Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 209 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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Rabbinerjubiläum, ein Fest, das von Stadt und Kreis begangen wurde und Gelegenheit gab, die große Liebe und Wertschätzung zu erkennen, deren Gutmann Klemperer sich erfreut hat. Er wurde von seinem Freunde und Gönner, dem Kreishauptmann BradäC für eine a. h. Auszeichnung vorgeschlagen, deren Verleihung er nicht mehr erlebt hat. Am Morgen des 29. Jänner des Jahres 1884 durchlief die Stadt die Nachricht, daß Gutmann Klemperer nach kurzem Unwohlsein in der Nacht plötzlich verschieden sei. Die Bestürzung in der Gemeinde, die Trauer in Stadt und Kreis war allgemein und aufrichtig. Bei der Leichenfeier im Tempel erschien neben allen offiziellen Persönlichkeit die gesamte katholische Geistlichkeit mit dem Stadtdechanten P. Landkammer an der Spitze und begleitete den Leichenzug, an welchem sich Deputationen sämtlicher Gemeinden des Kreises beteiligten, durch die Straßen, in denen die Laternen angezündet und umflort waren. Heute, fast 50 Jahre nach seinem Tode, mögen diese in pietätvoller Erinnerung geschriebenen Zeilen seinem Andenken gewidmet sein. b"T\ Eine Eheschließung vor 80 Jahren. Von Prof. Dr. Alfred Grotte, Breslau. Wohl in jedem jüdischen Hause werden alte, vergilbte Urkunden sorgfältig verwahrt: Schutzbriefe, Lehrzeugnisse, Ehekontrakte, Erbscheine und dergl. in verschlossenen Schreibtischladen, Kisten auf dem Boden, Bücherschränken fristen sie ein unbekanntes Dasein, wenn sie nicht schon früher anläßlich Umzügen, Großreinemachen usw. dem Verbrennen oder Einstampfen zum Opfer gefallen sind. Unersetzliche Dokumente von vielfach historischem, kulturellem, mindestens aber familiengeschichtlichen Werte sind so für die der Nachwelt in Verlust geraten jener Nachwelt einer materialistischen Zeit, die über dem Heute und Morgen an das Gestern nicht denkt, vielfach nicht denken will. Dennoch liegt im Retrospektiven gerade bei uns Juden ein für unsere Jugend hoher erzieherischer Wert, denn diese Dokumente erzählen uns in eindringlicher Sprache von den Nöten der Altvorderen; sie werden für jeden, der 209