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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1932-09-01 · 1 (September 1932) · p. Seite 38

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
3 (1932-1933)
Issue
1 (September 1932)
Date
1932-09-01
Page
Seite 38 (sequence 45)
Language
German
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seinen guten Grund und die Sage weiß Bescheid. Diese Hängeleuchter ist das Geschenk eines kunstsinnigen böhmischen Königs oder Fürsten (Metternich?) und es ist doch begreiflich, daß man das Geschenk seiner Bestimmung zuführen mußte. Das religionsgesetzliche Verbot dieses Stück im Gotteshause anzubringen, wurde umgangen — man weiß doch wie spitzfindig die Juden sind! — indem man der Figur einen Finger abgefeilt hat und ihr so das Wesen einer Figur genommen wurde! Das eine steht fest, daß dieser Hängeleuchter nichtjüdischen Ursprung ist und erweckt einen tiefen nüchternen Ernst, daß er sich in diesem Gotteshaus befindet. Auch dieser Hängeleuchter hat sein Schicksal! Nun folgen die alten Vorhänge („Poroches") der Heiligen Lade eine nach der anderen zur Besichtigung. Auf der Decke ist die Jahreszahl der Entstehung und der Name des Spenders gestickt. So stammt eine Decke aus dem Jahre 1753 von R. Mordechai, Sohn des R. Elieser Mirschau und von dessen Ehegattin Esther, Tochter des Herrn Sender Babina. Ein anderer Vorhang ist die Spende eines des „angesehenen" R. Samuel, Sohn des vornehmen R. Baruch aus Königswart und seiner Gattin Gitel, Tochter des Herrn Mendel Segel aus Tachau und wurde im Jahre 5523 gespendet. Der dritte Vorhang aber ist ein sehr kostbarer mit echtem Gold gestickter Vorhang aus dem Jahre 5537 1777 und hat den „ersten" Königswarter, den Vorfahren der freiherrlichen Familie Königswarter des „Kozin" R. Joel von Königswart und dessen tugendhaften Gattin Dinah, zu Spendern. Die Arbeit besorgte R. Elkanah David Eger, Vorbeter aus Führt. Von dem ersten Königswarter werden übrigens auch zwei „Thoramäntel" gezeigt und in der Aufschrift heißt es „ha-Alef" und „ha-Kozin" betitelt. Auch ist der Name seines Schwähers, Hirsch Segal aus Kuttenplan angegeben. Von dem Gemeindevorsteher R. Benjamin Wolf, Sohn des Königswarter Rabbiners R. Chajim Berlin und dessen Gattin Malkah ist eine „Hand" d. h. ein Zeiger beim Vorlesen aus der Heiligen Schrift, aus dem Jahre 1783 erhalten geblieben. Rührend und stimmungsvoll ist die auf einem Schild (Tass) gemeiselte Inschrift. In Böhmen herrschte im Jahre 1832 die Cholera. Die Gemeinde traf alle Vorbereitungen und schaffte auch das Geld für Absonderungszelte für die Kranken herbei. So kaufte sie für dieses Geld ein Schild für die Thora „zur Ehre Gottes des Retters". 38

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