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Der Jüdische Arbeiter · 1934-01-12 · Heft 2 (12.1.1934) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
11 (1934)
Issue
Heft 2 (12.1.1934)
Date
1934-01-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V.b. b. DEB Ersekeint jedon Freitag JODISCHE ARBEITER Organ der Vereinigten zionisUsA-.sozialistisAen ar&etterorganisation Pente Zion - Hilaflöufh in Oesferreiin Hedaktion und Administration: Wien, II., Blumauergasse 1 — Postscheckkonto Nr. 17.878 Bezugspreis: ganzjährig S 12.—, halbjährig S 6.- 11. Jahrgang. 12. Jänner 1934 Nr. 2. usai & «•Uli! Nach Meldungen der paKsÖnanisischtein Zeltungen, hat die Palästina-Regierung' die) Touristenverfolgungen eingestellt. Der Palästitoa-Berichterstatter der „Vossischen Zeitung'' ■berichtet, der Kolonial-Minister Sir Cunlife lister werde demnächst eine Erklärung über die Ä^andernngSpolitik der englischen Regierung! abgeben. Eine gänzliche Drosselung; der Einwanderung, schreibt der Berichterstattier, ist nie in Frage; gekommen, der Kampf geht ausschließlich um die Größe der Einwanderung. Die Regierung beabsichtige, die Einwanderung derart zu „regulieren1", daß die fjUdert keine Mehrheit erlangen! sollen. Indessen1 dauert die Spannung a«. Die jüdische Bevölkerung! führt einen Kleinkrieg gegen! die Regierung. Wohl finden nioch ab und zu Arretierungen von Touristen statt, aber von regelrechten Verfolgungen, wie vor einiger Zeit, kann keine Rede mehr sein. e: 3- •las Ha tpfpirj >u Eim Mitarbeiter des Lemberger „Morgen" hatte kürzb'ch mit 4tem Mitglied der zionistischen Exekutive in London, dem Leiter der politischen Abteilung Prof. S. Brodetzky, ein Interview. Welches sind die wichtigsten Fragen der nistischen Bewegung in diesem Augenblick? fragte der Journalist. „Vor allem dieAlijah!" lautete die Antwort. „Man -mufr-«ber den richtigen Sinrn ct«*r Sa^He vergehen Es werden in der letzten Zeit übertriebene Nachrichten über die Lage in Palästina verbreitet. Man hat die Meinung hervorgerufen, als ob die englische Regierung die Einwanderung überhaupt eingestellt hätte. Das ist absolut nicht wahr. Sogar zur Zeit des arabischen Streiks sind Tausende von Einwanderern ins Land gekommen. Andererseits aber führen wir aber einen Kampf, um alle Möglichkeiten in Palästina für eine größere Einwanderung auszunützen, als sie sich die Regierung vorstellt. Wir müssen um ein zweites Prinzip kämpfen: man darf Palästina nicht aus dem Zusammenhang mit der Lage der Juden auf der ganzen Welt reißen. Für uns Zionisten ist Palästina das Land, das die jüdischen Probleme lösen muß. Für uns steht es fest, daß die Tatsachen bewiesen haben, daß Palästina in der Lage, ist, große jüdische Massen aufzunehmen, und daß jüdische Siedlungen auch in der Nähe Palästinas geschaffen werden können. Palästina muß die Antwort auf die verzweifelte Situation der Juden in Deutschland, Polen, Rumänien sein, wir müssen den Standpunkt bekämpfen, als ob die Palästinafrage anders betrachtet werden könnte, als unter dem Gesichtspunkt der Lage der Juden auf der ganzen1 Welt. Selbstverständlich muß. in Betracht gezogen werden;, wie groß die Kapazität des Landes ist, und wie schnell sie gesteigert werden kann. Wir können keine künstliche Begrenzung anerkennen, denn die jüdische Not schreit nach Palästina. Das falsche System „Uind wie steht es nun, Herr Professor, tatsächlich mit den Beschränkungen der Einwanderung