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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1933-08-01 · 3-4 (August 1933) · p. Seite 173

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
3 (1932-1933)
Issue
3-4 (August 1933)
Date
1933-08-01
Page
Seite 173 (sequence 35)
Language
German
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waren, an verschiedene christliche Bürger verkauft hat4 Aus diesem Grunde hat man nun später allgemein angenommen, daß die juden im Jahre 1439, — denn seit diesem Jahre hören Verkäufe von Judenhäusern in Graz durch Friedrich auf4 — aus Graz vertrieben worden sein müssen. Eine Unterstützung konnte diese Ansicht immerhin durch den Umstand finden, daß uns ja tatsächlich mit Juden aus Graz abgefaßte Urkunden vom 27. März 14385 bis zum 10. April 14496 vorläufig nicht bekannt geworden sind. Weiters aber namentlich darum, weil in einer vom November 1440 aus Wr. Neustadt datierten und weiters in einer vom 28. März 1441 stammenden Urkunde, in welch letzterer Friedrich III. den, Verkauf eines Hauses an die Teuffenbacher um 250 Pfenninge bestätigt, Folgendes zu lesen ist: „das Haus das weilent des Leser juden gewesen vnd vns als landesfürsten vmb sein vnd anderer juden daselbst zu Grecz verschulden vervallen ist".7 Aus diesen Angaben wollte man nun eindeutig herauslesen, daß alle Juden aus einem nicht näher angegebenen Verschulden einzelner im Jahre 1439 aus Graz ausgewiesen worden sein müssen.8 So bestechend nun auch diese Argumentation sein mag, muß gegen sie zunächst eingewendet werden, daß es kaum wahrscheinlich erscheint, daß Friedrich HL, den Zeit seines Lebens das Pathos der Gerechtigkeit, das Gefühl der Toleranz und Humanität erfüllte, der keinen Unterschied zwischen Christen und Juden kannte,9 der sogar, wie uns ein jüdischer Chronist zu erzählen weiß, noch kurz vor seinem Tode seinem Sohne Maximilian aufgetragen hatte, die Juden wohlwollend zu behandeln,10 von dem zahlreiche Berichte über seine Judenfreundlichkei zu berichten wissen, über den sogar die spöttische Bemerkung im Volke umherging, er hätte sich lieber König der Juden, als römischer König heissen sollen,11 seine Juden und sei es auch nur aus einem Teilgebiete seines Reiches vertrieben hätte. Das ist nicht zu glauben! Denn gesetzt gar den Fall, er — der nur den Unterschied zwischen gut und schlecht kannte12 — hätte Leser und einige seiner Genossen eines Verschuldens wegen vertrieben, so würde er ganz gewiß niemals sich zu der Ungerechtigkeit hinreissen haben lassen, deshalb alle Juden aus Graz auszuweisen. Das steht in so krassem Widerspruche zur ganzen Art Friedrichs III., daß es geradezu als eine Ungeheuerlichkeit bezeichnet werden muß.13 173

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