Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 178 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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de erlaubten, viel zur Hebung des Bürgerstandes in seinen Landen beigetragen hat.44 So löste er denn, nachdem er sich entschlossen hatte, der Stadt einen Ausgang nach dem Süden zu geben, den größeren Teil der Judenhäuser ab, was ihm umso leichter gefallen war, als ja viele Juden, wie bereits erwähnt, infolge der geringen wirtschaftlichen Betätigungsmöglichkeit, schon früher von Graz nach anderen Städten übersiedelt waren.45 Als dann 1440 Jona aus Voitsberg und später im Jahre 1441 Leser und vielleicht auch andere zurückgebliebene Juden sich angeblich eines Vergehens schuldig gemacht haben — wer weiß, ob dieses Verschulden nicht künstlich konstruiert wurde, um das ganze damals sehr begehrte Viertel in Besitz zu bekommen! Diese Vermutung ist umso berechtigter, als uns ja in keiner Quelle der damaligen Zeit gesagt wird, welcher Art eigentlich dieses Verschulden war46 — bot dies einen willkommenen Anlaß, um den letzten Rest des Judenviertels in Besitz zu nehmen.47 Allerdings nicht wenig zu ihrer Übersiedlung in dieser Zeit, hauptsächlich nach Marburg, dürfte auch der Umstand beigetragen haben, daß Israel (Isserlein) b. Petähjä, ein gebürtiger Marburger und sicherlich einer der bedeutendsten Gelehrten der damals an solchen recht armseligen Steiermark,48 dessen Gelehrsamkeit weithin bewundert worden ist und dessen Ruhm ja selbst weit über die Grenzen Europas reichte und der in wissenschaftlichem Briefwechsel mit den bedeutendsten jüdischen Gelehrten der damaligen Zeit gestanden, seit ungefähr 1425 in Marburg als Rabbiner wirkte und einem großen Lehrhause vorstand, aus dem hervorragende Gelehrte hervorgegangen sind, die weithin, namentlich in Deutschland als Rabbiner eine segensreiche Tätigkeit entfaltet haben.49 Was Wunder, wenn diese Menschen, die ja stets eine hohe Achtung vor dem Wissen hatten, sich danach sehnten in der unmittelbaren Nähe des Mannes zu wohnen, der soviel Glanz über die Judenheit der damaligen Zeit ausgebreitet hat und bei dem sie ihren Kindern eine äußerst gediegene Bildung angedeihen lassen konnten, wie sie den Kindern anderer Städte auch nicht annähernd zu erlangen gegönnt War! Also nicht vertrieben worden sind die Juden aus Graz im Jahre 143 9, wie dies auch Luschin,50 und die von uns genannten anderen Gelehrten annehmen, sondern 178