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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1933-08-01 · 3-4 (August 1933) · p. Seite 193

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
3 (1932-1933)
Issue
3-4 (August 1933)
Date
1933-08-01
Page
Seite 193 (sequence 55)
Language
German
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nehmen in Stiche ließ. Einmal lockten acht halbwüchsige Burschen den Mautpächter gegen Abend aus seiner Behausung, fesselten ihn an Händen und Füßen und hätten ihn in den Fluß geworfen, wenn nicht besonnene Leute dazwischen gekommen wären. Die Obeltäter wurden wegen öffentlicher Gewalttätigkeit mit dem Erkenntnis des Oberlandesgerichts in Prag vom 16. April 1861 zu fünf wöchentlichen Kerker verurteilt. Wie tief eingewurzelt die Überzeugung war, daß Kaaden judenrein bleiben müsse, beweist auch, daß, als um diese Zeit die Schuhmacher, damals die stärkste Handwerkergilde in Kaaden, eines Sonntags nachmittags im „Goldenen Hirschen" eine Zusammenkunft hatten, sie nach dem Schluß der Versammlung alle, Meister, Gesellen und Lehrlinge, hinab zum Mauthause zogen und lärmend den Abzug des Juden begehrten, der nur dem Schutz der Polizei verdankte, daß ihm nicht das Schlimmste widerfuhr. Es schien wahrhaftig, als ob der Wunsch des Kaadner Magistrats, den er in einer Eingabe an das Saazer Kreisamt vom 18. Dezember 1720 aussprach, in Erfüllung gehen sollte, es möchten nämlich sich die Juden für jetzt und zu ewigen Zeiten in dieser Stadt keines sanften Schlafes mehr getrösten. Welch ein Mut gehörte unter solchen Umständen und nach so schlimmen Erfahrungen dazu, neuerdings den Entschluß, einer dauernden Ansiedlung in Kaaden zu fassen! Diesen Mut hatte im Jahre 1870 ein fünfzigjähriger Geschäftsmann mit Namen Alois Schneider, aus der altehrwürdigen Judengemeinde Weitentrebetitsch stammend, der mit zielsicherem Blick die rechten Wege zu finden wußte, um allen Gegnerschaften zutrotz hier Fuß zu fassen. Ob er auch wie die Mautpächter verspottet und beschimpft wurde, ob man ihm auch die Fenster einschlug und sein Haus besudelte, ob er es auch nicht wagen durfte, zur Nachtzeit sein Heim zu verlassen, er harrte mit bewundernswerter Kraft des Duldens aus im Bewußtsein, daß es ihm gelingen werde, den Widerstand der Bevölkerung zu brechen und ihren Widerwillen in Duldsamkeit, ja in Achtung zu verwandeln. Das Zaubermittel hiefür war seine Gelassenheit und scheinbare Gleichgültigkeit gegen die erlittenen Unbilden, die es dem Pöbel verleidete, Roheiten gegen einen zu verüben, an dem sie wirkungslos abprallten, vor allem aber seine strenge Rechtlichkeit im Leben und Geschäft, sein tadelloser Wandel und seine freundna';h- 193

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