Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 191 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Geschichte der Juden in Kaaden. Von Schulrat Josef Hof mann, Kaaden. (V. Fortsetzung.) Diese Urkunden über jüdische Angelegenheiten aus dem Jahre 1798 sind die jüngsten, die das Stadtarchiv noch verwahrt, über die spätere Zeit, das 19. Jahrhundert, schweigt es. Es kann aber mit Bestimmtheit angenommen werden, daß bezüglich der Juden in Kaaden alles blieb, wie es war, daß höchstens der jüdische Tabakverleger früher oder später durch einen Christen ersetzt wurde. An ein Einwurzeln und Gedeihen einer jüdischen Niederlassung war nicht zu denken. Die Bevölkerung in ihrer überwältigenden Mehrheit war von einem judenfeindlichen Geiste beseelt, der ihr schon in den Kinder jähren durch das Elternhaus und die Schule eingeflößt wurde. Es wuchs kein Kaadner Kind heran, ohne daß ihm die Geschichte des einst von dem Juden Noe ermordeten Christenkindes, des Matthesl, daheim von den Eltern und vom Lehrer in der Schule immer wieder wäre erzählt worden. Es war dies ja die große Geschichte aus der Kaadner Vergangenheit, die wie kein anderes Ereignis lebendig vor der Seele des Volkes stand und dessen Andenken nicht erlöschen durfte. In der Dekanalkirche hing das Ölbild mit der Darstellung der Mordtat; jedermann konnte hier die Nische mit dem kunstvollen Eisengitter beim Hochaltar, in der das beigesetzte Körperlein des Kindes 1811 beim großen Stadtbrande ein Raub der Flammen wurde, im Franziskanerkloster wurde sein grobes Röcklein gezeigt bei einer feierlichen Schlußprüfung ergingen sich Schulkinder in schwungvollem, vom Katecheten verfaßtem Zwiegespräch über die Unschuld des Christenknaben und die Schlechtigkeit des mordenden Juden und d^r Leiter einer Schauspielertruppe dramatisierte neben anderen heimischen, Sagenstoffen auch die Mattheslgeschichte in so geschickter Weise, daß die Aufführungen unter großem Zulauf des öfteren wiederholt werden mußten; kurz, in jener gemächlich ruhigen Zeit, wo der Sinn der Menschen sich weit mehr als heute liebevoll vergangenen Dingen 191