nach Palästina?" In erster Reihe erhalten wir zu wenig Zertifikate. Wir bekommen weniger, als wir fordern dürfen. Wir leiden aber auch deshalb, weil man uns die bewilligten Zertifikate nicht auf einmal, sondern in „Monatsraten" gibt. Und wie steht es mit der Frage der illegalen Einwanderung? Ich glaube nicht, daß wir Grund zur Befürchtung haben, daß man viele Juden aus dem Lande ausweisen wird. tKeine Regierung darf es wagen, {ausende Menschen aus einem Land auszuweisen. Die englische Regierung weiß es sehr gut, daß sie nicht in der Lage sein wird, Tausende von Juden aus dem mionaleni Heim zu deportieren!. Wir bekämpfen diese Razzien! und Jagden in den Gassen Palästinas nach Kräften, um erstens diese schändlichen Erscheinungen zu beseitigen, zweitens aber, um die englische Regierung dahin zu beeinflussen, daß sie haben, ins Land hereinlasse. Ich glaube, daß wir afel Juden, die in Palästina eine Lebensmöglidikeit gejgemwärtig vor einer (großen' Entwicklung " Oopositio« darf nicht Sabotage sein! (Ein Gespräch mit Prof. Brodetzkv.) lästinas stehen, und daß in den nächsten Jahren sich der Jischuw sehr vergrößern wird. Aus tec mischen Gründen Warum wurde die Sitzung des Aktionskomitees auf März verschoben? Dies ist einfach aus technischen Gründen geschehen. Es werden gerade jetzt sehr wichtige Verhandlungen geführt und daher kann man keine Konferenz einberufen. Wir'nofreih!, daß die politische Lagq im März geklärt sein wird. Opposition darf nicht Sabotage seia Eine der größten Schwierigkeiten) des Palästinaaufbaues ist unsere Zersplitterung und der Streit in den zionistischen Reihen. Für unseren politischen Kampf müssen wir alle unsere Kräfte vereinigen1. Ich hoffe, daß die Opposition ihre Aufgabe doch nicht als Sabotage auffassen wird und wir doch gemeinsam an der Verwirklichung unseres Zieles arbeiten werden. Gerade in politischen Fragen sind unsere Meinungsverschiedenheiten nicht groß. Sonntag, den 14. Jannt Tonkino Friedensbrücke, 10 Uhr vormittags .X., Klosterneuburgerstr. Sondervorsteilung des Tonfilms Geben und Arbeit im jüdischen Palästina Variier: Dr. W". Schon Palästina, wie ich es sah (mit Lichtbildern.) Karten von 60 gr. bis 1.50 S II., Blumauergasse 1, XX., Karl-Meislstraße 5, XX., Kluckygasse 7 (Hechaluz). Restliche Karten an der Kasse. 1000 jüdische Familien aich Amerika ausgewandert Seit Beginn des Hitler-Regimes bis Ende 1933 si mehr als 1000 jüdische Familien aus Deutschland in Vereinigten Staaten eingewandert. Die amerikanischen Ki sulatc zeigen sich bei Gewährung von Visen sehr entgegenkommend. In der letzten, Zeit hat die Auswanderung naehge- Uagariicae Exzedenteii bestraft In zwei ungarischen Städten, im Zalegersek und Zalolewe, kam es zu schweren Ausschreitungen gegen Juden, die von den ungarischen Nationalsozialisten organisiert wurden. In vielen jüdischen Wohnungen wurden die Fensterscheiben eingeschlagen, viele Juden wundert mißhandelt. Zehn Exzedenten wurden arretiert und von einem Schnellgericht je einem Monat Arrest verurteilt. B. Katze nefsohn : Unser Schicksal - Untere Kraft Wem sollen wir Moral predigen, zu wem sprechen? Zu denen, die von1 Klassenhaß zerfressen werden? Die Atmosphäre des Hasses gegen uns, erstickt ihr nationales Gewissen und selbst eine darart fürchterliche Zeit, eine Epoche von derart grausamen' Entscheidungen, wie die gegenwärtige, wird sie nicht eines besseren belehren. Können wir noch etwas