Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1934)
- Date
- 1934-01-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sorte 2 Der jjjjiMlie Arbeiter 12. Jänner 1»34 ils schon zwei die nachher unsere iale waren: Oie g r und das Bewuß ibeim Leben des enl V er; Platz, den der jüdische Arbeiter m der zi an k tischen Realisierungsarbeit einnimmt umd einnehmen datier der clialuosche Charakter der paläsünensischeni ArMterbewequng, daher der ungeheure Schu ung un-' serer Hewcjun^, den andere Bewegungen ^nxohnhch' nicht besitzen. Vom ersten Augenblick an, als noch unsere Tätigkeit unansehnlich war, gingen w den Weg des weiten Horizontes; als wir noch schwach und wenige waren, sahen wii uns aK Pionier unserer Nation an, als Truppen, die dem Volk voranschreiten. Und noch bevor wir zur selbständiger Kol; arbeit reif waren, konnte man wesentliche Merkmale erkennen, Bewegung formten. Oiese Merkr meinsame Verantwor tu n sein unserer Pioniera u ig Volkes. Das Prinzip der ijememsa tung trat schon in den ersten Tatjen unserer Bewegung sichtbar hervor. Unsere Vereinsamung und Verwaistheit haben das Gefühl der gegenseitigen Verantwortung vertieft, haben zu gegenseitiger Hilfe geführt. Das war eigentlich mehr als bloß, gegenseitige Hilfe. Von .Anfang an steckte dann ein Korn OK ich heit, aus der das Strebeii zu Lebensumd WirtSc'i iftsi >i men resultiert, die auf Grand der K ooperation, gemeinsamen Veran t wort un Gleichheit und gesellschaftlicher Org nisation beruhen. Wir glaubten, daß die Arbeiterbewegung 2 großen Taten berufen ist. Wir spurten' den Atem großer Ideale und wir lernten es, eine Linie von den kleinen Taten des Alltags zu den unendlichen hernen des Ideals zu ziehen. Die Verknüpfung der Treue zur Klasse mit der zur Nation rettete uns in den schweren. Krisenzeiten, die wir durchmachten, als es schien, daß wir dem Untergang geweiht sind. Es gab viele Tage der Prüfung: Die Zeit des Krieges "und der darauffolgenden Austreibungen' aus Palästina, der Pogrom von 1921, die Krisen und die Arbeitslosigkeit von' 1923 und 1926 und schließlich die Augustereigmsse. Wären wir in jenen laqen nichl auf unserem Platz geblieben, während lausende verzweifelt davongelaufen sind, ist es sehr zweifelhaft, ob wir den gegenwärtigen Autschwung erlebt hatten. Diese Verbundenheit von Pioniertum und gemeinsamer Verantwortung, die permanent zum sozialen und nationalen Maxirnalfsrnus führte, schloß die Arbeitergesellschaft in Palästina fest zusammen und machte sie zu einem einheitlichen Ganzen, die „füstadruth Haowdim" (Jüdische Arbriter-Organisation Itt Palästina") heißt, In diesem Zusammenschluß hegt das Geheimnis unserer Bewegung, das Geheimnis unserer Kraft, unserer Energie. Und solange diese Verbindung andauert, wird uns kein „Brecher" und keine Krise besiegen kontiert. 8;nk«ai;«i.« Arl»*:i«f-e«| —Iret* 31**1*1* lebender Jflrüsche Kofottisation in Syrien Das syrische Tagblatt „AI Achwal" berichtet, da£ Verhandlungen in der Frage der judischen Kolonisation in Syrien gepflogen werden Die französische Mandatarmacht soll bereit sein, die Ansiedlung von 50.000 Juden zu erlauben, aber unter der Bedingung, daß jeder Einwanderer 200 Pfund mitbringe Ein bestätigtes Todesurteil Jerusalem Das höchste Gericht hat einstimmig das I10de.surte.il über die 2 Araber bestätigt, che hi Nahalal im Dezember 1932 den K Monisten Jakobi und seinen Qjähngen Sohn durch einen Bombenwurf getötet haben Die Ausforschung ergab, daß der Mord von einer arabischen Gruppe