Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 197 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Im Alter von 70 Jahren starb am 3. Jänner 1889 Alois Schneider und seine Gattin Julie, geb. Stein, folgte ihm am 3. Juli 1891 in den Tod. Sie fand rieben dem Grabe ihres Gatten ihre letzte Ruhestätte, welche sie im Mai 1890 durch Erlag von 30 Gulden sich gesichert hatte. Aus ihrer Ehe waren 8 Kinder hervorgegangen, darunter drei Söhne: Dr. Philipp Schneider, Advokat in Budweis, Dr. Leopold Schneider, praktischer Arzt in Aussig, beide schon verstorben, und Dawid Schneider, Großkaufmann in Kaaden. Am 1. Oktober 1885 war für den Religionslehrer Veit Böhm, der seine'Stelle gekündigt hatte, Jakob Hartmänn aus Muttersdorf unter 17 Bewerbern zum Religionslehrer mit 300 Gulden Gehalt, 170 Gulden für rituelles Schlachten nebst kleineren Nebengebühren und freier Wohnung bestellt worden. In den beiden Schuljahren 1884/5 und 1885/6 erteilte der Rabbiner Josef Weis in Eidlitz aushilfsweise gegen eine Entschädigung von 15 Gulden jährlich privaten Religionsunterricht am Kaadner Obergymnasium. Vom Schuljahre 1886/7 an wurde Jakob Härtmann vom Ministerium für Kultus und Unterricht mit dem öffentlichen Religionsunterricht betraut und versah ihn bis zu seinem Tode. Auch seine beiden Nachfolger, die Rabbiner Abeles und Schulhof, erhielten diese Betrauung mit einer Remuneration von 200 Gulden jährlich, während vom Schuljahr 1894/5 an diese Betrauung nicht mehr erfolgte und der mosaische Unterricht am Gymnasium vom jeweiligen Rabbiner privatim gegeben wurde. Am 22. 7. 1890 verschied plötzlich an Herzschlag der Religionslehrer Jakob Hartmann. Sein Begräbnis, das am 25. 7. stattfand, war eine den Verstorbenen hoch ehrende Trauerkundgebung, da Vertreter aller staatlichen und politischen Ämter, der katholischen Geistlichkeit, aller Schulanstalten und sonst eine große Menschenmenge dem Sarge folgte, dem Rabbiner Josef Weis aus Eidlitz voranschritt. Aus der allgemeinen großen Beteiligung konnte die Judenschaft ersehen, welche Wandlung in der Gesinnung der Kaadner innerhalb der verflossenen zwanzig Jahre sich vollzogen hatte. Zum Nachfolger Hartmanns wurde Rabbiner Josef Abeles in Wolin am 14. August 1890 gewählt; die Dauer seiner Wirksamkeit in Kaaden erreichte jedoch nicht einmal die Jahresfrist, denn als eine von ihm begehrte Aufbesserung seiner Bezüge — er genoß die gleichen wie 197