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Der Jüdische Arbeiter · 1934-01-12 · Heft 2 (12.1.1934) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
11 (1934)
Issue
Heft 2 (12.1.1934)
Date
1934-01-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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12. Jänner 1934 Oer jädisekc Arbiter. Seite "* AbV»tWMeM^«b*kren er8ttt**n wfr dnfch Erlagschein einimseiiden. Weib Kein Erlagschein Züftdnlnlt, zafltt titeln Inkassanten. Utefatitr in PmtätUna fnt Verlag- „Stybet", Tel-Aviv ist fetzt Fetrchtwangers neuer Roman Oeschwister Oppenheim unter dem Titel Beth OppenttatHi etsch.ieu.eft. Der Roman schildert das jüdische Schicksal des Jahres W33 an Hand der Geschichte einer Familie, drei Brüder, ein Arzt, ein Kaufmann und ein Dritter, der aus Neigung klassischen Studien obliegt, es vrifcd gezeigt, Wie die iMridomale Revolution jeden einzelne» trifft, die Bilder vom 1. April, vom Konzentrationslager, dfe Furcht, in. dfer das gartüe Leben sieft abspielt die Emigration, alt das M für dten jüdischen Leser nichts Neues, auch nfcfrt dfc LciÖefl des Schäfers Berthold, der von seinem Lehrer in den Tod getrieben wird, könne« zu dem BlWe, dbs dfe jüdische Welt über das deutsche Judentum ertamgt Hat, etwa« hinzufügen. FeUchtwamgeirs Romane hatten meist einen süddeutschen Hiretergtand, sowohl Jud Süß, als auch die Herzogin iVtaulta*cfc, wie auch „Erfolg" spielten dort, da Feuchtwaager settrt einer bekannten jüdischen Familie Süddeutschlands etttetammt, ist die Bevorzugung dieses Milieus auch erklärlich, In* seinem neuen Romain gibt er eilten Einblick in das Leben des Berliner Judentums, und man, kann sagen, daß dieser Versuch gelungen ist; Die hebräische Literatur hat ihre Motive fast ausschließlich aus der jüdischen Athmosphäre Osteuropas und Palästinas bezogen. Schotem Alethem, Achad Harn, Brenner, sie alle haben ihren geistigen Wurzelboden in den jüdischen Massen des Ostens, aus dem sich ihre Leser rekrutieren. Gewiß sind Bücher aus dlem Kreise des deutschen Judentums ins Hebräische übersetzt worden, wie viele Geschichten des Maiinzer Lehmann. I» der letzten Zeit sind in Palästina Uebersetzungen von Kastner, Wassermann, und anderen deutschsprachigen Schriftstellern erschienen, ohne daß das Stoffliche jüdisch wäre. Die Zahl der im Original von deutschen Juden geschriebenen hebräischen Bücher ist nicht groß, außer Sch. D. Gcrftein und Esriet Cerlebach gibt es besonders im Kreise um die Nationalbibliothek in Jerusalem herum einige deutsch-hebräische Philologen von Namen. Der Stybelfverlag hat nun mit Feuichtwangers Roman, der übrigens zuerst hebräisch und erst dann deutsch erschien, etwas begonnen, was er vielleicht gar nicht beabsichtigt hat und; auch nicht beabsichtigen wollte. Er hat durch den literarischen Einbruch in das deutsche Judentum und die Eroberung dieses Bezirkes für den hebräischen Leser zugleich eine Tat für die hebräische Sprachbewegting im deutschen Judentum geleistet. Die hebräische Sprachbewegung in Deutschland ist niemals wie in aMtfcfen Ländern. Bulgarien oder Litauen etwa, m die Breite gegamg-en, aber die Anstrengungen, die Dr. Smoira. Dr. Max Meyer, Berggrün, Resniftov, Percikowitsch, Kaleko etc. etc. Jahre hindurch unermüdlich unternommen haben, haben doch zuwege gebracht, daß ein großer Teil der Zionismen und der zionistischen Jugend hebräisch zu lernen begann. Die Zahl der Menschen, (fc hebräisch zu lernen begannen, geht in Deutschland in die vielen Tausenden, aber diese Bewegung ging nicht in die Tiefe, d. h. das Lernen wurde van der Menge der Lernenden nach einer bestimmten Pause aufgegeben. Oerade heute, wo die hebräische Bewegung in Deutschland im starken Wachsen begriffen ist, wo im den kleinsten