Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 180 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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sen wir vorläufig nichts — noch durchaus nicht zu der Annahme berechtigt, die Juden hätten zu einer gewissen Zeit die Mehrzahl der Häuser in der Bürgerstraße besessen, zumal man ja den Flächenraum eines Hauses in der damaligen Zeit sich durchaus nicht so groß, wie etwa in der späteren Zeit vorstellen darf, und viel mehr Häuser, als in den späteren Jahren dort gestanden haben dürften.54 Auch erschein mir bei dieser Annahme Popelkas noch etwas sehr bedenklich. Wenn nämlich tatsächlich diese Häuser ursprünglich im adeligen Besitze gewesen wären, dann würde man sie gewiß auch später, auch wenn eine Zeitlang Juden diese Häuser besessen und darin gewohnt hätten, nach ihren Erbauern oder langjährigen Besitzern, nicht aber nach den diese Häuser ja nur für kurze Zeit besitzenden Juden benannt haben. Wir wissen ja übrigens auch aus anderen Urkunden, daß die Juden ihren außerhalb des Judenviertels erworbenen Hausbesitz, wie auch andere Güter, niemals lange im Besitz behalten haben, sondern sie zu veräußern suchten, um mobiles Kapital wieder in Hände zu bekommen, das gewiß besser als Häuser, Äcker und Weinberge sich verzinste, ohne daß aber darum diese Besitze nach den jeweiligen Besitzern benannt worden wären.55 Diese Annahme von Popelka ist darum meiner Ansicht nach entschieden abzulehnen. Ich glaube vielmehr den Tatbestand so zu erklären. Die größte und vielleicht auch wohlhabendste jüdische Bevölkerung dürfte Graz — das können wir aus den Urkunden ermitteln — außer der Zeit von 1460 bis 1497, in den Jahren von 1370 bis 1412, bis zur Einengung des Handels unter Ernst, besessen haben.56 Da mochte das Judenviertel nicht mehr ganz ausgereicht haben und so dürfte jener Zwickel, der von der Mesnergasse bis zu dem Teile in der Herrengasse, der gegenüber der Jungferngasse liegt, also etwa der die Häuser Herrengasse 19 und Mesnergasse 1 umfaßt, der aber außerhalb des Judenviertels lag, von einigen Juden bewohnt worden sein.57 Daß sie aber noch andere Häuser im 14. Jahrhundert in der Bürgerstraße besessen hätten, davon kann keine Rede sein. Im Übrigen dürfte der Adel erst im 15. Jahrhundert in größerer Anzahl die Bürgerstraße besiedelt haben, worauf ja auch der erst im 15. Jahrhundert entstandene Namen „Herrengasse" hinweist, der den Namen „Bürgerstraße" abgelöst hat.58 Hier im östlichen Teile der Bürgerstraße dürfte auch die in 180