verübt wurde, die sich die Ermordung von Juden als Ziel setzte. Nach langen Verhairadfcinge: gemeinsame Arbeitsverl ftn An der Spitze des Büros n keiten bestehendes Exekuüv-Kon roff Rabb schapira und J \ rutli. Das Arbeitsburo wurd die und in allen off entheben Ungerath sichtigen Da&Buro besteht aus\i tionen: Histadruth, nusrachtstiscl; nehmer-Organisation. Handwerk»: reicher Arbeiterverband und Jen tanat des Büros besteht aus :< Vorsteher der Histadruth wurde ir nttlung Tel-Awsw das rei Personüchiitee: Bürgermeister DizenonowMsch von «er Histad- \1bc1t in der Bauindustrie Illingen verteilen und beaufrtretern folgender Örgamsa- ■r Arbeiterverband, Unter- ■erband, revisionisttsch-betapnitenverband. Das Sekrevi 1 Personen, deren einer «ii. Falls in Streitfällen das Exekutivkomitee zu keimcm Em?rln!J gelar 1 kanr wird die umstrittene Frage dem Pk fragen prinzipieller Natur emV! mission des Nationalrates (Waaci sind verpflichtet, jene Arbeiter ai Büro zugewiesen werden. Der M; dem Büro Maehtbefi gelegt In Streitidet dite Arbeitrage-Kotn- Leumi). Die Arbeitsgeber t zunehmen, die ihnen vom •Strat von Tel Awiw wird umen, damit es die Einhaltung seiner Bestimmungen erzwingen kann. Eine Subkomrmssion wird die Lohnhöhe und andere Arbeitsbedingungen beaufsichtigen und bestimmen. Die Schaffung dieses Büros bedenkt efee schwere Niederlage für die Revisionisten. Dk Revis&m&teB forderten nambch em sogenanntes „neutrales" Arbeitsbüso beim Tel Awiwer Magistrat, das Arbeit vermitteln soll, unabhängig davon, ob der Arbeitsnehmer organisiert ist oder nicht. Dadurch sollte der Anschein erweckt werden, daß es für den Arbeiter gleichgültig ist, ob er organisiert ist, oder nicht. Die Histadruth hingegen verlangte, daß das Büro aus Vorstehern von Arbeiterorganisationen zu bestehen habe, und daß die Unternehmer dem Büro ein Verzeichnis ihrer Arbeiter zur Verfugung stellen. Die DrejerkoimmjBsion, die vom Magistrat gewählt wurde, akzeptierte den Standpunkt des Histadruth. Die Revisionisten waren dagegen. Am 24. Dezember wurde im Tel Awiwer Magistrat eine lange und stürmische Debatte über den Charakter des Arbettstwos abgeführt. Schließlich wurden die Vorschlage des Histadruth gegen die Stimmen der Revisionisten, des Misrachi und eines Teiles der Allgemeinen angenommen, wiewohl die Histadruth im Tel Awiwer Magistrat «n der Minderheit ist. Massenaustreibung von Juden mis Afghanistan Aus ifenanistan sind alarmierende Ifeldungon eingelaufe», denen zu entnehmen ist, daß auss den afghanischen frren/^tadton Ifazar, Anhohi, Ihraniß u a m etwa zweitausend eingeboren« Jaden von den afghanisschen Behörden vertrieben wurden.. Die Vertriebenen wandern h die Wust© und befinden siclf m einer verzweifelten Lage. em Joint Foreign Committee weiter mitgeteilt ,uch die Lage von etwa 1600 m Afghanistan issischen Juden, die wahrend der Nachkriegsnach Afghanistan flohen, außerordentlich kritisch;;sen jetzt nach Rußland zu nickkehren. Die Jewish *\jgencv hat aus der letzten $chedule 40 Palästina- Zertifikate an russisch-jüdische FainilSein in Afghanistan! gesandt. Juden werden ausgebürgert Berlin: Das preußische InBWirniiBsrteriurn hat soein« Verordnung herausgegeben, aus der hervorgeht, daß die Ansburgerungsaiition der Regierung nicht allein alle s,eit Xovembcr 1918 in, DodtscMaad e*ngeburg«rtee, Ausland geboreaen Jud«b '— eingebürgerte Anslandoar, im deutschen Heere gedient haben, sind ausgenommen —, sondern auch sehr viele m Deutschland geborene Jud( (betreffen