglich, tin Arbeiter, der jetzt im Durchschnitt (wenn er kein gelernter Bauarbeiter ist) 7 — 10 Pfund im Monat verdient, kann sreh ein eigenes Zimmer nicht leisten. Die Stadtverwaltung Tel-Awiw bereitet jetzt ein Oesetz vor, durch das die bestehenden Mietvertrage (mit alten Mietzinsen) verlängert werden sollen, eine lobenswerte Aktion, gegen dae jedoch die Hausbesitzer in Versammlungen und Presse Sturm laufen. Die hohen Mretziinse in den Städten haben Wohl ihre Begründung in dem Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage, doch wird diese schädliche und ungesunde Entwicklung in hohem Maße geSordert durch den noch großen Mangel an Vorsorge für die neuen Einwanderer Wenn eine Famtlic nach Ankunft ui Palastana nicht sofort Unterkunft findet und gezwungen ist, im Hotel längere Zeit zu wohnen, so ist sie gerne bereit, auch auf übermäßige Forderungen einzugehen, ja sae kzttaert selbst den Miet- 19. Jänner 1*34 Ein Nachwort zum Prozeß Popper Der Prozeß gegen Popper, den leitenden Beamten der Wiener Kultusgemeinde, der im Lauie wem Jahren die Gemeinde um große Beträge (die Angaben Schwanken zwischen S 45.000 und S 80.000, doch ist es aatüir&h schwer, den tatsächlichen Betrag festzustellen) betrogen hat, rollte die Frage der internen Verwaltung unserer Gemeinde, das Verhältnis Unter der Beamtenschaft wieder atif. Es mag wohl sein, daß der skandalsüchtige Anwalt, der jedes Verantwortungsgefühls für die jüdische Gemeinschaft bar ist und unter der Maske eines Vertreters der geschädigten Kultuswähler in die Verhandlungen eingriff, zur Popularisierang dieses Prozesses viel beitrug. Daß der Anwalt der Kulitusgemciude diesem skandalsüchtigen Kollegen nicht gewachsen war und auch sonst nicht viel Geschick entfaltete, hat gewiß dazu beigetragen, daß die Verwaltung der Gemeinde in sehr grauen Farben erschienen ist. Aber wenn man auch von diesen Umständen abstrahiert, bleibt noch immer an Tatsachen so viel übrig, daß wir uns verpflichtet fühlen, aus ihnen die notwendig erscheinenden Schlüsse zu ziehen. Wir wollen vorwegnehme», daß es sehr schwer ist, sich gegen einen Hausdieb zu schützen. Ein leitender Beamter, der Stampiglien und Unterschriften fälscht, konnte überall sein betrügerisches Unwesen mit Erfolg treiben. Aber nicht alle Betrugereien lassen sieh durch solche Fälschungen erklären, viele konnten iwr durch die mangelhafte Kontrolle Zustandekommen. Ist doch die Kontroll- Losigkeii in der Kultusgemeindie als Milderungsgrund bei Festsetzung des Strafausmaßes angeführt worden. Hier ist Aufklärung notwendig. In der Wiener Kuditusgemeindie führte ein leitender Beamter vom Schlage des Herrn Popper (dier fesche Hauptmann!) ein Regiment als Allgewaltiger. Niemand durfte es wagen, seine Handlungen zu kritisieren, seine Entscheidungen anzuzweifeln. Insbesondere nicht Beamte niedrigeren Dienstranges. Sie haben bedingungslos zu gehorchen, zu kuschen und zu folgen. In einer solchen Atmosphäre gedeihen die Poppers vorzüglich. Es rächte sich auch hier, daß man Beschwerden des Publikums über einen leitenden Beamten nicht ernst genug nahm. In der KuWusgcmeinde beliebt man in jeder Beschwerde aus dem Publikum einen Racheakt wegen eines nicht befriedigten Verlangens zu sehen. Das darf nicht sein. Die Öffentlichkeit, in unserem Falle die judische' Bevölkerung, hat ein Recht zu kontrollieren, sich zu beschweren und sie darf verlangen, daß ihre Kritik, ihre Beschwer- Noch eine Folgerung müssen wir aus der Affäre Popper ziehen. Die Kontrolle darf, nicht nur über die unteren Beamten geübt werden, sondern auch über die Amtsleiter. Kontrollübung ist keine Beleidigung, sondern in jedem Betriebe, um so mehr in einer großen öffentlichen Körperschaft, eine Selbstverständlichkeit. Und, sie muß sich über alle erstrecken. Ueber die leitenden Beamten noch intensiver, da sie viel größere Machtbefugnisse haben. Die Leitung der Wiener Kultusgemeinde darf nicht übersehen, daß die Zustände, die durch den Prozeß Popper zum Vorschein gekommen sind, Beunruhigung und Mißtrauen in der jüdischen Bevölkerung geweckt haben und sie wäre verpflichtet, die jüdische Öffentlichkeit darüber aufzuklären, inwiefern sie Vorkehrungen getroffen hat, um die Wiederholung solcher Betrugereien unmöglich zu machen, Vorkehrungen, die sich sowohl auf das Verhältnis der Beamten zueinander, insbesondere der Amtsleiter zu den ihnen unterstellten Beamten, als auch auf die durchgreifende Kontrolle, die sich über alle erstrecken soll. Die Leitung der Kultusgemeinde darf sich nicht in Schweigen hüllen. Sie muß offen und aufrichtig Rede stehen. «■ Jzins hinauf, weil sie bei noch so hohem Mietzins billiger daran ist als im Hotel. Die Schaffung billiger Unterkunftsmoglichkerfen für dne erste Zeit würde dem jetzt so schwierigen Wohnungsproblem viel von seiner Scharfe nehmen. Die reichlich spat eingesetzten Bemühungen durch Errichtung von Baracken, u. dgl. die Einwanderer in der ersten Zeit billig unterzubringen, müssen stark intensiviert werden. 2. Die deutschen Einwanderer. Die früheren EinwanderumgsweHen brachten Menschen aus dem Osten, wie Rußland, Polen, mit ziemlich homogener Einstellung, mit viel Idealiismus und bescheidenen Ansprüchen. Der jetzige Emiigrantenstrom aus dem Westen, lumetst deutsche Juden, umfaßt Kreise, die in jeder Beziehung von den früheren Einwanderern weeeasverschieden sind. Gewiß gibt es unter ihnen opferwillige Zmonisten, auch solche, die, aus dem Osten stammend, zuktzt kurzer oder langer m Deutschland wohnten, die überwiegende Mehrheit besteht aber aus Menschen, die die Bindung zum Judentum größtenteils verloren, den Zrajuismus nicht kannten oder ablehnten, jedenfalls bisher nie auch nur entfernt daran dachten, selbst am Aufbau Palastinas mitzuwirken. Hingegen brachten sie Gewohnheiten und Anforderungen an das Lehen, für die sie im Lande wenig Verständnis und Befriedlgungsmoghchkeit fanden So erklärt es steh, daß am Anfang trotz Entgegenkommen und Hilfsbereitschaft des Jtechuw Reibungen vorkamen. Ich kann aber aus Informationen und persönlicher Erfahrung feststellen, daß die Emördflung der deutschen Juden und ihre psychische Umstellung auch un Zusammenhang mit der beruflichen Umschichtung große Fortschritte machte. Es wird auch aiJserts anerkannt; daß