Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 1 (September 1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 26 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 386 ein Responsum, das auf eine Anfrage an Ben-Aderet aus Austerlitz erfolgt ist. Wir ersehen daraus, daß die beiden Brüder David und A s r i e 1, die Söhne des R. Moscheh, den Gelehrten ersuchen, er möge über einen (im Responsum namentlich nicht angeführten) Verleumder den Bann verhängen, weil er über die Familie der Bittsteller das Gerücht verbreitet habe, daß sie eine von Sklaven abstammende Linie enthalte. Dem Ansuchen der Brüder schließen sich Empfehlungsschreiben, Gutachten und Bestätigungen über Zeugenverhöre zahlreicher mährischer Rabbiner an, worauf die Antwort Aderets folgt. Der Streit hat großes Aufsehen erregt, viele Rabbiner und Gemeindeälteste befaßten sich mit ihm und er wurde von beiden Seiten mit großer Heftigkeit geführt. Das Responsum läßt einen tiefen Blick in das Leben einer mährischen jüdischen Gemeinde im 13. Jh. tun. Es zeigt, wie eifrig das Thorastudium gepflegt, in Ehren gehalten und von den wohlhabenden Mitgliedern der Gemeinde unterstützt wurde. Es beweist ferner, welches große Gewicht man zu jener Zeit auf Reinheit der Familie gelegt hat, denn um diese Verleumdung zu entkräften, wurden selbst die unendlichen Mühen und sehr erheblichen Kosten einer Reise von Mähren nach Barcelona nicht gescheut. Wir ersehen aber auch daraus, wie groß das Ansehen der Thoragelehrten war und daß ein Ausspruch eines Gelehrten, der in weiter Ferne, in Spanien, lebte, auch in Mähren Anerkennung fand. Dies wieder setzt voraus, daß man in Mähren die Bedeutung Aderets kennen mußte. Vor allem ist dieses Responsum dadurch wichtig, daß es uns den ältesten Nachweis einer Judengemeinde in Austerlitz und wahrscheinlich auch in Triesch bietet, in einer Zeit, da über das Vorkommen von Juden in Mähren die Quellen noch überaus spärlich sind. (Vgl. die demnächst erscheinenden „Regesten zur Geschichte der Juden in Mähren" von Prof. Dr. B. Bretholz.) Der eigenartige Stil wird nicht weiter verwundern, wenn wir bedenken, daß eine ganze Anzahl der Sätze aus Versen oder Versteilen aus der Bibel oder talmudischen Aussprüchen besteht. Die bilderreiche, poetische Ausdrucksweise macht manche Stelle in der deutschen Übersetzung schwer verständlich und verleiht dieser den Charakter der Übertreibung. Die Noten enthalten die Nachweise, woher diese Wendungen stammen. Die in Klammern gesetzten Ausdrücke sind in der hebräischen 26