wird. Die erfc November 1918 neumngeburgerlen Juden, die (riuBSnehr ihre deutsche StaMslWrgerschaft verloren habend krerden zu dea „Staatenlosen' gezahfb und smd angehalten, sich m Zeit zu Zeit um ErnWierang des WoTmrechtes und der ArbeltserlaubniS an die zuständigen Behörden zu wenden, widrigenfalls sie eine httrte Bestrafung gewärtigen haben Hiervon sind auch viele in Deutschland geborene Juden betroffen'. Arabischer Demonstrationsstreik Ein arabischer Dmi'rjnsferionsstrdk wird für den' 16.K. . |W. angekündigt. Die arabische Presse agitiert für Hen bevorstehenden Streik Die englische Regierung hat aus Aegypten größere militärische Verstärkungen, angefordert. 14 Panizerautos und ein Bataillon Infanterie, die in Aegypten stationiert sind, -haben Befehl erhalten, nach1 Palästina abzumarschieren. Man befürchtet neue Unruhlew. Rjabbi Abraham Kalisker Hachscharah Ans einem von Tiberias aus um 1790 an seimv Freunde in Europa gerichteten Sendschreiben.'; > Dieses scheint mir geziemend derrerr zu antworten, die mich antragen, weil sie wünschen, im Heiligen Lande zu wohnen. Hierzu ist nötig zu ■wissen und bekannt /u sjeben. was den eigentlich1 das Land sei. Unsere I ehrer haben im Midrasch Schocher t )b 2« Psalm 85.2: ,,aTr demem Land hast du, Ciott, Ciefallen gesagt Gott ^-andelt es immer u-ieder um und um und rjetraafrtet es und nchtet seine Augen darauf, bis es seine Werke vor ihm wohlgetällig macht. Viele und viele Wandlungen», Fügungen, Ei- «-ad Schicksale gehen 'llber jeden eiii/claen. Hin, der ins Land kommt, bis er sich ihm einfügt, und er an seinen Steinen Freudte hat und seine» »ta-ub liebt und die Hubien des Landes Israel ihm ikber sind als em p.Uist im Ausland, und trockenes Brot mer ihm heber ist als alle Leckerbissen draußen Aber nicht m einem 'lag und nicht in zweien, ncht m oinern ,MvM.U and nicht in einem Jahte; 3ondern manch« Jalu geht hm, bis die Tage der Auftiahnre \orul>er bind, semer Aufnahme ms wahre Leben. Dann aber wohnt er in der Heimat, ständig vor Gott, wie es heißt: „ein jeglicher wird dort geboren", das heißt, ein jeder, der zum Heiligtum! kommen will, braucht eine neue Empfängnis und; j;lingsz!eit, Kindheit, Jugend usw , bis er unmittelbar das Antlitz 'des Landes schaut, und seine Seele der des Landes verbunden ist. Und so ist es: Wer herkommt und bringt seini Wissen mit, jeder, was er sich nach seine« Graden erworben, der fügt sich 'anfangs nicht ein, sem Sinn wird geradezu verwirrt, er wird umhergeworfen, ohne Ruhe und Sicherheit zu finden, steigt» himmelhoch auf, versinkt in Abgründe, wie ein Schiff, das auf dem Meere umriergeworfeni wird, und er schafft anderen Muhe durch seine Angelegenheiten und Handlungen. Und von seiner Lebenshaltung m Thora und Geboten gilt, was war, ist nicht'mehr, bis ihm Gott das Antlitz des Landes zeigt, dann kommt er zu Ruhe und Frieden Aber dies" ist eine Sache, die kein festes Maß hat: Länge der Zeit, wie, wieviel und wann, all das richtet sich bei einem jeden nach seinen Angelegenheiten und Taten und der Urwurzel seiner Seele. Und darum halte sich jeder, der ganz in das Heilige Land hineirtkommen will, dies alles vor Augen und prüfe sich, ob. er Kraft hat, all das zu bestehen> damit er nicht auch» was er bisher noch hatte, verliere ... (Abgedruckt im „Almanach des Schockea-Verlages auf das Jahr 5694"; 1933—34. Schocken-Verla* Berlin > Jugoslawien weist deutsch -jüdische llüdktlinge am Aus Belgrad In de ntetztön Tagen haben m Zagreb 21 deutsche