Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 1 (September 1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 37 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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etwas Festungsartiges an sich. Vor dem Tor warteten etwa fünfzehn Personen, die zur Besichtigung erschienen sind. Der Rabbiner, ein Zögling des Budapester Landes-Lehrer-Seminairs geleitete uns an das Innere des Heiligtums, um uns die alten Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Eigentlich ist das heute die Hauptaufgabe des Rabbiners. Aus der Geschichte dieses Gotteshauses läßt sich Positives nicht erfahren. Von dem alten, bei Gründung der Gemeinde angelegten Pinkas („Memorialbuch"), aus welchem das genaue Alter der Synagoge ersehen werden könnte, ist keine Spur mehr. Aber der Rabbiner und der rüstige Gemeindevorsteher, der hochbetagte R. Benjamin Wolf, Sohn des R. Chajim Arjeh Löwy versichern, daß über dieser Synagoge mehr als sieben Jahrhunderte verrauscht sind. Einem „jüngeren,, Memorialbuch der Gemeinde, das sich in Obhut des genannten Gemeindevorstehers befindet, ist zu entnehmen, daß an der Synagoge im Jahre 1618, also vor mehr als dreihundert Jahren, eine „Verbesserung" (Renovierung) vorgenommen wurde. Die Inneneinrichtung erweckt ein tiefes Gefühl der Ehrfurcht. Die Heilige Lade, der Behälter einer großen Anzahl von größtenteils nicht mehr gebrauchsfähigen Thorarollen stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Ihre Fremdartigkeit fällt beim ersten Anblick auf. Ein Ursprungsbericht über dieses Prachtstück ist nicht vorhanden. Dafür aber weiß die Sage Bescheid und die Fremdartigkeit dieses kostbaren Schreins, der beim ersten Anblick auffällt, mag der Sage Recht geben. Auf ihrer Flucht vor den Hussiten kamen einige Katholiken nach Königswart, um von dort nach dem nahen Bayerland zu gelangen. Die Juden nahmen sich dieser Unglücklichen brüderlich an und erwiesen ihnen lange Zeit Gastfreundschaft. Aus Dankbarkeit haben sie die noch heute von den Besuchern bewunderte Lade angefertigt und sie ihren Wohltätern zum Geschenk gemacht. Sehr fremdartig erscheint dem jüdischen Auge der Messing- Hängeleuchter an dem die Figur eines Mannes auf einem Adler reitend angebracht ist. Beim Anblick wird der Vers zwingend lebendig: „Verflucht sei, wer einen Götzen oder gegossenes Bild macht, einen Greuel Gottes, ein Werk von den Händen der Werkmeister." (5. Mose 27, 15.) Warum haben die Altvordern in Königswart diesen Messingleuichter in ihre Synagoge hineingebracht? Das hat 37