Stadtchen die hebräischen Kurse und Kreise wie Pilze aus Höhe schießen, ist es am Platze, nach der Ursache dieses Versarodens der hebräischen Bewegung zu fragen. Die Antwort ist einfach. Es gibt in Deutschland keine jüdische Umgebung. Nicht das lebendige Interesse am hebräischen Buche, sondern die zionistische Ueberzeugung und Erlegung, hat die hebräische Bewegung geschaffen, und es ist kein steteT Funke, der vom Leben ins Lernen sprüht. Hinzu kann das Stoffliche. Was sagten die romantischen Feierbergs aus dem Ghetto des Ostens dem deutschen Juden? Was selbst die köstlichen Erzählungen Mendeles dem, der diese Welt nie gesehen hat? Literatur ist eine gesellschaftliche Funktion, ohne den inneren: Lichtstrom, der Schriftsteller und Leser verbindet, ist das Buch eine tote •iache. Die hebräische Literatur klagt über den Mangel an Lesern, das deutsche Judentum ist in einem Umschmelzungsorozesse begriffen und sucht nach Wegen zu jüdischem sein. Der hebräische Verleger hat hier eine Aufgabe. Wenn;r weitsichtig ist und die Gewinnung der 500.000 deutschen Juden für das hebräische Buch erstrebt, wird die Herausgabe hebräischer Bücher aus dem deutsch-jüdischen Kreise licherlich fortgesetzt. Das sefardische Judentum hat in Burla Mnen der besten hebräischen Erzähler hervorgebracht, selbst las persische Judentum regt sich. Im Omanuthverlag ist ler Roman „Lewatim" erschienen, dessen Verfasser, Misachi, das Leben der persischen Olim in Palästina schillert. In Deutschland und in Palästina wachst eine deutschtebräische Jugend heran. Warten wir, was uns die Zukunft chenken wird ... Fritz Frankl (Tel Aviv) lit Skandalen begonnen und geschlossen In der Schlußsitzung der Miisrachi-Konferenz kam es bermals, wie während der ganzen Konferenz, zu schweren kandaien. Die Resolutionen mußten einige Male zum Z. K. uriickgeschickt weiden. Besonders arg wurde es, als lau über dfe ResoMionen zu Hachseharah- und Attjä*- ragen abstimmen sollte. Die Meinungsverschiedenheiten raöten hier am schärfsten gegeneinander. Der Sturm dauerte nige Stunden. Dasselbe wiederholte sich, als über die etätKOTsbewegung beschlossen werden sollte. Schließlich urde beschlossen, den K. K. L. zu stützen. Volksbildungsverein „JÜDISCHES VOLKSHEIM" Wien, II., Blumäuergasse 1 Sonmtaig, den 14. Järmer 103!, 8 Uhr abends Tanzunferhaltung Entree 50 Groschen. Gäste willkommen. Die Ltvante-Mcss« Im Ausschuß der Levante-Messe, die am 26. April in Tel Awiw eröffnet werden und einen Monat dauern wird, teilte Bürgermeister Meir Dizengoff mit, daß für die Errichtung von AusstelVungsgcbäuden 140.000 Pfund aufgewandt werden sollen. Schon jetzt sind auf dem Messegelände 500 Arbeiter und Angestellte beschäftigt, ihre Zahl wird bis zur Eröffnung der Messe auf mindestens 1000 steigen. Hilfsaktion in Bnlgariea In, Bulgarien ist eine Aktion im Gange, einen Fonds zur Ausbildung deutsch-jüdischer Kinder in Landwirtschaft und Handwerk für Palästina aufzubringen. Ungeachtet der schweren Wirtschaftslage des bulgarischen Judentums erwartet man, daß die nötigen Gelder für eine zweijährige Ausbildung von etwa 50 Jungen und Mädchen aus Deutschland aufgebracht werden würden. Die Kosten für die zweijährige Ausbildung eines Jugendlichen betragen 75 Pfund. 3000 Kapitalisten eingewandert Nach dem Jahresbericht der palästinensischen Handelskammer sind in den ersten 9 Monaten des Jahres 1<MJ 2025 jüd. Einwanderer mit einem Eigerckapital von je mindestens 1000 Pfund ins Land gekommen. Dadurch sind mindestens 2 Millionen Pfund nach Palästina gebracht worden. Man nimmt an, daß bis Ende 1933 die Zahl der Kapitalisten sich auf ungefähr 3000 erhöht habe. Interessant ist der Vergleich mit den früheren Jahren. 