Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 203 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Lebenslauf eines böhmischen Landrabbiners im 19. Jahrhundert. Gutmann Klemperer, ehem. Kreisrabbiner in Tabor. Von Dr. Leo Klemperer, Karlsbad. Als einziges Kind des als fromm und rechtschaffen bekannten Schammes an der Zigeunersynagoge in Prag, Juda Leib Klemperer - der Name „Klemperer" stammt vom Worte „Klopper", d. i. Schulklopfer - wurde Qutmann, recte Gumpel Klemperer schon als Kind dem Talmud und dem Bibelstudium zugeführt, worüber er in den Erinnerungen „Aus meiner frühesten Jugend"1 ausführlich und interessant berichtet.2 Mütterlicherseits stammt Gutmann Klemperer aus der Familie des berühmten Gelehrten Lippmann-Heller, dem Verfasser des berühmten „Tossafath Jomtow". Nach erfolgter Barmizwa wollte er das Gymnasium besuchen. Dem Einspruch seines Onkels Amschel jedoch Folge leistend, ging er an die Jeschiwah des berühmten Rabbi Moses Schreiber (Mosche Sofer) nach Preßburg, wo er 2 Jahre verblieb. Seinem Bildungsdrange folgend, absolvierte er nach seiner Rückkehr nach Prag die Gymnasialstudien am Piaristengymnasium, hörte auch Vorlesungen an der philosophischen Fakultät, widmete sich aber gleichzeitig eifrigst den Studien zu seinem künftigen rabbinischen Berufe. Zu seinen bedeutendsten Lehrern der rabbinischen Wissenschaften gehörte an erster Stelle der als Gelehrter sehr geschätzte und berühmte Lehrer Rabbi Elias Bunzlfedern, dessen Jeschiwah von zahlreichen Talmudjüngern gesucht war. Dort wurde er dann dem Oberrabbiner David Rapaport zugeführt, dessen Lieblingschüler ei bald wurde. Von Interesse ist es, anzuführen, daß der junge Tal- *) Geboren in Prag, 22. 8. 1815, gestorben in Tabor, 28. 1. 1884. 2 Pascheies, Kalender 1870. 1 Der Schammes hatte im Ghetto die Pflicht, den Beginn des Gottesdienstes durch Ausruf bekanntzugeben. Weinn, namentlich in den Bußtagen, der Gottesdienst in den frühesten Morgenstunden seinen Anfang nahm, mußte er von Haus zu Haus gehen und durch Klopfen mit einem Holzhammer auf die Haustore die Gemeindemitglieder auf den Beginn des Gottesdienstes aufmerksam machen. Daher der Name „Schulklopfer". 203