Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 3-4 (August 1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 177 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2416673-2416686-2416689--0863-3528016- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der drohenden Einengung des Handels der Juden ein Wunder, wenn sie — die ja hauptsächlich auf den Handel angewiesen waren — die Stadt verlassen und ihre Häuser verkauft haben?34 Nur so können wir es erklären, daß mehrere Marburger Juden hier in Graz, in der Judengasse Häuser besessen haben.35 Sie haben eben die Stadt, die ihnen keine Existenzmöglichkeit mehr geboten hatte verlassen.36 Einen großen Teil dieser Häuser aber kaufte der König, der ja auch sonst manchen Besitz im Lande damals erworben hat.37 Der Anlaß zu diesen Käufen hatte in folgendem seine Ursache. Schon lange — das wissen wir genau — drängte der Bürgerstand, zum Teil auch der Adel, der ja immer und mehr Besitz in der Bürgerstraße, der jetzigen Herrengasse,38 erworben hatte, um nahe den Ämtern zu sein, dahin, daß die Stadt, die wohl nach dem Osten und Westen einen Ausgang hatte, nun einen solchen endlich auch nach dem Süden erhalte.39 Bestimmend für dieses Begehren waren gewiß nicht allein verkehrstechnische Beweggründe, sondern auch räumliche Ausdehnungsmöglichkeiten in der damals zum Ansiedeln ganz besonders bevorzugten Bürgerstraße. Dem allen, namentlich aber dem berechtigten Verlangen nach einem Ausgange im Süden, stand aber das Judenviertel hinderlich im Wege. Denn das vor dem Jahre 1440 von Juden besiedelte Viertel, dessen ursprünglicher Kern ungefähr in der heutigen Mesnergasse zu suchen ist,40 bestand aus einem Areal, das in der Mesnergasse — hinter dem heutigen Stadtpfarrhof — begonnen, die heutige Herrengasse überquerend, zur Fischer v. Erlach — (früher Pfarrgasse, vorher Aegidigassel und ursprünglich Judengassel)41 bis zu dem Teile führte, wo sie in die Frauengasse einmündete. Von da dehnte es sich die Frauengasse entlang bis zur Jungferngasse, überquerte dann wieder die heutige Herrengasse, riegelte also dieselbe nach Norden bis zur Mesnergasse ab und endigte wieder hinter dem Stadtpfarrhof/2 Wollte man also die Stadt nach Süden erweitern, dann natürlich blieb nichts anderes übrig, als die Häuser des Judenviertels, die in der Achse der Bürgerstraße lagen, niederzulegen. Diesen Anlaß ergriff Friedrich umso freudiger, als er dadurch einem vom Bürgertum schon lange gehegten Wunsche entgegenkommen konnte. Denn hatte sich schon Herzog Ernst kräftig der Bürger angenommen,43 so nicht minder Friedrich III., der, soweit es die Umstän- 177