Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 187 (sequence 49)
- Language
- German
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genuß und die Wohnung in diesem „alt marchfuettrerhoff' innehatten. Daß zu dieser Zeit auf diesen und den benachbarten Gründen mannigfache Veränderungen vorgenommen wurden, ersehen wir daraus, daß das von Ulrich von Wallsee im Jahre 1313 gegründete Dominikanerinnenkloster, um die Verteidigung der Stadt gegen Ende des 15. Jahrhunderts besser zu ermöglichen, abgetragen worden ist; vgl. Luschin bei Popelka, Graz 1 523, s. N. 15. Aber auch schon früher wurden am Kloster bauliche Veränderungen vorgenommen, indem das Frauenkloster vermauert worden ist. Vgl. Popelka, Blätter für Heimatkunde, a. a. O., S. 62. Wenn nun Popelka, Graz I 248 der Ansicht ist, das Wort „alt" bedeutet hier nicht „ehemalig", weil in einer Eingabe der Marchfutterer Mathias Patriarch im Jahre 1538 darüber sich beschwert, daß die Erben Wengers die Wohnung im Hofe nicht räumen wollen, was zu Beschwerlichkeiten führen müsse, weil er die Leibpferde des Königs persönlich beaufsichtigen müsse und auch die Bauern schon an den Ort gewöhnt seien, wenn sie mit dem Marchfutterer wegen der Marchfutterabgabe verhandeln müssen, so ist dies unrichtig. Denn in Wirklichkeit stand die Sache so. Dem jeweiligen Marchfutterer wurde eine Wohnung zugewiesen. Diese aber wird ganz gewiß nicht in diesem Gebäude, später im neuen Marchfutterhause untergebracht gewesen sein, weil ja dieses schon Ämter und Wohnungen genug beherbergte, sondern im alten Gebäude, wo die Stallungen für die Leibpferde des Königs noch weiter belassen wurden. Weil nun die Wengers diese vielleicht schöne Wohnung nicht räumen wollten, klagte der Patriarch. Vielleicht blieb sogar das Marchfutteramt noch weiter in der Burggasse, was aber nicht einschließt, daß dort auch die Ablagestelle des Marchfutters gewesen sei und darauf weist auch die Darlegung hin, daß die Bauern noch immer im alten Hause mit dem Marchfutterer wegen der Abgabe verhandeln. Aus dieser ursprünglichen Nichtauseinanderhaltung der beiden Marchfutterstellen ist der Irrtum bei Popelka, Untersuchungen usw., S. 205, Anm. 6 entstanden. Allerdings hat dann Popelka, Graz I 247 den Sachverhalt richtiggestellt, indem er das alte Marchfutterhaus richtigerweise in den Teil des landesfürstlichen Besitzes verlegt, der südöstlich vom Dietrichsteinischen Palast (Burggasse 9) bis zur Grillbühelbastei reichte, also bis dorthin, wo heute das Kammergebäude steht. Der Rindscheidische Besitz lag also vor der Ringmauer, also etwa auf dem Platze des Opernringes, der sich vor dem Hause Burgring 17 hindehnt. Daß diese topographische Bestimmung des Rindscheidischen Besitzes nicht ohne Wichtigkeit auch für die Erklärung auch des Gottesplagenbildes ist, werden wir weiter unten in der Abhandlung „Wo lag der alte jüdische Friedhof in Graz" noch näher darlegen. — Bemerkt sei hier noch, daß Kaiser Friedrich im Jahre 1468 von den vier Brüdern Saurau ebenfalls ein Haus kauft, vgl. Muchar, Geschichte des Herzogtums Steiermark, Gratz 1874, V1H. 51. — 38 Darum auch die Änderung des Namens, der etwa zwischen 1457—1478 erfolgte, vgl. Popelka, Untersuchungen z. ältesten Geschichte, S. 181 u. Graz 1, S. 211 und 547. 39 Vgl. Popelka, Graz, 1 212, 216. 40 Man hat dies nebst anderen Belegen auch aus 187