Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 208 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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zialrat Karl Klemperer in Wien, derzeit 2. Vorsitzender der Großloge B'nai B'rith für Österreich und Vorsitzender des von seinem Bruder gegründeten Arbeitsnachweises. Einer seiner Enkel ist der Primararzt am Mittelstandssanatorium Sanops Dr. Karel Klein in Prag, ferner der gewesene Sanitätsreferent des Prager Stadtrates Dr. Max Popper, alle anderen Enkel bewähren sich in den gewählten Berufen als ehrsame und strebende Männer. Der Vollständigkeit halber sei noch hervorgehoben, daß Gutmann Klemperer sich auch in der christlichen Bevölkerung der Stadt Tabor der allergrößten Wertschätzung und Hochachtung erfreute. Bekannt waren seine fast täglichen Spaziergänge in den Anlagen der Stadt mit dem damals in Tabor wirkenden Kreishauptmann Bradäö, dem städtischen Dechant P. Landkammer, wobei dem kleinen Rabbiner als dem Ältesten immer der Vortritt gewährt wurde. Innige Freundschaft verband ihn mit dem unvergeßlichen Direktor des Staatsrealgymnasiums in Tabor, Vaclav Knzek, der ihm, als im Jahre 1882 unvorhergesehen ein Erlaß des Unterrichtsministeriums herablangte, es sei der jüdische Religionsunterricht in der böhmischen Sprache, weiche Klemperer nur ganz unvollkommen beherrschte, zu erteilen, mit Rat und Tat behilflich war, um die ersten großen Schwierigkeiten zu überwinden. Dieses freundschaftliche Verhältnis zwischen dem Rabbiner und den geistigen und weltlichen Spitzen der Bevölkerung machen es erklärlich, daß zu Lebzeiten Gutmann Klemperers, trotzdem er sich nur der deutschen Sprache bedienen konnte, keinerlei Zeichen offener Feindseligkeit gegen die Juden im Ort sich bemerkbar machten. Sein friedfertiges, verständiges Wesen, sein allgemein humanes Wirken, ließen offenen Haß nicht aufkommen. Als einmal in den 70er Jahren der Grundstein des ersten Gebäudes des neuen Stadtteiles beim Bahnhof gelegt und geweiht wurde, hielt der Festredner, der damalige Pfarrer des naheliegenden Ortes Klokoty, P. Nepil, eine Weiherede, in welcher er bösartige Ausfälle gegen die Juden und das Judentum machte. Gutmann Klemperer reagierte sofort auf diese Angriffe in einem im amtlichen „Prager Abendblatt" veröffentlichten offenen Brief, der durch die würdige Form und den gedanklichen Inhalt sich auszeichnete und die offene Billigung selbst des Stadtdechanten P. Landkammers gefunden hat. Im Oktober des J. 1883 feierte die Gemeinde sein 40jähriges 208