Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 1 (September 1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 36 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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herrn, der von Königswart nach Furth zog. Später kam einer seiner Enkelkinder, Jonas Königswarter, nach Wien. Er stand Jahrhunderte hindurch an der Spitze der Gemeinde und begründete das Blindeninstitut auf der Hohen Warte. Sein Sohn Moritz, war eine Reihe von Jahren Präsident der Israelitischen Allianz und spielte bis zu seinem Ableben eine bedeutende Rolle innerhalb des Wiener Judentums. Königswart war einst, als ein Verbindungspunkt Bayerns mit Prag und Wien, eine blühende Handelsstadt und auch den Juden, die zum Aufschwung des Handels bedeutend beigetragen haben, ging es dort unter dem Schutze des Fürsten Metternich gut. Es ist mit Sicherheit und urkundlich erwiesen, daß schon anfangs des vierzehnten Jahrhunderts in Königswart eine ansehnliche Judengemeinde bestanden hat. Um das Jahr 1430 zählte die Gemeinde 180 jüdische Familien. Von den verschiedenen Austreibungen und sonstigen Verfolgungen ihrer Stammesbrüder aus dem nahen Eger wurden sie, da die christliche Bevölkerung mit ihnen in bester Eintracht lebte, verschont. Die aus Eger geflüchteten Juden wurden, wie aus den im Archiv der Stadt Eger befindlichen zeitgenössischen Dokumenten zu ersehen ist, von den Juden in Königswart brüderlich aufgenommen, Langsam aber sicher fraiß die Zeit auch diese blühende jüdische Siedlung beinahe völlig auf. Durch verschiedene Umstände ging in Königswart der Handel nieder, und die Juden, die vornehmlich auf den Handel und der Industrie eingestellt waren, verloren ihre Lebensmöglichkeit, so daß einer nach dem andern das Weite suchen mußte. Gegenwärtig zählt die jüdische Gemeinde Königswart nur noch vier Familien und es ist geradezu rührend, mit welcher Liebe und Anhänglichkeit, Zähigkeit und Ausdauer diese paar zurückgebliebenen Juden die alten Denkmäler ihrer Gemeinde behüten und betreuen. Mein erster Besuch galt der Synagoge. Der Weg zu ihr führt durch alte Häuser und man glaubt an ihr noch Spuren der alten Judenstadt, ein eigentliches Ghetto hatte Königswart nie, zu erkennen. Das Gotteshaus selbst ist ein mächtiges Bauwerk und hat 36