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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1933-08-01 · 3-4 (August 1933) · p. Seite 220

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
3 (1932-1933)
Issue
3-4 (August 1933)
Date
1933-08-01
Page
Seite 220 (sequence 82)
Language
German
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Herschieben endlich einen Ruheort angewiesen erhielten, wo sie, sage und schreibe, mit siebzig Hellern pro Kopf und Tag ihr Leben fristen sollten. Ist es da gar so sonderbar, wenn diese Menschen, die noch dazu aus einem Lande stammen, wo die Mystik alles Leben beherrscht, ganz gegen ihre religiöse Satzung — die jeden Aberglauben verpönt — in einer solchen Lage auf mystische Zeichen hoffen und an sie glauben? Wenn sie ihr Wünschen und Hoffen, ihr Bitten und Flehen auf Papier niederschreiben und aufs Grab legen? Es schien ihnen dies der einzige Rettungsanker, denn sie wußten nicht, ob sie jemals noch ihre Heimat, ihre Lieben wiedersehen würden. So sahen wir sie auch da auf dem Friedhofe in Tachau nach Zeichen und Wundern suchen, an diese hoffen und glauben, spintisieren und einander Spuckgeschichten erzählen. Die Sagen über Rabbi Nachum Sofer sind wohl schon alt, aber vertieft, verbreitet und ins Sensationelle ausgestaltet wurden sie erst im Weltkriege von den galizischen Flüchtlingen. Anmerkungen. 1 Jüdischer Buch- und Kunstverlag Brünn-Prag. 2 Diese überlieferte Erzählung wird jedenfalls manches Wahre enthalten, anzunehmen ist jedoch, daß der Volksmund den Tatsachen so manches hinweggenommen und manches hinzugegeben hat. 8 Vorbeter und Schächter der Kultusgemeinde Tachau. Die Schächter wurden Neemon „Beglaubigter" genannt; nach dem heutigen Wortsinne „Vertrauensmann,,, da dieses Amt ein besonderes Vertrauen erfordert. 4 Familientradition der Familie Adler in München, welche von Rabbi Emanuel Hirsch abstammt. 5 In der Erzählung „Der Schiur" von Josef Schön, erschienen im Brandeiskalender 1916/17, findet sich eine Anspielung auf die Schlacht in den Maurischen Seen, die da mit dem Verse Genesis 14/10 in Verbindung gebracht wird. Diese Idee ist eine Frucht dieser Sage. 6 Die Endbuchstaben der letzten 4 Zeilen der Grabinschrift ergeben die Jahreszahl 5675. 7 Der Endbuchstabe der letzten Zeile ist „H", woraus die fünf Kriegsjahre deduziert wurden. 8 Chaj chatzi zal, 18 halbe Kreuzer. Chaj, ein Homonym, wird stets statt der Zahl 18 angewendet, da dieses Wort „Leben" bedeutet. „Chaj chatzi zalr war früher das übliche Gelübde für eine Spende. 220

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