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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1933-08-01 · 3-4 (August 1933) · p. Seite 205

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
3 (1932-1933)
Issue
3-4 (August 1933)
Date
1933-08-01
Page
Seite 205 (sequence 67)
Language
German
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Gutmann klemperers höchstes Ziel im religiösen Gemeindeleben war die Schaffung eines geregelten und würdigen Gottesdienstes. Er führte Reformen ein, die für viele Gemeinden mustergültig wurden; er war einer der ersten, wenn nicht der erste in Böhmen, der einen regelrechten gemischten Chorgesang mit Harmoniumbegleitung einführte. Er wurde deshalb vielfach angefeindet, aber in einem Gutachten, das leider in Verlust geraten ist, verstand er es, durch die Füile seines theologischen Wissens die Neuerung zu rechtfertigen. An diesem seinen Wissen, an seinem würdevollen Auftreten und seinem makellosen Charakter scheiterten die Widerstände und niemand wagte es, auch nicht die religiösen Gegner, an der Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit seines Wirkens zu zweifeln. Er schuf Reformen im Gottesdienst, die heute allgemein üblich sind, zu der Zeit jedoch, als er sie einführte, als Wagnis galten. So z. B. hat er schon in den sechziger Jahren den Priestersegen an den Festtagen abgeschafft, da er als entehrend ansah, wenn Personen, die wohl Kohanim waren, aber in ihrem Privatleben alles eher als ein priesterliches Leben führten, an den hohen Feiertagen den Segen Gottes für die Gemeinde erflehten. Die Vorlesung der Haftarah durch den Rabbiner, das Ein- und Ausheben der Thora mit deutschen Gebeten, heute selbstverständlich, wurden in Böhmen durch die Berufung auf die rabbinische Autorität von Gutmann Klemperer überall, wo auf geregelten Gottesdienst Gewicht gelegt wurde, eingeführt, und die Kultusgemeinde in Tabor war in dieser Beziehung als mustergiltige Kultusgemeinde geschätzt und gewertet, wobei der damaligen Vorsteher der Gemeinde, Alois Mendel und Philipp Gutmann sei. A., der treuen Helfer der Bestrebungen ihres geistlichen Führers, ehrend gedacht werden soll. Daß einer Persönlichkeit von der Art Gutmann Klemperers die rein seelsorgerische Tätigkeit nicht genügen konnte, ist wohl selbstverständlich. Trotzdem er, wie er wehmutsvoll in der Vorrede einer seiner Arbeiten bemerkt, in einer kleinen Stadt, außerhalb jeder Verbindung mit gleichartigen und gleichstrebenden Personen stand, fern von Bibliotheken und Anstalten, publizierte er doch zahlreiche Arbeiten, die von seiner großen Gelehrsamkeit, seinem scharfen Geist und seiner meisterlichen Darstelliingsweise volles Zeugnis abgeben. Er sprach und schrieb ein Goethesches Deutsch und seit dem Jahre 1861 bis zum Jahre 1884 erschienen alljährlich 205

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