Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 204 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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mudist den Amtsantritt des großen Gelehrten durch ein Gedicht in deutscher Sprache begrüßt hat. Im Hause seines Lehrers Elias Bunzelfedern fand er auch seine Löbensgefährtin, die schöne Tochter des Hauses Julie, die er nach dem frühzeitigen Tode ihres Vaters, der 44 Jahre alt, im Jahre 1843 verstarb, im Jahre 1845 als Gattin heimführte. Um dies zu ermöglichen, nahm er im Jahre 1843 eine Predigerstelle in der Kultusgemeinde in Tabor mit einem Jahresgehalte von 100 Gulden an, die im Jahre 1845 zur Lokalrabbinerstelle umgewandelt wurde. Als Rabbiner von Tabor wirkte Gutmann Klemperer bis zu seinem Tode. Im Jahre 1868 wurde er. an Stelle des in Kalladei wohnenden Kreisrabbiners Rabbi Joachim Mahler zum Kreisrabbiner des Taborer Kreises gewählt; diese Stelle bekleidete er ebenfalls bis zu seinem Tode. Gutmann Klemperer gewann bald nach seinem Amtsantritt einen großen Ruf als Kanzelredner. Seine klassische Vorbildung — er las fließend Latein bis ins späte Lebensalter, war ein vorzüglicher Mathematiker und besaß eine damals noch seltene Belesenheit in der deutschen Literatur — seine dichterische Begabung, sein oratorisches Talent, verbunden mit einem großen rabbinischen Wissen, machte ihn bald in naher und weiter Umgebung bekannt. Er wurde oft bei den verschiedensten Gelegenheiten, zu Tempeleinweihungen, Friedhofsanlagen usw. berufen und a]le, die Gelegenheit hatten, seinen Predigten zu lauschen, erzählten noch lange nach seinem Ableben mit Bewunderung von seinen Reden*. Als Rabbiner war sein höchstes Ziel, Frieden in seiner Gemeinde zu bewahren. Von der Kanzel, in den Lehrstuben und in Privatgesprächen warnte er seine Gemeinde stets vor Zwistigkeiten und suchte allfällige Meinungsverschiedenheiten gleich im Keime zu erstikken: Er war das alle einigende Element seiner Gemeinde. Der Unterricht der jüdischen Schüler auf allen Gebieten wurde von ihm gepflegt und gefördert. Die in Tabor bestehende jüdische Privatvolksschule genoß einen weit verbreiteten Ruf. Die Zöglinge dieser Schule wurden infolge ihrer trefflichen Vorbildung gewöhnlich die besten Gymnasialschüler und haben auch später in den verschiedensten Berufen einen ehrenden Platz sich zu erwerben verstanden, dabei aber auch einen Schatz religiöser Erkenntnis ins Leben mitgenommen, für den sie ihrem Religionslehrer und Jugendfreunde in Liebe und Wertschätzung stets dankbar blieben. 204