hinzufügen zu dem, was wir bereits in den 30 Jahren» nationaler Propaganda gesagt habem? Es ist nicht unsere Schuld, daß wir in der Atmosphäre der Feindschaft, in der man die Ohren verstopft, gegen jedes logische und sachliche Wort, das aus unserem Mündt' kommt, daß wir in dieser Atmosphäre den Glauben an den Wert der Aufklärung verloren haben, da wir einem Gegner gegenüber stellen, der unser Todfeind wurde? Wir werden uns bald gewöhnen müssen, jede Niederträchtigkeit und jeden Verrat, als etwas ganz natürliches hinzunehmen ... stelle dies für unfe salbst fest, damit win unsere Lage und unser Schicksal kennen; das Schicksal eines Arbeiters, der sich selbst und seiner nationalen Aufgabe .treu geblieben und dadurch jene großen 'leile der Gesellschaft zu seinen Feinden geinadn, ckren Macht*nur in ihineni Gelde iTesijehl, der Regierungsstütze und in der Möglichkeit, Federn, Zungen und Gewissen /u kaufen. Wir müssen dieses Schicksal erkennen und es überwinden. „Ueberwinden" heißt aber nicht von der Front zu desertieren, sich von der nationalen Aufgabe lossagen. Nicht darin liegt die Hoffnung auf den Sieg. Nicht darin die Erfüllung der nationalen Mission der Arbeiterklasse. Möglich, daß die stille Verzweiflung den Arbeiter uf den Weg der Zurückgezogenheit und der jielbstbeschränkung treibt und daß der Arbeiter von der allgemeinen Front fliehen wird. Möglich, daß: der Weg, auf dem der Arbeiterbewegung der Verlust ihres geistigen Gleichgewichtes droht, ihren erregten Gefühlen eine gewisse Entspannung bringen wird. Aber nicht auf diesem Wege wird der Arbeitersieg errungen werden. Im Gegenteil, es ist der Wunsch seiner Klassenfeinde, daß sich der Arbeiter auf diesen Weg begebe; sie wollen, daß die Arbeiterbewegung erbittert und machtlos,, in einen .Winkel gedrängt, Hoffnung aufgebe, Mehrheit und führerin des Volkes zu werden. Diese Frage steht nicht allein vor unserer Bewegung in Palästina. Es ist das größte Problem der sozialistischen Arbeiterbewegung in aller Welt. Nach ielen Jahren voller Siege, sind wir Zeugen schrecklicher Rückschläge; Positionen, die mit ungeheuren Anstrengungen und Aufopferung errungen wurden, gehen wieder verloren. Diese Niederlage ist nicht bloß ein Schlag für die Arbeiterklasse, sondern eine Weltkatastrophe. Es gibt keine andere Erklärung für das Geschehene, als die, daß der Arbeiter im entscheidenden Augenblick die Seele der Masse nicht gewinnen konnte. In diesem für die, gesamte Arbeiterbewegung traurigen Augenblick, kann unsere Bewegung, die jüngste Arbeiterbewegungen, mit einem" Gefühl der Befriedigung und einem Tropfen Stolzes unsere feste Position betrachten. Wir dürfen aber trotzdem keinen Illusionen nachlaufen. Wir müssen unsere spezifische .Wirklichkeit erkennen, die uns ermöglichte, von Eroberung zu Eroberung zu schreiten. Unser Volk ist groß und zerstreut, voll Kraft und ohne jeden Besitz, es besitzt weder Erde,, noch" Acbeit daher kann der jüdische Arbeiter nur auf dem Wege der nationalen Befreiung sozial befreit werden. Und da seine nationale Befreiung Boden und Arbeit für sein Volk voraussetzt, ist jede nationale Befreiung von der Entstehung und dem Wachstum einer jüdischen Arbdterbewegung bedingt, die sich der vollen Kraft ihrer Organisation1 und Geschlossenheit bedient, um Arbeitsflächen und menschliche Ex*- sterrcbtedingungeni zu erobern. Daher der eigenartige,

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