Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 218 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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worauf er verschwand. Sie war so erschrocken, daß sie kein Wort hervorbringen konnte, es befiel sie eine solche Furcht, daß sie davonlief. Der Mann ging mit der Frau neuerdings auf den Friedhof und betete und betete, es erschien jedoch niemand. Es war mittlerweile dunkel geworden, da gingen sie zum Flusse hinab, badeten daselbst und fuhren in derselben Nacht noch weg. Nach einigen Jahren kam der Mann wieder, verbrachte betend mehrere Stunden beim Grabe Rabbi Nachums und erzählte vor seiner Abreise, Rabbi Nachum sei seiner Frau erschienen und habe ihr verordnet, im Flusse zu baden. Seine Frau sei nun seit einem Jahre glückliche Mutter eines Knaben, und nun wallfahrte er hierher, am Grabe zu beten und zu danken, im Stillen hoffend daß ihm Rabbi Nachum erscheinen werde. Wie schon erwähnt, war dieses Grab schon seit Jahren eine Art Wallfahrtsort, wo gedrückte Seelen auch Andersgläubiger ihr schweres Herz erleichterten. Verschiedene Bittsteller fanden sich da ein. Da kam eine Frau mit der Klage, ihr Mann behandle sie schlecht, lasse sich oft zu Tätlichkeiten hinreißen, Rabbi Nachum möge doch ihrem Manne Güte verleihen, damit seine Rohheit schwände. Ein Mann kam wieder und erbat bessere Geschäfte, seit Monaten schon habe er nichts verdient. Ein Mütterlein erbat den Segen für ihr Kind, das nach Amerika ausgewandert war. Wieder eine andere erbat den Schutz des Rabbi Nachum vor ihren bösen Nachbarinnen, die sie wiederholt übel beleumundeten, einer anderen wieder wurden die Gänse gestohlen und sie erbat die Hilfe des Rabbi, daß sie die Diebe ausfindig machen könne, um zu ihren Gänsen zu kommen. Auch wenn die Frau die Schlüssel verlegt hatte, lief sie auf den Friedhof — der Weg hin und zurück dauert nur 15 Minuten — und bat nach dem üblichen Gebete: „Ach, Rabbi Nachum, lasse mich die Schlüssel finden, ich gebe 9 Kreuzer zu wohltätigen Zwecken: Chatzi chaj Zal.8 Auch Sprinzl hatte ihre Not dem Rabbi geklagt und das übliche Opfer versprochen. Im Begriffe, sich zu entfernen, bückte sie sich, um das übliche Steinchen auf das Grab zu legen. Als sie sich aufrichtete, vernahm sie ein Klirren und hatte das Empfinden, als ob 218