Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 179 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Sehnsucht nach Wissen und Bildung, Hoffnung auf erfolgreichere Betätigung im Erwerb und Handel, in dem für den Handel viel günstiger gelegenen Marburg, nicht zuletzt die Ablösung ihrer Häuser in Graz, ließ sie, wenn auch schweren Herzens — hatten sie ja hier ihre Teuersten, ihre Toten schlummern — die Stadt freiwillig verlassen, bis sie im Jahre 1447 wieder zurückgerufen,51 sich neuerdings hier angesiedelt haben, wo sie dann bis zum Jahre 1497, also bis zur allgemeinen Vertreibung der Juden aus der Steiermark überaus segensreich in Handel und Wandel gewirkt haben. Ihre — über Veranlassung der damals rauf- und zanksüchtigen Stände, wer sich darüber näher informieren will, der lese nach bei Zahn, den Aufsatz: „Unter uns" in Styriaca Gratz 1894,1 244 ff52 und Popelka im 2. Bande seiner Geschichte der Stadt Graz — Vertreibung war gewiß kein Heldenstück Maximilians I., doch das gehört nicht mehr in den Rahmen dieser Darlegungen. Anschließend an die hier dargelegten Ausführungen müssen wir aber noch einige andere Fragen einer Lösung zuführen, weil sie mit dem erörterten Problem in einem gewissen Zusammenhange stehen. Wie kommt es zunächst, daß die Juden, trotzdem sie ihr eigenes Judenviertel hatten, dennoch gegen Ende des 14. Jahrhunderts auch Häuser in der Bürgerstraße besessen haben? So z. B. heißt es in einer Urkunde des steierm. Landesarchivs vom 29. Juli 1379: „haws ... in der purgerstrazz zwischen dez von Salczburg und F r i d 1 e i n dez juden haws" und in einer anderen vom 31. 8. 1379: „haws des Juden Ef f erl, gelegen ... in der purgerstrazz czwischen Sekchleins des juden vnd E b e n d 1 e i n der judin haws". Popelka53 glaubte diese doch entschieden auffallende Erscheinung so zu erklären, daß die im 14. Jahrhundert zahlreiche adelige Bevölkerung in der Bürgerstraße eine starke Vermehrung der Juden als Hausbesitzer in dieser Straße zur Folge hatte, weil im 14. Jahrhundert der Adel stark an die Juden verschuldet gewesen war. Die Folge davon war, daß sich die Juden als Hauptgläubiger eines Hauses nach dem andern bemächtigten, so daß sie damals manchmal die Mehrzahl der Häuser in der Bürgerstraße besessen haben, was zu der dann allerdings scharfen Maßregel Veranlassung gab, daß sie nach Jahresfrist die erworbenen Häuser wieder an Christen verkaufen mußten. Dagegen muß zunächst eingewendet werden, daß der Besitz von 4 Häusern — von mehr wis- 179