1930 wanderten 192 Kapitalisten ein; 1931 269 und 1932 754. Nationale Kantone in Palästina? Die arabische Zeitung „Palesttn" berichtet, daß arabische Führer die Errichtung vom jüdischen und arabischen Kantonen in Palästina vorgeschlagen haben. Diese Vorschläge sind aber von den Führern der Histadr u t h abgelehnt worden, da ihre Durchführung die Begrenzung der jüdischen Einwanderung bedeuten wurden. Nach den arabischen Vorschlägen soll Palästina in zwei unabhängige politische Einheiten geteilt werden, einen arabischen Kanton, zu dem die Gebiete von Beer Sheba, Gaza, Mejdet, Jaffa, Ramleh, Nablus, Yenin, Tuikerem, Acco. die Jordanebene und Beisan gehören sollen, und einen jüdischen Kanton, der sich von Tel Awiw längs der Küste nach Haifa, östlich begrenzt durch die Eisenbahnlinie, weiters von Haifa nach Beisan, nördlich der Hedschas-Eisenbann und dann hinauf nach Tiberias und zum Huleh-Gebiet erstrecken soll. Jerusalem, Hebron, Bethlehem, Nazareth und Saifed sollen internationale religiöse Zonen sein. Haifa soll zum Freihafen Gesamtpalästinas erklärt Juden soll im allgemeinen der Erwerb von Land in der arabischen Zone nicht gestattet sein. Auch sollen sie dort kein Niederlassungsirecht erhalten. Jene Juden, die in diesem Gebiet wohnen, sollen den dort geltenden arabischen für die Araber Gesetzen unterworfen sein. Dasselbe im jüdischen Gebiet. Für das gesamte Land soll eine Zentralregierung eingesetzt werden, die aus Arabern und Juden im Verhältnis zu iluer zahlenmäßigen Starke bestehen soll. Der Zentralregierung soll die Regelung der Gesetzgebung für das gesamte Land, die Leitung von Post und Telegraph, öffentlicher Sicherheit und Grenzverteidigung übertragen werden. Jeder der beiden Kantone soll Autonomie auf dem Gebiet des Er/iehungswesens, des Gesundheitswesens, der lokalen Polizei und der Verwaltung erhalten. Hebräisch soll nur im jüdischen. Arabisch nur im arabischen Kanton als offizielle Sprache gelten. Als zweite Amtssprache soll für beide Gebiete Englisch eingeführt werden. In jedem der beiden Gebiete soll für eine bestimmte Zeit eine Anzahl britischer Beamter als Berater Verwendung finden. Für die arabische Zone soll ein arabisches, für die jüdische Zone ein jüdisches Parlament errichtet werden. An die Mandatarmacht soll das Ersuchen gerichtet werden, Bemühunigen zum Anschluß Transjordaniens an den arabischen Kanton einzuleiten. Für den arabischen Kamon wird die Bezeichnung „Sudsyrien", für den jüdischen „Erez Israel" vorgeschlagen. Jfldlsdfte Kolonisation in BTro Bfdsefran Ein führender jüdischer Kommunist, N. Geller, veröffentlicht im „Emes" einten Artikel über die jüdische Kolonisation in Biro Bidschan. der geeignet ist, die Illusionen in dieser Hinsicht zu zerstören. Nach Geller zählt die jüdische Bevölkerung in Biro Bidschan 7000 Seelen, dfe^nichtjüdischie Bevölkerung 50.000. Von 65 dörfischen Sowjets sind nur 4 jüdisch. In der Verwaltung wird die jiddische Sprache nur sehr wenig verwendet. Sogar die jüdischen Dorfräte haben nicht Jiddisch als Amtssprache und die Rayon Verwaltung will die jiddische Sprache erst im laufenden Jahre als Amtssprache anerkennen. Die jüdische Kolonisation in Biro Bidschan geht schon seit 5 Jahren vor sich'. Sie wird vom Staate selbst durchgeführt, die Sowjetregierungj hat ihr Boden zur Verfügung gestellt. Die Regierung hat die Kolonisation auch finanziert, urfd günstige Bedingungen Tür die Uebersledlung der Kolonisten1 geschaffen. Die "Kolonisation wird weitgehendst vom'Agro-Joint und verschiedenen Hilfskomitees unterstützt. Trotz dieser günstigen Bedingungen hat man in den letzten lahren nur 25.000 Juden in Biro-Bidschan' anzusiedeln versucht, von welchen *iier größte Teil — 18.000 — das Land wieder verlassen hab Angesichts dieser Tatsachen, wird es niemanden wundern, daß die Einführung; der nationalen Autonomie in Bir>Bidschan immer wieder verschoben wird, nach den neuesten Ba-ichten bis zum Jahre 1937. Gegenwärtig bilden die Juden! 