Emigranten, ausschließlich. Juden, von de» Behörden die Aufforderung erhalten., m spätestens acht Tagen das Land zu verlassen Von delr Ausweisung sind erster Reihe polnischer Staatsbürger und solche, dio sogenannte „Fremdeinpasse" (Staaten! osepassej haben, hließlich deutsche Staatsburger, von denen die Behorden wiBsen, daß sie vollkommen mittellos dastehen, betroffen. Vom Pflastertreter zum Ackerbürger Aktuelle Bestrebungen zur Berufsumbifdung der Joden. Von Peter Thal heim. Der Wunsch, die stadtbewohnendt' Judenheit aufzulockern und in weiterem Ausmaße m handwerkliche und landwirtschaftliche Berufe zu überführen, ist zwar nicht n«u — seit Erstehen des rierzlsehett Znonusmiis gewinnt der Gedanke immer mehr Freuacte — aber .er ist in allerletzter Zeit m ein Stadium besonderen aktuellen Interesses getreten. Der Grund haefiir sind nicht zuletzt die Ereignisse in Deutschland und zweitens, was Oesterreich betriftt, dl« besonders in Wien steigende Not des jüdischen Stad/tproletariats. Beides Ursachen für eine Entgleisung vieler Existenzen aus der bisherigen gewohnten kaiufmannischen oder intellektuellen Berufsbahn. Es ist mogücb, dieses Uebel in Segen umzuwandeln, wenn wir es verstehen, dite von der materiellen Not Bedrängten aufzufangen und — so viele und so schnell wie irgend möglich — beruflich umzuschulen. Maßgebende Instanzen haben die ganze Weste des Problems umd di«1 Notwendigkeit einer raschen Losung erkannt. Unlängst hat in Wien eure Sitzung stattgefunden, am der Vertreter aller politischen Rifchtungen von der Union bis zu den Radikalen Ziomisten teönahme«. Der gute Wille ist vorhanden, Hand in Hand schnelle Artet zu leisten, und man wird ho*fentfach ba>M greifbare Früchte der bisherigen generellen Besprechungen sehen. Das Problem ist nacht auf Oesterreich beschrankt. Es hegt beute sozusagen m der Luft. In Frankreich erwacht der Siedlungsgedanke in den Kreißen der dortigen deutschen Emigranten. Aus New-York kommt die Nachricht, daß Hunderte von judischen Familien die vom Staate gebotene Siedlung«moglichkeit auf dem Lande auanutzen. Das sind — so traurig der äußere Anlaß sein mag — erfreuhche Zeichen. Der Jude verlaßt seine berufliche Einseitigkeit. Ob Palästina im Hintergrunde der Berechnungen steht, ob nur die Siedlung im Galuth in Frage kommt, in jedem Falle wird das eintreten, was gerade dem jüdischen Arbeiter bereits selhstverstandlich ist: Der Jude findet setaen — über geistige Arbeit vergessenen und vernachlässigten — Korper wieder! Aber nicht nur der Körper spielt bei dem Ümschulungs- und Regeneraifaonsprobkim eine Rolle. Auch Geist und Seele smd Faktoren in der Rechnung. Ueber der technischen Umschulung darf nicht die psychologische Umschaltung vergessen werden! Neben die manuelle Vorbereitung des Juden zum Handwerk und, zur Bodenbearbeftung gehört auch die Herstellung der seelischen Bereitschaft. Es ist notwendig, diese dem Palästinenser in spe längst gelaufige Forderung hier noch einmal zu wiederhole»; den» das Menschenmaterial, das jetzt umgeschult wenoto soll, wird vielfach nicht aus innerer Ueberzeugung getrieben, sondern primär aus materieller Not. Für sie ist — zunächst — die Umwandlung ihrer Existenz Jucht ein freudig bejahter Hochschwung, sondern une affaire taute de rfiieux. Deshalb müß mit besonderem Nachdruck vermerkt werden, daß die psychologische Situation und der psychologische Umwandlungsprozeß bei den Bestrebungen zur Berufsumschulung mitteleuropäischer Stadrjuden gebühr ende Berücksrchägttttg findet.