Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 192 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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der Heimat zuwandte, konnte es da anders sein, als daß jene althergebrachte feindselige Einstellung gegen die Juden sich aufrecht eihielt und namentlich die Kinder in jedem Juden etwas Gefährliches, des Äbscheus Würdiges erblickten und dies umsomehr, je seltener ihnen ein Jude zu Gesicht kam? Wenn sie einen sahen, blickten sie ihm wie etwas Bösem nach und waren in ihrer Naivheit auf sein Verhalten gespannt, wenn er an einem Kruzifix oder an einem Heiligenbilde vorbeikam. Wenn Knaben neben einander die kleine Notdurft verrichteten, ließen sie gerne die Strahlen sich kreuzen und sagten dabei: „Jetzt stirbt ein Jud". Die Großen waren stolz, daß ein Kaiser durch seinen Gnadenbrief ihre Stadt von den Juden befreite, und als schon längst die neue Zeit, das Jahr 48, jedes Sonderrecht vernichtet hatte, pochten sie noch auf ihr Judenprivileg und verschafften ihm Geltung, weil sie in jedem Juden einen Schädling ihrer Wohlfahrt sahen. Während einsichtige Kaadner bereits erkannten, daß das raschere Aufblühen der Nachbarstädte Saaz und Komotau zu einem Teile der Belebung des Handels und Geschäftsverkehrs durch eingewanderte jüdische Kaufleute zu verdanken war, fürchteten hier die meisten noch den jüdischen Wettbewerb, dem zur Förderung des eigenen Aufschwungs es gleichzutun, sie nicht den Mut und die Kraft fanden. So wurde gegen Recht und Gesetz mit Gewalt jeder Versuch eines Juden, in Kaaden sich seßhaft zu machen, unterdrückt. Zu solchen Versuchen bot wiederum vor allem die Gefällspachtung, diesmal des Egerbrücken-Mautgefälls, Gelegenheit. Aber jedem Pächter wurde der Aufenthalt in Kürze verleidet; man verhöhnte und beschimpfte ihn, wo er sich zeigte, beschmierte das Haus, in dem er wohnte, mit Kot und Blut und warf ihm immer wieder die Fenster ein. Der Schutz der Behörde reichte nicht aus, den Aufenthalt erträglich zu machen; wiederholt wurden die Täter, wenn man sie feststellen konnte, gerichtlich bestraft, dennoch brach der Judenhaß von neuem hervor und vertrieb, die gewagt hatten, es mit Kaaden trotz allem zu versuchen. Es kam vor, daß ein Pachtlustiger, wenn der Tag seiner Einreise bekannt geworden war und der Pöbel sicfj zu seinem Empfange mit Stangen und Stöcken bei der Egerbrücke versammelt hatte, beim Anblick dieser drohenden Menge und durch die Rufe: „In die Eg$r mit ihm!" erschreckt, auf dem Brückenberge umkehrte und das Pachtunter- 192