14 Prozent der gesamten Bevölkerung Biro-Bidschans; es ist unerfindlich, wie sie innerhalb von 3 Jahren die Mehrheit erlangen sollen. Man müßte in Biro- Bidschan 43.000 Juden in 3 Jahren ansiedeln, d. h. 14.000 in einem Jahre, während man; bis nun in 5 Jahren 7.000 angesiedelt hat, d. h. 1400 Personen! jährlich. Zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten kommiem noch politische hinzu: Biro-Bidschan liegt in' einem utrruhjgen Winkel, was unzweifelhaft der jüdischen Kolonisation keine günstigen Perspektiven eröffnet. Das Pcttäslina-Judentum hilft den deutschen Juden Jerusalem: Wie das Vereinigte Komitee für die Absiedlung deutscher Juden in Palästina mitteilt, wurde r dein Juden Palästinas bis j«itzt eine Summe von (rund 12.000 Pfand fftr (Hilfe an deutsche .Tudda gelälaimmelt und zum größten Teil belreits für konstruktive Zwecke verwandt. Das Ends Mai 1933 gebildete palästi- Wngische Hilfskomitee für die deutschen Juden repräsentiert alle Teile des Jischuw und alle jüdischen fnsti- Iptionen im Lande. Bisher wurden von den deutsch-jüdisclien Einwajidr-rera 1500 in Landwirtscliaitszentren und etwa 2700 in städtischen Unternehmungen «nd in anderen Arbeitszentren Untergebracht. ' Der Jüdische Nationalfonds hat dem Komitee 2000 iDunam Boden zur Seßhaftmaelmng deutscher Juden im [Teta-itorium der Haifa-Bucht zur Verfügung gestellt. Auf diesem Boden werden Mischfarmen errichtet und Geflügelzucht betrieben werden. Das Komitee für städtische. Siedlung hat Darlehen von je) 5 bis 50 Pfund zu einem IZinssatz von 3 bis 4 Prozent, rückzahlbar in ein bin fünf JahTen, an solche gewahrt, die sich in den Städten niederlassen wollen. Die Gesamthöhe der Darlehen befcuft sich bis jetzt auf 850 Pfund. Für 3200 deutschj&dische Knaben, denem Unterhaltskosten zur Hälfte in Palästina bestritten werdan, wurden Visa beschafft. Konferenz der „Aguda" Warschau, 7. Jan. Heute wurde die vierte Konferenz des „Agudas Israel" eröffnet. Die Spannung, die seit längerer Zeit zwischen der Aguda-Partei und der Aguda- Jugend besteht, druckt dieser Koniferenz den Stempel auf. Der Kampf geht hauptsachlich um die Palastinafrage. Die Jugend, ebenso die Poale-Aguda (Aguda-Arbeiter) und ein Teil der altern Delegierten, fordern eine mehr ernste und veramt wort ungs volle P al äst ima- Arbeit. St*«nsi«>«aisicnfül*ve*> t>«fl»u(gl arm« <|ua«n um 100.000 Zloty Warschau, den 8. Jänner. Die vor kurzem bekannt gewordene Betrugsaffäre des ReviisionistenführeTS Seitschik nimmt immer skandalösere Formen an. Herr Seitschik, Mitglied der revisionistischen Parteileitung, leitete ein revisionistisches Reisebüro, das sich im Lokal der Revisionisten befand. Er pflegte nämlich gutgläubigen Provinzjuden, die ihn als Revisionistenbonzen kannten, zu erzählen, er könne ihnen gegen vorherige Einsendung des Reisegeldes Palästinavisa verschaffen und sie nach Palastina bringen. Sie schickten das Geld, aber Visa bekamen sie natürlich nicht. Letztens kam es so weit, daß das Lokal der Revisionisten, in dem Herr Seitschik sein „Reisebüro" hatte, von hunderten Juden, die ihr Geld zurückverlamigten, gestürmt wurde. Schließlich wurde die Strafanzeige erstattet und Herr Seitschik in Haft genommen. Die poiraeaichc Aiirf.orschuug ergab, daß der noble Führer an die WO.000 Zloty von armen Juden herausgelockt habe. Unter den Warschauer Juden herrscht eine ungeheure Empörung, man wartet gespannt auf die demnächst stattfindende öffentliche Verhandlung. Es verlautet, daß Herr Jabotinsky im Prozeß als Zeuge erscheinen werde.

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