Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 4 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 275 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Es war aber nicht nur Propaganda durch Wort und Wunclet, die Wolf entfaltete, sondern er hat auch literarisch versucht, seine mystischen Gedanken der breiten jüdischen Öffentlichkeit zu übermitteln. Unter seinem Namen wenigstens ist in der Sprache des Sohar eine Schrift: DARGA JEMINI erschienen. Vielleicht ist er aber selbst nicht der Autor dieser Schrift, denn laut Bericht mehrerer Zeugen, die ihn persönlich gekannt haben, konnte er nicht einmal eine einzige hebräische Zeile fehlerlos schreiben und selbst sein Vater Jonathan äußerte sich einst, als er befragt wurde, woher Wolf so viel Geld habe, über Wolfs Kenntnisse: „Warum staunt man, daß er so viel Geld hat? Warum staunt man nicht, daß er so gut die Tora beherrscht ohne jemals gelernt zu haben?" Auch Lieder mystischen Inhaltes, in der Sprache des Sohar von Wolf verfaßt, waren in Mähren bekannt und wurden überall gesungen, wo seine Anhänger lebten, aber auch in solchen Orten, die stolz darauf waren, frei „von diesem Übel" zu sein, wie z. B. Boskowitz. Aus Brünn begab sich Wolf nach Wien, wo er als Baron auftrat und einen Auerhahn aus Edelsteinen als sein Wappen zeigte, das er angeblich von dem über Altona gebietenden dänischen König Friedrich V. erhielt. Es ist aber nicht schwer zu erraten, woher er diese Edelsteine hatte. Sie wurden ihm in Mähren anvertraut, daß er sie in Wien „dem Kaiser verkaufe". Durch sein Auftreten, durch das Vortäuschen des Barontitels (von Adlersthal), wollte er nämlich beim Wiener Hof, nach seiner in Aussicht gestellten Taufe, seine Ernennung zum Armeelieferanten durchzusetzen. Der Versuch mißlang jedoch und Wolf E. kehrte unverrichteter Dinge nach Brünn zurück, um aber bald wieder nach Wien zu fahren, wo er in Fürsten- und Minister-Kreisen verkehrte und allerhand Projekte plante. Inzwischen, am 18. Adar 1762, wurde mitgeteilt, niemand wisse, wo sich Wolf aufhalte. Einerseits wurde behauptet, „er sei in Brünn (verborgen), anderseits wieder, daß er in Holleschau krank darniederliege, von zwanzig Soldaten solange „bewacht, bis er gesund sein werde". Erst nach einiger Zeit hat sich herausgestellt, daß er tatsächlich in Holleschau war, wo er sich krank stellte, 275